Deutschlands Beruf

Macht und Freiheit, Recht und Sitte,
Klarer Geist und scharfer Hieb
Zügeln dann aus starker Mitte
Jeder Selbstsucht wilden Trieb,
Und es mag am deutschen Wesen
Einmal noch die Welt genesen.

Der Autor Emanuel Geibel träumte einst von einem geeinten deutschen Staatswesen unter König Wilhelm I. aus Preußen, von dem eine Friedenswirkung auf die europäische Staaten ausgehen sollte. Kaiser Wilhelm II. strebte 1907 in Münster in seiner Festrede nach dem Erhalt des Friedens und vollständiger Einigkeit. Bei der gegenseitigen Beurteilung zur versöhnlichen Einheit war ihm wichtig, die Person des Erlösers Jesus Christus in den Mittelpunkt zu stellen. Eine weltweite kulturelle Vorbildrolle wurde mit seinen folgenden Worten begründet:

Dann wird unser deutsches Volk der Granitblock sein, auf dem unser Herrgott seine Kulturwerke an der Welt aufbauen und vollenden kann. Dann wird auch das Dichterwort sich erfüllen, das da sagt: An deutschem Wesen wird einmal noch die Welt genesen.

Im Nationalsozialismus propagierten vorherrschende Populisten eine durch die arische Rasse hervorgerufene Überlegenheit über anderen Nationen. Der Führungsanspruch wurde mit dem umgedeuteten Zitat „Am deutschen Wesen soll die Welt genesen“ ideologisch in die Köpfe der Leser und Zuhörer indoktriniert. Ein vom Schicksal auserwählter Führer, der als alles überragende Persönlichkeit Krieg und Zerstörung, statt Heil und Errettung bringt, ist zum namentlichen AH-Fluch geworden.

Heutzutage gibt es selbstverständlich keine aufstrebenden Ideologen, die versuchen die Welt zu retten. Nun gab es bezüglich Rettung in den aktuellen News viel Aufregung um einen in der westlichen Ostsee mehrfach gestrandeten Buckelwal. Dessen Vermenschlichung sei laut Medienpsychologen Prof. Schwab durch den Namen Timmy weiter vorangetrieben worden. Das erstmals am Timmendorfer Strand gesichtete Tier diene als Projektionsfläche für Umweltbewusstsein, Schuldgefühle gegenüber der Natur und die Sehnsucht nach Heldengeschichten. Die New York Times sprach von Deutschlands Lieblingswal und einem Medienspektakel. Die Neuen Zürcher Zeitung stellte fest, dass der öffentlich stark in Erscheinung tretende Umweltminister Backhaus die Rettung des Wals als persönliche Aufgabe verstanden habe. Er begleite die jeweilige Lage des Tieres eng, äußere sich regelmäßig vor Ort und beschreibe dessen Schicksal als besonders schutzbedürftig in emotional geprägter, teils symbolisch aufgeladener Weise. Bemerkenswert ist auch ein Walflüsterer mit Millionenpublikum auf YouTube oder Instagram, der mit seinen Selfies oder seinem Rückzug für viel Verwirrung sorgte. Überhaupt gab es viel Streit über den richtigen Plan und das angemessene Verhalten unter den Helfern. Letztendlich gelang es Dank hoher Geldspenden einer privaten Initiative doch noch mit Gurten und einer Seilwinde, das Tier in einen mit Wasser gefüllten Lastkahn zu ziehen. Einem Happy End in der Nordsee (Skagerrak) stand eigentlich nichts im Wege. Seltsam mutete an, dass es keine Filmaufnahmen von der Freilassung gab und ein Peilsender keine Daten übermittelte. Die dänischen Behörden bestätigten aufgrund des gefundenen GPS-Senders heute jedoch den Verdacht, dass es bei dem vor der Insel Anholt tot angespülten Wal um Timmy handelt. Vor dessen Tod hatte die dänische Regierung angekündigt, sich nicht an bergenden Rettungsmaßnahmen beteiligen zu wollen. So fressen sich letztendlich zahlreiche Möwen am riesigen Kadaver satt.

In der Offenbarung rufen einmal Engel die Vögel zusammen, die inmitten des Himmels fliegen, um Fleisch zu verzehren. In der Geschichte vom riesigen Fisch und Jona spielen die drei Tage Aufenthalt im Innern eine prophetische Rolle. Denn wie Jona drei Tage und drei Nächte im Bauch des Fisches war, so wird der Menschensohn drei Tage und drei Nächte im Herzen der Erde sein. (Matthäus 12, 40)

Sollte Gott über einen Wal als prophetisches Zeichen zu den Menschen reden? Nicht jeder Leser wird sich damit anfreunden, dass Jesus seinen Tod und die folgende Auferstehung mit einer sagenhaften Wundererzählung aus dem Alten Testament verbindet. Die Begebenheit von der erfolglosen Rettungsaktion des sterbenden Buckelwals spricht jedoch Bände über den Zustand der Deutschen:

Man will Dinge retten, die nicht zu retten sind.
Man gibt riesige Summen dafür aus, die man sich sparen könnte.
Man ist uneinig und zerstritten.

In der lyrischen Geschichte von Deutschlands Berufung geht es um die Einheit des Volkes, welche zur Stärke führt. Ein rechter, konservativ denkender Bundesbürger möchte die Errungenschaften konservieren, die unsere Nation stark gemacht haben. Dazu gehört der Schutz der Kinder und Jugend oder der Familie. Ebenso die Bewahrung der christlichen Werte und Traditionen. Ein Dichter wie Emanuel Geibel trug mit seinen Liedern dazu bei, unsere einzigartige Sprache zu bewahren. Andere Denker werden angespornt seinen Fußstapfen zu folgen.
Unser Zeitgeist geht jedoch in die andere Richtung, wenn sich das Land der Erfinder in einer Gendergaga neu erfindet.

Deutschland will die Welt retten, doch sind wir selbst noch zu retten?