{"id":76,"date":"2008-12-31T12:31:55","date_gmt":"2008-12-31T12:31:55","guid":{"rendered":"http:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=76"},"modified":"2021-01-03T16:14:32","modified_gmt":"2021-01-03T16:14:32","slug":"10-kapitel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=76","title":{"rendered":"10. Kapitel"},"content":{"rendered":"<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-76-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-10-die-reise-nach-jerusalem-teil-1.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-10-die-reise-nach-jerusalem-teil-1.mp3\">https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-10-die-reise-nach-jerusalem-teil-1.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-76-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-10-die-reise-nach-jerusalem-teil-2.mp3?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-10-die-reise-nach-jerusalem-teil-2.mp3\">https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-10-die-reise-nach-jerusalem-teil-2.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Reise nach Jerusalem<\/strong><\/p>\n<p>Als Jonathan Fischer vor Jahren die Weissagung der lieben, inzwischen verstorbenen Schwestertante Hanna bekam, er k\u00f6nnte sogar einmal katholischer Bischof werden, h\u00e4tte er bestimmt nicht gedacht, ausgerechnet beim Verteilen von protestantischen Einladungen auf der K\u00f6nigstra\u00dfe daran erinnert zu werden. Der n\u00e4chste vom CVJM Christlichen Verein Junger Menschen organisierte offene Abend stand vor der T\u00fcr. Eine Gruppe um Pfarrer Georg M\u00fcller hatte sich auf den Freitreppen des Schlossplatzes versammelt und fing an, von Christa M\u00fcller auf der Gitarre begleitet, christliche und j\u00fcdische Lieder zu singen und f\u00fcr die Abendveranstaltung einzuladen. Jonathan war frustriert, weil die von ihm eifrig angebotenen Flyer f\u00fcr den Israelvortrag abgelehnt wurden oder sofort im M\u00fclleimer landeten. Einzig eine vorbei laufende r\u00f6misch-katholische Nonne verspr\u00fchte Lebensfreude, indem sie ihm begeistert von ihren eigenen Reisen ins gelobte Land erz\u00e4hlte und ihm empfahl unbedingt dort hinzupilgern. Als die zum Gengenbacher Kloster zugeh\u00f6rige Ordensschwester las, dass Ludwig Schneider von der NAI- Nachrichten aus Israel Redaktion spricht, wollte die Franziskanerin sogar selbst sp\u00e4ter in die evangelische Kirche kommen. Nach Beendigung der angeregten Unterhaltung breitete sich die n\u00e4chste Sinnkrise beim automatisch seine r\u00f6misch-katholische Kirchensteuer abf\u00fchrenden Gottesmann aus. Beim zuf\u00e4lligen Anblick des im K\u00f6nigsbau befindlichen Reiseb\u00fcros erinnerte sich der Storyheld wehm\u00fctig, an seine Pl\u00e4ne nach Kenia reisen zu wollen. Nun war er selbst wie eines der 68er Blumenkinder auf der Stra\u00dfe gelandet, um f\u00fcr Jesus Christ Superstar Werbung und sich, wie er meinte, l\u00e4cherlich zu machen. W\u00e4re er den verf\u00fchrerischen Blicken dieses zum feindlichen Glaubenslager geh\u00f6renden jungen CVJM-M\u00e4dchens vor langer Zeit nicht erlegen und seinen Prinzipien treu geblieben, wer wei\u00df was dann aus ihm geworden w\u00e4re?<\/p>\n<p>Eine Hand legte sich um Jonathan Fischers Schulter und zwei dunkelrot bemalte Lippen hinterlie\u00dfen einen herzlichen Abdruck auf seiner rechten und anschlie\u00dfend auf der linken Wange. Eine schwarz gelockte, angenehm duftende, dunkelblau uniformierte Stewardess dr\u00fcckte den verzweifelten Einladungsversuchen einen Erstaunen ausl\u00f6senden Stempel auf. Phoebe Leontopoulou hatte ihren lieb gewonnenen Hongkonger Passagier wieder erkannt: \u201eWow, Jonathan, jetzt stehst du tats\u00e4chlich deinen Mann und stellst deinen Leib als Gott wohlgef\u00e4lliges Opfer hin. Ich \u00fcbernachte in einem Cityhotel bis morgen fr\u00fch mein n\u00e4chster Flug nach Rom geht. Nimmst du mich mit zu der Veranstaltung?\u201c Jonathan stockte der Atem. Sollte ihm der humorvolle Vater im Himmel einen weiteren Streich spielen und ihn abermals aus einem Gef\u00fchlstal mit der Frau seines Lebens retten? \u201ePhoebe, dass du mich gleich wieder erkennst. Du siehst ja bezaubernd aus. Darf ich dich als Dank f\u00fcr deine f\u00fcrsorglichen Patientendienste in mein griechisches Lieblingsrestaurant einladen?\u201c \u201eNa klar, du brauchst dich aber nicht in Unkosten st\u00fcrzen. Wir haben gerade orthodoxe Fastenzeit, weshalb ich nur etwas W\u00e4rmendes trinken m\u00f6chte\u201c, war die dankbare Antwort, der wie eine Venus von Milo Statue, perfekt gebauten Aphrodite. Jonathan musterte seinen neuen Schwarm genau, als sie beide auf der Gartenterrasse sitzend, an einer Tasse L\u00f6wenzahn- und Brennesseltee schl\u00fcrften und \u00fcber erstaunliche Erlebnisse plauderten. Au\u00dfer einem kleinen, markanten H\u00f6cker auf der Nase, den die wie Zwillinge aussehenden, gebleachten wei\u00dfen Z\u00e4hne \u00fcbertrumpften, schaute Phoebe makellos aus ihren kaffeebraunen, blinzelnden Rehaugen heraus. \u201eSag mal, tr\u00e4gst du auch Kontaktlinsen, weil du \u00f6fters deine Augenlieder auf und zu schl\u00e4gst?\u201c, wollte der sich nach einer Frau sehnende Storyheld einwerfend wissen. \u201eNein, das ist vielleicht die Aufregung \u00fcber deine spannenden Geschichten. Wie war das? Diese Magdalena hat dir deine Augen z\u00e4rtlich zugedr\u00fcckt, nachdem du den Lamborghini r\u00fcckw\u00e4rts zu Schrott gefahren hast, und dann hast du dich in sie verliebt?\u201c Der begehrte Junggeselle erz\u00e4hlte weiter seine Erlebnisse, so dass die Zeit wie im Flug verging. Das neu gefundene P\u00e4rchen musste sich in Richtung evangelischer Kirche auf den Weg machen, um nicht zu sp\u00e4t zu kommen. Jonathan fing an, die legere Art der s\u00fcdl\u00e4ndischen Meeresanwohner zu bewundern. Die ungezwungene Sch\u00f6nheit, die sich bei ihrem platonischen Freund dar\u00fcber beklagte, wie schwer es in ihrem unsteten Berufsstand ist, ein ernsthaftes Gegen\u00fcber zu finden, begann den vertr\u00e4umt Zuh\u00f6renden aus Spa\u00df wach zu kitzeln. Angriff als beste Verteidigung anwendend, begann der eine Rippe suchende Jonathan ebenfalls seine Gespielin abzugreifen. Die immer mehr Zutrauen Gewinnenden verstanden sich so gut, als ob sie sich schon lange kannten. Hand in Hand schlenderten sie ihren Weg zufrieden weiter. \u201eSolche Momente sind f\u00fcr die Ewigkeit und bleiben immer im Ged\u00e4chtnis. Was meinst du Phoebe?\u201c \u201eIch genie\u00dfe jeden Tag von Neuem und versuche der Vergangenheit nicht nachzutrauern. Morgen lasse ich mir in Italien die Sonne ins Gesicht scheinen und im Sommerurlaub gehe ich drei Wochen auf eine Israel-Freizeit. Kommst du mit Jonathan?\u201c \u201eEigentlich will ich ja schon immer nach Kenia fliegen, aber dir folge ich \u00fcberall nach\u201c, versprach der Fernreisende, dem es beim anschlie\u00dfenden Vortrag mulmig wurde. Israel w\u00e4re ein Taumelbecher und Laststein f\u00fcr die Nationen mit dem sie nicht fertig w\u00fcrden, weil sie sich gegen Gottes Wort und Verhei\u00dfungen wenden, behauptete Ludwig Schneider und begr\u00fcndete dies mit zahlreichen Bibelstellen. Die Zuh\u00f6rer lauschten gespannt seiner Redegabe und applaudierten anerkennend am Ende des Vortrags. Selbst die Franziskanernonne Scholastika bemerkte anerkennend, dass die feurige Verk\u00fcndigung der Wahrheiten Gottes \u00fcber seinen nie aufgehobenen Bund mit dem Volk Israel, auf vielen Kanzeln fehle. Sie selbst bezweifle, als eifrige Sch\u00fclerin des Wortes Gottes, die popul\u00e4re Ersatztheologie, nach der die Juden f\u00fcr immer von Gott verworfen worden sind, und die christliche Kirche an ihrer Stelle alle Segnungen f\u00fcr sich gepachtet habe. Betrachte man die Greultaten der Inquisition, m\u00fcsste demzufolge der liebende Vater im Himmel seine Christkinder schon l\u00e4ngst aufgegeben haben. Phoebe und Jonathan nickten zustimmend. Leider war der Abend viel zu schnell zu Ende gegangen. Die beiden tauschten ihre Adressen aus. Phoebe wohnte in Frankfurt und wollte ihrem Verehrer die Pflichtlekt\u00fcre \u201eWarum gerade ich?\u201c von Jakob Damkani zukommen lassen. Die Sommerfreizeit in Jaffa wurde n\u00e4mlich von dem messianischen Juden und Schriftsteller organisiert.<\/p>\n<p>Das Wichtigste f\u00fcr den \u201eMitten ins Herz\u201c Getroffenen war daraufhin, dass er in den gro\u00dfen Ferien frei bekommt. Wie wird wohl seine Vorgesetzte Elisabeth Sch\u00e4tzle, die partout selbst in dieser Zeit Urlaub wollte, entscheiden? Jonathan bekam zun\u00e4chst eine Ablehnung, da Kollegen mit Kindern in den Schulferien bevorzugt verreisen durften. Das war eine bittere Pille f\u00fcr den frisch Verliebten. Er haderte mit Gott. K\u00f6nnte dieser ihm nicht eine T\u00fcr \u00f6ffnen? Sollte das etwa bedeuten, dass Phoebe ebenfalls nicht die richtige Frau f\u00fcr ihn ist? Warum musste er gef\u00fchlsm\u00e4\u00dfig solche H\u00f6hen und Tiefen durchleben? Und dann wurde er schon wieder als Trauzeuge f\u00fcr eine Hochzeit angefragt. Magdalena heiratete. Die ehemalige Prostituierte hatte ihren wahren Besch\u00fctzer gefunden. Zun\u00e4chst einmal flogen zwischen ihr und Elymas die Fetzen. Als im Fr\u00fchjahr Elymas mit den dreizehn besten Zellgruppenleitern f\u00fcr zwei Wochen in die USA flog, beschloss Maggie ihr gemeinsames Haus richtig aufzur\u00e4umen. Sie verschaffte sich Zutritt ins Dachgeschoss des Edel-Ethos Centers und vernichtete alle pornographischen Filme und Bilder. Ferner verramschte sie in einem Schlussverkauf s\u00e4mtliche esoterischen B\u00fccher und Gegenst\u00e4nde des Ladengesch\u00e4fts. Die Kr\u00f6nung war jedoch, dass sie die von der Kundschaft bestaunte Gold-Pyramide einschlie\u00dflich Diamanten vom Pforzheimer Goldschmied halbieren lie\u00df, um ihre eigene H\u00e4lfte zu versetzen. Einen Teil des Erl\u00f6ses verwendete sie daf\u00fcr, um alle von ihrem Hexenzirkel verursachten Schmierereien in Form von unverst\u00e4ndlichen Fl\u00fcchen auf zahlreichen Geb\u00e4uden, W\u00e4nden, Br\u00fccken und Unterf\u00fchrungen von einer Spezialfirma entfernen zu lassen. Ihr Verlobter Frank Stein kam auf die Idee als Sicherheitspfand den Computer mit wichtigen Geheimdaten von Wicked-Oz zu konfiszieren, damit dieser nicht versucht ihre S\u00e4uberungsaktion oder gar die Hochzeit zu torpedieren. Das war des Guten zu viel und brachte den Manipulationsk\u00fcnstler bei seiner R\u00fcckkehr auf die Palme. Elymas Wicked-Oz schrie und tobte stundenlang wie ein kleines Kind, das seines Lieblingsspielzeugs beraubt wurde. Zum Gl\u00fcck konnte er nicht wissen, dass Jonathan beauftragt wurde, den PC bei sich zu Hause aufzubewahren. Der eifernde Versuch eines Ringkampfes mit Frankenstein, war Angesicht der Muskelmasse seines Nebenbuhlers hoffnungslos. Wicked-Oz begann sich umso mehr zu f\u00fcrchten, als er im Schwitzkasten befindlich bemerkte, dass s\u00e4mtliche d\u00e4monischen Tattoos auf Frankensteins Armen verschwunden waren. \u201eWie zum Teufel konnte der Satanspriester Frank diese Schandflecke weg bekommen?\u201c, fragte sich der oberste Druide Elymas. Der geplanten Abwesenheits-S\u00e4uberungsaktion war die Wiedertaufe des Hexe-Monster-P\u00e4rchens im Neckar bei Plochingen gefolgt. Denn der Seelsorger Georg M\u00fcller hatte empfohlen endlich klar Schiff zu machen. Als der Pastor das zuk\u00fcnftige Hochzeitspaar untertauchte geschah das gr\u00f6\u00dfte Wunder, das der Geistliche je bezeugen konnte. Beim Auftauchen von Frank Stein waren s\u00e4mtliche K\u00f6rperzeichnungen wie weggewischt, als ob der Allm\u00e4chtige sagen wollte, dass alle S\u00fcnden ausgel\u00f6scht und im Wasser versenkt worden sind. Dies bescherte den Evangelisations- und Bekehrungsbem\u00fchungen im Rotlichtviertel weiteren Auftrieb, weil jeder der bekannten Bewohner bevorzugt die Arme von Frank Stein betasten und nach dessen Zeugnis gleichfalls getauft werden wollte. Dieser Frankenstein hatte nicht nur eine Babyhaut bekommen, sondern selbst sein Haarwuchs stellte sich wieder ein. Magdalena entwickelte sich in ihrem Denken und Handeln zu einer Art Mutter Theresa und stellte einen gro\u00dfen Teil ihres Verm\u00f6gens f\u00fcr die Armen zur Verf\u00fcgung. Das war f\u00fcr die Boulevardbl\u00e4tter ein gefundenes Fressen, die ihre Trauung in der \u00fcberf\u00fcllten Leonhardskirche an die gro\u00dfe Glocke h\u00e4ngten. Im Gegensatz zu Elymas kam sich Jonathan nicht als Verlierer des Spiels vor, da er lediglich Empfindungen f\u00fcr Phoebe versp\u00fcrte, mit der er in regem Telefonkontakt stand.<\/p>\n<p>Neben seinen zahlreichen Gespr\u00e4chen mit Markus Ruf bekam Jonathan einen unerwarteten Anruf, der ihn \u00fcber die neuesten Entwicklungen der \u201eSchau auf Jesus\u201c Gemeinde informierte. Der Stuttgarter Gemeinderat Bernd Scheu kochte vor Wut \u00fcber einige Zeitungsenten, die seine Familie in Verruf brachten und f\u00fcr reichlich Spott sorgten: \u201eStorch verwechselte Babies\u201c war eine harmlose Schlagzeile im Gegensatz zu \u201eKirchlicher Gruppensex im Heumadener Gebetsraum erzeugte fremde Fr\u00fcchtchen.\u201c Die Presse machte sich aufgrund eines anonymen Hinweises dar\u00fcber lustig, dass seine Tochter Reinhild und der Schwiegersohn Martin Peter Anrich regelm\u00e4\u00dfig ein asiatisches Schlitzaugenbaby im Storchenm\u00fchle-Kinderwagen herum schoben, und die in der Nachbarschaft wohnenden Vera und David Diao ein rein deutsch aussehendes Kind auf einem Schnappschuss in einer R\u00f6mer-Babyschale transportierten. Sollten sich die \u00f6stlichen Lehren von Bhagwan \u00fcber die freie Liebe bei den christlichen Abtreibungsgegnern ausgebreitet haben? Papa Scheu war sich sicher, dass Wicked-Oz hinter dieser listigen Intrige steckte. Der Zauberer hatte inzwischen die Gesamtleitung, inklusive das Wort zum Sonntag, in der evangelischen Freikirche \u00fcbernommen. David Diao war n\u00e4mlich beschuldigt worden, er k\u00f6nne nicht richtig mit Geld umgehen und w\u00e4re lediglich ein chinesischer Wirtschaftsfl\u00fcchtling. Au\u00dferdem w\u00fcrde er seine Mitglieder durch seine Spendenaufrufe manipulieren und Psychoterror aus\u00fcben, damit sie 10 Prozent ihrer Einnahmen abgeben, um die kommende Miete f\u00fcr das Daimler-Stadion und die laufenden Kosten f\u00fcr die Musicalhall bezahlen zu k\u00f6nnen. Wegen steigender Anfeindungen im Gottesdienst, in Mode kommender vellolenel-gelbel-Kindel-Witze in der \u00d6ffentlichkeit und letztendlich einer krisenhaften Vorstandssitzung trat der Gemeindegr\u00fcnder Diao vorsorglich von seinem Dienst zur\u00fcck. Die vor der T\u00fcr stehende Evangelisationsveranstaltung hatte Jonathan aus Bitterkeit verdr\u00e4ngt, aber wo kamen denn die vertauschten Babies her? \u201eAdoptiert vom Jugendamt und aus einem Waisenhaus in Kambodscha\u201c, wusste der Mitbegr\u00fcnder einer Aidsstiftung Bernd Scheu zu berichten und fuhr fort: \u201eDiesem ungeheuerlichen Elymas muss man das Handwerk legen. Das meine nicht nur ich, sondern auch meine Tochter Reinhild die nach wie vor gro\u00dfe St\u00fccke auf sie h\u00e4lt. Durch meine Verbindungen zur Stadtverwaltung habe ich daf\u00fcr gesorgt, dass sie als urspr\u00fcnglicher Geldgeber die Gesamtverantwortung der Gro\u00dfveranstaltungen \u00fcbertragen bekommen. Sind sie einverstanden?\u201c<\/p>\n<p>\u201eEigentlich habe ich keine Lust mich weiter mit Elymas Wicked-Oz anzulegen. Wie soll denn das Evangelisations-Wochenende verlaufen?\u201c \u201eZun\u00e4chst einmal gilt es ein Heavymetallkonzert und eine Massenhypnose zu verhindern\u201c, war der Anfang von weiteren Erl\u00e4uterungen des Beinaheschwiegervaters und Dosenfabrikanten Bernd Scheu.<\/p>\n<p>Der die Stunde der Vergeltung herbei w\u00fcnschende Jonathan wusste, dass ihm mit Wicked-Oz, Straussinger und Kempe drei starke sitzungserprobte Gegner im Ausschuss der Wochenendveranstaltungen gegen\u00fcberstehen. Nach langatmigen, vergeblichen Versuchen die Programmabl\u00e4ufe zu \u00e4ndern, gab sich der Technikfreak Jonathan damit zufrieden, Regie am Mischpult \u00fcbernehmen zu d\u00fcrfen. Seine Vorschl\u00e4ge Frank Stein als Personenschutzbeauftragten einzustellen und die frischverm\u00e4hlte Magdalena das Cateringgesch\u00e4ft \u00fcbernehmen zu lassen, verursachte bei Elymas zun\u00e4chst gro\u00dfes Unbehagen. Unter der von Wicked-Oz gestellten Voraussetzung, dass ein bestimmtes Pfand zur\u00fcck gegeben wird, wurde auch dies von den nichts Gutes ahnenden christlichen Heuchlern, die ihren guten Kern beweisen wollten, akzeptiert.<\/p>\n<p>H\u00e4tten sie gewusst, dass alsbald Frank, Magdalena und Markus zu einem Geheimtreffen nach Denkenstadt in die Schlo\u00dfstra\u00dfe kommen, um sich \u00fcber zahlreiche Interna auszutauschen und ein letztes Mal den einbehaltenen Computer zu durchsuchen, w\u00e4re die Entscheidung sicherlich anders ausgefallen. Markus Ruf berichtete zun\u00e4chst von seiner USA Reise, die er seinem F\u00f6rderer Wicked-Oz zu verdanken hatte. Auf Empfehlung von Elymas war er nicht nur Mitglied in der Veritas-Burschenschaft, sondern auch in der gleichnamigen Freimaurerloge geworden. Er habe zwar bei seinem Leben geschworen, keine Geheimnisse weiter zu sagen, aber nachdem eine Reiseteilnehmerin auf mysteri\u00f6se Weise in Kalifornien verschwunden ist, habe er genau Tagebuch gef\u00fchrt und alles B\u00f6sartige notiert. Einerseits h\u00e4tte er seine Zeit an den luxuri\u00f6sesten Orten, wie auf einem riesigen, altert\u00fcmlichen Schloss mit r\u00f6mischen B\u00e4dern verbracht, andererseits habe er sich so unwohl wie noch nie gef\u00fchlt und kaum ein Auge zugetan. Das schlimmste Erlebnis seien die n\u00e4chtlichen Hilferufe der wahrscheinlich ertr\u00e4nkten Katharina Hutter gewesen, die nach dem Besuch von Hearst Castle spurlos verschwunden war. Diese mutige Frau hatte es gewagt beim Abendessen Wicked-Oz ins Gesicht zu sagen, dass er ein christlicher Schauspieler sei, der im Verborgenen die schlimmsten Satansbr\u00e4uche aus\u00fcbt. Daraufhin w\u00e4re sie auf eigenen Wunsch hin vorzeitig abgereist, aber nie in Deutschland angekommen. \u00dcberhaupt sei die USA und ins besonders Washington eines der okkultesten Machtzentren der Welt. In der Mutterloge beherrschen babylonische und \u00e4gyptische G\u00f6tzen die Szene, die wie er mit eigenen Augen gesehen hat, sogar von einem in K\u00fcrze nach Stuttgart kommenden, weltber\u00fchmten Prediger verehrt werden. Markus habe eine Liste seiner Beobachtungen angefertigt, mit den Namen von zahlreichen Pers\u00f6nlichkeiten, die sich mit speziellen internen Erkennungszeichen in der \u00d6ffentlichkeit zu verstehen geben. Das Unglaublichste w\u00e4ren allerdings Neue-Weltordnung-Agenda-Briefe \u00fcber die geplante Alleinherrschaft des Antichristen, der ein gro\u00dfes Maul wie ein L\u00f6we haben soll. Wicked-Oz habe diese wichtigen Dokumente f\u00fcr die Europazentrale in London mitgenommen und nicht bemerkt, wie der sich um Kopf und Kragen f\u00fcrchtende Markus, diese trotzdem heimlich in dessen Hotelzimmer abfotografierte. Als Banker w\u00fcrde es Jonathan sicher interessieren, dass bald eine schwer im Ged\u00e4chtnis memorisierbare, zweiundzwanzigstellige Einheits-Kontonummer eingef\u00fchrt wird, damit die geplagten Menschen eher bereit sind das Zeichen des Tieres in Form eines Mikrochips auf ihrer Stirn oder am Handr\u00fccken anzunehmen. Jonathan selbst h\u00e4tte ja nach seinem Las Vegas Aufenthalt behauptet zu wissen, dass das Bargeld abgeschafft w\u00fcrde und zuk\u00fcnftig nur noch per Computer-Hilfe bezahlt werden kann. \u201eDas ist ja alles h\u00f6chst interessant. Was hat Wicked-Oz denn sonst noch geplant?\u201c, wollte der um seinen Arbeitsplatz gebrachte ehemalige Bankfilialleiter Fischer wissen. \u201eDie gr\u00f6\u00dfte Show wird er am Wochenende beim \u201eSehe und Glaube\u201c Kongress im Gottlieb-Daimler-Stadion abziehen. Er dachte er k\u00f6nne Maggie mit einer Massengeisteraustreibung imponieren und an sich binden\u201c, hatte Markus Ruf erfahren. \u201eDa kommt er zu sp\u00e4t\u201c, lachte Frank Stein und Magdalena meinte: \u201eIch glaube wir sollten ihm die Suppe die er zusammenbraut gr\u00fcndlich versalzen und einige seiner Geheimnisse ans Licht der \u00d6ffentlichkeit bringen. Alles was Markus sagt stimmt. Ich selbst habe bei meinem USA-Aufenthalt in einem magischen Geisterschloss an einem t\u00f6dlichen Hexen-Wettkampf teilgenommen und kenne die sich durch ihre Blutschw\u00fcre in Sicherheit wiegenden Br\u00fcder genau. Die besten Informationen werden wir, so wie ich meinen peniblen Ex kenne, auf seinem PC finden.\u201c \u201eDann lasst uns mal die Festplatte nach spitzen Kieselsteinwaffen durchsuchen\u201c, sch\u00f6pfte der Theologiestudent Markus neuen Mut. Jonathan freute sich ungemein als er das Ger\u00e4t an seinen Monitor anschloss und die ersten Datenpakete entpackte. Triumphierend verk\u00fcndigte der gefeuerte Bankangestellte und Kirchenvorstand: \u201eAmen, Jesus Christus hat den Kopf der Schlange zertreten. Ihr werdet sehen, dass bald ein paar D\u00e4monen unter unseren F\u00fc\u00dfen liegen.\u201c<\/p>\n<p>Danach sah es dagegen beim Start der Samstagsveranstaltung \u201eSee And Believe\u201c \u00fcberhaupt nicht aus. Die Gruppe \u201eMega Egyptian Death\u201c spielte ihre St\u00fccke Return to Babylon, Sunrise over Pyramid\u00b4s Grave, Obelisk\u00b4s fallen Moonstar und als Kr\u00f6nung l\u00e4uteten dreizehnmal die Glocken von Hell\u00b4s Bells vor einer in Feuer getauchten riesigen Illuminaty-Schrift. Den gr\u00f6\u00dften gewaltigsten Auftritt hatte jedoch Elymas Wicked-Oz vor einem senkrecht projizierten, kolossalen, in den Bann ziehenden menschlichen Auge, \u00e4hnlich wie bei den Bregenzer Festspielen. \u00dcberhaupt war die rotierende, dreieckige B\u00fchnenfl\u00e4che der Form des alles sehenden Auges eines mittelalterlichen Altarbildes nachempfunden. So konnten die 60000 Zuschauer das kreisende Geschehen gleichm\u00e4\u00dfig in wiederkehrenden Uml\u00e4ufen verfolgen. Wicked-Oz k\u00fcndigte an, dass er einen Rekord f\u00fcr das Guinness Buch in Form der gr\u00f6\u00dften Massenhypnose aufstellen m\u00f6chte. Er versprach den Besuchern, sie mit Unterst\u00fctzung eines Scheingeists, wie Sterne \u00fcber den Himmel zu erheben, wo ihnen leuchtende Engel und verstorbene Heilige begegnen w\u00fcrden. Alles was sie tun m\u00fcssten w\u00e4re, sitzend auf die magischen Augen zu achten, ihre Arme wie Antennen zu heben, sich in entspannter Haltung innerlich total zu \u00f6ffnen und ihren Verstand und Denkprozess vollst\u00e4ndig zu entleeren und auszuschalten, damit der Weltengeist sie g\u00e4nzlich durchdringen und erf\u00fcllen kann. Auf Fingerzeig hin wurde es totenstill. Die Glocken von Hell\u00b4s Bells begannen abermals zu erklingen. Elymas lies die Menge nachsprechen: \u201eIch verlasse jetzt meinen K\u00f6rper\u201c. Mit einem lauten Fingerschnipps des Hypnotiseurs sackte das gesamte Stadion wie bei einer La-Ola-Welle urpl\u00f6tzlich zusammen. Fast alle Besucher lagen oder sa\u00dfen bewusst- und regungslos auf ihren Sitzen. Wicked-Oz begann zu indoktrinieren: \u201eTue was du willst, soll sein das ganze Gesetz. Das Gesetz des Starken, das ist das h\u00f6chste Gesetz des Thelema. Zu t\u00f6ten alle Feinde des Weltfriedens- und der Ordnung, das ist Recht.\u201c Mit einem weiteren Fingersignal \u00fcber das Mikrofon kamen die Leute wieder zu sich. Viele der bedeppert Aussehenden bezeugten tats\u00e4chlich Engelserscheinungen bekommen und einige Entgeisterte behaupteten, Kontakt mit toten Verwandten aufgenommen zu haben. Der bis dahin leise im Hintergrund mitwirkende Leads\u00e4nger Mick und sein Gitarrist Rory begannen, pl\u00f6tzlich laut schreiend wie Heuschrecken zu h\u00fcpfen und ihre Pferdem\u00e4hnen zu sch\u00fctteln, um sich danach wie Schlangen zischend auf dem B\u00fchnenboden zu winden. Elymas gebot im Namen Apollyon, dass D\u00e4monen der Qual aus ihnen heraus in die H\u00f6lle fahren sollen. Die Autorit\u00e4t mit der er waltete machte bei den Bandmitgliedern und Zuschauern einen m\u00e4chtigen Eindruck, denn sofort beruhigte sich die Lage. Das war das Startsignal f\u00fcr die eigentliche Attraktion des Abends, n\u00e4mlich der umjubelte Auftritt des am h\u00f6chsten angesehensten Predigers aus den USA, der nach Jonathans Ansicht mit seinen grauen Haaren aussah wie ein Wolf im Schafspelz. Die Botschaft ging \u00fcber den Architekt des Universums der Salomos Gro\u00df-Tempel der universellen Bruderschaft wieder aufbauen m\u00f6chte und daf\u00fcr m\u00f6glichst viele unbehauene, menschliche Steine ben\u00f6tige. Wer sich darauf einschw\u00f6ren m\u00f6chte sollte nach vorne kommen. Das mit schwarzen Plastikplanen bedeckte Fu\u00dfballfeld f\u00fcllte sich mit Menschen, die sich vor der am Mittelkreis aufgebauten, kreisenden B\u00fchne niederknieten, um ihr Leben dem Gott dieser Welt zu \u00fcbergeben. Entscheidungsk\u00e4rtchen wurden ausgef\u00fcllt, die an die \u00f6rtlichen Gemeinden weiter gereicht wurden. Neben den christlichen Hauptkirchen profitierten sogar die Synagogen und Moscheen von der Vermittlung Gleichgl\u00e4ubiger. Die Zeitungen waren am n\u00e4chsten Tag voll des Lobes \u00fcber das tolerante, humanistische, weltoffene und \u00fcberkonfessionelle Glaubens- und Erlebensspektakel.<\/p>\n<p>Der Sonntagmorgengottesdienst mit dem Motto \u201ePro Weltfrieden \u2013 Verstehen und Glauben\u201c wurde durch einen singenden, englischen Lord er\u00f6ffnet, der mit seiner Gitarre eine omin\u00f6se Version von John Lennons Imagine zum Besten gab. Zum Abschied verriet der Sir, der ein obsz\u00f6nes Jesus-war-schwul-Hemd trug, dass er bald seinen Verm\u00f6gensverwalter, einen ehemaligen r\u00f6misch-katholischen Pfarrer, in der anglikanischen Kirche heiraten wird. Ein afrikanischer Voodoopriester entfachte, ob dieser freudigen Botschaft, einen schamanischen Segenstanz zur Heilung der Mutter Erde, dem sich seine bunt bemalten Indio- und Indianerkollegen anschlossen. Ein allumfassender Altar mit einer goldenen Buddha-Statue wurde auf der B\u00fchne aufgestellt, vor dem sich der orange bekleidete Dalei Lama oder ein zum Verwechseln \u00e4hnlich ausschauender anderer buddhistischer Abgeordneter im Schneidersitz meditierend verneigte. Ein Rabbi stellte mit dem Oberk\u00f6rper wippend die Chanukkia auf und trug mit Gebetsriemen- und Schal bekleidet ein hebr\u00e4isches Friedensgebet bei. Eine arabische Delegation brachte vor Freude ein gesch\u00e4chtetes Schaf mit und lie\u00df ihren Iman einen moslemischen Gebetsruf \u00fcber die Lautsprecher vorsingen. Da durfte eine indische, hinduistische Abordnung mit heiliger, rot gepunkteter Kuh, die mit vom Vatikan gestifteten Mineralwasser aus Assisi gewaschen wurde, nicht fehlen. Den leiblichen H\u00f6hepunkt bot eine Transsubstantiations-Abendmahlfeier, die von einem verg\u00f6tterten Petrusj\u00fcnger auf einem riesigen heiligen Stuhl zelebriert wurde. Zum Abschluss durften alle gest\u00e4rkten Religionsrepr\u00e4sentanten ihre gesegneten B\u00fccher auf den Tisch des Herrn legen und gelobten nie wieder schlecht oder herablassend \u00fcber die anderen Glaubensrichtungen zu sprechen, da die Wahrheit \u00fcberall zu finden ist.<\/p>\n<p>Nach einer f\u00e4lligen Mittagspause, bei der sich Magdalena, die ehemalige Hexe, an ihren Besenwirtschaft-St\u00e4nden mit Schmalzbroten und Scheiterhaufen dumm und d\u00e4mlich verdiente, startete eine Podiumsrunde mit illustren Pers\u00f6nlichkeiten. H\u00e4nsel Deifel, ein in M\u00fcnchen promovierter T\u00fcbinger Theologieprofessor klinkte sich weiter in das V\u00f6lker verbindende Thema der Eine-Welt-Religion ein, indem er seine Vorstellung vom Weltethos der Frieden ausdiskutierenden Menschheit verk\u00fcndigte und vom Nationen einenden Europa schw\u00e4rmte, das um Mitmenschen nicht zu beleidigen oder zu diskriminieren, ganz ohne Gottesbezug in der Verfassung auskommen kann. Unterst\u00fctzung fand er in seinem Freund und Meister vom Stuhl Johannes Ratzinger, der ebenfalls dem Vorstand einer neu gegr\u00fcndeten Global-Stiftung angeh\u00f6rte. Dem aktuellen Generalstaatsanwalt war es wichtig darzulegen, wie notwendig es ist, Computer online durchsuchen zu d\u00fcrfen, um Schwerverbrecher bek\u00e4mpfen zu k\u00f6nnen. Ins gleiche Jagdhorn blies sein Logenbruder Justizminister Straussinger, der forderte, das Milit\u00e4r auch im Innern bei Flugzeug-Selbstmord-Attacken oder Gro\u00dfdemonstrationen einsetzen zu k\u00f6nnen und den Vorschlag zur Einf\u00fchrung der Todesstrafe bei Aufst\u00e4nden in die neue EU-Verfassung mit einbringen wollte. F\u00fcr mehr Toleranz warb auch der Immobilienexperte Karl Kempe, der es bedauerte, dass seine zu Unrecht verleumdete Scientology Kirche in Deutschland noch nicht den steuerbeg\u00fcnstigten Status, wie in anderen L\u00e4ndern bekommen hat. Gerne w\u00fcrde er diesen Punkt beim n\u00e4chsten G8-Gipfel, als von den Glaubensgeschwistern der US-Delegation eingebrachten Tagesordnungsvorschlag sehen. Der durch das Programm leitende Wicked-Oz erl\u00e4uterte den Zuh\u00f6rern im Stadion und am Fernsehen, dass sie sich als unbescholtene B\u00fcrger keine Sorgen machen m\u00fcssen, wenn mehrere ins Leben eingreifende Gesetzes\u00e4nderungen kurz vor dem Abschluss st\u00fcnden. Er selbst h\u00e4tte \u00fcberhaupt nichts zu verbergen und dagegen, wenn man die Daten seines Computers durchforsten w\u00fcrde oder \u00fcberall in der \u00d6ffentlichkeit Videoaufzeichnungen von ihm gemacht w\u00fcrden. Lauschangriffbef\u00fcrworter Kempe pflichtete noch weitreichender bei, dass er damit einverstanden w\u00e4re, wenn zur Sicherheit, wie bei Big Brother, Aufnahmen von zu Hause gemacht werden, das Badezimmer selbstverst\u00e4ndlich ausgenommen. So w\u00fcrde fast seine komplette Villa seit 1984 von Kameras \u00fcberwacht. Ratzinger warb f\u00fcr die innovative Mikrochiptechnologie bei P\u00e4ssen und Zahlungsmethoden, die durch neueste Computer- und Speicherentwicklungen den Kampf gegen den Terror wesentlich erleichterten. Au\u00dferdem sollten s\u00e4mtliche Handy- und Telefongespr\u00e4che ein Jahr lang von den Telekommunikationsfirmen festgehalten werden und die Deutsche Telekom die Erlaubnis bekommen wichtige ISDN-Gespr\u00e4che mitzuh\u00f6ren, falls sie es sowieso nicht schon tat. Straussinger merkte an, dass der US-Geheimdienst CIA zur Verbrechensbek\u00e4mpfung heute schon alle gr\u00f6\u00dferen Auslands-\u00dcberweisungen kontrolliert, die \u00fcber den \u201edas Biest\u201c genannten SWIFT-Zahlungscomputer in Br\u00fcssel laufen, und es deshalb sinnvoll ist, das nicht mehr vorhandene Bankgeheimnis ganz abzuschaffen. Durch eine einheitliche EU-Fiskalgesetzgebung mit identischen Quellensteuern, die durch vereinfachte, \u00fcberall hinterlegte, lebenslange, personenbezogene Steuernummern verbucht werden, sollten auch Steueroasen wie die Schweiz, Liechtenstein oder Luxemburg fallen, und alle Kontodaten r\u00fcckwirkend gegen eine kleine Hehler-Geb\u00fchr von der deutschen Steuerfahndung oder den Wohnsitz-Finanz\u00e4mtern \u00fcberpr\u00fcft werden d\u00fcrfen. Der \u00fcberaus intelligente Ratzinger bekam den Einfall, dass der eifrige Bundesnachrichtendienst BND einen Spamfilter entwickeln k\u00f6nnte, damit bei der k\u00fcnftigen Kontrolle von Emails die unerw\u00fcnschten Meldungen gleich f\u00fcr die Bundesb\u00fcrger gel\u00f6scht werden, und die nervenden Versender besser ermittelt und bestraft werden k\u00f6nnen. Das fand den tosenden Beifall vieler Zuh\u00f6rer.<\/p>\n<p>Eine Fragerunde wurde eingeleitet, bei der Markus Ruf als scheinbar zuf\u00e4llig ausgew\u00e4hlter Theologie Student sich nach den zeitlichen Abl\u00e4ufen der Gesetzesnovellen am Funkmikrofon auf der rotierenden Dreiecks-B\u00fchne erkundigen sollte. Straussinger antwortete, dass die Gesetzestexte in den Parteigremien schon beschlossen worden sind und nur noch durchs Parlament m\u00fcssen. Bei wenigen Punkten k\u00f6nnte die fehlende Zustimmung des Bundesrats oder eine Klage vor dem Bundesverfassungsgericht ein Thema sein, weil es immer Widerst\u00e4ndler gibt, die eine Verletzung des in die Jahre gekommenen Grundgesetzes bef\u00fcrchten. \u201eMeinen sie damit die W\u00fcrde des Menschen oder den Schutz der Privatsph\u00e4re?\u201c, wollte Ruf wissen. \u201eWie wir bereits er\u00f6rterten, haben unschuldige B\u00fcrger \u00fcberhaupt nichts zu bef\u00fcrchten\u201c, sprach Generalstaatsanwalt Ratzinger und fand Unterst\u00fctzung vom jesuitischen Theologen Deifel: \u201eFalls die Vorschl\u00e4ge nicht in der deutschen Verfassung verankert werden, machen wir es besser gleich zum EU-Recht.\u201c Ruf bohrte weiter: \u201eApropos EU, w\u00e4re es denkbar, dass in Europa wieder Panzer auf den Pl\u00e4tzen auffahren und Demonstranten erschossen werden, Herr Justizminister?\u201c \u201eDiese Fragestellung war nicht verabredet. Worauf wollen sie heraus?\u201c, antwortete ein sich sichtlich verfinsternder Max-Moritz Straussinger, der nicht wissen konnte, dass seine gr\u00f6\u00dfte Blamage vor der T\u00fcr stand und seine Lebensuhr kurz vor dem Auslaufen war. \u201eDann gestatten sie mir eine anderes Denkspiel. Sind sie alle damit einverstanden, wenn wir ihre harmlosen Gesetzesinitiativen zur Probe in ihrem eigenen Leben anwenden?\u201c, war die n\u00e4chste freche Anfrage des verr\u00e4terischen Veritas-Bruders Ruf.<\/p>\n<p>Nach einer kurzen Atempause, der ein alles durchdringender Blick von Elymas vorausgegangen war, bejahten notgedrungener Ma\u00dfen alle Diskussionsteilnehmer durch ein zaghaftes Kopf nicken. \u201eVergessen wir diese Hirngespinste und lassen sie uns zum n\u00e4chsten Programmpunkt \u00fcbergehen. Ich bitte die Regie eine zusammen geschnittene Pr\u00e4sentation zur neuen Weltordnung einzuspielen\u201c, versuchte Wicked-Oz die Z\u00fcgel wieder in die Hand zu bekommen. Endlich war die Stunde von Jonathan Fischer, des urspr\u00fcnglichen Initiators der Veranstaltung, gekommen. Jonathan konnte zu guter Letzt seine wahren St\u00e4rken am Schaltpult ausspielen, indem er einen zurecht gelegten Videoclip auf der Gro\u00dfleinwand einspielte. Sein Freund Markus, der in England eine \u00e4hnliche, m\u00e4chtige Gottesvision bekommen hatte wie Jonathan, hatte \u00fcberhaupt nicht die Absicht, das einmal erteilte Wort wieder abzugeben. Der bestens vorbereitete Markus Ruf fing an zu erkl\u00e4ren: \u201eLassen sie uns zum besseren Verst\u00e4ndnis das Motto Glaube und Sehe einmal umkehren und das alles sehende Auge in lebendige, einsichtsvolle Bildern umwandeln. Herr Ehrenprofessor Kempe hat ja bereits erw\u00e4hnt, dass ein Film von seinem trauten Heim bedenkenlos aufgezeichnet werden kann. Hier sehen wir auf seiner Garagen-\u00dcberwachungskamera, wie er seine leblose Frau Maria gemeinsam mit seinem Parteigenossen Straussinger unsanft in den Kofferraum eines Cabrios bef\u00f6rdert. Sie glauben nicht, dass diesen Streich Max-Moritz mit ausheckt. Dann achten sie auf das hintere S-MM Nummernschild des daneben geparkten Porsches 914-6 und auf ein in der selben Nacht geschossenes Foto einer Radar\u00fcberwachungsanlage. Das Bentley Continental Cabrio ist genauso wenig ein Allerweltskraftfahrzeug. Oh, wie sch\u00f6n man dank der heutigen Technik die verdutzten Blitzlicht-Gesichter des Fahrers und Beifahrers erkennen kann. Fehlt nur noch ein Mitschnitt von der Sterbehilfe auf der Autobahnbr\u00fccke. Die gew\u00f6hnliche Zeugenaussage eines Lastwagenfahrers reichte Johannes, dem einstigen Oberstaatsanwalt beklagenswerter Weise nicht aus. Bei der heutigen Flut von beh\u00f6rdlichen Prozessen kann bekanntlich das ein oder andere von der Polizei sicher gestellte Beweismittel verloren gehen. Wie gut, dass Oberdruide Wicked-Oz anhand zugespielter Informationen genau \u00fcber alles Buch f\u00fchrte. Als ausgesprochener Bef\u00fcrworter von Online-Durchsuchungen hat er sicher nichts dagegen, wenn wir ein bisschen mehr Erpressungs-Material aus seiner kopierten Festplatte auswerten. Das Publikum traut den ehrenwerten Herren Straussinger und Kempe vielleicht so viel st\u00fcmperhafte Bosheit nicht zu. Auch nicht wenn sie die beiden gefesselten Masochisten in Uniformen von Hitler und Mussolini sehen? Dass es sich hierbei nicht um eine Fotomontage handelt, hat die dominante Halterin der Peitsche Frau Osiris-Ra, die jetzt Magdalena Stein hei\u00dft, bereits an Eides statt versichert.\u201c Die bislang wie gebannt zuschauenden Straussinger und Kempe gaben sich einen durch Adrenalinausst\u00f6\u00dfe beg\u00fcnstigten Ruck, sprangen auf, versuchten Ruf das Mikrofon zu entrei\u00dfen und an den Kragen zu gehen. \u201eIch rei\u00df dir die Zunge raus\u201c, drohte der Justizminister und der Ehrenprofessor schwor: \u201eIch schlitze dir den Hals auf!\u201c Dies war das Startsignal zum Einschreiten f\u00fcr Frank Stein und seine Sicherheitstruppe, die die beiden Unterlegenen im Handumdrehen in Handschellen steckten. \u201eAbf\u00fchren, die zwei \u00dcbelt\u00e4ter lasse ich nach Stammheim hinter Schloss und Riegel bringen. Dort werden sie niemanden mehr schaden!\u201c, befahl der einschreitende oberste Staatsdiener Ratzinger. \u201eDie Untersuchungshaft h\u00e4tten sie schon vornehmen m\u00fcssen, als der Banker Jonathan Fischer im Beisein von seinem vermeintlichen Unterst\u00fctzer Elymas Wicked-Oz die oben eingeblendeten Belege \u00fcber Waffen- und Geldw\u00e4schegesch\u00e4fte in ihrem B\u00fcro vorgelegt hat\u201c, bemerkte Ruf und fuhr fort, \u201emittlerweile liegt die Summe von \u00fcber 4 Millionen gigantischer Bytes an Geheim-Daten bei der etwas gewissenhafteren Staatsanwaltschaft Bochum vor. Denn sie sorgen als eloquenter Gespr\u00e4chsleiter und Meister vom Stuhl lieber daf\u00fcr, dass respektlose aufm\u00fcpfige Leute wie Fischer ihre Posten als Kirchen-Kassierer, Hausverwalter oder Filialleiter verlieren. Normalerweise werden solche Vorgehensweisen, wie ich selbst bezeugen kann, nur m\u00fcndlich in unseren Veritas-Freitags-Geheimtreffen besprochen. Aber freundlicherweise finden sich weitere Details in dem regen Email-Verkehr zwischen einem gewissen Nicolas und Elymas wieder. Ja, Ja, schon gut, wir wissen schon, dass sie die Namen der Spender bzw. Hinweisgeber nicht nennen d\u00fcrfen. Auch haben sie nat\u00fcrlich nichts mit dem Tod von Bankdirektor Gebhart Scharkfisch und der Volksbank-Denkenstadt-Reichskristallnacht zu tun, denn die Anweisung an die mobile Eingreifen Gruppe 8 Abteilung F zur Vollstreckung des Scherbengerichts kam von dem b\u00f6sen Adolf oder Nicolas, dem spanischen Gerichtsschreiber, der ihren franz\u00f6sischen Sekret\u00e4r mit samt PC nutzt. Was sagt denn der Kommunikator Herr Elymas dazu?\u201c, schloss der eine weitere erfolgreiche Attacke f\u00fchrende Markus. \u201eIch kann gar nichts dazu sagen, da mir mein entwendeter Computer erst k\u00fcrzlich wieder zur\u00fcck gegeben worden ist und einer dieser Chaos-Computerclub-Hacker jede Menge fremder Daten darauf gespielt hat. Meine Damen und Herren, lassen sie sich bitte nicht von diesem infantilen, impertinenten Demagogen beeindrucken. Die Podiumsrunde ist hiermit beendet\u201c, sprach der clevere Zauberer und machte sich schnell mit Ratzinger und Deifel aus dem Staub. Jonathan Fischer lie\u00df es sich nicht nehmen, den Fl\u00fcchtenden mit einer visuellen und akustischen lauten Explosion, des sich in tausende Teile zersprengenden Auges, einen letzten Schreck einzujagen. Die erstaunte Volksmenge verfolgte freudig deren davon jagenden Austritt durch die Katakomben. So eine blamable Vorstellung waren die Fu\u00dfballfans eher nach einer hohen Heimniederlage ihres VFB Stuttgart gegen Bayern M\u00fcnchen gewohnt, w\u00e4hrend die Krimiliebhaber meinten, eine subtile Tatort- oder ungeheuerliche Aktenzeichen XY-Folge wahrgenommen zu haben. Wie beim Abspann eines Kinofilmes bekamen die am\u00fcsierten Beobachter, die geplanten Gesetzes\u00e4nderungen der Artikel 5, 8, 10, 13, 18, 35 und 102 des Grundgesetzes zum Schluss von Jonathan abgespult. Dies sorgte nicht nur f\u00fcr reichlich Z\u00fcndstoff an Magdalenas Besen oder in Untert\u00fcrkheims Stammtischen, sondern auch f\u00fcr eine kritischere Berichterstattung in den wach ger\u00fcttelten Medien. Der Sieg von Markus Ruf war, dass die einschneidenden Kontrollmechanismen ins pers\u00f6nliche Leben vorerst nicht wie beabsichtigt verabschiedet werden konnten. Jonathan Fischer f\u00fchlte sich ebenfalls hervorragend, da seine Reputation wieder in der \u00d6ffentlichkeit hergestellt war und sein mit ausgeheckter Streich in die Geschichtsb\u00fccher einging.<\/p>\n<p>Ein weiteres geistliches Erdbeben ereignete sich in der \u201eSchau auf Jesus\u201c Gemeinde, die sich zu spalten begann. Der in Demut und Sanftmut wandelnde Martin Peter Anrich legte seine Pfadfinderorden und Verdienstkreuze ab, unterteilte den riesigen Stamm in mehrere kleinere Regionen und f\u00fchrte einzig und allein \u00fcber notwendige Bereiche Buch. Das milit\u00e4rische F\u00fchrungsprinzip der Royal Rangers wurde gegl\u00e4ttet, indem ein gleichberechtigter \u00c4ltestenrat \u00fcber wichtige Entscheidungen beriet und ein Leiter den anderen h\u00f6her achtete, als sich selbst. Pastor David Diao entschuldigte sich bei allen Mitgliedern f\u00fcr Unwahrheiten und \u00dcbertreibungen, die er meinte zur Ehre Gottes verbreiten zu m\u00fcssen. Er gestand, dass er in Wahrheit nicht alle 40 Tage gefastet hatte, und die vermeintlichen Schussverletzungen auf der Brust tats\u00e4chlich Folterspuren von brennenden Zigaretten waren, weil das reale Erschie\u00dfungskommando seinen fr\u00fcheren Hauskirchenleiter betraf. In Zukunft wollte der zur \u00dcbertreibung neigende Asiate reinen Tisch und sich selbst so klein wie ein Eselsf\u00fcllen machen, damit der Herr Jesus Christus mehr im Vordergrund sitzt. Nach einem heftigen Streit im Gemeindevorstand \u00fcber Hypnose und Manipulation im Gottesdienst, trafen sich viele Besucher wieder unter der Leitung von David in der Aula einer Schule, diesmal in Filderstadt. Wicked-Oz gr\u00fcndete hingegen unter dem Namen SGD Schein-Geist-Dienst Stuttgart e.V. eine brandneue Dachorganisation f\u00fcr die Sonntagsveranstaltungen in der Musicalhall, die weiterhin geh\u00f6rig Zuspruch fanden. Durch seinen imposanten Weltrekord mehrte sich die ihm nachfolgende Anh\u00e4ngerschaft, die weiterhin Astralreisen und Jenseitskontaktaufnahme aus\u00fcben wollte. Der esoterische Gesch\u00e4ftsmann begann, erfolgreich auf Deutsch und Englisch B\u00fccher \u00fcber positives Denken zu verlegen und wurde reich mit seiner kostenpflichtigen Wort- und Scheingeistschule, durch die er w\u00f6chentlich Cassetten, CDs, Videos und MP3-Botschaften \u00fcber das Internet in ganz Europa verkaufte. Der meisterhafte Kontrolleur f\u00fchrte au\u00dferdem ein Computerprogramm ein, das automatisch eine Liste der besuchten Webseiten und alle Emails an die n\u00e4chst h\u00f6heren Leiter der Gemeinde versendete. \u00dcberapostel Wicked-Oz wurde in diesem Bereich von Obermentor H\u00e4nsel Deifel \u00fcberwacht, der zum Dekan der Scheingeistschule aufstieg und flei\u00dfig denunzierende, verklagende SMS \u00fcber aufm\u00fcpfige Gemeindemitglieder sammelte. Die Verwicklung in b\u00f6se Machenschaften wurde somit dem von Neuem im Geist geborenen Elymas von seinen engelsgl\u00e4ubigen J\u00fcngern immer weniger angelastet, zumal diese belanglosen negativen Ger\u00fcchte laut Inquisitor Deifel nur das vergangene s\u00fcndhafte Leben betrafen und die Computer-Vorw\u00fcrfe von Markus Ruf sowieso nicht hieb- und stichfest beweisbar waren.<\/p>\n<p>Nichts desto trotz wurde eine gro\u00dfe Attacke auf den manipulierenden Geistlichen von anderer, nicht erwarteter Seite gef\u00fchrt. Der ehemalige Sch\u00fcler Max-Moritz Straussinger, wagte es tats\u00e4chlich vor Gericht seinen Therapeuten, christozentrischen Heiler und Propheten mit in den Schmutz zu ziehen. So w\u00e4re er mit den Sadomaso Bildern monatelang anonym erpresst worden, damit er hohe Geldsummen bezahlt. F\u00fcr die an die Staatsanwaltschaft weitergeleiteten Bankbelege h\u00e4tte er ebenfalls eine Millionensumme an den Vermittler Wicked-Oz berappt. Allerdings seien dem eigentlich Betrogenen von dem angeblich das Schutz- und L\u00f6segeld \u00fcbergebenden, griechischen Mafioso Elymas, wie sich jetzt herausstellte, nur wertlose Kopien \u00fcbermittelt worden. Seine Parteispenden- und Waffengesch\u00e4fte seien sowieso von oberster Stelle genehmigt worden und l\u00e4ngst internationale Rechtspraxis. Weitaus mehr Dreck am Stecken habe da Karl Kempe mit seinen Immobilienverwicklungen und dem Mord an Maria M\u00fcller-Kempe. Die selige, Strom getaufte Maria sei n\u00e4mlich nach einem heftigen, ketzerischen Bekenntnisstreit mit ihrem w\u00fctenden Ehemann l\u00e4ngst Tod in der Badewanne gelegen, als Max-Moritz sie aus Gef\u00e4lligkeit f\u00fcr den finalen Abflug mit in den Kofferraum verfrachtet habe. Schlie\u00dflich war ihm und seinen Br\u00fcdern, denen allen das Wasser bis zur Oberkante Unterlippe stand, stark daran gelegen, dass die Geldw\u00e4schehandlungen bei der Volksbank Denkenstadt eG nicht an die Oberfl\u00e4che kamen. Seine Krawatte am Hals festzurrend fuhr der Politiker fort, dass der Staatsanwalt und Richter mit ihren Unschuldsmienen nicht so fragend dreinschauen sollen, denn sie h\u00e4tten sowieso kein Recht, den immunen Justizminister anzuklagen oder zu verurteilen. Schlie\u00dflich w\u00fcsste doch inzwischen jedes Kind, dass der hochverehrte Generalstaatsanwalt Johannes Ratzinger Chef in der Veritas-Freimaurerloge sei und somit alle Strippen in der Hand h\u00e4lt. Nach dieser Anschuldigung wurde die Verhandlung erst einmal ausgesetzt.<\/p>\n<p>Die letzte Stunde von Straussinger hatte geschlagen. Auf dem Weg in den Hochsicherheitstrakt nach Stammheim wurde dem aufst\u00e4ndischen Jusizminister wegen eines Fluchtversuchs eine Kugel in den Kopf geschossen. So lautete jedenfalls die offizielle Version. Dem aufmerksamen Leser sei vorab verraten, dass der Mith\u00e4ftling Karl Kempe von einem Logenfreund eine Armee-Pistole zugespielt bekam, damit er in dem gemeinsamen Gefangenenbus Rache und Selbstjustiz aus\u00fcben kann.<\/p>\n<p>Jonathan wunderte sich auf der Fahrt zur Arbeit ins Stuttgarter Stadtzentrum warum die Deutschlandfahne beim Landtag von Baden-W\u00fcrttemberg auf Halbmast gehisst war. Als er das Autoradio einschaltete erfuhr er vom Tod seines ehemaligen Bankkunden und Parteifreundes. Ein mulmiges Gef\u00fchl beschlich Jonathan. Er wusste aus dem Buch der Spr\u00fcche, dass man sich \u00fcber den Untergang eines Bedr\u00e4ngers nicht freuen soll, aber wenn das so weiter ging, wie w\u00fcrde dann erst Elymas enden? Bei der Evangelischen Kreditgenossenschaft angekommen, versuchte Jonathan seine Gedanken in eine andere Richtung zu lenken. Sein h\u00f6chstes Ziel war eine Frau zu bekommen. F\u00fcr die Erreichung seiner Vision ben\u00f6tigte er unbedingt Sommerurlaub f\u00fcr die gemeinsame Zeit mit Phoebe. Deshalb \u00fcbergab er vor Schalter\u00f6ffnung ein Werbeprospekt der Missionsgesellschaft \u201ePosaune zur Rettung Israels\u201c an seine junge Abteilungsleiterin Elisabeth Sch\u00e4tzle und bettelte: \u201eBitte gib deinem alten Betriebsratchef Urlaub in dieser Zeit. Es ist wirklich wichtig.\u201c Elisabeth bemerkte keck: \u201eOh, ich war als Kind selbst in Israel in den Ferien im Kibbutz von Zichron Jaacov, weil meine Eltern zur Korntaler Gemeinschaft von Emma Berger geh\u00f6ren. W\u00fcrdest Du mich mit auf die Pilgerreise nehmen?\u201c \u201eSelbstverst\u00e4ndlich, aber bitte mach keine Sp\u00e4\u00dfe und unterschreibe den Urlaubsantrag. Du ahnst gar nicht wie viel f\u00fcr mich davon abh\u00e4ngt\u201c, flehte Jonathan. \u201eWenn dem so ist kann ich nicht nein sagen\u201c, l\u00e4chelte die ihm tief in die Augen schauende Sch\u00e4tzle und gab ihr Autogramm auf den Zettel. \u201eDu wei\u00dft gar nicht wie viel mir dein Ja-Wort bedeutet\u201c, schloss der in Entz\u00fcckung geratene Storyheld, der seiner err\u00f6tenden Chefin vor lauter Freude einen Kuss auf die Backe gab. Jonathan bekam wie nie zuvor eine Gewissheit im Herzen, dass er die ersehnte Frau bekommen wird und schwebte auf Wolke Sieben.<\/p>\n<p>Trauriger ging es da schon ein paar Tage sp\u00e4ter bei der Beerdigung von Max-Moritz Straussinger zu, die Jonathan interessiert verfolgte. Getreu dem Leitvers \u201eMan muss die Toten in guter Erinnerung behalten\u201c waren die prominenten Wegbegleiter erschienen, um die letzte Ehre zu erweisen. Der \u00fcber allen Klee lobenden Grabrede von Johannes Ratzinger im Freien lauschend, wunderte sich Jonathan dar\u00fcber, was f\u00fcr ein guter Mensch der hoch dekorierte Justizminister Straussinger doch war. Die Stimme Gottes, Ratzinger, verk\u00fcndigte seine letzten Worte: \u201eAufgrund der gro\u00dfen Verdienste steht es unserem engelhaften Bruder Max-Moritz zu, zur Rechten des Vaters zu sitzen und wir alle werden die Sonne und den Morgenstern hoffentlich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter im allerh\u00f6chsten Himmel wieder sehen.\u201c Etwas Seltsames und Tragisches geschah. Ratzinger fasste sich mit seiner rechten Hand unter sein Sakko-Revers ans Herz, verlor das Bewusstsein und flog kopf\u00fcber ins verwurmte Grab. Er hatte einen Schlaganfall erlitten.<\/p>\n<p>Die Aussage der Heiligen Schrift best\u00e4tigend, dass alles Verborgene einmal ans Tageslicht kommt, wurde der Mord an Straussinger auf schauerliche Weise aufgekl\u00e4rt. Eine unerkl\u00e4rliche Furcht und Schrecken kam auf die Trauerversammlung durch ein nahendes Gewitter. Nicolas, der Gerichtsschreiber fing an zu schreien: \u201eDas ist das Gericht Gottes daf\u00fcr, dass Ratzinger Straussinger umbringen lie\u00df. Und ich bin mit Schuld. Ich habe die Pistole auf Gehei\u00df meines dahin geschiedenen Chefs versteckt und Kempe in seiner Gerichtsakte ausgeh\u00e4ndigt. Herr, hab Erbarmen mit mir armen S\u00fcnder, dass mir nicht Gleiches geschieht.\u201c Die anwesenden zwei Strafvollzugsbeamten, die wiederum einen Gefangenentransport durchf\u00fchrten, fielen auf ihre Knie und schrien: \u201eHerr vergib uns die L\u00fcge zu behaupten, wir h\u00e4tten Straussinger auf der Flucht erschossen.\u201c Ihr zur Beerdigung Freigang bekommender H\u00e4ftling Kempe streckte seine eisernen Handschellen in die H\u00f6he und begann laut zu fluchen: \u201eHimmel Herrgott noch einmal, was f\u00fcr ein Unsinn. Ich schw\u00f6re beim Allerh\u00f6chsten, ich bin unschuldig. Wenn das stimmt soll mich der Teufel holen.\u201c Ein kurzer Lichtstrahl der von einem lauten Krachen begleitet wurde erf\u00fcllte augenblicklich und auf Anhieb des M\u00f6rders Wunsch. Alle Furcht ergriffenen Menschen sanken stracks auf die Knie, begannen ihre S\u00fcnden zu bekennen und fingen j\u00e4mmerlich zu weinen an.<\/p>\n<p>Als sich nach einer Stunde die Gem\u00fcter samt Unwetter wieder beruhigt hatten, wurde die Regen durchn\u00e4sste Leiche von Johannes, der laut Obduktion einem Herzinfarkt erlegen war, geborgen. Auch der erschlagene Karl und erschossene Max-Moritz wurden bei der Gelegenheit gerichtsmedizinisch untersucht. Denn wissbegierige Kriminologen wollten Beweise f\u00fcr die neue Mordversion der an f\u00fcr sich zu Grabe getragenen Leiche. Letzten Endes fanden sie diese in dem im Hinterkopf steckenden 9 Millimeter Projektil. Es stammte aus einer vom Titanen \u201eKarl des Gro\u00dfen\u201c verwendeten, veralteten Walter P38 Wehrmachtpistole, die einst f\u00fcr Adolf Hitlers Schergen hergestellt wurde. Die Leibesvisitation brachte noch andere erstaunliche Details ans Tageslicht. Ein Bild-Reporter wollte durch Indiskretionen herausgefunden haben, dass die drei Leichen auf den Ges\u00e4\u00dfen jeweils die selbe T\u00e4towierung der Eule von Minerva unter die Dermis eingestochen bekommen hatten. Zudem trugen alle bekannter Ma\u00dfen den gleichen schwarz-goldenen Giftring. Die gr\u00f6\u00dfte Sensation seit dem Fund der Hitler-Tageb\u00fccher war ferner die Verbreitung einer Geheimliste mit Namen hoch gestellter Pers\u00f6nlichkeiten, die ebenfalls die Eule anbeten w\u00fcrden. Ger\u00fcchte verbreiteten sich, dass sich selbst ein fr\u00fcherer Bundeskanzler in den W\u00e4ldern von Kalifornien regelm\u00e4\u00dfig vor einem \u00fcbergro\u00dfen Tierg\u00f6tzenbild nieder wirft. Ein weiterer, vor Gericht ausgetragener Streit, entbrannte um das Verm\u00f6gen der kinderlosen Kempe-M\u00fcller Dynastie. Die Scientology Sekte versuchte vergeblich an die L\u00e4ndereien zu kommen, die trotz Marias entz\u00fcndetem, zerst\u00f6rtem, neuen Testament, dem sich weltweit ausbreitenden Vatikanstaat zugesprochen wurden. Der Zeitzeuge Jonathan Fischer wurde sprachlos bei diesen turbulenten Entwicklungen. Erst zu Beginn der Sommerferien kehrte wieder mehr Ruhe in sein Leben ein.<\/p>\n<p>Endlich war der lang ersehnte Tag f\u00fcr ein Wiedersehen mit Phoebe durch die Reise nach Jerusalem angebrochen. Jonathan checkte nochmal sein Gep\u00e4ck und \u00fcberlegte krampfhaft, ob er etwas vergessen hatte. Ja nat\u00fcrlich, er musste noch seinen Reisepass einstecken. Wie gut es doch ist, eine friedvolle innerliche Stimme durch die Verbindung zu Gott zu haben, freute sich der Banker und wurde kreidebleich, als er auf das Ablaufdatum seines Reisedokuments achtete. \u201eNein bitte nicht, Jesus, nein nur das nicht. Mensch Fischer, was bist du blind und bl\u00f6d\u201c, ging es ihm zun\u00e4chst durch den Kopf, um sich alsbald zu korrigieren: \u201eLieber Papa im Himmel hilf mir. Ich wei\u00df du bist gn\u00e4dig und barmherzig, langsam zum Zorn und gro\u00df an Gnade und Erbarmen. Schenke mir eine Frau, ich will und kann einfach nicht l\u00e4nger warten. Lieber Heiliger Geist, bitte gib mir eine rettende Idee.\u201c Jonathan war es so, als ob er den Namen Julia R\u00fcger in seinem Brustraum h\u00f6rt. Aber er kannte keine Julia R\u00fcger. Also setzte er sich an den Computer und forschte mit Hilfe von Google im Internet nach. Auf der zweiten Seite war ein Frau, die so hie\u00df und auf dem B\u00fcrgeramt Bernhausen arbeitete. Da machte es klick. Das war doch die nette Dame die Martin Peter Anrich zu einer anderen Pass-Identit\u00e4t f\u00fcr sein Chinavisum verhalf. Jonathan w\u00e4hlte die B\u00fcronummer, um entt\u00e4uscht vom Anrufbeantworter zu erfahren, dass Samstag fr\u00fch geschlossen war. So leicht wollte er nicht aufgeben. Die Telefonauskunft konnte ihm zum Gl\u00fcck weiterhelfen und vermittelte ihn an eine Privatnummer. Hoffentlich ist es auch die selbe, dachte sich Jonathan, doch die Julia am anderen Ende h\u00f6rte sich alt und gebrechlich an. Dass alte Leute sehr gut zur Hilfeleistung f\u00e4hig sind, bewies der unverst\u00e4ndliche, kaum h\u00f6rbare Hinweis, dass eine Namensvetterin bei ihren Eltern in der sch\u00f6nen Bergstrasse wohnen w\u00fcrde. Jonathan f\u00fchlte sich an seine Ankunft in Ph\u00f6nix erinnert, als er vor verschlossenen T\u00fcren stand und erst beim innerlichen Aufgeben Gottes Eingreifen erfuhr. Wahrlich, wenn ein Samenkorn nicht in die Erde f\u00e4llt und stirbt, bringt es keine Frucht. Er schaffte es den Vater an den H\u00f6rer zu bekommen, doch der konnte nicht weiter helfen, da die Tochter in der Badewanne sa\u00df. Er tr\u00f6stete Jonathan zum Abschied damit, dass es die M\u00f6glichkeit gab, einen vorl\u00e4ufigen Reisepass zu erstellen und er den Israel-Flug bis Montag Nachmittag verschieben soll. Die Charterfluggesellschaft Arkia verkehrte nicht so oft von Stuttgart nach Tel Aviv, weswegen der folgende Umbuchungswunsch abgelehnt wurde. Jonathan legte zornig den H\u00f6rer auf und war am Boden. In einem kurzen Gedanken wurde er versucht, Gott zu verfluchen. Da erinnerte er sich pl\u00f6tzlich, wie er nach seiner Reise in die Schweiz erfolgreich unter das Messer kam. Er betete: \u201eSelbst wenn du mich schlachtest und dahinraffst vertraue ich dir, wie Abraham mit seinem Sohn Isaak, weil du die Toten zur\u00fcck zum Leben bringen kannst.\u201c Das Telefon klingelte. Julia R\u00fcger war am Apparat. \u201eIst es wirklich so dringlich, den Passersatz zu bekommen?\u201c, erkundigte sie sich. \u201eJa ich konnte den Flug nicht umbuchen\u201c, versicherte der Fernreisende, \u201ezudem erwarte ich heute, endlich auf meine erhoffte Ehefrau zu treffen.\u201c \u201eNa gut, ich wollte ohnehin zum Metzger gehen und fliege bald mit einer Schweizer Reisegesellschaft selbst nach Israel. Wir treffen uns in einer halben Stunde am Busbahnhof im B\u00fcrgeramt Bernhausen. Bringen sie ein Passbild mit. Das Verfahren kostet um die hundert Mark.\u201c<\/p>\n<p>Jonathan bewunderte die aufopferungsbereite Verwaltungsfachangestellte, als er ihr attraktives, weibliches Zopf-Profil bei der Arbeit musterte. \u201eSie m\u00fcssen mich gar nicht so begeistert betrachten\u201c, schien die t\u00fcchtige Rocktr\u00e4gerin bemerkt zu haben, \u201ein K\u00fcrze werden die b\u00fcrgernahen Chefs aus den oberen Etagen von der Stadtverwaltung ohnehin die Samstagsarbeit f\u00fcr uns einf\u00fchren.\u201c Zur Verabschiedung bedankte sich Jonathan mit einem sanften H\u00e4ndedruck und dankbaren Blick in die ungeschminkten Augen seiner Retterin Julia R\u00fcger. Solche dem\u00fctigen Eselchen brauchte es auf der Welt, dachte er sich beim hektischen Einsteigen in den abfahrenden Bus. Jetzt passte alles. Um Parkhausgeb\u00fchren zu sparen, hatte er sein Auto in einer Seitenstra\u00dfe abgestellt und schaffte es gerade rechtzeitig zur Abfertigungshalle des nahe gelegenen Flughafens.<\/p>\n<p>\u201eDu siehst aber ganz sch\u00f6n verschwitzt und abgek\u00e4mpft aus, gro\u00dfer Aufpasser\u201c, lautete die unerwartete Begr\u00fc\u00dfung von Christoph Ziegler, des Pastorensohns und Mitglieds der BGG Stuttgart 1955 e.V. und Schachvereins Wolfbusch 1956 e.V.. \u201eMensch Christoph, du schlauer Halunke. Wieso fliegst du denn nach Israel?\u201c, wollte Jonathan wissen. \u201eDie Psalmen sagen, es l\u00e4ge ein gro\u00dfer Segen darauf nach Jerusalem zu pilgern. Das kannst du vielleicht nicht glauben, aber Jesus hat mir in einem Traum gezeigt, dass auf mich ein besonderes Geschenk wartet. Du wirst es sehen. Was will ich dir sp\u00e4ter sagen. Nur soviel sei verraten, viele Suchende stecken einen Zettel mit diesem Wunsch in die Klagemauer.\u201c \u201eJetzt sprichst du in Geheimnissen. Aber warte, ich komme dir schon auf die Schliche\u201c, spa\u00dfte Jonathan, der sich in eine der Interviewkabinen des israelischen Sicherheitsdienstes begeben musste. Sein \u00fcberpr\u00fcfender Befrager be\u00e4ugte argw\u00f6hnisch den Passersatz und erkundigte sich: \u201eWas machen sie denn in Israel?\u201c \u201eIch nehme an einer Sommerevangelisation teil, um den Juden ihren Messias Jeschua n\u00e4her zu bringen, und nebenbei treffe ich mich mit meiner zuk\u00fcnftigen Frau\u201c, war die aufrechte Antwort. \u201eKennen sie jemand der Mitreisenden und wurde ihnen etwas anvertraut, zum Mitnehmen?\u201c, fragte der junge Israeli wie immer. \u201eJa, ich habe durch Zufall meinen Freund Christoph getroffen, der mir von einem Mysterium erz\u00e4hlt hat, dass sich bald als Geschenk Jesu erf\u00fcllen wird, sonst kenne ich niemanden\u201c, meinte der zuk\u00fcnftige Judenevangelist, indem er wiederum etwas von seinem christlichen Glauben ausbreitete. Eine kurze Pause wurde eingelegt, bis zwei Befrager mit ihren Protokollen zur\u00fcck kamen. Shimon Bileam, der leitende Mossad-Mitarbeiter wollte Jonathan Fischer als EKK-Agenten entlarven und fing an zu behaupten: \u201eIch warne sie, ich habe mich \u00fcber sie nicht nur aus den Medien kundig gemacht. Wenn sie uns nicht die Wahrheit sagen bleiben sie zuhause. Mich legt keiner so schnell rein. Erz\u00e4hlen sie mir etwas \u00fcber Elisabeth Sch\u00e4tzle. Woher kennen sie diese Frau und wie arbeiten sie mit ihr zusammen?\u201c \u201eDas ist meine fr\u00fchere Auszubildende, die mir einmal einen netten Liebesbrief geschrieben hat. Wollen sie den etwa durchleuchten? Nein, das geht sie \u00fcberhaupt nichts an!\u201c, sagte der immer ungehaltener werdende Jonathan. \u201eHaben sie in irgendeiner Form Werbung f\u00fcr unorthodoxe Kampagnen, wie die von Jakob Damkani gemacht und jemanden eingeladen mitzukommen?\u201c, war die n\u00e4chste \u00dcberf\u00fchrungsfrage. \u201eJa, ich habe Werbung auf der K\u00f6nigstra\u00dfe f\u00fcr den deutsch-st\u00e4mmigen Juden Ludwig Schneider gemacht und treffe mich deshalb mit Phoebe, der griechischen Stewardess\u201c, Jonathan beruhigt sich wieder f\u00fcr eine kurze Zeit. \u201eL\u00fcgen haben kurze Beine. Der Airbus-Vogel wird heute ohne sie und ihre EKK-Abteilungsleiterin Elisabeth Sch\u00e4tzle abfliegen. Sie brauchen mir gar nichts mehr erkl\u00e4ren\u201c, sprach Bileam, der jedes weitere Wort verbietende, gewiefte Prophet. Der ahnungslose Jonathan musste gedrungener Ma\u00dfen seinen durchw\u00fchlten Koffer packen. Am Ausgang wartete Sch\u00e4tzle mit ihrem Gep\u00e4ck auf ihn. \u201eTut mir Leid. Es sollte eine \u00dcberraschung werden, dass ich auch mit fliege. Ich hatte ja keine Ahnung was f\u00fcr schwierige Fragen bei der Abreise gestellt werden\u201c, entschuldigte sich Elisabeth, die jeweils so ziemlich das Gegenteil von Jonathan behauptet hatte und dessen Vernehmungsprotokoll als Einreiseverbots-Begr\u00fcndung durchlesen durfte. \u201eWas hast du denn ausgesagt?\u201c, bat Jonathan um Aufkl\u00e4rungsunterricht. \u201eNa die Wahrheit. Dass ich deine lang vertraute Abteilungsleiterin bei der EKK bin und du mir einen Flyer von der \u201ePosaune zur Rettung Israels\u201c in die H\u00e4nde gedr\u00fcckt hast. Ich hatte ja keine Ahnung davon, dass du meine uralten, vergeblichen Ann\u00e4herungsversuche verpetzt. Was machen wir jetzt? Ich habe ebenfalls das Geld f\u00fcr die kompletten drei Wochen im Voraus \u00fcberwiesen. Nehmen wir ein Pferd wie die Kreuzritter?\u201c Jonathan rieb sich an Wickie erinnert, die angeschlagene Pentagrammsternennase. Eigentlich hatte er allen Grund sauer auf Sch\u00e4tzle zu sein, die ihm wegen des empfundenen Unrechts mehr denn je zur Verb\u00fcndeten wurde. Seine Augen wanderten durch die Eingangshalle des Flughafens, bis sie an Julia R\u00fcger erinnert, an einem wei\u00dfen Kreuz auf rotem Grund h\u00e4ngen blieben. \u201eLass uns am Swissair Schalter nach eidgen\u00f6ssischen Verbindungen fragen\u201c, war die gute Idee des eine Frau ersehnenden Fiktionshelden. Die joviale homophile Hostess Uli suchte nach Alternativen f\u00fcr die beiden Honeymooner, die der Mann hoffte am Bildschirm zu gewahren. In der Tat f\u00fchrte die Reise die Pleitegeier nun \u00fcber den Umweg Z\u00fcrich nach Tel Aviv.<\/p>\n<p>Jonathan blieben zwei Tage der Besinnung bis er Elisabeth Sch\u00e4tzle am Montag fr\u00fch um sechs Uhr wieder traf. Ein kurzweiliger Contact-Air-Flug f\u00fchrte sie zur n\u00e4chsten Bew\u00e4hrungsprobe in die Schweiz. Die dortigen Untersuchungsmethoden waren zwar im Gegensatz zu den neu get\u00e4tigten Erfahrungen und der verj\u00e4hrten Einreise nach Sankt Moritz viel angenehmer, weitaus moderater und wesentlich neutraler. Trotzdem, die n\u00e4chste gr\u00f6\u00dfere Krise stand f\u00fcr Jonathan nach dem Betreten der Gangway bevor. Beim Einstieg in die Boeing traute der Passagier, der das freundliche Gr\u00fc\u00df Gott einer an Phoebe erinnerten Stewardess erwiderte, seinen Augen nicht. Das schweizer Gegenst\u00fcck zur deutschen Bildzeitung entgegen nehmend fiel sein Blick auf zwei prominente, klatschende Pers\u00f6nlichkeiten in der ersten Klasse. \u201eNein, nur das nicht. Nicht nochmal eine Konfrontation\u201c, ging es Jonathan durch den Kopf, der sein Gesicht nach links wendete und den Gang wechselnd Elisabeth an der Hand nahm. \u201eWas hast Du? Ich finde es ja sch\u00f6n, wenn wir H\u00e4ndchen halten, aber du zitterst so stark\u201c, erkundigte sich Sch\u00e4tzle, die am Fenster Platz nahm. \u201eIch habe keine Lust mich wieder mit Elymas Wicked-Oz anzulegen, und dieser H\u00e4nsel Deifel ist mir auch nicht geheuer\u201c, der \u00e4ngstliche Bibelstudent schlug zur Beruhigung Psalm 91 in seiner Senfkornbibel auf.<\/p>\n<p>\u201eGegr\u00fc\u00dfet seist du kleiner S\u00fcnder, was liest du da\u201c, eine Hand legte sich auf seine Schulter, \u201edu wirst gleich dein blaues Wunder erleben. Ich zeige dir wer mehr Macht von uns beiden hat\u201c, behauptete Elymas, der in die First Class zur\u00fcck schlenderte. \u201eD\u00b4r Moa isch r\u00e4cht b\u00f6s. War des d\u00b4r Deifel oder d\u00b4r g\u00b4rissene Zaubar\u00b4r von Os?\u201c, erkannte fragend Elisabeth, die am Triebwerk sitzende schw\u00e4bische Queen. Jonathan erz\u00e4hlte Teile seiner \u201eArm oder reich? Tod oder lebendig?\u201c Story, als pl\u00f6tzlich ein grelles Licht an der benachbarten Fl\u00fcgelseite aufleuchtete. In dem Moment des \u00dcbergangs von der Erde in die Luft, hatte sich die nahe gelegene Kerosin-Turbine entz\u00fcndet. Jonathan wendete seinen Blick und suchte die Sicherheitsanweisungen aus dem an der R\u00fcckenlehne befindlichen Gep\u00e4cknetz heraus, in dem sich ebenfalls die Regenbogenzeitung befand. In diesem Moment glaubte er die Stimme des Teufels zu h\u00f6ren, dass von seinem Untergang am n\u00e4chsten Tag exakt in diesem Blatt berichtet wird. \u201eMist, ich h\u00e4tte mich nicht mit dem Satan in diesem Magier anlegen sollen. Lucifer, der F\u00fcrst dieser Welt und Herr der L\u00fcfte, ist niemals zu untersch\u00e4tzen.\u201c Das Flugzeug flog eine Schleife, um sofort wieder zur Landung anzusetzen. Jonathan schaute wiederum auf den Fl\u00fcgel und glaubte eine Engelsvision zu bekommen. Eine Panik brach an Bord aus. In dem Moment fragte Elisabeth: \u201eSiehst du diese Wolkenformation? Das schaut ja wie ein gewaltiger Erzengel aus.\u201c \u201eSchau auf Jesus den Retter und flehe um sein Eingreifen!\u201c, rief Jonathan wie in Ekstase. Der Fiktionsheld l\u00f6ste zugleich seinen Gurt, stand verbotener Weise auf und verk\u00fcndigte lauthals: \u201eWer im Schutz des H\u00f6chsten wohnt, bleibt im Schatten des Allm\u00e4chtigen. Meine Zuflucht und meine Burg, mein Gott ich vertraue auf dich.\u201c Die zahlreichen zionistischen Mitreisenden beteten im Rausch mit: \u201eMit seinen Schwingen deckt er dich, und du findest Zuflucht unter seinen Fl\u00fcgeln. Schild und Schutzwehr ist seine Treue\u201c, bis sie nach der sicheren Landung zur Erde friedlich zu Ende ausf\u00fchrten, \u201eer ruft mich an, und ich antworte ihm. Ich bin bei ihm in der Not. Ich befreie ihn und bringe ihn zu Ehren. Ich s\u00e4ttige ihn mit langem Leben und lasse ihn mein Heil schauen.\u201c Diese phantastische, bodenlose Begebenheit n\u00fctzte der Deifel, der im vorderen Abteil der Reichen zuerst von der Feuerwehr befreit wurde, zur Propaganda. Stolz zitierte der Scheingeist-Theologieprofessor vor den wartenden Journalisten hinter der Gep\u00e4ckausgabe: \u201eWir st\u00fcrzten ab, wie der Blitz, aber er hat seinen Engeln \u00fcber uns befohlen, dass sie uns auf den H\u00e4nden tragen, damit wir nicht etwa unsere F\u00fc\u00dfe an einen Stein sto\u00dfen.\u201c Jonathan wollte nicht schon wieder ins Rampenlicht treten. Deshalb versteckte er sich mit Sch\u00e4tzle in der Flughafenkapelle, um gemeinsam mit anderen \u00fcberlebenden Passagieren ein Dankgebet zu sprechen. Als die Actionhelden sich erkundigten, wie sie jetzt ihr Reiseziel erreichen k\u00f6nnen, waren die freien Sitzpl\u00e4tze der Alternativverbindungen bereits vergeben. Gut dabei empfand Jonathan, dass die beiden feindlich gesinnten Kirchenbr\u00fcder bereits \u00fcber Dubai weiter geflogen waren und Swissair einen Hotel- und Essensgutschein ausgab. Daf\u00fcr konnte er Phoebe nicht so schnell, wie erhofft wieder sehen. \u201eLass uns das Beste aus der Situation machen Elisabeth. Wir k\u00f6nnten auf dem Z\u00fcrichsee entlang der Goldk\u00fcste mit ihren Vorort-Villen eine Bootstour unternehmen. Falls die Zeit es zul\u00e4sst, w\u00fcrde ich abschlie\u00dfend gerne die Kunstausstellung der wei\u00df get\u00fcnchten Hausbank meines Schornsteinfegermeisters besichtigen. Was meinst du?\u201c \u201eWeist du Jonathan. Ich folge dir in den Ferien \u00fcberall hin. Aber danach bin ich wieder die Chefin!\u201c<\/p>\n<p>Mit einem weiteren Tag Versp\u00e4tung erreichte das unfreiwillige Gespann das gelobte Land. Der ungeduldige Jonathan orderte ein Taxi vom Flughafen Tel Aviv nach Jaffa, wo der messianische Jude und Evangelist Jakob Damkani sein Domizil unterhielt. Endlich hoffte er seine Phoebe wieder zu treffen. Zun\u00e4chst \u00f6ffnete eine weitere deutsche Elisabeth, die das Haus h\u00fctete, die T\u00fcr. Leider war die 30-k\u00f6pfige internationale Reisegruppe bereits mit dem Bus nach Jerusalem abgereist. Jonathan fiel in eine leichte Depression, wie bei seiner Ankunft in die USA. \u201eIch schlage vor ihr kommt herein zum Essen und \u00fcbernachtet hier\u201c, sprach die deutsch-israelische Mitarbeiterin Elisheva. \u201ePrima Idee, nach dem ganzen Stress den wir erlebten\u201c, zeigte sich Sch\u00e4tzle einverstanden, \u201ehast du in den Nachrichten geh\u00f6rt, unser Flugzeug ist schier abgest\u00fcrzt?\u201c \u201eNein, ach was, erz\u00e4hl\u201c, wollte die eine von der anderen tratschenden Namensschwester wissen. Der schweigsame Jonathan betrachtete das schwatzende Treiben des folgenden Kaffeeklatsches eine Stunde lang. Diese gro\u00df gewachsene zweite Elisabeth, mit ihren blonden Haaren, blauen Augen und hell gef\u00e4rbter Haut, zog seine Aufmerksamkeit auf sich. Auch das alt vertraute, j\u00fcngere, burschikose Gegenst\u00fcck, das mit dunkelbraunen Haaren, braunen Augen und dunklem Teint eine gewisse Attraktivit\u00e4t ausstrahlte, begann ihm zu gefallen. Jonathan f\u00fchlte sich in seinem Gem\u00fct so seekrank, wie auf einem Schiff, das im Sturm ohne Ruder von den Wellen hin und her und auf und ab geschaukelt wird. Seinen melancholischen Gef\u00fchlen ein Ende bereitend, ergriff er sprunghaft das Wort: \u201eTut mir Leid. Ich warte nicht l\u00e4nger und miete mir ein Auto. Wo sagtest du \u00fcbernachten die anderen, Elisheva?\u201c \u201eIn der Jerusalemer Altstadt im Christ Church Guesthouse. \u00dcbermorgen reisen sie nach Eilat weiter\u201c, wusste die Gastgeberin, \u201ein Jerusalem ist der Feierabend-Verkehr oft chaotisch. Bist du dir wirklich sicher, dass du heute noch fahren willst?\u201c \u201eKomm Jonathan, es ist so gem\u00fctlich hier\u201c, meinte Elisabeth. \u201eElisabeth folgt mir \u00fcberall hin und Elisheva bringt mich zum Car Rental hin, oder?\u201c, war sich Jonathan sicher. Die Reise nach Jerusalem fand in einem japanischen Kleinwagen ihren Abschluss. Jonathan und Elisabeth begriffen in dem 58 PS Benziner, warum in den Evangelien steht, dass man hinauf nach Jerusalem zieht. Es d\u00e4mmerte. Ein nervender Verkehrsstau bildete sich vor den Toren der Stadt. Endlich wieder freie Fahrt erhaltend, stockte Jonathan f\u00fcr eine kleine Zeit an einer Kreuzung und fragte: \u201eGeradeaus oder rechts? Was sagt die Karte Elisabeth?\u201c \u201eGeradeaus, aber Obacht, es gilt rechts vor links.\u201c Der Lenker gab nach rechts blickend abrupt Gas. Es folgte ein lautes Krachen. Der linke vordere Kotfl\u00fcgel mit samt der Motorhaube wurde durch einen lauten Zusammenprall zertr\u00fcmmert und der gr\u00fcne Daihatsu Sirion so stark nach rechts geschleudert, dass er nach einer halben Drehung \u00fcber die Bordsteinkannte auf der Beifahrerseite zum Stehen kam. Die Airbags hatten sich ausgel\u00f6st. Jonathan hing doppelt in der Luft. Zudem versp\u00fcrte er wieder seine vergangenen H\u00fcftschmerzen. Der eingeklemmten Sch\u00e4tzle ging es mit einem Schleudertrauma nicht besser. Zwei M\u00e4nner n\u00e4herten sich laut fluchend. \u201eAre you alright?\u201c, t\u00f6nte es von Englisch auf Deutsch \u00fcbergehend, \u201ewenn ich gewusst h\u00e4tte, dass du im Auto sitzt Jonathan, dann h\u00e4tte ich noch mehr Gas gegeben. Warum wartest du Trottel so lange, um dann trotzdem zu fahren, ohne auf mich aufzupassen?\u201c, wollte Elymas Wicked-Oz wissen. Sein Beifahrer H\u00e4nsel Deifel winkte ein paar Passanten herbei, die halfen, das zertr\u00fcmmerte Gef\u00e4hrt wieder auf die R\u00e4der zu stellen. Die unversehrten Deifel und Wicked-Oz hatten nicht gespart und einen doppelt gewichtigen, schwerlich verformbaren Toyota Land Cruiser inklusive Edelstahl-Rammbock gemietet. Mit einem einheimischen Mercedes-Benz Krankenwagen wurde das von der Polizei befreite Paar ins Hadassah Krankenhaus gefahren. An andere Diablo Begegnungen erinnert, beobachtete Jonathan, wie das junge Sch\u00e4tzle, mit der im Vergleich zu Stein-Osiris-Ra kleineren Oberweite, eine Halskrause angepasst bekam. Beide Patienten durften zur Sicherheit und dank der fortgeschrittenen Stunde \u00fcbernachten. \u201eWenigstens hatte ich Recht\u201c, bemerkte der Patient, worauf die gekr\u00e4nkte Sch\u00e4tzle argw\u00f6hnte: \u201eDas h\u00e4tte uns im Todesfall nichts genutzt!\u201c Recht hatte sie und Recht hat rechts vor links.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen machte sich das schnell genesene Paar mit einem wei\u00df-roten \u00f6ffentlichen Bus auf den Weg in die Jerusalemer Altstadt. Jonathan erfasste, wie auf dem Nachbarsitz ein Fahrgast krampfhaft versuchte, ein elektronisches Teil zu bet\u00e4tigen. \u201eMay I help you? I\u00b4m an electronics fan? &#8211; Kann ich helfen? Ich bin ein Technikfreak?\u201c, war sein nettes Angebot. Zwei vor ihnen sitzende, weniger charmante, weibliche Soldaten drehten sich um, rissen den Ausl\u00f6ser an sich und nahmen den Mann mit Hilfe ihrer Gewehre fest. Der pal\u00e4stinensische Selbstmordattent\u00e4ter hatte vergeblich versucht, seinen Sprengstoffg\u00fcrtel zu z\u00fcnden.<\/p>\n<p>\u201eJonathan, das ist jetzt das dritte Mal, dass ich schier ums Leben komme\u201c, stellte Elisabeth fest, \u201elangsam frage ich mich, ob es richtig war mit dir zu reisen.\u201c \u201eDu h\u00e4ttest ja nicht mitkommen m\u00fcssen. Stell dir vor mein spannendes Leben wird einmal verfilmt. Dann wirst du ber\u00fchmter als Indiana Jones oder die Queen\u201c, erkannte richtig der k\u00fchne Storyheld. Das am Jaffator gelegene Christ Church Guesthouse war nicht mehr weit. An der Rezeption angekommen bekam Jonathan die Auskunft, dass die internationale Reisegruppe eine Sightseeing Tour durch die 2 mal restlos zerst\u00f6rte, 23 mal gegnerisch umlagerte und 52 mal feindlich angegriffene Stadt des Friedens unternimmt.<\/p>\n<p>\u201eLieber Heiliger Geist. Bitte f\u00fchre mich zu meiner zuk\u00fcnftigen Ehefrau. Ich sp\u00fcre ganz gewiss, dass sie sehr nahe hier ist\u201c, betete der gefrustete, erfolglose Fischer innerlich. Die wartende Sch\u00e4tzle bekam die Idee: \u201eLass uns zur Klagemauer gehen. Der Ort ist ein beliebtes Ziel f\u00fcr alle Besucher. Ich m\u00f6chte dort ohnehin ein Gebetsanliegen los werden.\u201c Also schlenderte das sein Gep\u00e4ck zur\u00fcck lassende, unfreiwillige Paar durch die engen Gassen der H\u00e4ndler, bis sie an der Jahrtausende alten Steinformation des Tempelbergs angekommen waren. Elisabeth Sch\u00e4tzle wollte ein Zettel an Gott posten und Jonathan Fischer tat es ihr gleich, indem er ein Papier in die Ritzen der m\u00e4chtigen Steinquader steckte. In dem Augenblick t\u00e4tschelte aus heiterem Himmel eine Hand auf seine Schulter. Eine Stimme sprach: \u201eJonathan, du wirst nie bekommen was du willst, ich habe mich in den Scheingeist versenkt und gesehen wie deine Erflehte von einem Freund ausgespannt wird.\u201c Wicked-Oz machte sich einen Spa\u00df daraus, seinen ehemaligen Mitbewohner zu \u00e4rgern. \u201eElymas, falls es dir gelingt meinen Lebenstraum zu zerst\u00f6ren, gibt es den totalen Krieg zwischen uns\u201c, erz\u00fcrnte der deutsche Reichsminister f\u00fcr Volksaufkl\u00e4rung. \u201eDer Kampf in den Gestirnen ist l\u00e4ngst ausgebrochen, als du mir Magdalena abspenstig gemacht hast. Sp\u00fcrst du Widder nicht, warum sich unsere Wege immer wieder kreuzen. F\u00fcr die gemeine Saat wirst du B\u00f6ses ernten\u201c, prophezeite der hinterh\u00e4ltige, hellsehende Astrologe.<\/p>\n<p>Die Sinnkrise vergr\u00f6\u00dferte sich bei Jonathan, als er mit Elisabeth im Restaurant beim Temple Institute sa\u00df und die Jerusalem Post studierte. Er suchte eine Pressemitteilung \u00fcber seinen gestrigen Verkehrsunfall. Statt dessen trafen seine Augen auf ein Bild von Phoebe Leontopoulou, die einen anderen Mann in den Armen hielt. Die Gruppe um Jakob Damkani hatte einen Aufruhr ausgel\u00f6st, als sie mit Jeshua Ha Mashiach (Jesus der Messias) T-Shirts durch das ultraorthodoxe Viertel Mea Shearim liefen. Neben dem seit Jahren wiederholt t\u00e4tlich angegriffenen und in Untersuchungshaft genommenen Gute-Nachricht-Verk\u00fcndiger Jakob, traf es Christoph Ziegler besonders hart. Er wies auf dem Foto eine blutende Nase auf und hatte ein blaues Auge und zerrissene Kleider davon getragen. Sch\u00e4tzle meinte dazu: \u201eDa haben sich die Richtigen gefunden.\u201c Und Jonathan hoffte: \u201eDas hat nichts zu bedeuten, mich hat Phoebe auch f\u00fcrsorglich bemuttert.\u201c<\/p>\n<p>Leiblich gest\u00e4rkt machten sich die Falafelgenie\u00dfer auf die weitere Suche. Die Via Dolorosa abschreitend begegnete ihnen ein pal\u00e4stinensischer Junge mit jordanischer Staatsb\u00fcrgerschaft, der das \u201eHeilige R\u00f6mische Reich Deutscher Nation\u201c verehrte. Der im hellbraunen Milit\u00e4rlook gekleidete Knappe sprach Englisch und bot sich als F\u00fchrer an. Dieser Hassan versicherte, die ausl\u00e4ndische Reisegruppe gesehen zu haben. Deshalb f\u00fchrte er, gegen ein kleines Almosen, die angeworbenen Touristen, durch die verwinkelten G\u00e4nge zur Grabeskirche. Dort angekommen prahlte er, den Schl\u00fcssel zum schweren Eingangstor in der Hand zu halten. Jonathan wettete um 100 Dollar, dass das nicht stimmt. Alsdann verf\u00e4rbte sich sein Gesicht kreidebleich, da der Knabe ihn eines Besseren belehrte.<\/p>\n<p>Die Fiktions-Autoren wollen die verehrten Leser nicht langweilen, doch in dem Gotteshaus gab es schon wieder eine Begegnung mit Wicked-Oz und Deifel. Elymas geriet in eine Versenkung, indem er seine Hand an die steinerne Stelle dr\u00fcckte, wo das Kreuz gestanden haben soll. W\u00e4hrend H\u00e4nsel sich b\u00e4uchlinks auf den Felsen nieder streckte, der traditionell als Ablegestelle des Leichnams Jesu betrachtet wurde. \u201eSchau dir diese esoterischen Br\u00fcder an. Die glauben immer noch an die Kraft der Steine\u201c, begriff Jonathan. \u201eLass uns schnell verstecken\u201c, empfahl Elisabeth. Einer weiteren Konfrontation erfolgreich aus dem Wege gehend, leitete sie Hassan in die kleine Grabeskapelle. Der Frieden w\u00e4hrte jedoch nicht lange. Ein unverst\u00e4ndlicher Kampf unter den M\u00f6nchen setzte sich in Bewegung. Die in Kutten gekleideten Gottesm\u00e4nner verschiedener Konfessionen schlugen brutal aufeinander ein. Der heftige Streit entstand um Renovierungsarbeiten im ersten Stock. Die Konfessions-Scharm\u00fctzel lie\u00dfen sich trotz dialogisierendem H\u00e4nsel Deifel nicht verbal l\u00f6sen, sondern mussten von der einschreitenden israelischen Polizei geschlichtet werden. Das Ende vom Jahrtausend alten Streit unter Christen war, dass eine f\u00fcr jedermann sichtbare Handwerker-Leiter, an der Front des Geb\u00e4udes, als Mahnmal stehen blieb. \u201eDieser Ort kann unm\u00f6glich die echte Kreuzigungsst\u00e4tte sein, was meinst du Elisabeth?\u201c, fragte Jonathan. \u201eLass uns zum englischen Garten gehen\u201c, entgegnete Elisabeth, \u201edas anglikanische Gartengrab, sowie Gordons Golgatha mit seinem grinsenden H\u00fcgelgesicht soll authentischer sein.\u201c Die sch\u00f6ne, ruhige Parkanlage mit bl\u00fchenden Planzen und Schatten spendenden B\u00e4umen, samt den von Menschenhand in Stein gehauenen Beerdigungsst\u00e4tten, strahlte eine friedliche Atmosph\u00e4re aus. Fischer und Sch\u00e4tzle suchten sich eine Sitzgelegenheit. Eine aus Harlem stammende farbige Gospelgruppe stimmte von Bob angeleitet ein Single-Loblied an. \u201eSein Grab ist leer, er ist auferstanden und er lebt\u201c t\u00f6nte einer der Refrains. Der diese Art von Musik nicht liebende moslemische Guide wartete vorsorglich am Eingang. Ein grauhaariger Mann setzte sich zu den Verweilenden auf die Parkbank. Den seltsam anmutenden Ausf\u00fchrungen folgend, war sich Jonathan nicht sicher, ob es sich bei dem Fremden um einen der verr\u00fcckten Psychopathen handelte, die sich f\u00fcr Moses oder Elia hielten. Der einen amerikanischen Slang sprechende Jesusj\u00fcnger behauptete, dass er die von Jeremia in einer H\u00f6hle versteckte Bundeslade, in der N\u00e4he des Damaskus Tors entdeckt h\u00e4tte. Als Beweis w\u00fcrde eine Blutprobe auf dem Gnadenthron, dem Deckel der mit Gold \u00fcberzogenen Akazienholz-Truhe dienen, sowie ein Video mit zwei Engeln. Der Mann bezeugte selbstbewusst, dass als Jesus Christus am Kreuz hing, ein Erdbeben den Felsen \u00f6ffnete, so dass das Blut des Heilands und Retter der Menschheit als hohepriesterliches Opfer direkt in das Allerheiligste floss. \u201eDas mit dem Erdbeben nehme ich ihnen ab, weil es in den Evangelien steht und selbst das Felsengrab dort dr\u00fcben erkennbar durch eine Ersch\u00fctterung gespalten ist\u201c, pflichtete Jonathan teilweise bei und Elisabeth erg\u00e4nzte: \u201e\u00dcber den Rest m\u00fcssen wir nachdenken. Die Zeit wird die Wahrheit ans Licht bringen!\u201c Entt\u00e4uscht verabschiedete sich Ron, der Hobby-Arch\u00e4ologe.<\/p>\n<p>\u201eWas meinst du Jonathan, hat dieser l\u00e4chelnde H\u00fcgel zur I.N.R.I.-Iesus-Nazarenus-Rex-Iudaeorum-Zeit des K\u00f6nigs der Juden genauso ausgesehen?\u201c, erkundigte sich Sch\u00e4tzle. \u201eKann schon sein, dass General Gordon einen Volltreffer gelandet hat\u201c, \u00fcberlegte Fischer, \u201eaber dieser Ron geht mir zu weit mit der Behauptung, dass das Schwert Golliaths darunter in einer H\u00f6hle liegt.\u201c Der kaum Deutsch verstehende Hassan wurde sehr aufgeregt: \u201eOf course \u2013 nat\u00fcrlich bef\u00e4nden sich Schwerter in der K\u00f6nigsh\u00f6hle. Selbst lateinische Schriften seien an den W\u00e4nden.\u201c F\u00fcr weitere 100 Dollar w\u00fcrde er sie zeigen. Sch\u00e4tzle verspr\u00fchte ihren vollen Charme, um den Preis auf die H\u00e4lfte zu senken. H\u00e4tte sie gewusst, was sie erwartet, wer wei\u00df, ob sie es sich nicht anders \u00fcberlegt h\u00e4tte. Als erstes Hindernis musste ein verschlossenes Gitter, das in einen unterirdischen Gang f\u00fchrte, \u00fcberwunden werden. Der jordanische Hirtenjunge sah seine Felle davon schwimmen bzw. seine Ziegen davon laufen. Einfacher ausgedr\u00fcckt, er war scharf auf die 50 Dollar. Anstelle eines gro\u00dfen Schl\u00fcssels, z\u00fcckte er einen kleinen Dietrich, der ihm zum Sesam \u00f6ffne dich verhalf. Jonathan und Elisabeth folgten in das teilweise beleuchtete H\u00f6hlensystem. Die Erl\u00e4uterungs-Tafel am Eingang zeugte davon, dass hier immer wieder Touristen verkehrten. Als die Entdecker tiefer eindrangen z\u00fcckte Hassan eine Taschenlampe. \u201eDer Junge denkt einfach an alles\u201c, fiel dem stolpernden Jonathan auf, \u201erichtig spannend hier, gel Eli?\u201c \u201eLass mein Knie Jo, mit uns und dem Schwert klappt es nie, Jo\u201c, textete die Schlagers\u00e4ngerin. An einer T\u00fcr angekommen, wurde es Jonathan buchst\u00e4blich mulmig. Grande Lodge of Jerusalem \u2013 Gro\u00dfloge von Jerusalem stand dort angeschrieben. \u201eWer hier wohl wohnt?\u201c, informierte sich Elisabeth. \u201eWenn Papst Leo der Dreizehnte da w\u00e4re, dann w\u00fcrde er m\u00f6glicherweise den Ort als Synagoge des Satans bezeichnen\u201c, wusste der beinahe Pastorensch\u00fcler. \u201eDenkst du das ist der Eingang zur H\u00f6lle?\u201c, sch\u00e4tzte Sch\u00e4tzle. \u201eLiebste Chefin, du bist A eine Frau, B zu unerfahren und C zu neugierig\u201c, provozierte Fischer. Die forsche Elisabeth stie\u00df schlagartig die T\u00fcr auf. Zwei von der Taschenlampe geblendete Augenpaare gifteten die unerw\u00fcnschten Eindringlinge von drinnen an. Der Raum war nur mit drei Kerzen beleuchtet. Am anderen Ende war ein Altar mit einem Buch und einem in Blut getr\u00e4nkten Totenkopf. F\u00fcr den jugendlichen Hassan war das zu viel, denn er stellte einen Kurzbahn-Weltrekord im Taschenlampenrennen f\u00fcr das Guinness-Buch auf. Wie gerne w\u00e4re Jonathan mit Elisabeth ebenso aus der unterirdischen Versenkung entflohen. \u201eIhr seid nichts anderes als Tiere und Bestien\u201c, klagte Fischer Wicked-Oz und Deifel an. \u201eWenn der einzige Zeuge nicht ein Kind w\u00e4re, k\u00f6nntet ihr jetzt euer Testament machen\u201c, bekam er von Wicked-Oz zur Antwort, \u201edu solltest mir dankbar sein, dass ich dich verschone. Komm, nimm einen Schluck, das verleiht dir \u00fcbermenschliche Kr\u00e4fte.\u201c \u201eDas Leben ist im Blut, deshalb sollen wir uns aus Respekt davor enthalten\u201c, mischte sich Elisabeth ein. \u201eWer von uns wird die Dirne als erstes packen?\u201c, wollte der, demonstrativ das \u00fcberbreite Trinkgef\u00e4\u00df ausschl\u00fcrfende, Deifel wissen. Jonathan legte sch\u00fctzend seine H\u00e4nde um Elisabeths Schultern: \u201eIhr seid die gr\u00f6\u00dften Schweine, die es gibt!\u201c \u201eJetzt werde mal nicht unversch\u00e4mt, mein alter Freund, du und dein verr\u00e4terischer Kumpel Markus haben nicht wirklich begriffen, um was es geht\u201c, startete Wicked-Oz, \u201ewir werden eine humane neue Welt schaffen mit besseren Bedingungen f\u00fcr alle die \u00fcbrig bleiben. So viel Leute vertr\u00e4gt der Erdball einfach nicht. Wir in der zivilisierten westlichen Welt k\u00f6nnen doch nichts daf\u00fcr, dass \u00e4rmere V\u00f6lker es treiben wie die Karnickel.\u201c \u201eRecht hat er\u201c, pflichtete Professor Deifel bei, \u201ekeinen Frieden, ohne dass ich log, ha ha ha!\u201c<\/p>\n<p>Wicked-Oz fl\u00fcsterte Deifel etwas ins Ohr. Daraufhin n\u00e4herten sich die beiden langsam dem ver\u00e4ngstigten P\u00e4rchen zu. Jonathan sprang auf und st\u00fcrzte die drei Leuchter nacheinander um. Zu seinem Leidwesen besa\u00dfen die Kontrahenten Feuerzeuge. Jonathan schrie: \u201eIch gebiete euch im Namen Jesus verschwindet und lasst uns in Ruhe!\u201c \u201eBis zum n\u00e4chsten Mal\u201c, verabschiedete sich der erleuchtete \u00dcberapostel und der inquisitorische Schuldekan riet: \u201eDer Geist ist scheinbar willig, aber das Fleisch ist umso schw\u00e4cher. R\u00fchre ja nicht die Jungfrau an, du M\u00f6chtegern-Heiliger.\u201c Die T\u00fcr flog mit einem lauten Krachen zu. Ein schlie\u00dfender Schl\u00fcssel und sich entfernende Stimmen, waren zu h\u00f6ren. Dann trat Totenstille ein. Elisabeth weinte. Jonathan tastete sich, an seinen blinden Vater erinnert, zur T\u00fcr vor und versuchte eine halbe Stunde lang vergeblich, diese mit Gewalt aufzubekommen. \u201eJetzt h\u00f6r endlich auf Jonathan. Komm r\u00fcber, mich friert so stark\u201c, bat die Tr\u00e4nen \u00fcberstr\u00f6mte Sch\u00e4tzle. Der einstige Ausbilder sp\u00fcrte sich an die Komm-mir-nicht-zu-Nahe-Biene heran und legte abermals seinen Arm um ihre Schulter: \u201eWeist du Elisabeth, zwei sind besser dran als einer allein. Einer mag \u00fcberw\u00e4ltigt werden, aber zwei k\u00f6nnen widerstehen und eine dreifache Schnur reist nicht entzwei.\u201c \u201eAuch, wenn zwei beieinander liegen, w\u00e4rmen sie sich. Wie kann ein Einzelner warm werden?\u201c, sehnte sich die Heulende um mehr Zuneigung. \u201eDu wirst sehen Gott holt uns hier raus\u201c, sprach der Tr\u00f6ster, \u201eder Herr bereitet sogar einen Tisch im Angesicht unserer Feinde.\u201c \u201eSch\u00f6n w\u00e4r\u00b4s. Aber rede nicht so viel, du Salomonischer Prediger\u201c, w\u00fcnschte sich die Zuneigungsbed\u00fcrftige, \u201elass uns besser praktisch werden und nach einer gem\u00fctlicheren Stelle zum Schlafen suchen.\u201c Der einzige bequeme und w\u00e4rmere Liegeplatz war die h\u00f6lzerne Tischplatte auf dem Altar. Jonathan stie\u00df zun\u00e4chst an den vergessenen Totensch\u00e4del. \u201eWas machst du da?\u201c, wollte Sch\u00e4tzle wissen. \u201eAch nichts, ich r\u00e4ume nur auf\u201c, beruhigte der Aufpasser und begann, an alte Stehblueszeiten erinnert, abermals zu kuscheln. Als komfortabelste K\u00f6rperpose stellte sich die zusammen gekauerte Babyhaltung heraus. Fischer lag f\u00fcr eine Zeit vorne und Sch\u00e4tzle schmiegte sich an seinen R\u00fccken. \u201eK\u00f6nnen wir uns umdrehen. Du bist so gro\u00df und mich friert der Hintern\u201c, bat Sch\u00e4tzle. Auch diese Stellung bot ihre Reize. Vor dem Einschlafen erinnerte sich der bibbernde Jonathan an den Albanienurlaub. Er sah sich zwischen den w\u00e4rmenden Helen und Reinhild sitzen und danach in das abk\u00fchlende Gew\u00e4sser h\u00fcpfen. Diese Nacht war freilich eine Pr\u00fcfung von Gott, ob er sich artig verh\u00e4lt. Seine ertr\u00e4umte Frau hie\u00df sicherlich Phoebe.<\/p>\n<p>In den fr\u00fchen Morgenstunden schnatterten beide vor K\u00e4lte. Elisabeth haderte: \u201eIch bin freilich keine Katze. Ich h\u00e4tte dir dummen Kater nie nachlaufen sollen. Jetzt sterbe ich zum vierten Mal mit dir.\u201c \u201eMach dir keine Sorgen. Man holt uns hier schon raus\u201c, fatalerweise vertraute Jonathan seinen eigenen Worten nicht. Er hatte immer wieder von der Katharsis getr\u00e4umt. Er sah laufend einen Wirbelsturm \u00fcber sich und Elymas ausbrechen, der ihn wiederum an die USA gemahnte. \u201eElisabeth gibt es irgend etwas Verborgenes, das wir Gott bekennen sollten. Irgend eine S\u00fcnde, die uns von ihm trennt und unsere Befreiung verhindert?\u201c, bohrte der H\u00e4ftling herum. \u201eJa nat\u00fcrlich. Aber wenn du Esel nicht darauf kommst, kann und will ich dir nicht helfen\u201c, gab sie ihr R\u00e4tsel nicht preis.<\/p>\n<p>Die T\u00fcr \u00f6ffnete sich f\u00fcr die aneinander zu Tisch Sitzenden. Hassan hatte Ali, Ali hatte Ahmet, Ahmet hatte Abdullah, Abdullah hatte Achmadisdnehad und Achmadisdnehad hatte die Allahu-Akbar-Brigaden gerufen. Die Tempelw\u00e4chter freuten sich \u00fcber eine reichhaltige Beute in Form der an den W\u00e4nden h\u00e4ngenden Schwerter und des einzigartigen Totensch\u00e4dels mit den perfekten Z\u00e4hnen. Jonathan und Elisabeth versicherten, dass sie den auf dem Boden liegenden, blutverschmierten Koran nicht beschmutzt haben, sondern dass daf\u00fcr Deifel und Wicked-Oz zur Verantwortung gezogen werden m\u00fcssen. Als der hitzk\u00f6pfige Achmadisdnehad die heilige Schrift des Islam und den Skull in seinen Rucksack packte, wurde es Jonathan ganz anders zu Mute, weil er an seine Hellfire Valley Rast vor den Toren Las Vegas erinnert wurde.<\/p>\n<p>Endlich sehe ich Phoebe wieder, ging es Jonathan durch den Kopf. Doch zun\u00e4chst bestanden die befreienden M\u00e4rtyrer darauf, dass die Erl\u00f6sten einen Einkaufsbummel in ihrem moslemischen Basar unternehmen. Nachdem Jonathan versicherte, dass er bereits einen Perserteppich, \u00fcber dem er regelm\u00e4\u00dfig betet, besitzt, wurde er statt dessen gen\u00f6tigt zur Al-Aksa-Moschee mitzukommen. Dort k\u00f6nnte er neben der v\u00f6lligen Unterwerfung auch die edelsten und kostbarsten Knoten-Gewebe in gro\u00dfer Zahl kennen lernen. \u201eBekomme ich dann statt einer gleich 99 Jungfrauen?\u201c scherzte Jonathan. \u201eHalt lieber die Klappe\u201c, \u00e4ngstigte sich Elisabeth, \u201edie Br\u00fcder verstehen mutma\u00dflich mehr Deutsch als du denkst und weniger Spa\u00df, wie wir gew\u00f6hnt sind.\u201c Den Tempelberg \u00fcberschreitend wollte Elisabeth einen kleinen Abstecher zum Felsendom unternehmen, um eine kurze Ansicht hineinzuwerfen. Das islamische Bauwerk war dahingegen l\u00e4ngst von religi\u00f6sen Wallfahrern belagert. Jonathan hoffte, dass es sich dabei um Jakob und seine Truppe handeln k\u00f6nnte. Andererseits durfte er gleicherma\u00dfen den \u201eGott hat keinen Sohn\u201c Schrein nicht mit seinen Schuhen betreten. Barfu\u00df einen verstohlenen Blick in das Innere wagend ersp\u00e4hte er wen? Nat\u00fcrlich, H\u00e4nsel und Elymas. Sie bekamen gerade von einem prunkvoll gekleideten Geistlichen eine Hostie ausgeteilt. \u201eElisabeth, du wirst es nicht glauben, Deifel und Wicked-Oz feiern unter der goldenen Kuppel heimlich Abendmahl\u201c, berichtete der deutsche Spion. Achmadisdnehad, der alles mitgeh\u00f6rt hatte kochte vor Wut. Wie ein Muezzin-Ausrufer etwas laut auf arabisch schreiend, warf er den Sack mit dem Sch\u00e4del auf den Boden und z\u00fcckte statt dessen eines der Schwerter. Seine entr\u00fcsteten Kriegs-Kameraden taten es ihm gleich und st\u00fcrmten den Dom. Ein heftiger Kampf mit dem westlichen Sicherheitspersonal entflammte, der in einen Aufruhr m\u00fcndete. Von da an wurde die heilige St\u00e4tte f\u00fcr unbeschnittene Heiden gesperrt. Den Steinhagel meidend nutzte Jonathan die Gelegenheit, sich mit Elisabeth abzusetzen. Mit forschem Schritt verlie\u00dfen sie die umk\u00e4mpfte arch\u00e4ologische Ausgrabungsst\u00e4tte, indem sie zum Christ Church Guest House fl\u00fcchteten.<\/p>\n<p>Was f\u00fcr eine \u00dcberraschung, an der Rezeption befanden sich f\u00fcnf alte Bekannte. Deborah, Hanna, Mirjam und Judith checkten sich gerade ein. \u201eWas f\u00fcr ein Happening. Du hier Jonathan\u201c, umarmte ihn der verbl\u00fcffte Andrew Taylor, \u201em\u00f6chtest du mir nicht deine Frau vorstellen?\u201c \u201eOh, das ist Elisabeth, meine Abteilungsleiterin an der Arbeit\u201c, wurde der einstige Chinamissionar ganz verlegen. Es h\u00e4tte ja sein k\u00f6nnen, dass ihm als n\u00e4chstes Phoebe um den Hals f\u00e4llt. Doch das von Jakob Damkani dirigierte Evangelisationsteam war schon Zuflucht findend an das Schilfmeer abgereist. Die n\u00e4chste Sinnkrise machte sich bei Jonathan breit. Bei einem gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck besprachen die Freunde ihre unterschiedlichen Tagespl\u00e4ne. Elisabeth weigerte sich partout mit Jonathan ins Mietauto zu steigen, um ins Shelter Hostel nach Eilat hinterher zu fahren. Nach den Strapazen wollte sie sich erst einmal hinlegen. Sie bestand darauf, wenigstens eine weitere Nacht in Jerusalem zu bleiben. Andrew Taylor hatte vollstes Verst\u00e4ndnis daf\u00fcr. Er lud Jonathan statt dessen ein, eine von ihm geleitete Pilgertour mitzumachen. \u201eAlso gut\u201c, stimmte Jonathan zu, \u201edann haben wir mehr Zeit, \u00fcber mein Leben zu sprechen.\u201c \u201eSchau nicht soviel auf dich, sondern auf Jesus\u201c, korrigierte Bruder Andrew, \u201eerz\u00e4hl besser was aus David Diao und Martin Peter Anrich geworden ist.\u201c<\/p>\n<p>Als erstes besuchte der bunt gemischte Haufen, die mit 200 Jahre \u00e4lteste protestantische Kirche des Nahen Ostens, die zum Hotel geh\u00f6rte. Die Vierlinge stimmten einen Kanon in Mandarin an, der sich in dem anglikanischen Gem\u00e4uer himmlisch anh\u00f6rte. Das n\u00e4chste Ziel war der Kirchturm der Erl\u00f6serkirche, dessen Aussichtspunkt einen weit umspannenden Rundblick \u00fcber die Sehensw\u00fcrdigkeiten von Jerusalem bot. Diese vom Propst Ronecker gef\u00fchrte deutsche evangelische Kirche, war Jonathan wesentlich symphatischer, als die von der r\u00f6mischen Kaisermutter Helena gegr\u00fcndete, einen Steinwurf entfernt liegende, Grabeskirche. Andrew Taylor wollte eine Auslegung \u00fcber das \u201eK\u00f6nnt ihr nicht eine Stunde mit wir wachen\u201c Gebet geben. Deshalb gingen sie ein wenig weiter, bis sie im wundersch\u00f6nen Garten von Gethsemane angekommen waren. Die alten Olivenb\u00e4ume stammten aus der Zeit Jesu. Sie sprossten heute noch, durch neue Zweige, die in die uralten St\u00e4mme eingepfropft waren. Mahnend erl\u00e4uterte Bruder Andrew R\u00f6mer Kapitel 11 Vers 17: \u201eWenn aber einige von den Zweigen ausgebrochen wurden und du, der du ein wilder \u00d6lzweig warst, in den \u00d6lbaum eingepropft worden bist und teilbekommen hast an der Wurzel und dem Saft des \u00d6lbaums, so r\u00fchme dich nicht gegen\u00fcber den Zweigen.\u201c Pastor Taylor bedauerte in diesem Zusammenhang, dass viele Christen hochm\u00fctig sind, keine Ehrfurcht vor Gott haben und denken Gott h\u00e4tte f\u00fcr immer sein Bundesvolk vergessen. Dann lehrte er aus dem Alten Testament \u00fcber acht Gottesnamen: Jahwe Jireh, Rapha, Roi, Nissi, Zidkenu, M\u00b4Kaddesh, Schamah und Schalom \u2013 Gott der Versorger, der Arzt, der Hirte, das Siegesbanner, die Gerechtigkeit, die Heiligkeit, der Allgegenw\u00e4rtige und der Friede. Im Teil des Vaterunsers wo \u201eGeheiligt werde dein Name\u201c gebetet wird, k\u00f6nne jeder Christ m\u00fchelos 10 Minuten verweilen, indem er diese Charaktereigenschaften preist und dar\u00fcber nachsinnt. Jonathan hatte dieses Prinzip anl\u00e4sslich der geistigen Fortbildungsreise in Ph\u00f6nix gelernt. Freudig rutschte ihm heraus, dass er diese Gebetsform schon l\u00e4ngst t\u00e4glich praktiziert. Im Anschluss erfuhr er wie wichtig es ist, sich ins stille K\u00e4mmerchen zur\u00fcckzuziehen, da es unangebracht sei die religi\u00f6sen Werke hinauszuposaunen. \u201e\u00dcberhaupt ist es besser, wenn die Menschen uns als Salz und Licht der Erde wahrnehmen, und wir deshalb als Christen einen guten Ruf haben, anstelle uns selbst zu loben\u201c, waren die abschlie\u00dfenden Worte der englischen Predigt. Das Team wanderte den steilen j\u00fcdischen Gr\u00e4berhang des \u00d6lbergs hinauf. Andrew Taylor deutete auf das goldene Tor: \u201eSeht, den davor angelegten arabischen Friedhof und die Steine mit denen die \u00d6ffnung zugemauert wurde. Menschen meinen damit den Messias aufhalten zu k\u00f6nnen und verkennen, dass er bei seinem zweiten Kommen mit seinen Engeln auf den Wolken erscheint.\u201c Auf der Anh\u00f6he angekommen bot sich ein majest\u00e4tisches Panorama auf den Tempelberg. Die Unruhen waren abgeflaut.<\/p>\n<p>Daf\u00fcr sorgte eine andere Freiversammlung f\u00fcr Unfrieden. \u201eNicht schon wieder\u201c, sagte der eingesch\u00fcchterte Fischer, \u201ekomm lasst uns schnell verschwinden.\u201c \u201eWovor f\u00fcrchtest du dich?\u201c, wollte der powerfulle Taylor wissen, \u201ewei\u00dft du nicht, dass der, der in uns ist (Christus) st\u00e4rker, als der in der Welt (Satan) ist?\u201c<\/p>\n<p>Ein Fernsehteam zeichnete einen von Wicked-Oz geleiteten deutschsprachigen Gottesdienst auf. Viele der Zuh\u00f6rer kamen aus Stuttgart, jedenfalls hatte Jonathan schon einige Gesichter in der Musicalhall gesehen. Elymas schwor das Publikum darauf ein, einen Bund mit Gott zu schlie\u00dfen, indem sie versprachen, mindestens 1000 US-Dollar oder mehr an ihn zu spenden. Einige Schriftstellen anf\u00fchrend begr\u00fcndete er, warum der Herr die Schleusen des Himmels \u00f6ffnen muss und hundertf\u00e4ltig den Mammon zur\u00fcck erstatten wird. Die Geber w\u00fcrden dann nicht nur finanziell gesegnet, sondern auch von Krankheiten und Unf\u00e4llen bewahrt. Der in der ersten Reihe sitzende H\u00e4nsel Deifel erhob sich, zu einem riesigen Steinaltar mit vier H\u00f6rnen schreitend. Elymas Wicked-Oz erkl\u00e4rte, dass darauf tausende von Gebetsanliegen gestapelt seien, die Scheingeist-Gemeindemitglieder an ihn und Deifel geschickt h\u00e4tten. In der Zukunft w\u00e4re es noch wichtiger, dass jeder Wunsch und jedes Anliegen verbunden mit einer Gabe vor den Hauptleiter und seinen Stellvertreter gebracht werden. Diese k\u00f6nnten, dann aufgrund ihrer besseren Verbindung zu Gott effektiver in F\u00fcrbitte treten. Dies untermauernd legten beide ihre H\u00e4nde auf die mit Schn\u00fcren zusammen gebundenen Briefstapel, erhoben ihre H\u00e4upter zum Himmel und beteten ein Glaubensbekenntnis. Der in der letzten Reihe stehende Andrew Taylor wollte wissen, ob die Briefe mit dem Stempel der Jerusalemer Post in alle Welt verschickt werden. Die Frage er\u00fcbrigte sich, weil die Empf\u00e4nger Wicked-Oz und Deifel die Bittschreiben sowieso nicht lesen wollten, und statt dessen das geduldige Papier flugs mit ihren Feuerzeugen in Rauch aufsteigen lie\u00dfen. Der Spielverderber Jonathan fing an zu rufen: \u201eIhr wollt eine moderne, charismatisch christliche Versammlung sein. Das sind doch die selben Methoden der Ablasszahlung und Heiligenverehrung, wie im Mittelalter. Bei Gott gibt es kein Ansehen der Person. Wir d\u00fcrfen durch das Blut des Heilands immer zu ihm kommen. Wisst ihr nicht, dass der ewige Hohepriester Jesus, durch sein einmaliges Opfer, der einzige Mittler zwischen dem himmlischen Vater und den Menschen ist?\u201c Der Appell fruchtete bei einigen gewissenhaften Skeptikern, die sich erhoben und den wohl bekannten Fischer begl\u00fcckw\u00fcnschten. \u201eWer diesem Propagandaminister und scheinheiligen Demagogen folgt, begeht die S\u00fcnde gegen den Heiligen Geist und wird exkommuniziert\u201c, verk\u00fcndigte H\u00e4nsel Deifel, \u201ejeder der mir den Namen eines Abtr\u00fcnnigen liefert, steigt eine Stufe h\u00f6her in der SGD-Hierarchie.\u201c Die prophetischen Vierlinge, die kein Deutsch und wenig Englisch verstanden, teilten Taylor auf Mandarin ihre negativen Eindr\u00fccke mit. Seine fern\u00f6stlichen Sprachkenntnisse zur Schau stellend, gesellte sich die freundlich l\u00e4chelnde Schlange Elymas zu den anziehenden Frauen hinzu und erz\u00e4hlte die schlimmsten L\u00fcgenm\u00e4rchen \u00fcber Jonathan. Als dies nicht fruchtete, giftete er Fischer an: \u201eDas Gestern war nur ein Vorgeschmack. Heute Nacht wird das Grauen \u00fcber dich hereinbrechen. Ich werde jeden mir zur Verf\u00fcgung stehenden Engel auf dich los lassen.\u201c \u201eFinsternis und Licht haben nichts gemein. Jesus Christus hat am Kreuz einen Triumphzug \u00fcber den Teufel gehalten, ihn entkleidet und \u00f6ffentlich zur Schau gestellt. Das wirst du fr\u00fcher oder sp\u00e4ter begreifen, denn jeder Mund wird bekennen, dass Jesus Christus Herr ist und jedes Knie wird sich vor ihm beugen\u201c, Jonathan sp\u00fcrte, wie gut es tut das Wort Gottes als sch\u00e4rfstes zweischneidiges Schwert einzusetzen. Der scheinheilige Oberhirte Elymas konnte jedenfalls die Zitate nicht leiden und fl\u00fcchtete zur\u00fcck zu Deifel.<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes Ausflugsziel w\u00e4hlte Andrew Taylor, nochmals das Kidrontal durchschreitend, den Zionsberg aus und erkl\u00e4rte: \u201eHabt ihr gewusst, dass Jesus au\u00dfer seinem kostbaren Gewand so gut wie nichts besa\u00df? Der Obersaal f\u00fcr die Abendmahlfeier wurde ihm \u00fcberlassen, das Eselsf\u00fcllen geborgt, das Salb\u00f6l gespendet und selbst sein Grab geh\u00f6rte einem anderen.\u201c Dem erm\u00fcdenden Banker Fischer ging ein Licht auf: \u201eStimmt, Jesus hatte nicht einmal Geld, weil Judas die Kasse f\u00fchrte, Petrus die Tempelsteuer aus dem Maul eines Fisches bezahlte und die M\u00fcnze mit dem Kopf des Kaisers aus der Menge hoch gehoben wurde.\u201c Das sechsk\u00f6pfige Gr\u00fcppchen besichtigte den traditionellen Obersaal auf dem Hochplateau, das Stadt Davids genannt wurde. Der Ort des letzten Abendmahls wird von Bibellehrern auch als Ausgangspunkt des Pfingstfestes angesehen. Es wird spekuliert, dass die Sekte der Essener, ein Vorl\u00e4uferorden der M\u00f6nche, den Gebetsraum, in dem die Ausgie\u00dfung des Heiligen Geistes statt fand, zur Verf\u00fcgung stellte. \u201eDiese Mauern sind erst sp\u00e4ter aufgerichtet worden. An vielen Pl\u00e4tzen stehen Monumente, die an Orte und Begebenheiten erinnern sollen. Menschen wie die Reliquien erfindende Helena, der Christusmonogramm einverleibende Konstantin oder die den Heiligen Gral suchenden Kreuzritter fiel es leichter, gegen das von Mose \u00fcbermittelte zweite Gebot versto\u00dfend, Gegenst\u00e4nde anzubeten, anstelle den unsichtbaren Sch\u00f6pfer\u201c, der dozierende Andrew f\u00fchrte die Gruppe nach unten, zeigte das von orthodoxen Juden geh\u00fctete Davidsgrab und fuhr fort, \u201eselbst in der Pfingstpredigt erw\u00e4hnt Petrus, dass das Grab Davids bis auf den heutigen Tag unter uns ist. Auch wenn seine Gebeine wieder zum Leben kommen, denke ich, es ist kl\u00fcger die Toten die Toten begraben zu lassen.\u201c Diese Weisheiten gaben Jonathan stark zu denken. Anstelle ein unter dem Tempelberg durchf\u00fchrendes, von K\u00f6nig Hiskija durchtriebenes, Tunnel zu besichtigen, zog es der ver\u00e4ngstigte H\u00f6hlenforscher vor, sich im Hotel auszuruhen. Deshalb empfahl er: \u201ePasst mal gut auf, dass kein neuer Aufstand ausbricht, ihr eingesperrt werdet oder das \u00d6l in euren Lampen erl\u00f6scht!\u201c<\/p>\n<p>Beim Abendessen sa\u00dfen die f\u00fcnf Frauen und zwei M\u00e4nner wieder eintr\u00e4chtig zusammen. Vom Kellner Philippus wurde in K\u00f6rben Gerstenbrot gereicht, dazu gab es den von Bruder Andreas geliebten Petrusfisch. Als alle satt geworden waren, eilten Andrew und die Prophetinnen in das Jerusalemer Kongresszentrum. \u201eWohin so schnell? Ihr habt noch jede Menge \u00fcbrig gelassen!\u201c, erkundigte sich Elisabeth. \u201eWir sind von 5000 Bewerbern ausgesucht worden und m\u00fcssen uns beeilen, sonst kommen wir zu sp\u00e4t zum 12er-Spiel\u201c, sprachs und ward nicht mehr gesehen. \u201eJonathan, die h\u00e4tten uns ruhig mehr erkl\u00e4ren k\u00f6nnen. Wei\u00dft du welches Spiel die spielen?\u201c wollte die Neugierige wissen. \u201eKeine Ahnung, ich habe dem Gl\u00fccksspiel und Turnierschach entsagt. Gehst du mit mir jetzt mit zur Avis Autovermietung in die K\u00f6nig David Strasse? Dann k\u00f6nnen wir einen Abstecher nach Givat Ram machen\u201c, der gem\u00fctlich speisende Abenteurer hatte sowieso keine Lust mehr auf hektische Verfolgungsjagden.<\/p>\n<p>Aus Erfahrung klug geworden, lieh sich Jonathan diesmal einen Mitsubishi Pajero Off Roader aus, den er demonstrativ, mit einem Zug, r\u00fcckw\u00e4rts, in eine frei gewordene Parkl\u00fccke vor der im Regierungsviertel befindlichen Kongresshalle, einparkte. \u201eSiehst du, M\u00e4nner k\u00f6nnen halt besser Auto fahren!\u201c \u201eKlar du Bruchpilot, darum bauen Frauen weniger Unf\u00e4lle\u201c, quittierte Sch\u00e4tzle und fuhr fort, \u201emir kam gerade ein bl\u00f6der Gedanke. Was machen wir, wenn Deifel und Wicked-Oz in der Halle sind?\u201c Jonathan durchdrang ein Schrecken in seine Glieder: \u201eBist du jetzt auch unter die Hellseherinnen gegangen. Wicked-Oz hat mir f\u00fcr heute Nacht meinen Untergang vorher gesagt.\u201c Passend dazu lautete das Motto, der von der Chrislichen Botschaft in Jerusalem &#8211; ICEJ &#8211; organisierten Veranstaltung: \u201eBiblische Prophetie, der Weg ohne Furcht ins kommende Millenium!\u201c<\/p>\n<p>Der Versammlungsort war ohnehin voll besetzt, so dass die Ordner am Eingang keinen Einlass gew\u00e4hrten. \u201eSchade, dann fragen wir Taylor und die Chinesinnen halt im Hotel wie es war\u201c, zeigte sich Jonathan leicht entt\u00e4uscht. Elisabeth erg\u00e4nzte: \u201eSo ein Schicksal, es soll halt einfach nicht so sein.\u201c \u201eHey, ihr zwei S\u00fc\u00dfen, k\u00f6nnt ihr mir helfen?\u201c, einer der Organisatoren, ein \u00fcbergewichtiger, wei\u00dfer S\u00fcdafrikaner n\u00e4herte sich Eis schleckend der Garderobe, \u201eich ben\u00f6tige zw\u00f6lf wackelige St\u00fchle von hier hinten. Kommt und packt mit an.\u201c Im Handumdrehen befanden sich die Tr\u00e4ger-Sklaven vor\u00fcbergehend hinter der B\u00fchne. Der witzige, esss\u00fcchtige Ed fragte Elisabeth w\u00e4hrend er verschnaufte: \u201eSeid ihr verheiratet?\u201c \u201eNein\u201c, antwortete Sch\u00e4tzle. \u201eTraut ihr euch nicht?\u201c \u201eWei\u00df ich nicht.\u201c \u201eHat er dich nicht gefragt, ob du ihn heiraten willst?\u201c \u201eNein\u201c \u201eWillst du sie nicht heiraten, Mann oh Mann?\u201c \u201eWarum nicht? Wom\u00f6glich steh ich auf eine andere\u201c, beteiligte sich der hinsetzende Fischer an dem Verkuppelungsspiel. \u201eSo jetzt passt gut auf\u201c, der durchs Programm f\u00fchrende Ed Hagee wurde ernster, \u201esobald der Gesang aus ist und die T\u00e4nzerinnen mit ihren Fahnen die B\u00fchne verlassen, stellt ihr die St\u00fchle in die Mitte der Plattform. Ganz so wie bei dem Kinderspiel die Reise nach Jerusalem.\u201c Gesagt getan. Das Zw\u00f6lfer-Spiel konnte nach einer einf\u00fchrenden Erkl\u00e4rung von Pastor Hagee starten. Der erste der nach Ausklingen der Musik seinen Platz verlor war, der durch das Auftauchen der assistierenden Sch\u00e4tzle irritierte Deifel, wie k\u00f6nnte es auch anders sein. Die zw\u00f6lf teilnehmenden Propheten waren eigens von der christlichen Botschaft ausgew\u00e4hlt worden, um ihre Tr\u00e4ume und Visionen einem breiten Publikum mitzuteilen. H\u00e4nsel Deifel versprach: \u201eDas kommende Jahrtausend wird, wie mir der Geist des Humanismus zeigte, einen nie da gewesenen Frieden unter den Nationen bringen. V\u00f6lker und rivalisierende St\u00e4mme werden sich verst\u00e4ndigen. Kriege werden beendet und Krankheiten erfolgreich bek\u00e4mpft. Wohlstand wird f\u00fcr alle eingef\u00fchrt. Dies wird dadurch erm\u00f6glicht, dass die Menschen und Religionen sich unter einem messianischen F\u00fchrer in der globalen Republik demokratisch vereinigen. Jeder Mitl\u00e4ufer, der nicht negativ redet und sich unterordnet wird an den kommenden Segnungen Teil haben. Intolerante Engstirnige m\u00fcssen dagegen ausgemerzt werden.\u201c<\/p>\n<p>\u201eWer\u00b4s glaubt wird selig\u201c, war der Spott des n\u00e4chsten Stuhltanz-Ausscheiders Horst Schaftseweg dazu, der die Hoffnung auf eine bessere Welt auf Erden l\u00e4ngst aufgegeben hatte. Eine schlechte Stimmung verbreitend schrie er wild gestikulierend: \u201eSo spricht der Herr: Das Gericht Gottes wird \u00fcber alle egoistischen, dominanten Leiter ausbrechen. Wehe den Hirten, die die Schafe meiner Weide zugrunde richten und t\u00f6ten. Ihr habt meine Schafe zerstreut und sie vertrieben und habt nicht nach ihnen gesehen. Siehe ich werde die Bosheit eurer Taten an euch heimsuchen. Wehe den Hirten die sich selbst weiden. Die Milch genie\u00dft ihr, Fleisch und Knochen h\u00e4ngen zwischen euren Z\u00e4hnen, aber die Herde weidet ihr nicht. Die Schwachen habt ihr nicht gest\u00e4rkt, das Kranke nicht geheilt, das Gebrochene nicht verbunden, das Versprengte nicht zur\u00fcck gebracht und das Verlorene nicht gesucht, sondern mit H\u00e4rte habt ihr \u00fcber sie geherrscht und mit Gewalt. Ich werde euch ein Ende machen und werde meine Schafe aus eurem Rachen retten, dass sie nicht mehr zum Fra\u00df seien.\u201c<\/p>\n<p>Den Aufbruch zu Joels letzten Kampf beschrieb der Malteser Bruchpilot Rick Ritter folgenderma\u00dfen: \u201eIch h\u00f6rte Gottes Ruf auf meinem Handy. Er teilte mit, dass eine neue revolution\u00e4re Generation von maximal ein Drittel falsche Vorhersagen gebenden Propheten am Heranreifen ist. Die Bescheidensten werden mehr Wissen und Vollmacht haben als Paulus, dessen Totengeist mir in einer anderen Himmelsvision begegnet ist. Diese vor Millionen im Fernsehen dienenden Superapostel werden ein Volk von Feuermenschen leiten, die wie Heuschrecken \u00fcber den ganzen Erdkreis herfallen. Eine bessere, sich selbst verleugnende Armee der Demut wird auf R\u00f6ssern reitend, die ganze Welt einnehmen. Zeichen und Wunder werden durch sie in H\u00fclle und F\u00fclle geschehen, so dass alle Heiden sich bereitwillig bekehren.\u201c<\/p>\n<p>Das Ziel besser ins Auge nehmend traf Andrew \u201ethe Power\u201c Taylor zuerst ins Schwarze: \u201eIch h\u00f6rte eine Stimme aus dem Himmel die sagte: Gl\u00fccklich sind die Toten die im Herrn starben, sterben und sterben werden. Sie werden Ruhe finden f\u00fcr alle M\u00fche und Drangsal, denn ihre guten Werke werden ihnen folgen. Seid nicht bek\u00fcmmert, wenn ihr unschuldig ins Gef\u00e4ngnis geworfen werdet oder sie euch aus Hass um meinetwillen t\u00f6ten. Wenn sie mich verfolgt haben, werden sie euch ebenso verfolgen. Harrt weiter aus. Wenn jemand in Gefangenschaft geht, so geht er in Gefangenschaft. Wer durchs Schwert get\u00f6tet wird, muss mit dem Schwert get\u00f6tet werden. Es dauert nur noch eine kurze Zeit, bis das Blut derer ger\u00e4cht wird, die um das Wort Gottes und um des Zeugnisses Jesu willen geschlachtet worden sind.\u201c<\/p>\n<p>Als n\u00e4chstes mussten sich nacheinander die vier Chinesinnen vom Turnier verabschieden. Sie wurden von dem sich f\u00fcr verfolgte Christen einsetzenden Bruder Andrew simultan \u00fcbersetzt.<\/p>\n<p>Deborah sprach: In meinem Traum flog ich \u00fcber ein schwarzes Land von Sklavenarbeitern, das an einem fruchtbaren Strom lag. Die Herrscher schufen sich Stiere und L\u00f6wenkatzen als G\u00f6tterbilder, wodurch sich der Himmel weiter verf\u00e4rbte. Als ein gigantisches, zum Himmel aufsteigendes dreizehn stufiges Grab gemauert wurde, in dessen riesigen Sarg die regierenden Geistwesen Sonne, Mond und Sterne anbetenden, zogen die Gewitterwolken weiter zu. Feuer fiel vom Himmel und verzehrte alles.<\/p>\n<p>Hanna sprach: In meiner Vision sah ich eine gro\u00dfe von dicken Mauern umgebene Stadt, die reiche Kaufleute von allen Himmelsrichtungen her besuchten. Je mehr Reichtum durch den Handel angeh\u00e4uft wurde, desto h\u00f6her wuchs ein Stufentempel, dessen Dach von einer Unzucht treibenden Himmelsk\u00f6nigin bewohnt wurde. Der in die Wolken steigende Turm fing an zu wanken und fiel in sich zusammen. Trotzdem wurde immer mehr M\u00fcnzen durch die Tore der Stadt geschleust, so dass erneut ein einst\u00fcrzendes, die ganze Stadt zerst\u00f6rendes Handelsgeb\u00e4ude entstand.<\/p>\n<p>Mirjam sprach: In meinem Gesicht sah ich einen Marmortempel mit vier S\u00e4ulen empor wachsen. Die S\u00e4ulen trugen die Namen Philosophie, Wissenschaft, Geschichte und Literatur. \u00dcber eine Br\u00fccke wurden nackte Statuen gebracht, welche die Sch\u00f6nheit des Menschen zeigten. Die steinerne Figuren vermehrten sich immer weiter. Ihnen wurde Leben gegeben, indem man sie zu G\u00f6ttern machte und an einer Wettkampfst\u00e4tte gegenseitig messen lie\u00df. Als die Zuschauer ehrf\u00fcrchtig auf ihre Knie gingen und anfingen vor Begeisterung zu Jubeln, zerfiel alles in Staub.<\/p>\n<p>Judith sprach: Ich tr\u00e4umte von einem wieder aufgerichteten Geb\u00e4ude, das ganz und gar von D\u00e4monen bewohnt wurde. Das Aussehen der R\u00e4ume war dem einer Pyramide, eines Stufenturms und eines S\u00e4ulentempels gleich. Auf einem roten Schild am Eingangstor stand Weltgerichtshof in Latein geschrieben. Ein sich als Gott bezeichnende blinde Richterin mit Lorbeerkranz und Schwert hielt zwei eiserne Schalen in den H\u00e4nden, auf denen sich Gesetz, Organisation, Kunst, Kultur, Brot und Spiele die Waage hielten. Das ganze t\u00f6nerne Gebilde fiel mit der Zeit zusammen.<\/p>\n<p>Bei dem spannenden Finale der vier verbleibenden M\u00e4nner, setzte es zuerst James unsanft auf den Hosenboden: \u201eIch erblickte eine Kirche, die von einer widerlichen Hexe dominiert wurde. Einige protestierende Besucher erkannten dies, so dass sie mit dem Besen unsanft ausgekehrt wurden. Die anderen verwandelten sich immer mehr in das Bild der Herrscherin. Sie bekamen Pickel im Gesicht, eine Adlernase und qu\u00e4lten in ihrer Bosheit andere Menschen. Als die Kirchturmglocken anfingen zu l\u00e4uten, erkannten pl\u00f6tzlich alle, dass sie splitternackt waren. In ihrer Scham stie\u00dfen sie die entbl\u00f6\u00dfte Hexe von dem Thron, so dass sie wieder Kleider an bekamen.\u201c<\/p>\n<p>John hatte die Offenbarung: \u201eIch schaute ebenfalls auf eine religi\u00f6se Versammlung. Eine gro\u00dfe Menschenmenge fiel im Freien vor einem riesigen Stein nieder, der faszinierend anzusehen war. Das Gebilde gl\u00e4nzte im Licht des Mondes wie Gold, war aber in Wirklichkeit ein h\u00e4ssliches, \u00fcberall behaartes, blutverschmiertes Monster, das einen nach dem anderen auffra\u00df. Dies wurde sichtbar als ein hell scheinender Morgenstern am Horizont \u00fcber den D\u00e4monenanbetern aufging. Angewidert stie\u00dfen die \u00fcberhand gewinnenden Gl\u00e4ubigen das Unget\u00fcm vom Sockel und zerteilten es in tausend kleine St\u00fccke.\u201c<\/p>\n<p>Simon begriff die kommende Vision: \u201eMir begegnete im Kongresszentrum ein Zauberer, der in ein leuchtendes Sternenkleid geh\u00fcllt war. Ich fragte ihn, was er mit der drehenden Erdkugel in seiner Hand anf\u00e4ngt. Der eine schwarze Brille tragende wei\u00dfe Druide erkl\u00e4rte mir, dass er die hypnotisierten Betrachter verhext, damit sie den Ziegenbockwillen und das Gesetz des Starken tun. Er h\u00e4tte vor, die ganze Menschheit zu manipulieren, so dass die versklavten Erdbewohner ihn und die geistige Welt der Gestirne anbeten. Dieses Verlangen offenbarend bekam der Narr seinen Himmelsmantel ausgezogen, wurde angekettet und eingesperrt.\u201c<\/p>\n<p>Nun trat Elymas Wicked-Oz auf den Plan und prophezeite \u00fcber das kommende Millenium: \u201eAls ich mich vor Salomos Klagemauer in den Scheingeist versetzte, stieg ich in den Thronsaal Gottes auf. Mit gro\u00dfem Erstaunen stellte ich fest, dass der Richterstuhl des Architekten des Universums leer ist, weil er im neuen Jahrtausend zu uns auf die Erde kommen wird. So streckte ich wie ein Ph\u00f6nix weiter die Fl\u00fcgel aus, um mich \u00fcber den Himmel zu erheben. Statt der Sonne begegnete mir die Venus und der Sirius-Stern. Sie verhalfen mir in ein h\u00f6heres Universum, das Atlantis hie\u00df. Dort begann das neue Erfolgs-Zeitalter, welches Himmel und Erde, Mann und Frau, Plus und Minus vereinigen wird.\u201c<\/p>\n<p>Viele der Zuschauer erhofften dadurch, den lang ersehnten Sechser in der Lotterie gelandet zu haben. Mit tosendem Applaus quittierten sie die letzte Gewinnprognose. Organisator Ed Hagee schaute den Mitspieler Andrew Taylor fragend an: \u201eOh je, war das nicht das Muster aus Jesaja 14?\u201c \u201eBingo, gepaart mit Hesekiel 28!\u201c, wusste der aus dem fernen Osten kommende Missionar. \u201eDarf ich dem Herrn Wicked-Oz ein paar kritische Fragen stellen?\u201c, bat Jonathan, der von Bruder Andrew Zuspruch bekam. \u201eHier, bitte nimm mein Funkmikrofon\u201c, pflichtete Hagee bei.<\/p>\n<p>Jonathan Fischer betrat die B\u00fchne. Elymas Wicked-Oz sa\u00df siegessicher auf dem letzten verbliebenen Stuhl. Jonathan sp\u00fcrte dass seine oder Elymas Stunde gekommen war. Ohne genau zu wissen, was er fragen wollte, kam aus ihm heraus: \u201eHerr Wicked-Oz, wir befreundeten uns vor l\u00e4ngerer Zeit, und wie einige aus dem Publikum bezeugen k\u00f6nnen, war ich einer der Ersten, der ihnen den lebendigen Glauben an Jesus Christus, den im Fleisch gekommenen Sohn Gottes, verdeutlichte. Nun w\u00fcrde mich interessieren, wer ihre gegenw\u00e4rtigen Vorbilder sind, und wen sie f\u00fcr den wichtigsten Propheten halten?\u201c \u201eWie du anhand meiner Werke am B\u00fcchertisch drau\u00dfen nachlesen kannst vertrete ich stark die Lehren des viel gew\u00fcrdigten, christlichen New Yorker Pastors Norman Vincent Peale. In diesem Zusammenhang empfehle ich gerade dir, mein Freund, positiv zu denken und nicht wiederum, die Finger auf deinen Bruder zeigend, negativ zu reden. Der m\u00e4chtigste heilende Jesus-Prophet des 20ten Jahrhunderts war der General Gottes William Branham, dessen Engel und Wunderkr\u00e4fte zu mir transferiert wurden. Ich rate dir deshalb, dich nicht mit h\u00f6her gestellten Personen anzulegen. Der bewundernswerteste wahrsagende Schriftsteller und Philosoph kommt aus dem 19ten Jahrhundert. Denn es gibt keinen Gr\u00f6\u00dferen f\u00fcr mich, als der im moralischen Washington heute noch viel verehrte und beerdigte Dogmenlehrer Albert Pike. Wer schlecht \u00fcber diesen h\u00f6chst angesehenen Mann redet ist f\u00fcr mich gestorben.\u201c \u201eDanke f\u00fcr diese ehrliche Antwort. Nachdem aus einem selbst verfassten Brief \u00f6ffentlich bekannt wurde, dass Herr Peale Hochgradfreimaurer im 33. Grad war, William Branham unter einem Pyramidengrabmal bestattet wurde und Albert Pike in einem seiner Werke geschrieben hat, dass Luzifer Gott ist und die Freimaurerreligion durch die Reinheit der Luziferischen Lehre bewahrt wird, w\u00fcrde mich interessieren, ob sie f\u00fchrendes Mitglied in einem Geheimbund sind, ob sie an die Kraft des Morgensterns glauben und ob sie im Verborgenen den Teufel anbeten\u201c, startete Jonathan eine erfolgreichen Angriff. \u201eDa haben wir es. Anstatt auf meine Warnungen zu h\u00f6ren, kommt wieder eine verleumderische Attacke von diesem grobschl\u00e4chterischen Bauernt\u00f6lpel. Wer gibt dir denn den Auftrag und die Vollmacht wiederholt so aufzutreten? Ich habe es nicht n\u00f6tig, auf diese unversch\u00e4mten L\u00fcgen und Unterstellungen zu antworten. Bitte entschuldigen sie mich, meine Damen und Herren\u201c, emp\u00f6rte sich Elymas und versuchte Hals \u00fcber Kopf, das Podium \u00fcber den K\u00fcnstlereingang zu verlassen. \u201eDer Herr wird dich f\u00fcr eine Zeit mit Blindheit schlagen\u201c, rief Jonathan spontan aus. Die vier chinesischen Prophetinnen packten den unvermittelt hilflos Umherirrenden an H\u00e4nden und F\u00fc\u00dfen. Im Anschluss schleiften sie Elymas, auf dem Boden der Tatsachen ankommend, zur\u00fcck auf die B\u00fchne und hielten ihn auf dem Bauch liegend fest. \u201eVerrat, ich kann nichts sehen, Deifel hilf mir!\u201c, schrie der gereizte Gebundene. Jonathan machte sich einen Spa\u00df daraus, dem wutschnaubenden Wicked-Oz hinterr\u00fccks die Hose herunterzuziehen. Das selbe Spiel mit dem Herrenslip treibend gab er einen kurzen Blick auf die nackten Po-Backen frei. Ein gro\u00dfes Gel\u00e4chter brach aus. Die T\u00e4towierung der Eule von Minerva war zu sehen.<\/p>\n<p>Hassan und Abdullah traten unvorhergesehen, urpl\u00f6tzlich auf die B\u00fchne und brachten den Totensch\u00e4del zur\u00fcck. Sie behaupteten, dass der ruhelose Geist einer Katharina aus dem Kopf wiederholt gesprochen h\u00e4tte. Sie h\u00e4tten immer wieder vernommen, dass Elymas Wicked-Oz eine Frau Hutter ertr\u00e4nkt h\u00e4tte. Als Beweis w\u00fcrde sich ein St\u00fcck seiner Haut zwischen ihren Schneidez\u00e4hnen befinden. Die im Hintergrund beobachtende Elisabeth klagte an: \u201eDieser Deifel ist mitschuldig. Ich habe genau gesehen, wie er Blut aus dem Skull getrunken hat.\u201c H\u00e4nsel fand das gar nicht komisch und verteidigte sich. \u201eIm finsteren Untergrund dachte ich der Totenkopf sei, wie sonst bei unseren Zeremonien gebr\u00e4uchlich, aus Plastik, und das Blut habe ich f\u00fcr Wein gehalten. Mit der Hexenverbrennung im Glutofen von Kalifornien habe ich nichts zu tun. Zu dieser Zeit war ich h\u00f6chstens mit dem in Long Beach geborenen William Joseph Levada zu Gast bei der Glaubenskongregation in Rom.\u201c Anhand des Gebisses konnten die \u00dcberreste von Katharina Hutter zweifelsfrei identifiziert werden. Mehr Aufsehen erregte im belgischen K\u00f6nigshaus und sonst auf der Welt, das von Albert, einem misshandelten achtj\u00e4hrigen Kind, aus dem Schloss entf\u00fchrte franz\u00f6sischsprachige Dutroux-Video. Auf dem Filmdokument mit 27 toten Zeugen war auch die teuflische Handlung des Ertr\u00e4nkens und Verbrennens der Hutterer, in der von Waldbr\u00e4nden heimgesuchten Westk\u00fcste, zweifelsfrei festgehalten worden. Nach bekannt werden dieses Beweismittels, versuchte sich Elymas, in der Untersuchungshaft, mit Hilfe seines schwarz-goldenen Ringes das Leben zu nehmen. Sein Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck war, dass ihm von wei\u00dfen Engeln sofort der Magen ausgepumpt wurde. Wegen zahlreicher weiterer Verbrechen lieferte ihn Israel an die USA aus, wo er noch heute eine tausendj\u00e4hrige Haft in einem recht stattlichen, rechtsstaatlichen Gefangenenlager absitzen muss. Der Skandal mit dem Totensch\u00e4del schlug bis in die neue Welt riesige Wellen. Zahlreiche schwarz-magische, wei\u00df-getarnte S\u00e4ulenhallen, in denen Geheimtreffen stattfanden, wurden durchsucht und Skelette weiterer Ritualopfer sicher gestellt. Der Einfachheit halber, wurden diese T\u00f6tungsdelikte, dem Alleint\u00e4ter und hauptverantwortlichen h\u00f6chsten aller Zauberer und Hexenmeister, Elymas Wicked-Oz angekreidet.<\/p>\n<p>Nach einem ausgiebigen Fr\u00fchst\u00fcck verabschiedeten sich die Deutschen von der chinesischen Reisedelegation. Die religi\u00f6sen Auseinandersetzungen hinter sich lassend, waren Jonathan und Elisabeth froh, aus der Stadt des Friedens mit ihrem Mietwagen abzureisen. \u201eJonathan, da vorne geht es glaube ich rechts. Wir k\u00f6nnten Qumran, Masada und En Gedi aufsuchen. Diese wichtigen Orte liegen direkt an der Strecke nach Eilat\u201c, empfahl Elisabeth. \u201eNach 1000 fallenden H\u00f6henmetern lenke ich lieber links geradeaus. Denn in der Talsenke l\u00e4sst sich der Jordan besser durchwaten, wo ich dich wie Johannes taufen kann, oder wir gehen doch zum Untertauchen zu den Essenerruinen, andernfalls finden wir in der Zelotenfestung eine f\u00fcr die Tage der Frauen gemachte Mikwe, und wenn dir das nicht zusagt, legen wir uns halt im Meersalz, Schlamm oder Wasserfall zum Baden, gel liebes Sch\u00e4tzle\u201c, stichelte der auf Unverst\u00e4ndnis sto\u00dfende M\u00e4dchenschwarm. Statt dessen stie\u00df das Gespann auf die Tore von Jericho, der \u00e4ltesten Stadt der Welt. \u201eStell dir vor Jonathan, diese S\u00fc\u00dfwasseroase wird die gr\u00fcne Palmenstadt genannt\u201c, merkte Elisabeth an, \u201esie ist laut dem Reisef\u00fchrer seit jeher ber\u00fchmt f\u00fcr ihr hei\u00dfes Klima.\u201c \u201eMir ist Jericho durch den schweren Fluch Josuas bekannt, aber schau dir das Sodom und Gomorra an\u201c, emp\u00f6rte sich Jonathan und fuhr fort, \u201eda dr\u00fcben gibt es ein im Islam verbotenes \u00f6sterreichisches Oasis-Spielcasino mit Bordell, und den M\u00fcll von den Fl\u00fcchtlingslagern dort auf der Stra\u00dfe w\u00fcrde Vera Diao sofort wegplanen. Gibt es hier keine Entwicklungshelfer?\u201c Daf\u00fcr gab es eine sau-di-arabische Tankstelle, an der sich Jonathan neben Sprit mit einer \u00e4u\u00dferst gescheiten Landkarte versorgte. \u201eSieh mal da. Israel fehlt. Alles ist Pal\u00e4stina\u201c, stellte Jonathan fest. \u201eDas Schimpfwort hat sich der r\u00f6mische Kaiser Hadrian ausgedacht, um die vertriebenen Juden mit den untergegangenen Philistern zu \u00e4rgern. Ein Pal\u00e4stinenservolk gab es sowieso nie. Deren scheinheiliger Gr\u00fcnder ist der dort oben auf dem Bild verehrte \u00e4gyptische Halstuch-Terrorist\u201c, dachte Elisabeth im Geschichtsunterricht mitbekommen zu haben. Der g\u00fctige Tankwart schaute unversehens grimmig aus der W\u00e4sche und z\u00fcckte ein Messer, weswegen die Urlauber die Flucht in Richtung S\u00fcden antraten. \u201eLiebe Elisabeth, du wei\u00dft sicher aus dem Wort Gottes, dass die eigenen Worte uns richten werden. Du selbst hast gesagt, dass die Br\u00fcder mehr Deutsch und weniger Spa\u00df verstehen, als wir denken. Jetzt ist uns eine ganze Meute von PLO-Militanten auf den Versen.\u201c Sch\u00fcsse erschallten aus der vorderen der drei im Hintergrund verfolgenden Untert\u00fcrkheimer-Stern-Limousinen. \u201eJetzt sterbe ich schon wieder mit dir. Nimmt das denn kein Ende? Doch diesmal trifft mich selbst die Schuld\u201c, bemerkte Elisabeth. Jonathan beschleunigte und bog mit dem Gel\u00e4ndewagen in einen W\u00fcstenpfad ab. Die nicht wirklich Mord gierigen Verfolger lie\u00dfen sich dadurch bes\u00e4nftigen und verschwanden in Richtung Transjordanien. Die Devisen bringenden Touristen haben in dem von Intifada und bewaffneten Widerst\u00e4nden gezeichneten, schmalen \u201eLand f\u00fcr Frieden\u201c Landstrich des zerst\u00fcckelten Israels, nicht wirklich viel zu bef\u00fcrchten.<\/p>\n<p>Endlich sehe ich meine Phoebe wieder, lieb\u00e4ugelte Jonathan klammheimlich. \u201eIch habe einen Riesen Hunger. Da dr\u00fcben sind gro\u00dfe Hotels. Lass uns in Ein Bokek einkehren und Mittagessen\u201c, forderte Elisabeth auf. Am tiefsten Punkt der Erde stellte der ungeduldige Fischer die japanische Sardinenb\u00fcchse auf dem sengend hei\u00dfen Parkplatz des Hotel Hod ab. Im klimatisierten Restaurant an einem gro\u00dfen Tisch Platz nehmend, k\u00fchlte sich Jonathan ab. Er dachte: Gewiss doch, die Frucht des Geistes ist Geduld und bei Gott sind 1000 Jahre wie ein Tag, aber Schnellgastst\u00e4tten und insbesondere offene Buffets bieten auch ihre Vorteile. Doch wer stand da an der Tafel und nahm sich aus jeder Sch\u00fcssel des reichhaltigen Salatangebots etwas heraus? Der Journalist, der bringt was andere weg lassen. Ludwig Schneider hatte f\u00fcr sich und seine Frau Barbara die Teller gef\u00fcllt. \u201eWenn ich gewusst h\u00e4tte was Israel heute f\u00fcr Furcht erregende Erlebnisse bietet, w\u00e4re ich vielleicht lieber wie Moses 40 Jahre in der sicheren W\u00fcste gewandert und nicht dem Ruf aus Stuttgart gefolgt\u201c, versuchte Jonathan eine Unterhaltung anzufangen. \u201eSei mutig und stark und f\u00fcrchte dich nicht, an allen 365 und ein Viertel Tagen des Annus, Bruder. Sch\u00f6n, dass du \u00fcber das Buch des Gesetzes nachsinnst und die Veranstaltungsreihe \u00fcber den Taumelbecher der Nationen besucht hast\u201c, diagnostizierte Ludwig Schneider, der sich setzte, an einem Glas Eden Mineralwasser nippte und gleich noch zu einer Tasse Kaffee in sein B\u00fcro einlud. Elisabeth Sch\u00e4tzle fand in Barbara Schneider, die Heilkuren am Toten Meer organisierte, eine kompetente Ansprechpartnerin und machte sich \u00fcber die vielseitigen Erholungsm\u00f6glichkeiten schlau. Am Ende des Essens verlangte sie: \u201eJonathan ich bleibe bis heute Abend hier. Du hast versprochen, dass wir zusammen baden gehen.\u201c Z\u00e4hneknirschend stimmte der seine Sp\u00e4\u00dfe bereuende Fischer zu. Der Trauzeuge hatte gelesen, dass ein Mann nur soviel Wert ist, wie sein Wort. Die braun gebrannte Sch\u00e4tzle fand es witzig ihren bleichen Begleiter mit Moor zum Mohr zu machen und abzufotografieren. Daf\u00fcr wollte Jonathan ein zus\u00e4tzliches Bild davon haben, wie er im unsinkbaren Meer des Todes bzw. Meer des Lot liegt und dabei den Nachrichten aus Israel Zeitungsartikel \u00fcber den untergegangenen falschen Propheten Elymas liest. Bedauerlich dabei war, dass ein Spritzer des von Salz und Mineralien reichhaltigen Wassers in sein linkes Sehorgan drang, so dass er sichtlich err\u00f6tet, den Splitter aus dem Auge heraus oder die Salbe aus Laodicea herbei w\u00fcnschte.<\/p>\n<p>Jonathans gute Laune kehrte in der D\u00e4mmerung zur\u00fcck, als er Eilat erreichte und die Stra\u00dfe zum Shelter Hostel ansteuerte. In der Herberge hoffte Fischer endlich auf Leontopoulou zu treffen. Zun\u00e4chst gab es auf dem Parkplatz ein freudiges Wiedersehen mit einem anderen Bekannten und dessen sechsk\u00f6pfiger Familie. \u201eMensch Jonathan, dich nach so langer Zeit wieder zu treffen ist eine gro\u00dfe \u00dcberraschung. M\u00f6chtest du mir nicht deine bessere H\u00e4lfte vorstellen?\u201c, fragte der alte Freund und Schulkamerad Walter Stein. \u201eJa gerne, meine verehrte Abteilungsleiterin Elisabeth Sch\u00e4tzle folgt mir \u00fcberall nach. Nicht dass du etwas Falsches denkst. Wir sind weder verlobt noch verheiratet\u201c, betonte Jonathan. \u201eMein wahres Gl\u00fcck und reine Wonne ist meine Familie, die mir Abba \u2013 unser liebender Vater \u2013 geschenkt hat. Das ist meine schwedische Frau und K\u00f6nigin Silvia mit den braven Kindern Agnetha, Bj\u00f6rn, Anni-Frid und Benny. Eine harmonische Ehe zu f\u00fchren ist viel wichtiger als der Erfolg im Beruf\u201c, relativierte Einstein, das Physikgenie. \u201eSag mal, das gibt es doch gar nicht. Wieso bist du hier her gekommen?\u201c, wollte Jonathan wissen. \u201eWir kommen gerade von der Uferpromenade, wo wir mit Jakob Damkani und dem internationalen Team Gospelbrosch\u00fcren verteilt haben. Wegen der Kinder sind wir fr\u00fcher zur\u00fcck gekehrt\u201c, berichtete Walter, der als Kavalier Elisabeth den Koffer abnahm und zur Rezeption trug. Dort erfuhren die Fernreisenden, dass die Zimmer des christlichen G\u00e4stehauses ausgebucht waren. Lediglich ein Isomattenplatz auf der Terrasse stand noch zur Verf\u00fcgung. \u201eJonathan, dann schlafen wir gemeinsam, wie in alten Zeiten, im Schlafsack drau\u00dfen auf dem Boden\u201c, plante der Gentleman Stein, \u201eElisabeth kann mein Bett drinnen einnehmen.\u201c Sch\u00e4tzle hatte nichts dagegen. Sie freundete sich schnell mit der Stockholmer Fremdsprachen-Korrospondentin Silvia an, die ihr im Eingangsbereich den verspannten R\u00fccken massierte und sich dabei \u00fcber die Heilmethoden des Toten Meer Kurhotels aufkl\u00e4ren lie\u00df.<\/p>\n<p>Der sich bewegende Fischer und ruhende Einstein hatten sich, bis in die Lichtstrahlen herbei f\u00fchrenden Morgenstunden, relativ viel zu erz\u00e4hlen, so dass Raum und Zeit keine Rolle spielten. Eine kurze Unterbrechung der Unterhaltung verursachte die R\u00fcckkehr der internationalen Truppe mit Phoebe und Christoph an der Spitze, die ein Zweierteam zur Prospekt Verteilung gebildet hatten. Au\u00dferdem freute sich Jonathan, den sympathischen Jakob Damkani kennenzulernen, der von einem alt bekannten Pastorenfreund begleitet wurde. Ulf Gouderner hatte Jakob zum Predigen in seinen schwedischen B\u00fcrderbund eingeladen. Die Landeskirchliche Gemeinschaft war deswegen mit der Familie Stein und einigen Gemeindemitgliedern zum Sommereinsatz nach Israel gereist. \u201eWie klein ist doch die Welt und was f\u00fcr Zuf\u00e4lle es gibt\u201c, stellte Jonathan fest. \u201eWenn ich mir dein Leben anschaue, lieber Freund, dann glaube ich nicht so sehr an Zuf\u00e4lle\u201c, befand Gouderner und Einstein f\u00fcgte hinzu: \u201eWeist du Jonathan, wir sp\u00fcren, dass es bald an der Zeit ist, deine Lebensgeschichte unentgeltlich im Internet zu ver\u00f6ffentlichen. Bist du einverstanden?\u201c \u201eNa klar, Ulf hat sich ja mit Hilfe deiner Informationen die Rechte an meiner Story erworben. Aber erst muss er wie versprochen den Frage-Antwort-Trick mit meiner zuk\u00fcnftigen Frau wiederholen!\u201c, meinte der seine Hochzeit herbei sehnende Single. \u201eDas ist nicht so schwierig. Bei den vielen h\u00fcbschen Frauen hier, werde ich deine Zuk\u00fcnftige bald herausfinden und heimlich interviewen\u201c, war sich Ulf sicher.<\/p>\n<p>Jonathan g\u00e4hnte laut und lange am fr\u00fchen Morgen, als er von Bj\u00f6rn und Benny mit einer Feder an der Nase wach gekitzelt wurde.<\/p>\n<p>Nach einem sp\u00e4rlichen Fr\u00fchst\u00fcck gesellte sich ein einheimischer F\u00fchrer zur Reisetruppe. Aviel Schneider erkl\u00e4rte, was es bei der geplanten gef\u00e4hrlichen W\u00fcstenwanderung Wichtiges zu beachten gibt. Der Reisebus f\u00fchrte das 30-k\u00f6pfige Team ein St\u00fcck weit auf eine Anh\u00f6he im Westen von Eilat, so dass der Spaziergang durch eine der kargen Schluchten angetreten werden konnte. Jonathan lauschte ganz gespannt den Ausf\u00fchrungen \u00fcber den ehemals f\u00fcr die Herstellung der Bundeslade verwendeten, besonders z\u00e4hen Akazienbaum zu. Die Wurzeln des betrachteten Exemplars reichten tief ins Erdreich und das Holz konnte sich aufgrund der d\u00fcrren Umgebung \u00fcber die Jahrtausende halten. Gruselige Gef\u00fchle entstanden in einer der mit Tierknochen angef\u00fcllten k\u00fchleren H\u00f6hlen, in der sich vielleicht der treue David vor dem irren K\u00f6nig Saul versteckt hielt, und heute noch das eine oder andere Kot hinterlassende Tier n\u00e4chtigte. Angenehmer war die Mittagspause an der Jonathan und die anderen W\u00fcstencamp-Teilnehmer \u00fcber einem Lagerfeuer selbst Fladenbrot zubereiteten. Eine Pause der Besinnung folgte dem Mahl. Aviel verdeutlichte, dass der Berg Gottes, der Horeb sich in der Umgebung befinden k\u00f6nnte. Wer wollte, d\u00fcrfte f\u00fcr eine Zeit eine der Anh\u00f6hen erklimmen, um in der Stille auf Gottes Stimme zu h\u00f6ren. Jakob warnte davor, nicht zu weit und keinesfalls au\u00dfer Sichtweite vom Camp zu gehen, weil die Sinai-Halbinsel mit der \u00e4gyptische Grenze sich in unmittelbarer N\u00e4he bef\u00e4nde. Der Dauerl\u00e4ufer Jonathan suchte sich den h\u00f6chsten Gipfel aus, um Phoebe, Christoph und Elisabeth, die nicht mithalten konnten, zu imponieren. Oben angekommen bot sich ein atemberaubendes Panorama \u00fcber die W\u00fcstenlandschaft. Jonathan wurde an die Stelle in der Bibel erinnert, bei der Moses das verhei\u00dfene Land gezeigt bekam. Dann dachte er an die n\u00e4chtliche Begebenheit in Ph\u00f6nix, wo er kurz seine zuk\u00fcnftige Ehefrau im Geist sah.<\/p>\n<p>Was war das? Anstelle die Stimme Gottes, vernahm Jonathan das Weinen und Schluchzen einer Lady. Handelte es sich um Phoebe oder Elisabeth? Jonathan h\u00e4tte zu gerne seine sch\u00fctzende Arme um das erbarmungsw\u00fcrdige weibliche Gesch\u00f6pf gelegt. Er konnte leider niemanden und nichts erkennen. Bl\u00f6der Weise ortete er das Heulen auf der anderen Seite der Ger\u00f6llwand. Sollte er sich \u00fcber das Verbot hinweg setzen? Ach, man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen, dachte der Ungehorsame, seinen Entschluss schnell bereuend. Denn er verlor die Haltung und rutschte etwa hundert Meter den Abhang auf dem Hosenboden hinunter. Immerhin konnte er seine F\u00fc\u00dfe gut als Bremse einsetzen. Aber wie \u00fcblich, begann seine H\u00fcfte wiederum zu schmerzen. \u201eMist, was mache ich jetzt?\u201c, fragte sich der Solobergwanderer. In einiger Entfernung h\u00f6rte und sah er einen Armeejeep mit einer Grenzpatrouille heranfahren. Erst wollte er sich bemerkbar machen, dann \u00fcberlegte er, was die \u00c4gypter mit ihm machen w\u00fcrden. Er hatte nicht einmal seinen vorl\u00e4ufigen Pass dabei. Also zog er es vor, sich hinter einem gro\u00dfen Felsen zu verstecken. In solchen Situationen lernt man das Reden mit Gott. Jonathan bekam dadurch Frieden f\u00fcr seine Seele. Eine Gewissheit stellte sich in ihm ein, dass er die schluchzende Frau wieder trifft und heiratet. Ja Baby, und wir werden drei Kinder miteinander haben, wie Bryan Tate in Hellfire Valley k\u00fchn zu behaupten wagte. Als H\u00f6lle entpuppte sich die br\u00fctende Hitze und der Umstand, dass es Jonathan wegen des losen Gesteins und seiner Gehbeschwerden nicht schaffte die Anh\u00f6he zu erklimmen. Als Alternative blieb der leichtere Abstieg ins Tal. Jonathan schaffte f\u00fcnf Kilometer nach Nirgendwo. Er bereute zutiefst, dass er sich nicht in \u00e4gyptische H\u00e4nde begeben hatte. Besser in die Sklaverei gehen, als kein Wasser zu haben. Wie war gleich die Geschichte von Hagar und Ismael? Bist du der Gott der nach mir schaut? Leider bin ich kein Kamel und kein Wildesel. Jonathan erhob seine Stimme: \u201eHilfe, ich trockne aus!\u201c<\/p>\n<p>Die n\u00e4chste Wegbiegung abschreitend traf der nach Eden-Fl\u00fcssigkeit lechzende Held auf m\u00e4hende Schafe, bl\u00f6kende Ziegen und einh\u00f6ckrige Dromedare. Wow, super, ein Leben mit Gott ist spannend und abwechslungsreich. Er hatte eine kleine Beduinensiedlung erreicht. Die Gastfreundschaft des Nomadenvolks genie\u00dfend, trank er einen Marokko Minztee, zog an einer orientalischen Wasserpfeiffe und kostete Datteln. Die Retter verstanden ihn nicht, und er ergr\u00fcndete nicht ihre Mundart. Doch die internationale Sprache der Liebe ist grenz\u00fcberschreitend verst\u00e4ndlich. Ein Lager im Schatten der Zelte bot die M\u00f6glichkeit, sich richtig auszuschlafen und das Zwicken an der Seite zu vergessen. Am n\u00e4chsten Tag wachte Jonathan durch den Wind von rotierenden Helikopterbl\u00e4tter und dem laut h\u00e4mmernden Motor auf. Seine j\u00fcdischen Freunde hatten alles daran gesetzt, ihn zu finden und vor dem Verdursten zu retten. Aviel Schneider, der das Jonathan W\u00fcstencamp zuerst entdeckte, hatte einen deutschen Sch\u00e4ferhund organisiert, der, anhand der Schiesser-Unterw\u00e4sche aus Jonathans Gep\u00e4ck, erfolgreich die Spuren- und F\u00e4hrtensuche aufgenommen hatte. Das Zahal Milit\u00e4r Israels beteiligte sich ebenfalls an der Rettungsaktion. Jonathan wurde im Huckepack an einer Seilwinde hochgezogen und bewunderte kurze Zeit sp\u00e4ter die zielgenaue Landung auf dem Flughafen in Eilat. Das ganze Man\u00f6ver erinnerte ihn an seinen Klassenkameraden Klaus Renz, der Fallschirmsprung-Weltmeister war und seine Schulfreunde zu Tandemspr\u00fcngen mitnahm. Die Abrechnung f\u00fcr das bodennahe Flugvergn\u00fcgen lag freilich ungleich h\u00f6her.<\/p>\n<p>Nach einer eingehenden Untersuchung durch einen Armeearzt, durfte der deutsche Patient mit einem Taxi in das zivilisiertere Tausend-Sterne-Hotel zur\u00fcck fahren. Das Team um Jakob Damkani hatte auf Anraten von Ulf Gouderner eigens eine Fasten- und Gebetszeit f\u00fcr Jonathan eingelegt. Doch wo war Phoebe, die ihn h\u00e4tte bemuttern sollen? Ihre neue Freundin Elisabeth hatte aus Erfahrung versichert, dass Jonathan sieben oder neun Leben wie eine Katze habe und war deshalb mit Phoebe und Christoph zum eingeplanten Schnorcheln an das Rote Meer voraus gegangen. Das 1200 Meter lange Korallenriff mit dem smaragdgr\u00fcnen und tiefblauen Wasser, bot die sch\u00f6nste Artenvielfalt von gelb und rot schimmernden tropischen Fischen, die man sich vorstellen kann. Den Sandstrand erreichend, empfing Jonathan die atemberaubende Bikiniansicht von Phoebe, die ihm endlich wie lange erhofft k\u00fcssend um den Hals fiel. \u201eLiebster, ich hoffe du bist uns Genie\u00dfern nicht b\u00f6se. Wir haben es uns schon einmal gem\u00fctlich gemacht und die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Du kennst ja meine Lebensphilosophie\u201c, lautete die Begr\u00fc\u00dfung der schwarz gelockten Venus-Nachbildung. \u201eHey du Held, erz\u00e4hl mal was genau passiert ist\u201c, zeigte sich der in der Mitte ausbreitende Christoph wissbegierig. Das andere attraktive Liegestuhl-Modell Elisabeth befand: \u201eWenigstens hast du mir diesmal nicht einen Schrecken mit deinen Beischlaf-Abenteuern eingejagt.\u201c W\u00e4hrend Leontopoulou dem Genie\u00dfer Fischer den R\u00fccken eincremte, erz\u00e4hlte dieser die Eskapaden und fragte zum Schluss: \u201eSag mal Phoebe, hast du auf dem Gebetsberg gewimmert, als ich alleine verschollen war?\u201c \u201eDu hast keine Ahnung, wie ich um dich gezittert habe. Wir haben dich \u00fcberall gesucht, bis wir bei Einbrechen der Dunkelheit nach Hause gefahren sind.\u201c Das l\u00f6ste die gr\u00f6\u00dfte Zufriedenheit bei Jonathan aus. Zumal der mutma\u00dfliche Nebenbuhler Ziegler begann, dem Kraulunterricht erteilenden Sch\u00e4tzle den Hof zu machen. Ab diesem Moment waren die beiden flirtenden Paare unzertrennlich.<\/p>\n<p>Vor dem Abendessen musste Jonathan eine gut gemeinte R\u00fcge durch eine \u00f6ffentliche Ansprache von Jakob Damkani einstecken. Ein J\u00fcnger (engl. Disciple) Jesu w\u00fcrde immer tun, was sein Herr sagt und die n\u00f6tige Disziplin eines Soldaten an den Tag legen. Er betonte, dass die Teilnehmer sich in einem Kampf und nicht in den Flitterwochen befinden. Deshalb w\u00fcrde er es begr\u00fc\u00dfen, wenn die Singles nicht H\u00e4ndchen haltend umherirrten. Ulf Gouderner stellte hernach dem maltr\u00e4tierten Jonathan seine weiche Schlafst\u00e4tte zur Verf\u00fcgung, legte seine einge\u00f6lten Finger sanft auf die verletzte Lende und betete f\u00fcr ihn: \u201eHimmlischer Vater, ich bitte dich, dass du Jonathans H\u00fcfte durch die Kraft des Heiligen Geistes heilst, damit er seine Aufgabe in vollem Ma\u00dfe wahrnehmen kann. Au\u00dferdem befehle ich im Namen Jesu, dass er vern\u00fcnftig wird und in allem erst nach dem Reich Gottes trachtet.\u201c Jonathan bedankte sich: \u201ePreis den Herrn, diese teuflischen Schmerzen sind wie weggeblasen. Ich verspreche dir, dass ich mir das Turteln f\u00fcr das Ende der Freizeit aufspare.\u201c \u201eDas ist gut so. Ich habe den Eindruck, dass du deine Frau erst bei der R\u00fcckreise im Flieger erkennst\u201c, gab Gouderner weiter. Diese Prophezeiung passte ausgezeichnet auf Phoebe, die Flugbegleiterin, hoffte der friedlich einschlafende Herzensbrecher.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag reisten die Partner der Posaune der Rettung Israels in die Missionszentrale nach Jaffa zur\u00fcck. Jonathan avisierte beim Fr\u00fchst\u00fcck, seinen Mietwagen in Jerusalem abgeben zu m\u00fcssen. Deshalb wollte der Heilpatient mit der sichtlich angetanen, schicken Phoebe die Schlammschlacht-Tour von Ein Bokek wiederholen und dar\u00fcber hinaus die Zeloten-Festung von Masada mit der Gondel erklimmen. Das war der Gipfel. Ein heftiger Streit \u00fcber gute Sitten mit dem Spiel verderbenden Aufpasser Ulf war die Folge. Der sich vom Platz erhebende gute Jakob sorgte f\u00fcr Frieden, indem er das Auto selbst am Shalom Plaza in Eilat zur\u00fcck gab. Somit konnte die aus verschiedenen Nationen bestehende Gruppe, gemeinsam mit dem Reisebus, \u00fcber Beerscheba die R\u00fcckfahrt antreten. Jonathan sa\u00df neben der etwas verstimmten Phoebe, die von ihrem Zuk\u00fcnftigen mehr Durchsetzungsverm\u00f6gen erwartet hatte. Daf\u00fcr ergab sich wieder ein langes Gespr\u00e4ch mit Walter Stein \u00fcber die Erfahrungen im Physik-Leistungskurs. Einstein dozierte \u00fcber sein neues Spezialgebiet der Elektro- und Magnetostatik. Als er merkte, dass dies der negativ geladenen Phoebe viel zu langweilig war, fragte er sie, positiv in die Unterhaltung einbindend, \u00fcber ihre Schulnoten und Lehrer aus. \u201eAha, jetzt geht mir ein Licht auf. Den Trick kenne ich. Damit legt Pumuckel Einstein mich nicht mehr rein\u201c, unterbrach Jonathan. \u201eWas meinst du?\u201c wollte Phoebe wissen und bekam von Walter zur Antwort: \u201eDas wollen wir nicht verraten, weil es eine \u00dcberraschung auf Jonathans Hochzeit werden soll.\u201c<\/p>\n<p>Auf der R\u00fcckbank des Busses gab es ein gro\u00dfes Freudenfest um ein \u00e4hnliches, von Ulf und seiner Sekret\u00e4rin Angela-Berit inszeniertes \u201eWetten dass\u201c Antwortspiel. Elisabeth und Christoph, die einen Fragebogen \u00fcber ihre Kindheit in der Hand hielten, kugelten mit dem Schreiber bzw. sich vor Lachen.<\/p>\n<p>Eine weitere milit\u00e4rische \u00dcbung der israelischen Feuerkr\u00e4fte in der Negevw\u00fcste hinter sich lassend, wurde eine Rast an deren n\u00f6rdlichen Rand eingelegt. Das wie Jerusalem \u00fcber 800 Meter hoch gelegene Mitzpe Ramon bot ein Ehrfurcht einfl\u00f6\u00dfendes Naturschauspiel auf den gleichnamigen Erosions-Krater, der Jonathan an den Grand Canyon erinnerte. An die mit Brian und Sharon Tate verbundenen Naturerlebnisse denkend, fragte sich der Tourist, ob es auf der Kanaan-Ranch von Abraham und Sarah wohl \u00e4hnlich aussieht. Ein St\u00fcck Himmel auf Erden hatte sich ebenfalls Israels zionistischer Gr\u00fcndervater David Ben Gurion herbei gew\u00fcnscht. Er fand seine letzte Ruhe im benachbarten Sede Boker Kibbutz, wo er den Lebensabend im verhei\u00dfenen Land verbrachte. Die n\u00e4chste geruhsame Rast versprach die sich nach Frieden sehnenden Kleinstadt Sderot. Jonathan traute beim Brezel-Einkauf auf dem Boulevard seinen Augen nicht, als er neben den schw\u00e4bischen Backspezialit\u00e4ten die Sillenbucher Konditormeisterin Iris Veit antraf. Die gottesf\u00fcrchtige Volont\u00e4rin erteilte ihren israelischen Berufskollegen Unterricht und k\u00fcmmerte sich am Gazastreifen, wo viele Menschen sich um ihr Leben sorgen, f\u00fcr Raketen hafte Ums\u00e4tze.<\/p>\n<p>Am Mittelmeer Richtung Norden entlang fahrend, gelangte das Vehikel an den Bestimmungsort, einen der \u00e4ltesten H\u00e4fen der Welt. Das einstmals von Kanaanitern bewohnte und von \u00c4gyptern eroberte Jaffa wird h\u00e4ufig in den alten Schriften erw\u00e4hnt. Der Ort diente f\u00fcr Salomo zum Verschiffen der Zedern aus dem Libanon, f\u00fcr Jona zur Flucht nach Tarsis und f\u00fcr Petrus als Ausgangspunkt zur Sendung zu den Heiden.<\/p>\n<p>In dem im Zentrum gelegenen Einfamilienhaus gab es ein Wiedersehen mit der t\u00fcchtigen Elisheva, die f\u00fcr das Abendessen gesorgt hatte. Fast alle der aus Deutschen, \u00d6sterreichern, Schweizern, Schweden und Schotten bestehenden Gemeinschaft n\u00e4chtigten im Freien. Die gro\u00dfe bedachte Veranda bot neben zus\u00e4tzlichen sanit\u00e4ren Einrichtungen f\u00fcr die Frauen, die Unterbringungsm\u00f6glichkeit f\u00fcr ein Matratzenlager. Jonathan und Christoph suchten Unterschlupf auf dem Boden. Sie befestigten ihre Moskitonetze an den \u00fcber ihnen befindlichen Tischplatten. Die dar\u00fcber n\u00e4chtigende Elisabeth bekam diesmal auf ihrem Tischaltar eine weichere Gummi-Unterlage und mit Phoebe eine Anstandsdame als Nachbarin verpasst.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen wurde die Lokalit\u00e4t f\u00fcrs Fr\u00fchst\u00fcck umgebaut. Jeder Teilnehmer lie\u00df sich als Helfer einplanen. Nach dem Absp\u00fclen \u00fcbte der deutsch- und englischsprachige Musikverein neuhebr\u00e4ische Lieder, die von Elisheva harmonisch auf der Gitarre begleitet wurden. Jakob predigte in Englisch \u00fcber die Fr\u00fcchte des Geistes. Liebe, Freude, Friede, Geduld, Freundlichkeit, G\u00fcte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung w\u00e4ren Charaktereigenschaften gegen die kein Richter der Welt ein Urteil f\u00e4llen kann. Der von der blonden, h\u00fcbschen, zweiten Elisabeth \u00fcbersetzte Stra\u00dfenevangelist motivierte zum Schluss in gebrochenem Deutsch: \u201eD\u00e4r H\u00e4rr g\u00e4b\u00e4 euch viel Liebe und Kraft in de Heilige Geist.\u201c Mit reichlich Literatur im Gep\u00e4ck bildeten sich wiederum Zweierteams, die nach einem halbst\u00fcndigen Fu\u00dfmarsch in Tel Aviv angelangten. An einer Freitreppe des Strands sang die erfreute europ\u00e4ische Einheit eingangs ein einge\u00fcbtes eingehendes Psalmen-Lied. Jakob Damkani erkl\u00e4rte in Iwrit der sich ansammelten Menge, dass seine Freunde aus verschiedenen Nationen nach Israel gekommen sind, weil sie das Volk der Juden lieben und segnen m\u00f6chten. Danach begann Jonathan mit Phoebe, seine Autobiographie \u201eLama davka ani? \u2013 warum gerade ich?\u201c an die Umstehenden umsonst zu verteilen. Ein ultraorthodoxer Gottesf\u00fcrchtiger rastete aus und schlug Fischer die verhasste Lekt\u00fcre um die Ohren. Jonathan erinnerte dies an seinen Albanienurlaub. Er begriff, dass die Ordensschwester Hanna, ihm diesmal als verwandtschaftliche Hilfe nicht beistehen konnte. Eventuell freute sich die enthaltsame Nonne daf\u00fcr \u00fcber ihn im Himmel. Als selbst die B\u00fccher verteilenden Stein-Kinder von den \u00fcbers Handy herbei gerufenen, keine R\u00fccksicht nehmenden Yad Le Achim Religions-Polizisten verhauen wurden, ergriffen die Eurovisions-Schlagers\u00e4nger allesamt die Flucht. Fischer nahm Leontopoulou an der Hand, indem er auf den konvergenten r\u00f6mischen Pflastersteinen, den austobenden, iranisch-oppositionellen Leibw\u00e4chtern entfloh. Ganz wie sp\u00e4ter der im Nahost-Konflikt f\u00fcr Frieden bzw. gute Auslandsbeziehungen sorgende Stra\u00dfenk\u00e4mpfer, Marathonl\u00e4ufer und Ehrendoktor Joschka. \u201eMit dir kann ich ja von Tel Aviv bis nach Haifa rennen. F\u00fcr ein Modell hast du eine echt gute Kondition Phoebe. Woher kommt denn das?\u201c, fragte der Jogger seine Trainingspartnerin bewundernd. \u201eDreimal darf der Au\u00dfenminister Fischer raten welche Nation die Olympischen Spiele erfunden hat\u201c, neckte ihn das griechische H\u00f6ckern\u00e4schen, \u201eaber im Ernst, mit dir im Schlepptau komme ich Student viel besser voran, als in meinem revolution\u00e4ren Frankfurter Fitnesscenter.\u201c Die beiden hatten sich erfolgreich abgesetzt und schlenderten eng umschlungen \u00fcber den Karmel-Markt. Jonathan wurde an ein Versprechen erinnert: \u201ePhoebe, wenn es nach mir ginge w\u00fcrde ich dich vom Fleck weg heiraten. Aber ich habe Pastor Ulf gelobt, dich bis zum Ende der Freizeit nicht anzur\u00fchren.\u201c \u201eErstens mal, bin ich nicht so leicht wie f\u00fcnf Frauen zu haben und dieser meine gute Laune verderbende schwedische Sittenw\u00e4chter wird mich nie trauen\u201c, \u00e4rgerte sich die Trennende. An einem gedr\u00e4ngten Textilienstand angekommen t\u00e4tigte das Traumpaar einen Frustkauf. Phoebe leistete sich eine eng taillierte wei\u00dfe Levis-Jeans und Jonathan ein bissiges gr\u00fcnes Lacoste Poloshirt. Der saubere Verk\u00e4ufer versicherte billigend, dass es sich um waschechte Originalware handelte, derweil der erste Handsp\u00fclgang ein schrumpfendes, ausbleichendes Ergebnis zu Tage f\u00f6rderte. \u201eJetzt probieren wir einmal in der nobleren Gesch\u00e4fts-Zone, ob wir als Powerseller versandkostenfrei mehr B\u00fccher an den Mann bringen Jonathan\u201c, eiferte die einen Marketingerfolg erzielende Amazone. Come \u2013 Komm. Der erste einsame Fisch zappelte im Netz. Der mitten ins Herz getroffene russisch-st\u00e4mmige Jude, versprach nicht nur das Taschenbuch zu lesen, sondern lud daneben die Touristen in eine Lebens-K\u00fcnstler-Bar zum Aperitif ein. Dort sah der erbitterte Jonathan nur schwarz und Phoebe bekam kurzerhand Heimweh, weil der an Melancholie und Hypertrychose leidende liebesbed\u00fcrftige Hyperchonder die feminine Aphrodite alleweil am oberen Schenkel betatschte und ohnehin keine gewichtigen Schekel dabei hatte.<\/p>\n<p>Die Lebensfreude kehrte zu den fl\u00fcchtenden, blamierten Werbestrategen und unwissentlichen Zechprellern auf dem Heimweg zur\u00fcck. Sie beobachteten, wie ein ihn bekanntes berauschtes Paar in knallroten Coca-Cola T-Shirts meist vergeblich versuchte, die schwere Ware im Handgep\u00e4ck los zu bekommen. \u201eWarum soll es Elisabeth und Christoph besser gehen als uns?\u201c, fragte Jonathan nach. Phoebe attestierte: \u201eK\u00f6nnte sein, dass Christoph mutiger ist als du und anstelle, vor jedem Problem weg zu rennen, seinen Mann steht.\u201c Dieser Kommentar sa\u00df wie ein Schlag. Der in seinen Gef\u00fchlen verletzte Eheanbahner wusste sich nicht zu helfen. Er schwieg.<\/p>\n<p>\u201eHey Jonathan, warum so traurig. Schau mal was mir Christoph alles geschenkt hat!\u201c, forderte die herbei eilende Sch\u00e4tzle auf. Neben einer goldenen Kette mit Davidstern trug sie neuerdings auch einen Ring. \u201eFreut mich f\u00fcr euch\u201c, bezeugte Jonathan unredlich, \u201eich wusste gar nicht was f\u00fcr ein forscher Angreifer du bist, Christoph.\u201c \u201eKlar doch. Ich hab dich schon bei unserer ersten Begegnung im Schach in Sindelfingen ausgestochen\u201c, gab Ziegler an, \u201eau\u00dferdem habe ich dir meinen von Gott gegebenen Traum, \u00fcber das zu erwartende Israel-Freundschaftsgeschenk bereits am Stuttgarter Flughafen mitgeteilt.\u201c \u201eWas du spielst Schach? Ich war W\u00fcrttembergische M\u00e4dchenmeisterin\u201c, unterbrach Elisabeth, die in die Klagemauer einen Zettel, mit der Bitte um einen intelligenten Mann gesteckt hatte. \u201ePhoebe, bist du fit im k\u00f6niglichen Spiel?\u201c, wollte Jonathan einwerfend wissen. \u201eEin bisschen. Ich habe mal gelernt, dass die Damen auf mehr Felder springen k\u00f6nnen als der Schutz suchende, rochierende K\u00f6nig. Aber diese en passant- und Pferdchenh\u00fcpf-Regeln fand ich auf Dauer zu umst\u00e4ndlich.\u201c<\/p>\n<p>In Jaffa angekommen brach der Schach Virus vollends aus. Ziegler besorgte von Damkani ein Holzbrett mit Figuren, um Sch\u00e4tzle zu zeigen, wer der St\u00e4rkere ist. Elisabeth lie\u00df sich allerdings nicht bezwingen und hatte in einer zweiten Partie auch Jakob kurz vor dem Matt, bis dieser, den Untergang aufhaltend, die Essenszeit f\u00fcr angebrochen hielt. Darauf mischte sich Einstein ins Geschehen ein, um ebenfalls den K\u00fcrzeren zu ziehen. So wurde kurzerhand ein Turnier jeder gegen jeden, der will, ins Leben gerufen, aus dem sich Jonathan wohlweislich heraus hielt. Sein Kommentar lautete, dass Jesus Christus durch Kreuz und Auferstehung den gr\u00f6\u00dften Sieg \u00fcber S\u00fcnde, Krankheit und Tod, bereits errungen hat und den Schl\u00fcssel des Hades in seiner Hand h\u00e4lt.<\/p>\n<p>Die ausl\u00e4ndischen G\u00e4ste verweilten eine Woche in dem, an einen alten Missionars-Friedhof angrenzenden, Einfamilienhaus in Jaffa. Neben den geistlichen Teilen bestehend aus Lobpreis, Gebet, Bibelarbeiten und der Verbreitung der Guten Nachricht, boten sich viele weitere angenehme Freizeitaktivit\u00e4ten an. Phoebe genoss es, wiederholt mit Jonathan in den naheliegenden Gan HaPisga Gipfelgarten zu spazieren, um die gro\u00dfartige Aussicht auf die Tel Aviver Bucht auszukosten. Die malerische Idylle des Palmenparks lieferte die spirituelle Kulisse f\u00fcr unsinnliche platonische Gespr\u00e4che. Peinlich ber\u00fchrte die Lustwandler, die auf der Wiese heftig knutschenden Sch\u00e4tzle.<\/p>\n<p>Christoph Ziegler f\u00fchlte sich neben dem Rasensport im Wasser bestens aufgehoben. Durch sein regelm\u00e4\u00dfiges Krafttraining hatte er ein f\u00fcr sein junges Alter beachtliches breites Kreuz entwickelt. Seine sportliche Brust- und Oberarmmuskulatur stellte er gerne am Badestrand von Tel Aviv vor allen Leuten durch seine Handstand-Kunstst\u00fccke zur Schau. \u201eJonathan, magst du nicht mehr plantschen und etwas von diesen Schwarzenegger Pulver-Proteinen einnehmen\u201c, fragte die sich sonnende griechische Leibeskultur-Bef\u00fcrworterin. \u201eNein danke, ich versuche, im Gegensatz zu Arnold, ohne Vitamin B erfolgreich durchs Leben zu kommen und habe als leichtathletisches Ideal die Kenianischen L\u00e4ufer zum Vorbild\u201c, konterte der im Schatten liegende Eifers\u00fcchtige. Ein sportlicher Wettkampf anderer Art entwickelte sich. Der widerstandsf\u00e4hige Jakob Damkani forderte den \u00fcberm\u00fctigen Adonis Ziegler zum Schwimmmarathon heraus. Anstelle die Strecke nach Jaffa zu Fu\u00df zur\u00fcckzulegen, versuchte der unerm\u00fcdliche Endvierziger den schaumschlagenden Anfangszwanziger im Wasser nass zu machen und zu d\u00fcpieren. Die alte \u201eUntersch\u00e4tze niemals dein Gegen\u00fcber\u201c Weisheit sollte sich wieder bewahrheiten. Ein anderes Problem ergab sich f\u00fcr den heftig protestierenden Jonathan, als Phoebe und Elisabeth sich von zwei feschen fremden J\u00fcnglingen in ihr Ruderboot einladen lie\u00dfen, um das Geschehen vom Meer aus zu beobachten. Er sp\u00fcrte, dass bei der Sache etwas nicht stimmte. Die prompte Best\u00e4tigung zeigte sich, als das Schlauchboot ins offene Meer abdriftete. Der mit seinem Fernglas sp\u00e4hende Bademeister zeigte in seinem \u00fcberh\u00f6hten Holzh\u00e4uschen vollstes Verst\u00e4ndnis f\u00fcr Jonathans Bedenken. Denn die Signalfarben-Bikinis von Sch\u00e4tzle und Leontopoulou waren gerade eben unfreiwillig durch die beschnittenen Bengel \u00fcber Bord gegangen. Die gemeinsame Verfolgung der Oberteile mit zugeh\u00f6riger Rettung der barb\u00fcsigen Badenixen nahm mit einem Aussenborder ein z\u00fcgiges Ende. Der majest\u00e4tische Spion Fischer f\u00fchlte sich in seinem imitierten Krokodils-Polo-Shirt wie der K\u00f6nig oder M\u00e4rchen-Prinz Charles, weil ihm die zwei sp\u00e4rlich bekleideten \u201eDiana Fruchtbarkeits- und Jagdg\u00f6ttinnen\u201c gleichzeitig um den Hals fielen. In so einem polygamen Moment w\u00fcrde es sich lohnen, zum Islam zu konvertieren, \u00fcberlegte der f\u00fcr kurze Zeit verg\u00f6tterte Untergangs-Prophet, der tr\u00f6stend die kullernden Tr\u00e4nen von Phoebes erschauderten Wangen abwischte. Im alten Hafen von Jaffa andockend, fiel Elisabeth ihrem abgeh\u00e4ngten, untergegangenen Christoph um den Hals, der ebenfalls im weiten, welligen Meer seine Grenzen aufgezeigt bekam.<\/p>\n<p>Die abendliche Schabbat-Feier vergegenw\u00e4rtigte durch Wein und Matzen das Pessach-Fest, und erinnerte Jonathan an eine historisch bedeutungsvollere Befreiung und Meeresdurchquerung. Dem seit altersher verw\u00f6hnten Sieger gefiel es, auf der Gewinnerseite des Lebens zu stehen. Er erhoffte sich f\u00fcr das Volk der Juden, dass sie bald, wie Rebekka, den Schleier vom Gesicht genommen bekommen, um auf den Br\u00e4utigam Isaak \u2013 \u00fcbertragen Jeschua &#8211; zu treffen. Oder sie sollen, gleich den elf Stammes-F\u00fcrsten, in ihrer Not erkennen, dass ihr verkaufter in die Fremde gegangene Bruder Joseph, als Vorschattung Jeschuas, der k\u00f6nigliche Retter ist. Der an Seder erwartete wieder kommende Elia, glaubte Jonathan, ist als Sohn des Zacharias und der Elisabeth l\u00e4ngst erschienen. Denn es verstummte nicht wieder der T\u00e4ufer, dem der Kopf abgeschlagen wurde. Johannes erl\u00e4utert heute noch im Evangelium und wie auf einem silbernen Tablett: \u201eSiehe das Lamm Gottes, das die S\u00fcnde der Welt wegnimmt!\u201c<\/p>\n<p>Die Zeit in den Ferien geht meist viel zu schnell vorbei, doch Jonathan sehnte sich beim folgenden Park-Spaziergang in den Passagierraum eines \u00fcberfliegenden Jets, wo er Phoebe einen f\u00fcnfmin\u00fctigen Zungenkuss geben wollte. Die aufmerksame, clevere Flugbegleiterin hielt durch ihre Beziehungen sp\u00e4ter eine \u00dcberraschung parat. Weniger verwundert zeigte sich Jonathan, als er in der Dunkelheit Christoph beim schmusenden Versteckspiel auf einer Parkbank entdeckte: \u201eIhr Lieben, habe ich euch schon die Ballade von Maxime Tr\u00e4chtig vorgetragen?\u201c \u201eBitte nimm R\u00fccksicht auf unsere Gef\u00fchle und verbreite nicht wieder eine von deinen Frankenstein-Horrorgeschichten\u201c, bat Sch\u00e4tzle. \u201eJa Jonathan, wir haben auf den Meereswogen gen\u00fcgend Leid erfahren\u201c, pflichtete Phoebe bei. \u201eIch verstehe gut, dass ihr auf meine Warnungen nicht h\u00f6ren wollt. Ich pers\u00f6nlich w\u00fcnsche mir mindestens drei Kinder, und ihr?\u201c, lenkte Fischer die Unterhaltung in ein anderes Fahrwasser. \u201eIn meine Lebensplanung passt h\u00f6chstens ein Qu\u00e4lgeist. Das m\u00fcssen wir noch ausdiskutieren\u201c, war sich Phoebe sicher. \u201eIch muss erst einmal mein Theologiestudium beenden. Bei den sechs Anabolika-Pillen, die ich t\u00e4glich schlucke, brauche ich mir keine Sorgen um meine Fruchtbarkeit zu machen\u201c, wusste der Apotheker im Bodybuilder. \u201eChristoph, dann versuch eine Hormon-Pille f\u00fcr den Mann weg zu lassen. Die Zahl der Barmherzigkeit ist sowieso f\u00fcnf\u201c, hatte die begnadete Elisabeth, als sie sich vor f\u00fcnf Monaten zur\u00fcck zog, in der Bibel heraus gefunden. Und in der Tat w\u00fcrden die Hochzeitsglocken f\u00fcr alle f\u00fcnf minus eins im n\u00e4chsten Jahr l\u00e4uten. Von den Park-Spazierg\u00e4ngern traten sogar f\u00fcnf plus eins in den Ehebund ein. Der weltweit wirkende Jakob Damkani hatte nicht alleine die Vision mit dem Missionswerk \u201edie Posaune zur Rettung Israels\u201c, das zweite, nahe Kommen des Br\u00e4utigams Yeshua Ha Mashiach anzuk\u00fcndigen, sondern er befand sich, im k\u00fchlen Garten wandelnd, selbst auf Brautschau. Die zu \u00fcberzeugende Blondine an seiner Seite diskutierte mit dem Gottesstreiter so laut, dass die gemeinsame Zuneigung Jonathan nicht verborgen blieb. Mit der flei\u00dfigsten Posaunen-Elisabeth schickte der Herr Jakob einen besonderen Segen aus Deutschland. Ihre gemeinsame Vision ein gr\u00f6\u00dferes Haus, als Ort der Einheit zu bauen, erf\u00fcllte sich unl\u00e4ngst durch das f\u00fcnfst\u00f6ckige Hotel Gilgal in Tel Aviv.<\/p>\n<p>Phoebe und Sch\u00e4tzle machten sich einen Spa\u00df daraus, ihren Untermietern die F\u00fc\u00dfe aufzudecken und wachzukitzeln. Der d\u00fcrftige Terassenschlafsaal durfte in Richtung Galil\u00e4a verlassen werden. Die Reise von Petrus zum Hauptmann Kornelius wiederholend, waren die Touristen bald mit ihrem Reisebus in Caeserea angelangt. Die Kreuzfahrerruinen, das Amphitheater und das Aqu\u00e4dukt boten eindr\u00fccklichen Altertumsunterricht. Auf der Weiterfahrt nach Haifa erkl\u00e4rte Einstein, dass neben dem in r\u00f6mischer Gefangenschaft lebenden Paulus, selbst der ber\u00fchmte Jude und Geschichtsschreiber Josephus in seinem Testimonium Flavianium das wunderwirkende Leben Jesu bezeugte. Durch die Lekt\u00fcre von Werner Kellers Buch \u201eUnd die Bibel hat doch recht\u201c w\u00e4re es ihm als Wissenschaftler, aufgrund der vielen arch\u00e4ologischen Beweise leichter gefallen, dem Wort Gottes zu vertrauen. Inzwischen sei ihm mit Hilfe seines Computers ebenfalls gelungen, die g\u00f6ttliche Inspiration der Bibel mathematisch zu beweisen. Ivan Panin h\u00e4tte schon vor hundert Jahren von Hand errechnet, dass der erste Vers der Torah \u201eAm Anfang erschuf Gott Himmel und Erde\u201c nicht nur aus sieben W\u00f6rtern, gleich den 7 Tagen der Sch\u00f6pfungsgeschichte, sondern aus \u00fcber 28 anderen Siebener-Mysterien besteht, wenn man die 22 Buchstaben des hebr\u00e4ischen Alphabeths mit ihren Zahlenwerten ber\u00fccksichtigt. Seine weltersch\u00fctternden Entdeckungen wurden von der \u00d6ffentlichkeit mit dem absurden Argument abgewiesen, andere Texte und Sprachen w\u00fcrden dies auch hergeben. \u201eWenn ich dir zuh\u00f6re Walter wird mir ganz schwindelig. K\u00f6nnen wir nicht das Thema wechseln?\u201c, bat Phoebe. \u201eOk, dann verlassen ich Mathe und erteile Erdkunde- und Biountericht\u201c, fuhr der Professor fort, \u201edie Scharonebene hier ist das am dichtesten besiedelte Gebiet Israels. Sie wird intensiv landwirtschaftlich genutzt zum Anbau von Honig\u00e4pfeln, Zitrusfr\u00fcchten, Avocados, Baumwolle, Gem\u00fcse und Wein. Die kultivierte Scharonfrucht, die von der Gattung der Kaki-Ebenholzb\u00e4umen geerntet wird, gab der Ebene den Namen. Der wissenschaftliche Name Dyospyros Kaki bedeutet soviel wie Frucht des Zeus.\u201c Der genervte Leontopoulou entglitt: \u201eJetzt l\u00e4sst der Historiker unseren Olympischen Gott durchs Feuer kacken. Einstein, du bist von Sinnen. Das gro\u00dfe Wissen bringt dich um den Verstand.\u201c Der gefrustete Walter drehte sich zur Seite, wo ihm seine Fremdsprachen-Gemahlin Silvia zum Trost fl\u00fcsternd einen Kuss auf die Wange gab. \u201eVom Genie zum Wahnsinn ist es vermutlich nicht weit\u201c, mischte sich Jonathan ein, \u201eLiebste, f\u00fcr mich bist du die sch\u00f6nste aller Rosen von Scharon. Eine besonders h\u00fcbsche und wenig dickk\u00f6pfige Scharon, die jetzt drei Kinder hat, ist mir in Phoenix zum ersten mal begegnet. Darf ich dir von der bekehrten Hexe erz\u00e4hlen?\u201c Jonathans spannende Erlebnisse der USA-Reise fand die angebetete Prinzessin aufschlussreicher. Bunt ausgemalte M\u00e4rchen sind oft sch\u00f6ner als die Wirklichkeit des grauen Alltags.<\/p>\n<p>Die deutsche Siedlung in Haifa zeugt von Protestanten, die in Nordisrael den Weltuntergang erwarteten. Besonders hart gesottene s\u00fcddeutsche Templer erbauten in der Mitte des 19ten Jahrhundert als lebendige Mt-6-33-Steine ihre H\u00e4user. Als Waffen trugen sie nicht ritterliche Schwerter und Schilde, sondern N\u00e4chstenliebe und Vergebung. Damit seine n\u00fctzliche Untertanen nicht g\u00e4nzlich ins gelobte Land abwanderten, schuf K\u00f6nig Wilhelm I. von W\u00fcrttemberg als Sammlungsst\u00e4tte das Heilige Korntal. Die Pietisten bekamen bereits 1819 ein Steuerprivileg und wurden vom Wehrdienst und Eiden befreit. Die gro\u00dfe Hafenstadt Haifa bildet mit ihren terrassenf\u00f6rmig angelegten Persischen G\u00e4rten einen besonderen Anziehungspunkt f\u00fcr Touristen. Ein Wahrzeichen ist der im Zentrum des Karmelhangs befindliche Schrein des Babs. Wie viele Religionsstifter wurde Sayyid Ali Muhammad von seinen Landsleuten hingerichtet. Anstelle die Stufen zu dessen Friedhof zu erklimmen, \u00fcberredete Elisabeth Sch\u00e4tzle die Reiseleitung, die Begr\u00e4bnisst\u00e4tte ihres Vorfahrens Christian Feuerbacher zu besuchen. Dort traf sie zu ihrer gro\u00dfen \u00dcberraschung auf Julia R\u00fcger, die einen kurzen Abstecher zum Grabstein ihres aus Bernhausen ausgewanderten Gro\u00dfvaters machte. Die meisten Teilnehmer warteten, wie der nichts ahnende Jonathan, in dem gleich weiter fahrenden Bus. Das n\u00e4chste Ziel war der 1963 durch Schwester Emma Berger entstandene christliche Beth-El-Kibbutz von Zichron Jaacov. Jakov deckte sich in dessen Arche Noah Fabrikverkauf mit G\u00e4nsedaunen ein und lie\u00df diese in ein Baumwollleintuch n\u00e4hend einpacken. Einstein erkundete ein vor Chemie-Angriffen sch\u00fctzendes abgedichtetes 6-Personen-Zelt, dessen handbetriebenes Filtersystem f\u00fcr saubere Atemluft sorgte. Auf wenig Verst\u00e4ndnis stie\u00df bei Jonathan, die von den schw\u00e4bischen T\u00fcftlern entwickelten Bunkerentl\u00fcftungssysteme, da der erste Petrus sowieso die Zerst\u00f6rung der Elemente durch Feuer vorhergesagt hatte und das atomare Vernichtungspotential die Erdbewohner vier mal ausl\u00f6schen k\u00f6nnte. Der sp\u00e4tere von Saddam Hussein angeordnete Beschuss durch irakische Scud-Raketen sorgte daf\u00fcr wie geplant f\u00fcr kr\u00e4ftige Umsatzzuw\u00e4chse bei den Nischen-Anbietern. Jonathans eigene passive Einstellung \u00e4nderte sich beim folgenden Besuch der n\u00f6rdlichen Grenzstadt von Kirjat Schmona, als die Libanon-Erkunder wegen eines \u00fcberraschenden achtfachen Katjusha-Raketenbeschusses im Keller-Schutzraum Zuflucht nehmen mussten. In dieser Todesangst-Situation wurde das Kuschelverbot von Ulf Gouderner aufgehoben. Seine aus Uppsala stammende Sekret\u00e4rin und Schriftstellerin Angela-Berit Ekman war derma\u00dfen eingesch\u00fcchtert, dass sie sich Ulf um den Hals warf. Der k\u00fchle Schwede taute sichtlich auf, indem er ebenfalls die Mitarbeiterin an den Schultern streichelte. Elisheva, die eine gewisse \u00c4hnlichkeit mit der blonden Angela-Berit aufwies, behauptete, dass viele m\u00e4nnliche Singles verklemmt gegen\u00fcber den Gef\u00fchlen und Zuneigungs-Bed\u00fcrfnissen, der in sie verliebten Frauen seien. Sie m\u00fcssten erst von Gott in lebensbedrohliche Situationen gebracht werden, damit sie von ihrer Blindheit geheilt werden. \u201eIch bestimmt nicht\u201c, sagte Jonathan, der Phoebes Samtpfote anpackte. Die jugendlichen Sch\u00e4tzles zogen es vor, sich auf die Toilette zur\u00fcckzuziehen, weil sie es vor lauter Aufregung nicht mehr aushielten.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste \u00dcbernachtungsquartier, ein Campingplatz am See Genezareth bot eine romantische Kulisse f\u00fcr die vier Liebespaare. Jakob und Elisheva hatten mit dem am flachen Trinkwasser liegenden Kiesstrand eine gute Wahl getroffen. Die Umgebungstemperatur und das Wasser war so warm, dass man baden oder im Tanga den Sonnenuntergang beobachten konnte. \u201ePhoebe, jetzt bin ich im Toten-, Roten-, Mittel- und Galil\u00e4ischen Meer geschwommen. Wie findest du das?\u201c, erkundigte sich Jonathan. \u201eDen Urlaub in der Gruppe habe ich mir anders vorgestellt\u201c, befand die an der Seite Sitzende, \u201eich finde es gemein, dass ich nicht mit dir im Toten Meer baden konnte.\u201c \u201eDas k\u00f6nnen wir ja nachholen, wenn wir verheiratet sind\u201c, glaubte Jonathan. Der mit Elisabeth schunkelnde Christoph schien, unterm Wasser zu aufdringlich zu werden, denn Sch\u00e4tzle fl\u00fcchtete ans andere Ufer: \u201ePhoebe, ich schlage einen Partnertausch vor. Du beteiligst dich am Wettschwimmen mit Christoph, und ich messe mich mit Jonathan bei einer Privatpartie im Schach!\u201c \u201eOk, Abwechslung und etwas mehr Sport tut gut\u201c, zeigte sich die \u00fcbers L\u00f6wenzahngras davon eilende Leontopoulou einverstanden. \u201eWarte Liebste, ich war in der Sportkompanie in Warendorf, das habe ich dir noch gar nicht erz\u00e4hlt\u201c, rief Fischer hinter her. \u201eEcht, warst du Angelzielwerfer oder gut im Dauerlauf?\u201c, zeigte Sch\u00e4tzle wertsch\u00e4tzendes Interesse. \u201eOh ja, ich hab viele Spitzensportler in der Kantine und im 5000 Meter Lauf abgeh\u00e4ngt. Was mein einstiges Hobby war, sage ich dir am Ende der Partie.\u201c Elisabeth und der kiebitzende Einstein waren nicht wirklich erstaunt dar\u00fcber, dass der Ex-Weltmeisterschafts-Tr\u00e4umer gewann. \u201eIch habe Jonathan in die Schachgemeinschaft Fasanenhof gebracht, wo er immer besser wurde\u201c, wusste Walter Stein und Sch\u00e4tzle gab zu: \u201eUnd ich habe schon als Azubine nicht nur begeistert seine Lehren \u00fcber das Bankwesen, sondern auch seine Bundesligapartien nachvollzogen.\u201c \u201eAber warum hast du mir nie gesagt, dass du Schach spielst?\u201c, wollte Jonathan wissen. \u201eWeil du dich ohnehin vom Wettkampfsport verabschiedet und kein Interesse an meinen Briefen gezeigt hast\u201c, war das Argument der M\u00e4dchenmeisterin.<\/p>\n<p>In der Nacht hatte Jonathan einen Traum nach dem anderen, in dem ein von ihm gebautes Kartenhaus immer wieder zusammenfiel. Beim Aufwachen in seinem Schlafsack f\u00fchlte er sich richtig durchgesch\u00fcttelt und durcheinander gew\u00fcrfelt. Wie gut es ist zu wissen, dass viele n\u00e4chtliche Trugbilder aus der Seele kommen.<\/p>\n<p>Ein tiefes Unbehagen legte sich auf Jonathan in den Morgenstunden, \u00fcber Jakobs Absicht, die israelischen Soldaten auf den Golanh\u00f6hen zu besuchen. Ihm wurde immer wieder mulmig zumute, sobald er den jungen Leuten mit ihren Tarnanz\u00fcgen und Gewehren auf der Stra\u00dfe begegnete, aber nun nahm Schaul, der Busfahrer, zun\u00e4chst Kurs auf den Berg Hermon und das 1000 Meter hochgelegene Vulkanplateau. Das Passieren von zerbombten syrischen Geisterst\u00e4dten sorgte f\u00fcr weitere Beklemmung bei dem stillen Beobachter. Den ersten Halt machte die Gruppe bei einem Panzerwrack aus dem Sechstagekrieg von 1967. Die Stimmung verbesserte sich. Sch\u00e4tzle kletterte auf das Kanonenrohr und immer mehr Damen taten es ihr gleich, um auf ein Foto zu kommen. \u201eJesus war ein Pazifist!\u201c, meldete trotzig Fischer. \u201eStimmt, denn seine wahren Nachfolger haben nicht mit Schwertern gek\u00e4mpft, weil sein Reich nicht von dieser Welt ist\u201c, stimmte der Kriegsgegner Einstein zu. Gouderner entgegnete einen kontr\u00e4ren Jesus-Ausspruch: \u201eMeint nicht, dass ich gekommen sei Frieden auf Erden zu bringen, ich bin nicht gekommen Frieden zu bringen, sondern das Schwert.\u201c \u201eDas bezieht sich auf K\u00e4mpfe und Entzweiung in der eigenen Familie, weil Jesus fordert ihn mehr zu lieben als Vater und Mutter\u201c, beendete der Fahnenfl\u00fcchtling Damkani die Diskussion. Jakob f\u00fchrte den mit Israel Nationalflaggen ausgestatteten Korps ein St\u00fcck weiter im Bus zu intakten Panzern und Gesch\u00fctzen. In seiner typischen, aufgeschlossenen und k\u00fchnen Art verk\u00fcndigte er vor dem Zahal-Kommandant den Anlass der internationalen Visite und bat darum, von der Gitarre begleitete Schalom-Lieder vortragen zu d\u00fcrfen. Diese Abwechslung war in der staubigen Umgebung willkommen. Jonathans Abneigung und Zur\u00fcckhaltung war unbegr\u00fcndet, denn nach den hebr\u00e4ischen Songs, ergaben sich viele freundschaftliche Gespr\u00e4che zwischen den ausl\u00e4ndischen Besuchern und den ihr Leben riskierenden Wehrdienstpflichtigen. Deshalb \u00fcbte die Truppe das Man\u00f6ver gleich nochmals ein, an einem weiteren trockenen Sammlungs-Ort. Als der Bus die R\u00fcckfahrt hinunter zum See Genezareth antrat, durchquerten die Ausfl\u00fcgler bl\u00fchende Landwirtschaftsanwesen. \u201eNeben den Apfelplantagen w\u00e4chst auf dem fruchtbaren, verminten Boden einer der vorz\u00fcglichsten Rebsorten\u201c, wusste Einstein. \u201eGriechischer Wein ist so wie das Blut der Erde. Jonathan, kosten wir den Golan-Traubensaft in einer Taverne aus? Udo, mein Opapa hat selbst mit 66 Jahren Spa\u00df daran\u201c, regte Phoebe an. \u201eFreilich, im Wirtshaus da f\u00e4ngt das Leben an. Walter, wo werden wir in dieser verlassenen Landschaft f\u00fcndig?\u201c, Jonathan erkundigte sich weiter, \u201eob die 2000 berauschten S\u00e4ue \u00fcber den S\u00fcdosth\u00fcgel in den See st\u00fcrzten?\u201c \u201eJa, das ist die Gegend der Gerasener, wo Jesus den einst angeketteten Nudisten von seinen D\u00e4monen befreit hat\u201c, tippte der in M\u00fcnchen promovierte Stein. \u201eWenn das der bayerische Tierschutzbund erf\u00e4hrt, verbannen die die Kruzifixe aus den \u00f6ffentlichen Geb\u00e4uden in die Justiz-Vollzugsanstalten\u201c, mutma\u00dfte Phoebe. \u201eDa man die in die Schweine fahrende Legion nicht sehen konnte, w\u00e4re Jesus aus Mangel an Beweisen freigesprochen worden. Die Leute hatten trotzdem soviel Furcht vor ihm, dass sie den Befreier darum baten wegzugehen\u201c, erinnerte sich Silvia.<\/p>\n<p>Der anvisierte, einst heftig umk\u00e4mpfte Kibbutz von En Gev lud zur Besichtigung der Kuhst\u00e4lle ein. Bei dem Anblick von so viel Fleisch und Milch bot sich die Einkehr in das pr\u00e4mierte Ausflugslokal an, wo sechs fr\u00e4nkische Volont\u00e4re Wein und Fisch auftischten. \u201eWenn ich eine Hochzeitsreise mache, dann nach Kana. Was meinst du Jonathan?\u201c, fragte die k\u00fcnftige Braut, die einen aus s\u00fcndhaft teuren Barkan Altitude Cabernet Sauvignon und Wasser bestehenden Weinschorle mixte. \u201eMit dir bin ich immer auf der richtigen H\u00f6he. Zur Eroberung w\u00fcrde ich dich selbst im Golanpanzer von Kanaf ehelichen\u201c, war die Idee des reinen Wein einschenkenden Mundschenks. Die Stimmung stieg. Zum fr\u00f6hlichen Abschied tanzte und sang die Gesellschaft im Freien ein Hava Nagila. Elisabeth nutzte die gl\u00fcckliche Gelegenheit, um ein paar Taschenbuch-Biographien von Jakob unter die erwachten Kibbutznik-Br\u00fcder zu bringen. Ein heftiger Streit mit einem Jeshu \u2013 Schwein &#8211; rufenden religi\u00f6sen Papa war die Folge. Laut Israelischem Antimissionsgesetz h\u00e4tte seine 15-j\u00e4hrige Tochter ein solches Gute-Nachricht-Zeugnis nicht angeboten bekommen haben d\u00fcrfen. Der handgreifliche Versuch, Damkani daf\u00fcr zur Rechenschaft zu ziehen scheiterte an Schaul, dem Bus fahrenden Verkehrsminister, der kurzerhand seine Pistole z\u00fcckte und auf diese Weise die z\u00fcgige Heimfahrt erm\u00f6glichte. So nahm ein weiterer unvergesslicher Tag mit dem abendlichen Bad am Campingplatz ein gutes Ende.<\/p>\n<p>Das folgende Ferienprogramm am tiefstgelegenen S\u00fc\u00dfwassersee der Erde war einer der H\u00f6hepunkte der Reise. Jesus, der Mann aus Galil\u00e4a, w\u00e4hlte neben seinen J\u00fcngern, die Seegegend als Zentrum seines Wirkens aus und hinterlie\u00df dort in den Evangelien viele seiner Spuren. Der Berg der Seligpreisungen im Norden bot einen herrlichen Blick auf das ruhige Gew\u00e4sser, dessen auffrischende Winde in der Lage waren, die Wellen gef\u00e4hrlich aufbrechen zu lassen. In dem sch\u00f6nen Garten unterhalb des achteckigen Gotteshauses wurde Jonathan von Jakob eingeladen, eine Andacht \u00fcber die Bergpredigt zu halten. Die folgende Bibelauslegung handelte von dem radikalen Lebensstil eines Heiligen. Jonathan behauptete, dass jeder Gl\u00e4ubige nicht richtender Pharis\u00e4er, sondern mit Christus regierender K\u00f6nig und Priester sein soll. Ein wahrer J\u00fcnger habe sich an die Forderungen der gr\u00f6\u00dften Rede von Jesus zu halten, wenn er den Willen des Himmlischen Vaters tun will. Dann w\u00e4re Gott im pers\u00f6nlichen Leben durch sichtbare Zeichen und Wunder erfahrbar. Nach dem anschlie\u00dfenden Abstieg zum Besuch der Brotvermehrungsbasilika in Tabgha, bestaunte der Hobbyfotograf Jonathan das gut erhaltene Mosaik mit dem Brotkorb und Fischen und fragte: \u201eUlf kannst du mir sagen, warum das nur vier statt f\u00fcnf Brote sind?\u201c Der Angela-Berit seine volle Aufmerksamkeit und Sympathie schenkende, eng umschlungene Schwede wusste keine gescheite Antwort: \u201eKlar, wenn du mir erkl\u00e4rst warum Jesus hier einmal viertausend und dann wiederum f\u00fcnftausend M\u00e4nner satt gemacht hat.\u201c Einstein der Zahlenfanatiker subtrahierte: \u201eEin Brot fehlt, weil die \u00f6rtliche Versammlung des vierten Jahrhunderts es in der Abendmahlfeier brach. Viertausend lie\u00dfen sieben K\u00f6rbe \u00fcbrig und F\u00fcnftausend zw\u00f6lf Handk\u00f6rbe Brot. Versteht ihr das nicht?\u201c \u201eWenn ich dir zuh\u00f6re verstehe ich geistig Arme immer nur Bahnhof!\u201c, diskreditierte Phoebe. \u201eAuch das schwache Geschlecht kann die Symbolik der Gleichnisse verstehen\u201c, bemerkte die selige Silvia, \u201evier spricht von der Erde und sieben von der F\u00fclle; f\u00fcnf von Erbarmen und zw\u00f6lf von Regierungs-Autorit\u00e4t. F\u00fcr mich will Gott damit sagen, dass er die ganze Menschheit vollst\u00e4ndig versorgen kann, wenn seine Nachfolger sich um die Hungernden k\u00fcmmern. Nahrung ist genug f\u00fcr alle da. Die heute Herrschenden wollen sie nur nicht verteilen.\u201c \u201eJetzt wird mir klar warum Jesus betonte, dass die J\u00fcnger sich nicht um das Essen sorgen, sondern sich vielmehr vor den durchs\u00e4uernden Lehren der Sadduz\u00e4er-Teufel h\u00fcten sollten\u201c, bekam Elisabeth eine Erleuchtung. Der mit ihr verkehrende Theologiestudent Christoph artikulierte: \u201eSo einfach ist es nicht, denn laut der lutherischen Reformation gibt es ein geistliches- und ein weltliches Reich. In der Zwei-Reiche-Lehre des Zwanzigsten Jahrhunderts steht das Evangelium n\u00e4mlich mit der S\u00fcnde im Streit. Wenn wir die Bibel zu w\u00f6rtlich nehmen, werden wir schnell zu Aufst\u00e4ndigen und Ketzern.\u201c \u201eDas bin ich schon lange in den Augen vieler. Lasst uns die Franziskaner in Kafarnaum besuchen\u201c, gab Jakob die Richtung an. Dem biblische Fl\u00fcche und Haus des Petrus auf den Grund gehenden Jonathan wurde im zerst\u00f6rten, ehemaligen Fischerdorf Kapernaum klar, dass wenn der Herr etwas sagt, er es auch tut. Jedenfalls sprechen Chorazin und Bethsaida, die die Werke ihres Erl\u00f6sers ablehnten und ebenso in Schutt und Asche gelegt wurden, heute noch eine deutliche Sprache.<\/p>\n<p>In dem am Westufer gelegenen Kibbutz Ginosar ergab sich die M\u00f6glichkeit der leiblichen St\u00e4rkung. Neben dem anschlie\u00dfenden Film \u00fcber die arch\u00e4ologisch bedeutsame Entdeckung eines 1986 aus dem Schlick geborgenen ca. 2000 Jahre alten Bootes, konnten die original Plankenreste, sowie ein anschaulicher Nachbau besichtigt werden. Ein findiger Museumsprofessor versicherte, Jesus sei nach seiner Verbannung damit weiter \u00fcber den See gefahren, bis es im Sturm untergegangen ist. Walter Stein empfahl seinem Kollegen vor dem weiteren Dozieren, erst den W\u00fcstenschiff-Schein auf der nahe gelegenen Kamelranch zu machen. Ein Teil der Gruppe ging darauf zum Reiten und der andere lieh sich kleine Boote aus. Der abermals verkitzelte Jonathan erfreute sich im Tretboot an den vom Wasser reflektierten, goldenen Sonnenstrahlen und an seiner anh\u00e4nglichen Auserw\u00e4hlten. \u201eIch w\u00fcnschte mir, ich k\u00f6nnte jede Sekunde mit dir f\u00fcr die Ewigkeit einfrieren\u201c, sinnierte der einhellige Poet. \u201eIch w\u00fcrde gerne mit dir verschmelzen, stellenweise, diskontinuierlich, aber nicht f\u00fcr immer\u201c, phantasierte die legere, ungebundene Phoebe.<\/p>\n<p>Ein anderes Naturschauspiel bot die sto\u00dfweise aufgef\u00fchrte Multivisionsshow das \u201eGalil\u00e4a Experiment\u201c in einem christlichen Ladenzentrum in Tiberias. Die Sch\u00f6nheit und Artenvielfalt der Natur verdeutlichte darin die Existenz des Sch\u00f6pfers von Himmel und Erde. Nachdem sich die Touristen mit allerlei nutzbringenden und unbrauchbaren Souvenirs eingedeckt hatten, begaben sie sich ins benachbarte Chinarestaurant. Das reichhaltige Reis-Buffet erinnerte Jonathan mehr an die deutschen Gepflogenheiten, als an seinen dampfgegarten Hongkong-Aufenthalt. Was stand da am Ende auf seinem Gl\u00fcckskeks-Zettel-Zitat? Vers\u00e4ume nicht das kleine Gl\u00fcck, um auf das Gro\u00dfe zu warten. In der Nacht betrachtete der schlaflose Fiktions-Star die Sterne. Er \u00fcberlegte sich, ob seine Wege im kleinen oder gro\u00dfen Wagen vorgezeichnet sind. Was hatte diese Lamborghini-Diablo-Verf\u00fchrerin vorher gesagt? Er w\u00fcrde innerhalb von 24 Stunden auf die ihm vorbestimmte Frau treffen. Da hatte sie sich wohl gr\u00fcndlich mit der Zeit geirrt. Genauso wie Christoph und Ulf, die sich bis in die Morgenstunden mit ihren Partnerinnen unterhielten.<\/p>\n<p>Nach dem Fr\u00fchst\u00fcck bekamen die Klatsch-Paare erst einmal einen R\u00fcffel von Jakob Damkani f\u00fcr die Palaver-Ruhe-St\u00f6rung. Die Freizeit-Teilnehmer h\u00e4tten dringend Erholung n\u00f6tig, da in der kommenden Nacht der gr\u00f6\u00dfte Evangelisationseinsatz bevor st\u00fcnde. Eine biblische Lehre \u00fcber Gideons Sieg gegen die Philister folgte. Das Lager wurde abgebrochen. Vergn\u00fcglicher gestaltete sich die Nord-S\u00fcd-Passage mit dem Ausflugsschiff \u00fcber den See Genezareth. Jonathan neckte Sch\u00e4tzle auf dem Oberdeck: \u201eDu kannst wohl von Christoph nicht genug bekommen und h\u00e4ltst mit deinem Geplaudere die ganze Sippschaft wach.\u201c \u201eDu irrst dich, denn ich habe heute Nacht vorgeschlafen. Fischer du hast dir selbst ein Klatschweib geangelt.\u201c Die griechische Sonnenanbeterin err\u00f6tete auf dem Oberdeck im Gesicht. Prompt wurde der misstrauische Jonathan auf den grinsenden Verehrer Ziegler eifers\u00fcchtig: \u201eChristoph, wir beide sind doch seit dem Sch\u00fclerkreis und der Englandreise beste Freunde und w\u00fcrden uns nie beklauen, oder?\u201c \u201eKlar Kumpel. Ich entsinne mich gut an die Romanze mit Helen Richards und deren bl\u00fcmchenhaften Ausgang. Wir beide haben doch den selben Mentor und Lehrer!\u201c, erwiderte der Verb\u00fcndete. \u201eJonathan du darfst nicht alles so eng sehen. Dann kommst du viel besser durchs Leben\u201c, erhallte die Phoebe-Philosophie.<\/p>\n<p>Ein schweigsamer Spaziergang von der Bootsanlegestelle, bis zur f\u00fcr den Tourismus erschlossenen Taufstelle Yardenit, schloss sich an. \u201eDie Dinge sind manchmal anders als sie zu sein scheinen\u201c, gab Jonathan verdrossen nach einer Weile weiter. \u201eRichtig, betrachte den kommerziellen Ort hier und vergleiche ihn mit der \u00fcberlieferten Stelle bei Jericho und Helle kommt ins Dunkel deiner Gedanken\u201c, stimmte Einstein zu. An der braun-gr\u00fcnen Br\u00fche des vorbei flie\u00dfenden Jordans hatte sich eine Menschenmenge versammelt. Zweihundert T\u00e4uflinge trafen die Entscheidung die Stufen an einem Gel\u00e4nder hinunter zu gehen, damit sie ein amerikanischer Wunder-Prediger nacheinander untertauchen kann. Ein von Fernsehkameras aufgezeichneter Bittgesuch an die Partner des Missionswerks um Spendengelder f\u00fcr kostbare Seelen folgte. Der in Israel geb\u00fcrtige Teleevangelist warb f\u00fcr seine neuesten Kreuzz\u00fcge. \u201eHilft er mit dem Geld den Witwen und Waisen oder Armen und Bed\u00fcrftigen?\u201c, fragte Jonathan einen mit Goldketten behangenen Leibw\u00e4chter. \u201eOf course \u2013 selbstverst\u00e4ndlich. Sein Wunsch ist einen riesigen Truppen\u00fcbungsplatz in Indien zu mieten, um die gr\u00f6\u00dfte Menschenansammlung der Geschichte zu dirigieren. Es gelte n\u00e4mlich, den Rekord eines Polen auf den Philippinen und den eines Deutschen in Nigeria zu schlagen.\u201c Die Leute klatschten und jubelten auf Handzeichen f\u00fcr Jesus. \u201eBekommt denn Christus wirklich die Ehre daf\u00fcr?\u201c, hakte Jonathan un\u00fcberh\u00f6rbar nach. \u201eTaste nicht den Gesalbten des Herrn an!\u201c, lautete der am Kragen packende, wegweisende Entfernungs-Grund des zwei Zentner Mannes. Fischer hatte sowieso keine Lust, wie die anderen, eine leere Flasche mit dem heiligen Wasser zu f\u00fcllen und mit nach Hause zu nehmen. Die im j\u00fcdischen Shop angebotenen, \u00fcberteuerten Andenken bereiteten Jonathan genauso wenig Freude, wie das Mittagessen. Der Gefrustete fastete lieber. Der letzte Nachmittag an der K\u00fcste des Galil\u00e4ischen Meers diente ohnehin der Erholung.<\/p>\n<p>Die au\u00dfergew\u00f6hnlichste Verschenkaktivit\u00e4t k\u00fcndigte sich am Schluss der Freizeit an. Eine nicht endende Anzahl von Fahrzeugen schl\u00e4ngelte sich mit zahlreichen jungen Leuten an der \u00fcberlasteten Uferstra\u00dfe entlang. Das Kinnereth-Rock-Festival zog sechstausend einheimische Musikfans in den Bann. Ein gro\u00dfes umz\u00e4untes Gel\u00e4nde direkt am See war die B\u00fchne f\u00fcr mehrere israelische Bands, die von 20.00 &#8211; 5.00 Uhr nonstop melodischen L\u00e4rm machten. Das Posaunen-Team hatte eine Palette mit Billy Graham B\u00fcchern organisiert. Der Titel des in Iwrit \u2013 Modernhebr\u00e4isch &#8211; \u00fcbersetzten Bestsellers lautete \u201eFriede mit Gott\u201c. Bei der Bildung von neuen Zweierteams wollte der gute Jakob ebenfalls f\u00fcr Ruhe und Frieden sorgen, indem er die ihm bekannten Liebespaare trennte. Jonathan bekam Elisabeth, Ulf Phoebe, Christoph Elisheva und Damkani selbst Angela-Berit als Verteil-Partner zugeteilt. Mit einem Matanah-Geschenk\u2013Ausspruch \u00fcberreichte Sch\u00e4tzle haufenweise B\u00fccher, die h\u00e4ufig im n\u00e4chsten M\u00fclleimer landeten. Die Freaks waren mehr am dr\u00f6hnenden Sound als an sch\u00f6ner Belletristik interessiert. Hinzu kam, dass die einheimischen Sicherheitskr\u00e4fte ebenso wenig Verst\u00e4ndnis f\u00fcr die Weitergabe von fremden Informationen zeigten. Immerhin nahmen die Sanit\u00e4ter eines David-Magen-Adom-Rettungsfahrzeugs dem gekr\u00fcmmten Jonathan aus Mitleid eine ganze Rucksack-Ladung ab. Elisabeth freute sich hinterher dar\u00fcber, dass sich nun das ganze Krankenhaus bekehrt, w\u00e4hrend ihr brummiger Untergebener sich lieber als CVJM-Altpapier-Sammler bet\u00e4tigen wollte. Der erleichterte Spaziergang f\u00fchrte an einem M\u00e4dchen vorbei, das so entsetzlich schrie, als ob es vergewaltigt w\u00fcrde. In der Finsternis hatten sie vier M\u00e4nner umzingelt und machten sich an ihrem Bauchnabel und Armen zu schaffen. Der wagemutige, einschreitende Jonathan verga\u00df nie den Anblick ihres entsetzten Gesichts. Seine Bem\u00fchungen um Hilfeleistung blieben jedoch erfolglos. Die Schmerz empfindliche Jungfer war fest entschlossen, sich simultan piercen und t\u00e4towieren zu lassen. Nichts \u00e4nderte daran ein verkehrsregelnder Polizist, dessen n\u00e4chste Handlung war, den Deutschen das B\u00fccherverklopfen unter Androhung von Strafe zu verbieten. Die Nacht gestaltete sich in der Tat sehr lange. An einem Geheimdepot f\u00fcllten die Verteiler ihre Taschen nach und trafen auf Phoebe und Ulf. \u201eWie geht es euch so?\u201c, wollte Jonathan wissen. \u201eDanke k\u00f6nnte besser sein. Es l\u00e4uft eher unterk\u00fchlt hier\u201c, antwortete der Schwede. Die erm\u00fcdete Phoebe fl\u00fcsterte Jonathan ins Ohr: \u201eKannst du mir erkl\u00e4ren, warum der Priester meine ganze Kindheitsgeschichte wissen will?\u201c \u201eVielleicht ben\u00f6tigt er die Daten am Tag deiner Trauung\u201c, schmunzelte ihr Verehrer. Einige der Beteiligten machten es sich, wie die Steinfamilie, in ihren Schlafs\u00e4cken am Seeufer gem\u00fctlich. Die an einem Brot nagende Sch\u00e4tzle wollte sich andererseits nicht zur Ruhe legen. Die Eifrige nahm ihren schw\u00e4chelnden Angestellten an der Hand und legte weiter drauf los. Der Kreuzungs-Polizist mit Megaphon rief mehrmals etwas unverst\u00e4ndliches zu Elisabeth her\u00fcber. Pseudo-\u00dcbersetzer Jakob Damkani beobachtete besorgt das Geschehen aus der N\u00e4he, wollte sich aber nicht zu erkennen geben. Schlie\u00dflich fragte der Ordnungsh\u00fcter Jonathan auf Englisch was sie wieder anstellen. Ein Buch in der Hand haltend antwortete Sch\u00e4tzle zuerst: \u201eWir heben die weggeworfenen Abf\u00e4lle auf!\u201c Damit hatte die ihrer Festnahme entgehende Verursacherin nicht einmal unrecht. Jonathan bewunderte die spontane Elisabeth f\u00fcr ihre Entschlossenheit. Nach diesem Vorfall beschloss Jakob, eine Pause bis zum Ende des Rock-Festivals einzulegen. Mit den ersten Sonnenstrahlen am Morgen str\u00f6mten die Besucher zur\u00fcck zu ihren Fahrzeugen. Dies bot die Chance, die gro\u00dfen Restbest\u00e4nde trotz allem an den Mann und die Frau zu bringen. Fischer und Sch\u00e4tzle fassten sich an den H\u00e4nden, schlossen ihre Augen und baten den Herrn der ganzen Sch\u00f6pfung um sein Eingreifen. Pl\u00f6tzlich kam unerwartete Hilfe von ungeahnter Seite. Ein schwarz gekleideter Rabbi mit der typischen Lockenpracht lie\u00df sich mitverwickeln. Der \u00dcbergeistliche stellte sich auf ein Podest, wedelte mit der verf\u00fchrerischen Missionsschrift und warnte schreiend die vorbei Laufenden davor sie anzunehmen oder gar zu lesen. Gerade das machte die gr\u00f6\u00dftenteils s\u00e4kularen Israelis, die sich von ihrem religi\u00f6sen Establishement nichts vorschreiben lassen wollten, besonders neugierig. So fand die abgestandene Ware in Rekordgeschwindigkeit reisenden Absatz.<\/p>\n<p>Nach diesem erfolgreichen Kampf freuten sich die ersch\u00f6pften Teilnehmer ebenfalls die Heimreise antreten zu d\u00fcrfen. Die Jesreelebene durchquerend wollte Gouderner unbedingt die Felsen von Nazaret und den Berg der Verkl\u00e4rung besichtigen. Der messianische Jude Jakob hatte nicht die Absicht einen Verk\u00fcndigungs-Krieg mit den Gro\u00df-Moscheen verbreiteten Arabern in der Heimatstadt von Josef, Ehemann der Maria, zu entfachen. Der Schlachtplatz von Armageddon in der Ebene von Megiddo bot im Moment ein friedlicheres Ziel. Von Weitem konnte man den anvisierten markanten gr\u00fcnen Gebirgsr\u00fccken des abgesonderten Tabors sehen. Wie \u00fcberall, wo sich etwas Besonderes in biblischen Zeiten abgespielt hatte, wurden Kirchen, an der Stelle erbaut. Die 588 Meter hohe Anh\u00f6he diente im Altertum daf\u00fcr, fremde G\u00f6tter wie den Baal anzubeten. Ulf erkl\u00e4rte auf dem Aussichtsturm der Verkl\u00e4rungsbasilika, dass laut der \u00dcberlieferung im Buch der Richter die Heldin Deborah diesem Brauchtum den Gar ausgemacht hat. Das brachte mehr Sympathien bei Phoebe, die ihm nicht traute, ein. Sie stellte fest: \u201eSiehst du Jonathan, wir Frauen sind halt doch mutiger!\u201c \u201eMeine Vision ist es falsche Propheten zu enttarnen, sowie Zauberer und Hexen im Leib Christi offenbar zu machen!\u201c \u201eMeinst du eine Reinkarnation von Elia zu sein? F\u00fcr mich klingt das gr\u00f6\u00dfenwahnsinnig.\u201c \u201eGott hat mir aber in einem Traum in England gezeigt, dass ich Manipulation, Herrschsucht und Eifersucht offenbar mache und sogar eine kommende Einheit in den Kirchen beobachten werde.\u201c Das war f\u00fcr die Ungl\u00e4ubige des Guten zu viel. Nicht so f\u00fcr den relativierenden Einstein und die Schriftstellerin Ekman, die sich bei der Weiterfahrt viele Details von Fischer erkl\u00e4ren lie\u00dfen und aufschrieben.<\/p>\n<p>Die letzte Nacht in Israel verbrachten die Fernreisenden wieder auf der 1000 Sterne Veranda in Jaffa. Jonathan war todm\u00fcde. So nahm er gar nicht wahr, wie der neben ihm Stellung beziehende Christoph sich heimlich mit einer Oberschl\u00e4ferin auf die benachbarte Missionars-Ruhest\u00e4tte verzog. Daf\u00fcr gab es vor der Abfahrt zum Flughafen die letzte v\u00e4terliche Ermahnung von Jakob. Er h\u00e4tte etwas mehr Respekt vor der Totenruhe im Vollmondschein erwartet. In christlichen Kreisen sollte es selbstverst\u00e4ndlich sein, dass man sich auf Friedh\u00f6fen anst\u00e4ndig benimmt. Die angesprochenen Schattengestalten w\u00fcssten genau wer gemeint ist.<\/p>\n<p>Seltsamerweise gab Sch\u00e4tzle in der Flughafenhalle dem mit Arkia fliegenden Christoph ihre Kette und den Freundschaftsring zur\u00fcck. Jonathan verstand die Welt nicht mehr und fragte: \u201eSag mal, du scheinst dich sogar gut dabei zu f\u00fchlen, dass Elisabeth Schluss mit dir macht. Wie kommt das Christoph?\u201c \u201eIch habe dir vor dem Hinflug bezeugt, dass in Israel ein besonderes Geschenk auf mich wartet. Gestern habe ich es wirklich bekommen!\u201c, verabschiedete sich Ziegler weiter in R\u00e4tseln.<\/p>\n<p>Die sch\u00f6nste \u00dcberraschung f\u00fcr Jonathan beim Swiss-R\u00fcckflug war, dass er in der Mitte von Phoebe und Elisabeth sitzen durfte. Eine Schweizer Reisegesellschaft mit zahlreichen Kindern l\u00f6ste das n\u00e4chste Erstaunen aus. Julia R\u00fcger nahm in der Mittelreihe vor Jonathan Platz. \u201eDas gibt es ja nicht, dass wir uns hier treffen. Ohne sie w\u00fcrde ich nicht im Flugzeug sitzen\u201c, bedankte sich Fischer bei der Verwaltungsfachangestellten. \u201eZuf\u00e4lle gibt es immer wieder im Leben. Wie hat dir der Aufenthalt gefallen Elisabeth?\u201c, fragte R\u00fcger. \u201eDanke, geht so Julia\u201c, war die knappe Antwort. \u201eWas, ihr kennt euch. Wie kommt denn das?\u201c, befremdete sich Jonathan. \u201eKlar wir wuchsen von klein auf zusammen auf. Schlie\u00dflich sind wir gleichaltrige Cousinen\u201c, erkl\u00e4rte Julia. \u201eIch bitte um Ruhe. Meine Kolleginnen haben Aufmerksamkeit und Respekt verdient, Freunde\u201c, bat Phoebe die Flugbegleiterin, w\u00e4hrend routinem\u00e4\u00dfig die Sicherheitsanweisungen mit den Schwimmwesten aufgezeigt wurden.<\/p>\n<p>Als nach dem erfolgreichen Aufstieg in den Himmel die Gurte abgelegt werden durften, drehte sich Julia R\u00fcger abermals um und sprach: \u201eJonathan, ich darf doch du sagen. Bei deinem letzten Amtsbesuch blieb kaum Zeit zur Unterhaltung. Darum habe ich dir nicht verraten, dass ich dich gut kenne.\u201c \u201eJetzt gib mal keine vertraulichen Informationen von mir preis\u201c, zeigte sich Sch\u00e4tzle besorgt. \u201eDas habe ich nicht n\u00f6tig, weil ich eine neue Quelle der Berichterstattung gefunden habe\u201c, behauptete Julia bewusst, \u201eihr vier Turteltauben seid laut meinem unkontrollierbaren Ruf ziemlich kompliziert und unentschlossen.\u201c \u201eSo und warum vier?\u201c, wollte Phoebe wissen. \u201eIst es nicht so, dass Phoebe mit Christoph, Christoph mit Elisabeth, Elisabeth mit Jonathan und Jonathan mit Phoebe anbandeln wollten? Das Zwitschern die Spatzen l\u00e4ngst von den D\u00e4chern\u201c, gab Julia bekannt.<\/p>\n<p>So liebe Leserinnen und Leser, jetzt m\u00fcsste jedem klar sein wer wen heiratet, oder??? Nach dem l\u00e4ngsten Kapitel der Story \u201edie Lebensfiktion des Jonathan Fischer\u201c meinen die Autoren, eine Ruhepause verdient zu haben. Die sp\u00e4tere Aufl\u00f6sung w\u00e4re spannend und w\u00fcrde zus\u00e4tzlich die Phantasie anregen. Hilfreich oder nicht k\u00f6nnte dabei das Betrachten des analogen echten Hochzeitsfotos auf\u00a0<a href=\"http:\/\/www.jonathanfischer.eu\/\">www.JonathanFischer.eu<\/a>\u00a0oder des Umschlags eines der 40 Roman-Exemplare sein. Also gut, weil Heiraten so sch\u00f6n und romantisch ist nehmen die weiteren Verwicklungen folgenden Verlauf:<\/p>\n<p>Elisabeth vergoss Tr\u00e4nen, Phoebe war sprachlos und Jonathan dachte nach. Auf einen Schlag machte es klick in seinem Gehirn. Ein Film spulte sich in seinem Innern ab. Vor Jahren hatte er gebetet, eine starke Schachspielerin zu bekommen. Immer wieder scheiterten seine Beziehungen mit Frauen, die dieses Kriterium nicht erf\u00fcllten. Auf Charlies Hausdach bekam er ein Gesicht der Silhouette, und in den Sinai-Bergen h\u00f6rte er sogar die Stimme seiner Erflehten. Niemand schluchzt und weint so wie seine Vorgesetzte Sch\u00e4tzle, die ihr m\u00e4nnliches Vorbild im gemeinsamen Hobby, Beruf und Glauben bestens verstand. Wie konnte er nur so blind sein. \u201eElisabeth Sch\u00e4tzle, m\u00f6chtest du mich heiraten?\u201c \u201eJa du Esel!\u201c<\/p>\n<p>Phoebe organisierte aus der ersten Klasse vier Gl\u00e4ser Sekt. Beim Ansto\u00dfen wollte die erleichterte Stewardess von Julia wissen, woher sie wusste, dass sie mit Christoph eine Beziehung angefangen hat. \u201eDein Zuk\u00fcnftiger telefoniert \u00f6fters mit meinem Zuk\u00fcnftigen, mit dem ich \u00f6fters telefoniere\u201c, erl\u00e4uterte R\u00fcger und fuhr fort, \u201eich habe Markus Ruf \u00fcber den Feuerflamme Internet Chat kennengelernt und mit ihm in der christlichen Disco in Reutlingen getanzt. Seit dem ist der beste Freund und Gebetspartner von Christoph auch mein bester Freund und Vertrauter. Der neben R\u00fcger sitzende Schweizer Pastor schaltete sich ein: Bevor ihr weitere s\u00fcndhafte Interna ausplaudert, k\u00f6nnt ihr mir vielleicht erkl\u00e4ren welcher Israelreisender sich mit wem verloben will?\u201c Sch\u00e4tzle z\u00e4hlte auf: \u201eIch verlobe mich heute mit Jonathan, dann Phoebe mit Christoph, Julia mit Markus, Angela-Berit mit Ulf und Elisheva mit Jakob, klar?\u201c \u201eKlar, da ist ein gro\u00dfer Kindersegen zu erwarten. Ich empfehle zur besseren Vorbereitung einen Eheberatungskurs und schenke jedem zur Hochzeit mein Buch \u00fcber das harmonische Familienleben\u201c, neckte l\u00e4chelnd Ivo.<\/p>\n<p>Beim Zwischenstop in Z\u00fcrich fanden Jonathan und Elisabeth die passenden Ringe um die \u00dcberraschung am Stuttgarter Flughafen bei der wartenden Verwandtschaft perfekt zu machen. Die Hochzeitsglocken l\u00e4uteten acht Monate sp\u00e4ter. Die Trauung von Elisabeth Sch\u00e4tzle und Jonathan Fischer f\u00fchrten Georg M\u00fcller und Ulf Gouderner in der Filharmonie in Filderstadt gemeinsam als Doppelverm\u00e4hlung mit Julia R\u00fcger und Markus Ruf durch. Da die erdachte Geschichte sich in den guten alten DM-Zeiten abspielte, sei verraten, dass das Euro-Banker-Ehepaar inzwischen die drei erw\u00fcnschten Gl\u00fcckskinder bekommen hat.<\/p>\n<p>Wer aus Dankbarkeit f\u00fcr die am\u00fcsante Gratisstory gerne unser Hilfsprojekt f\u00fcr die Philippinen unterst\u00fctzen m\u00f6chte, dem sei der Besuch von <a href=\"http:\/\/filipino-german-mission.de\">filipino-german-mission.de<\/a> empfohlen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-10-die-reise-nach-jerusalem-teil-1.mp3 &nbsp; https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-10-die-reise-nach-jerusalem-teil-2.mp3 &nbsp; Die Reise nach Jerusalem Als Jonathan Fischer vor Jahren die Weissagung der lieben, inzwischen verstorbenen Schwestertante Hanna bekam, er k\u00f6nnte sogar einmal katholischer Bischof werden, h\u00e4tte er bestimmt nicht gedacht, ausgerechnet beim Verteilen von protestantischen Einladungen auf der K\u00f6nigstra\u00dfe daran erinnert zu werden. 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