{"id":74,"date":"2008-07-24T07:28:54","date_gmt":"2008-07-24T07:28:54","guid":{"rendered":"http:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=74"},"modified":"2021-01-03T16:18:20","modified_gmt":"2021-01-03T16:18:20","slug":"9-kapitel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=74","title":{"rendered":"9. Kapitel"},"content":{"rendered":"<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-74-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-9-arm-oder-reich-tod-oder-lebendig-teil-1.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-9-arm-oder-reich-tod-oder-lebendig-teil-1.mp3\">https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-9-arm-oder-reich-tod-oder-lebendig-teil-1.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-74-2\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-9-arm-oder-reich-tod-oder-lebendig-teil-2.mp3?_=2\" \/><a href=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-9-arm-oder-reich-tod-oder-lebendig-teil-2.mp3\">https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-9-arm-oder-reich-tod-oder-lebendig-teil-2.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Arm oder reich? Tod oder lebendig?<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Held der Lebensfiktion Jonathan Fischer hatte im Leben mehr erreicht, als er sich vorgestellt hatte. Sein Kindheitstraum Schachweltmeister zu werden konnte er zwar nicht realisieren, daf\u00fcr entwickelte sich seine Berufskarriere kometenhaft. Wenn er so weiter machte, w\u00fcrde er als einer der j\u00fcngsten Bankvorst\u00e4nde Deutschlands in die Geschichte eingehen. In seiner politischen Laufbahn konnte er ebenfalls gro\u00dfe Erfolge erzielen, denn er war zum Fraktionsvorsitzenden des Denkenstadter Gemeinderats aufgestiegen. Dies hatte er der Unterst\u00fctzung seines Parteifreunds Straussinger zu verdanken, der im Eiltempo selbst zum Schatzmeister der Bundespartei und Justizminister von Baden-W\u00fcrttemberg gew\u00e4hlt worden war.<\/p>\n<p>Durch Jonathans erfolgreiche Vermittlungsgesch\u00e4fte waren seine R\u00fccklagen rasant schnell angewachsen, aufgrund dessen er sich ein Haus bauen wollte. Au\u00dferdem spielte der Junggeselle mit dem Gedanken einen Porsche Speedster zu kaufen. Aber wozu? Seine neu eingerichtete, g\u00fcnstig gelegene 3-Zimmerwohnung war gro\u00df genug und sein f\u00fcnft\u00fcriger Familienopel war nicht einmal ein Jahr alt. Wegen der grasgr\u00fcnen Lackierung fand sich sowieso kein Interessent auf sein Inserat in AutoScout24.de und Mobile.de. In der immer k\u00fcrzer werdenden Freizeit f\u00fcllte Jonathan seine unerkl\u00e4rliche innere Leere durch zahlreiche Einkaufstouren in der Stuttgarter Innenstadt, und er betrieb wieder mehr Sport. Neben Tennis z\u00e4hlte sein Centurion Mountainbike und seine Cannondale Stra\u00dfenrennmaschine zu seinen Lieblingsfreizeitbesch\u00e4ftigungen, um sich fit zu halten.<\/p>\n<p>Wehm\u00fctig erinnerte sich Jonathan an seine Hochzeitspl\u00e4ne mit Helen, als er an einem Freitagabend mit seinem Backfiremountainbike am Scharnhauser Armortempel pfeilschnell vorbei schoss. Ja, was ihm wirklich fehlte war eine Frau, und daf\u00fcr w\u00fcrde er alles Geld der Welt geben. Aber bekanntlich ist die wahre Liebe nicht k\u00e4uflich. Bei der folgenden Downhill-Abfahrt durch die Kastanienallee zum Lustschloss hinunter lie\u00df es der Hobbysportler richtig krachen und forderte das letzte aus seiner RockShox Federgabel heraus. Mit allem h\u00e4tte Jonathan gerechnet, nur nicht mit dem ausgeb\u00fcchsten Esel, des im Lustschloss herbergenden Tierarztes, der ihm in einer Kurve pl\u00f6tzlich den Weg versperrte und zu einem waghalsigen Ausweichman\u00f6ver zwang. Der barmherzige Samariter hatte schon einmal einen Filmriss wegen zu hohen Alkoholspiegels bei seiner Verabschiedung aus der Sportlehrkompanie in Warendorf, aber noch nicht wegen Salto Mortale \u00fcber einen Fahrradlenker. Als Jonathan bedeppert wieder aufwachte war es zwei Uhr morgens. Dank seines Bell-Sturzhelmes schien er sich au\u00dfer leichten Sch\u00fcrfungen an den Armen, nichts zugezogen zu haben. Beim Aufstehen schmerzte seine rechte H\u00fcfte wieder h\u00f6llisch, was ihm ein lautes Sch-Wort entlockte. Jonathan sank wieder auf seine Knie und weinte. Er fragte sich, warum ausgerechnet ihm das passieren musste und bekam als Antwort, dass wer sich st\u00e4ndig in Gefahr begibt, dieser erliegen wird. Zudem erinnerte er sich an die Kinderbibelstelle, wo der Prophet Bileam von einem Esel vor dem entgegentretenden Engel des Herrn besch\u00fctzt wird. Sollte ihn Gott in irgend einer Art und Weise bremsen wollen?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Wochenende verbrachte der heimhumpelnde Patient Not gedrungener Ma\u00dfen im Bett und lie\u00df sich von seiner \u201eHilde hilft\u201c Vermieterin, die wie eine Oma f\u00fcr ihn war, verarzten und bekochen. Jonathan verwendete seit langem wieder Zeit f\u00fcr das Lesen im Buch mit den sieben Siegeln, und als ob der Allerh\u00f6chste abermals zu ihm sprechen wollte, h\u00f6rte er dazu ausgerechnet seinen viel geliebten Pfarrer Benz im geistigen Teil des Radio Vatikan, der von seinem langj\u00e4hrigen Afrikaaufenthalt berichtete. Der katholische Priester sprach \u00fcber Reichtum und Armut und behauptete, dass die von ihm betreuten Waisenkinder beim Spielen im Freien mit ihrem Konservendosenspielzeug viel gl\u00fccklicher w\u00e4ren, als manches einsames Kind in Deutschland beim stundenlangen Fernsehschauen oder PC-Gamen. Auch die aussterbenden Gemeinden Europas k\u00f6nnten sich an dem freudigen, lebensfrohen Gottesdienststil der afrikanischen Gl\u00e4ubigen eine Scheibe abschneiden. Nicht umsonst w\u00fcrde Jesus in der Offenbarung eine Warnung an die Kirche aussprechen die da hei\u00dft: \u201eDu sprichst: Ich bin reich und habe genug und brauche nichts, und wei\u00dft nicht, dass du elend und j\u00e4mmerlich bist, arm, blind und blo\u00df.\u201c Damit k\u00f6nnte genauso gut ich selbst gemeint sein, folgerte Jonathan, bevor er in der sonnt\u00e4glichen Nacht einschlief.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am darauf folgenden Morgen fuhr der leicht gehandicapte Jonathan mit dem Auto in die Denkenstadter Bankzentrale. Zun\u00e4chst besprach er mit Gebhart Scharkfisch die gl\u00e4nzende Gesch\u00e4ftsentwicklung der neu er\u00f6ffneten Park-Haus Filiale, und daraufhin empfingen die beiden im Vorstandsb\u00fcro eine verm\u00f6gende gewichtige Neukundin. Magdalena Osiris-Ra versuchte, den Eindruck zu erwecken, in ihrem futuristischen wei\u00dfen Kleid, wie eine Ballett\u00e4nzerin hereinzuschweben, bevor sie wie eine Kanzlerin im komfortablen Chefsessel hinter dem Schreibtisch Platz nahm. Das neue Hochzeitskleid im gewagten Oslo-Style habe ihr nach der Anprobe so gut gefallen, dass sie es mitgenommen habe, um die Bankberater um ihre Meinung zu befragen. Auf einmal herrschte Totenstille. Die beiden Volkswirte bekamen Stielaugen, denn so gro\u00dfe Glocken hatten sie nur bei einer opulenten Operns\u00e4ngerin im Saunabereich des Merkel\u00b4schen Bads in Esslingen zu Sicht bekommen. \u201eNehmen Sie doch Platz!\u201c, bestimmte die neu mutierte Chefin und lie\u00df ein Pendel vor ihrem \u00fcberdimensionalen Ausschnitt schwingen. Die zwei sich auf den Kundenst\u00fchlen niederlassenden Hypnoseopfer kamen sich wie in die Falle tappende \u00c4ffchen vor, als sie den links rechts Bewegungen folgten und alles um sich herum verga\u00dfen. \u201eHier unten befindet sich eine gesundheitssch\u00e4dliche Wasserader. Dieser Schreibtisch muss unverz\u00fcglich umgestellt werden!\u201c, lautete die n\u00e4chste Anweisung der stadtbekannten Wahrsagerin. \u201eDas geht doch nicht so einfach\u201c, widersprach Gebhart, der wieder zu Verstand gekommene Vorstandsvorsitzende, und Jonathan begann ohne es zu wollen zu kichern. \u201eAlso gut, dann kommen wir zum Gesch\u00e4ft, ich fordere meine 666.000,- DM, die sich auf dem Immobilientreuhandkonto befinden in bar und zwar in Tausender Scheinen\u201c, befahl die Gesch\u00e4ftspartnerin. Der d\u00fcpierte Scharkfisch lie\u00df unverz\u00fcglich Sauer, den Hausmeister antreten, um das Mobiliar wunschgem\u00e4\u00df umzustellen. \u201eNa also, geht doch. Was f\u00fcr Anlagem\u00f6glichkeiten gibt es denn?\u201c, freute sich die an einem Sektglas nippende, nun auf dem Lederkanape sitzende Magdalena. \u201eHier haben wir ein ausgezeichnetes Angebot mit unserem Wachstumsfonds Ost, der jederzeit \u00fcber einen gut funktionierenden Zweitmarkt zur\u00fcckgekauft wird\u201c, erl\u00e4uterte der Bankvorstand und unterstrich dies mit einer Hochglanzbrosch\u00fcre voller positiver Prognosen. Das weibliche Medium schloss seine Augen und versetzte sich in Trance: \u201eDieser geschlossene Immobilienfonds wird fast \u00fcberhaupt nichts aussch\u00fctten, so steht es in den Steuern. Verflixt und zugen\u00e4ht, Sternen. Warum bleibt der Prospekt an meinen H\u00e4nden haften? Helfen sie mir doch das Ding wieder loszukriegen.\u201c \u201eSelbstverst\u00e4ndlich, aber hier handelt es sich nicht um eine Goldene Gans. Seien sie doch kein Dummling und unterschreiben sie hier\u201c, war der Kugelschreiber hinhaltende Versuch des \u201eHans im Gl\u00fcck\u201c Chefverk\u00e4ufers. \u201eNein, was schl\u00e4gt statt dessen mein erfolgreicher Pyramidenver\u00e4u\u00dferer Fischer vor. Komm heraus du Geistesblitz!\u201c, verlangte die gel\u00f6ste Magdalena mit einem alles durchdringenden Blick. \u201eKaufen sie davon 33 Kilogramm Barren Gold und schleusen sie diese periodisch durch die Schlie\u00dff\u00e4cher Nummer 1 bis 13, das w\u00e4re im Sinne ihres Vaters Ramses Ra\u201c, kam es wie aus der Pistole geschossen aus Jonathan heraus. \u201eAber diese Schlie\u00dff\u00e4cher sind doch in Denkenstadt gar nicht zu haben\u201c, bezweifelte Scharkfisch. \u201eIn Denkenstadt nicht, aber daf\u00fcr in unserem neuen vollautomatischen Kundentresor im Scharnhauser Park\u201c, entgegnete, der sich damit wenig Sympathien verschaffende Filialleiter Fischer. \u201eDas Angebot gef\u00e4llt mir, jedoch muss ich es nochmals pr\u00fcfen und mit meinem Verlobten besprechen. Schauen wir zun\u00e4chst was die Tarot-Karten zu unserer Zukunft sagen\u201c, meinte die sich flugs auf dem niederen Walnuss-Holztisch ausbreitende Kartenlegerin. \u201eOje, hier ist eine dringende Warnung f\u00fcr den Monaco Franze Scharkfisch. Sie machen mit einem gef\u00e4hrlichen Immobilienhai, der sich als Professor ausgibt, krumme Gesch\u00e4fte. Es geht um Leben oder Tod, passen sie besonders gut auf, denn dieser will sie zu Gunsten seiner Scientology Sekte betr\u00fcgen. Diese Konstellation hier ist ja bezaubernd, der Charmeur und ewige Stenz Fischer wird in den n\u00e4chsten 24 Stunden auf seine zuk\u00fcnftige Frau treffen. Verflixt, ich muss meinen eigenen Unfall verh\u00fcten und h\u00e4tte heute laut meinem Horoskop sowieso nicht aus dem Haus gehen sollen. Kann mich einer der Frauenlieblinge heimfahren?\u201c, bat die ver\u00e4ngstigte Esoterikerin und sammelte die bunten Kabbala-Bl\u00e4ttchen wieder ein. Selbstverst\u00e4ndlich nahm diese Chauffeuraufgabe der rangniedere Jonathan wahr und begleitete die wei\u00dfe Hexe mit ihrer langen Schleppe zu ihrem Auto auf den Kundenparkplatz. Er traute seinen Augen nicht, als sie vor einem schwarzen Lamborghini Diablo GT stehen blieben. Ein hei\u00dfes und kaltes Schaudern lief Jonathan beim Anblick der nach oben schwenkenden Fahrert\u00fcr den R\u00fccken herunter, als ihm Magdalena stolz und prahlend den Schein mit den Fahrzeugdaten zeigte und darum bat einzusteigen. Das auf 83 Exemplare limitierte Sondermodell besa\u00df bei beinahe 6 Liter Hubraum knapp 600 PS und war der derzeit schnellste Stra\u00dfensportwagen mit einer sagenhaften H\u00f6chstgeschwindigkeit von 338 Km\/h.<\/p>\n<p>Jonathan h\u00f6rte ganz deutlich eine innerliche warnende Stimme nicht in das Auto zu steigen und besser den gegen\u00fcber stehenden eigenen Wagen zu benutzen. \u201eLassen sie uns lieber meinen Opel nehmen, denn f\u00fcr so einen Rennwagen ben\u00f6tigt man sicher erst ein Fahrertraining\u201c, lautete sein verst\u00e4ndlicher Einwand. \u201eAbsolut richtig, diese Ausbildung werde ich ihnen gleich geben\u201c, summte Magdalena und \u00fcbergab die Autoschl\u00fcssel in verf\u00fchrerischer Weise, indem sie einen weiteren tiefen Einblick in ihr Dekoltee gew\u00e4hrte. \u201eAlso gut, ich setze mich und checke einmal den Motorsound aus\u201c, antwortete Jonathan, der glaubte, so eine Chance nicht wieder zu bekommen und den es beim Hineinzw\u00e4ngen wieder m\u00e4chtig an der H\u00fcfte zwickte. Der ansetzende, unged\u00e4mpfte L\u00e4rm des Diablo-Zw\u00f6lfzylinders war genauso brachial und kraftvoll, wie einst Murcielago, der das Markenzeichen der urspr\u00fcnglich italienischen Traktorenfirma repr\u00e4sentierte. Der legend\u00e4re spanische Kampfstier \u00fcberlebte 24 Lanzenstiche und wurde deshalb begnadigt. Als besonderen Gag schaltete sich ein kleiner R\u00fcckspiegel-Bildschirm in der Mittelkonsole ein, der das in vierzig Meter Entfernung befindliche, grinsende Schlangengesicht von Jonathans gr\u00fcnem Vectra aufzeichnete. Der Chefpilot trat mit aller Kraft auf die Sportkupplung und legte gerade den R\u00fcckw\u00e4rtsgang ein, als ihn die total angeturnte Magierin mit ihren funkelnden Augen aufforderte einmal voll Stoff zu geben, damit die ganze Bank vor Schreck zusammenfahren soll. In der Tat begaben sich alle Angestellten inklusive Direktor bei dem einsetzenden Doppelrohrauspuff-H\u00f6llenl\u00e4rm an ihre Fenster. Doch was war das? Eine Hand wie von Geierwally fasste Jonathan unaufgefordert an seiner empfindlichsten Stelle, so dass er zur\u00fcck zuckte und ohne es zu wollen die Kupplung freigab. Von einer Sekunde zur n\u00e4chsten landete das mit einem riesigen Spoiler ausgestattete Heck des t\u00f6dlichen PS-Boliden mit einem lauten Knall in der Front des ebenfalls fast neuen Wagens des Lenkers. Der dunkle Carbon-Heckfl\u00fcgel flog gleichzeitig auf den Balkon von Scharkfisch, der sogleich als erster Helfer an den Unfallort hetzte. Er entdeckte die zwei unter Schock stehenden, sich mit starrem Blick an den H\u00e4nden fassenden, aber sonst unversehrte Unfallinsassen. In k\u00fcrzester Zeit waren auch Polizei, Krankenwagen und Bild Zeitung am Unfallort. Ganz zu schweigen von den unz\u00e4hligen Denkenstadter Schaulustigen und den immer noch aus den Fenster spannenden Arbeitskollegen. Jonathan sch\u00e4mte sich so sehr, wie noch nie in seinem Leben und w\u00fcnschte sich in Luft aufzul\u00f6sen, als die Feuerwehr anr\u00fcckte, um ihn und seine Bekanntschaft aus der zusammen gestauchten Fahrgastzelle zu befreien. Wie ging der lange Las Vegas Satz mit dem Kopf in den Sand stecken? \u201eLiebes Sandm\u00e4nnchen, bitte komm schnell und streue mir Traumsand in die Augen, damit ich aus diesem Alptraum entfliehe!\u201c, fl\u00fcsterte der verzweifelte Bruchpilot in einer neuen k\u00fcrzeren Version, so dass die wieder zu sich gekommene schmunzelnde Magdalena ihm z\u00e4rtlich die Augenlieder zuschob. Jonathan w\u00e4re es lieber gewesen nicht so schnell mit einem Rettungswagen in das Ruiter Kreiskrankenhaus zur\u00fcckzukehren. Vorsorglich bekamen er und Magdalena eine Halskrause aufgrund ihres Schleudertraumas verordnet. Durch den Ungl\u00fccksfall gab es f\u00fcr den Story-Helden nicht nur ein Wiedersehen mit den \u00c4rzten, sondern auch eine weitere kurze Urlaubsbekanntschaft aus Sedona tauchte wieder auf. Jonathan erkannte Elymas an seinem gro\u00dfen Anch-Kreuz sofort wieder und fasste sich an den Kopf, als ihm das Gespr\u00e4ch in dem New Age Laden mit dem inzwischen verlobten Stuttgarter P\u00e4rchen wieder einfiel. \u201eSo, so, scheinbar hat der sich geistlich fortbildende Anzugtr\u00e4ger es mal wieder transrapid eilig gehabt und dabei den eigenen magnetisch anziehenden Servicewagen vergessen\u201c, spottete der zuk\u00fcnftige Br\u00e4utigam und dr\u00fcckte demonstrativ, die nicht nur durch die neu angepassten Schaumstoffeinlagen am Oberk\u00f6rper eine \u00fcbergro\u00dfe Oberweite vorweisende Magdalena, k\u00fcssend an sich.<\/p>\n<p>Der Beifahrerin Osiris-Ra d\u00e4mmerte letztendlich ebenso die schicksalhafte Tragweite ihrer ersten Begegnung in den USA. Die spirituell hoch Gebildete begann sich m\u00e4chtig zu \u00e4rgern, weil sie nicht die Warnung ihres Unfallwarn-Horoskops befolgt hatte. Der listige Elymas Wicked-Oz bot Jonathan freundlicherweise an, ihn gemeinsam mit Magdalena nach Hause zu fahren, aber zuvor m\u00fcsse dieser unbedingt den Meldebogen der Merlin-Versicherung ausf\u00fcllen.<\/p>\n<p>Als Jonathan am Einschlafen war, fragte er sich, ob er nicht besser ausf\u00fchrlicher schreiben und die ganze Wahrheit h\u00e4tte angeben sollen. Warum hatte er sich mit dem Versicherungsbericht so \u00fcberrumpeln lassen? Was war blo\u00df mit ihm geschehen? Wieso entwickelte er pl\u00f6tzlich so starke Gef\u00fchle f\u00fcr Magdalena? Warum bekam er diese 24 Stunden Liebes-Prophezeiung? Spricht Gott etwa doch durch Karten, obwohl diese in christlichen Kreisen verboten sind? Sollte sich am Ende die Liebesstory von Brian und Sharon in seinem Leben wiederholen? Er musste immer wieder woll\u00fcstig an die braungelockte Magdalena mit ihren gro\u00dfen Br\u00fcsten denken und dachte sogar zu sp\u00fcren, dass sie sich ganz nah bei ihm im Raum befindet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen klingelte das Telefon in Jonathans Wohnung pausenlos. Der f\u00fcr eine Woche krank Geschriebene nahm wohlweislich nicht ab und programmierte seinen Anrufbeantworter wie Charlie in Ph\u00f6nix auf Zuschalten nach zwei mal Leuten. Witwe Hilde hatte ihm ein Boulevardblatt unter der T\u00fcr durchgeschoben, in dem man ihn H\u00e4ndchen haltend mit der bleichgesichtigen Locken-Sch\u00f6nheit betrachten konnte. Darunter war ein \u00e4lteres, verf\u00fchrerisches, oberk\u00f6rperfreies Bild derselben. Die Schlagzeile lautete: \u201eSchuhmacher bleib bei deinem Leisten, Denkenstadter Bankdirektor versuchte sich als sexbesessener Rennfahrer!\u201c Der Gedem\u00fctigte dachte nicht daran, an die Sprechanlage der Eingangst\u00fcr zu gehen, obwohl auch diese pausenlos l\u00e4utete. Seine Hauswirtin klopfte an die Innent\u00fcr, und bat dringend darum zu \u00f6ffnen. Als er sich stumm stellte, nahm diese einfach ihre Ersatzschl\u00fcssel und betrat mit einem ganz in wei\u00df gekleideten Mann die gute Stube. Der ber\u00fchmte Zaubergro\u00dfmeister Wicked-Oz hatte damit gedroht das gesamte Haus mit einem Fluch zu belegen, so dass in k\u00fcrze der Blitz einschl\u00e4gt, wenn ihm kein Zutritt verschafft wird. Die helfende Hilde lie\u00df Jonathan, mit dem, wie Benny Hinn \u00fcberaus vornehm gekleideten, Hohenpriester Elymas alleine.<\/p>\n<p>Der Busenfreund von Magdalena fand es \u00fcberhaupt nicht komisch, das H\u00e4ndchen haltende Foto auf dem Esstisch zu entdecken. \u201eWenn ich dich nochmals so mit meiner Verlobten erwische, dann schw\u00f6re ich dir, ich bringe dich um!\u201c, w\u00fctete der erz\u00fcrnte Widerbuhler. Gleichzeitig krochen zwei kleinere Ringelnattern aus seinen wei\u00dfen goldbekn\u00f6pften Sakko\u00e4rmeln heraus und bewegten sich z\u00fcngelnd \u00fcber eine Obstschale auf den gegen\u00fcber Sitzenden zu, so dass dieser vor Schreck r\u00fcckw\u00e4rts auf seinen Perserteppich fiel. Jonathans Frettchen freute sich \u00fcber die neuen Spielkameraden umso mehr und h\u00fcpfte unerlaubterweise auf den Tisch, um sein morgendliches, frisch zubereitetes Fr\u00fchst\u00fcck einzunehmen. Die Situation hatte sich schnell entspannt. Deshalb setzten sich die Kontrahenten auf die Couchgarnitur, um eine einvernehmliche L\u00f6sung zu finden. Elymas Wicked-Oz hatte von der Versicherung erfahren, dass der 580.000,- DM teure Diablo-Rennwagen laut Vertragsbedingungen eigentlich nur von der zuvor in ein Sicherheitstraining eingewiesenen Osiris-Ra h\u00e4tte benutzt werden d\u00fcrfen. Das eine Woche alte Verlobungsgeschenk von Elymas konnte laut Gutachter lediglich als 66.000,- DM Ersatzteillager weiter verwendet werden. Jonathan war aus Mitleid bereit, eine B\u00fcrgschaft f\u00fcr Magdalena zu unterschreiben, denn insgeheim betrachtete er sich als legitimen Blutsbruder-Br\u00e4utigam. Er selbst meinte viel schlimmer dran zu sein, weil er f\u00fcr seinen Vectra nur um die 500,- DM vom Schrotth\u00e4ndler bekommen w\u00fcrde. Zum Trost bot er dem sich verabschiedenden Reptilienverg\u00f6tterer an, die abgeworfenen Schw\u00e4nze seiner D\u00fcnnh\u00e4uter als Liebesbeweis, zu einer Handtasche verarbeiten zu lassen. Diese falsche Schlange Elymas fuhr wegen den kleinsten Bemerkungen aus der Haut und versuchte, Jonathan am Hals zu w\u00fcrgen. Er hatte jedoch nicht mit den scharfen Z\u00e4hnen, des auf Jonathans Schulter h\u00fcpfenden Aaron, dem Frettchen, gerechnet und suchte deswegen an den H\u00e4nden blutend abrupt das Weite.<\/p>\n<p>Genau in diesem Moment ergriff Gebhart Scharkfisch die Klinke in die Hand und verschaffte sich Zutritt. Er wollte von seinem nicht ans Telefon gehenden Prokuristen wissen, ob er den Arbeitsunfall schon der Berufsgenossenschaft weiter gemeldet hat. \u201eAuf die Idee bin ich gar nicht gekommen. Ich habe ganz normal meine AOK-Krankenversicherungskarte abgegeben\u201c, erkl\u00e4rte Jonathan seinem Chef. \u201eDann gib wenigstens mehr acht, wenn du Angaben zum Unfallhergang bei der Autoversicherung machst und behaupte der Kundin w\u00e4re schlecht gewesen, weswegen sie dich um eine Heimfahrt gebeten hat!\u201c, war der zu sp\u00e4t erteilte Ratschlag des gewieften Vorgesetzten. \u201eDas ist nicht mehr n\u00f6tig. Den Hergang habe ich knapp und wahrheitsgem\u00e4\u00df bereits gestern bei dem wei\u00dfen Anzugstr\u00e4ger gemeldet!\u201c, teilte der Pflichtbewusste mit. \u201eIch dachte immer du w\u00e4rst ein schlauer Schachspieler, aber dein dummes religi\u00f6ses Gewissen, kann dir eine halbe Million Haftungssumme einbrocken\u201c, schloss Gebhart. \u201eDas macht nichts. Ich habe gerade eine B\u00fcrgschaft in der H\u00f6he unterschrieben, weil ich mir sicher bin Magdalena zu heiraten. So viel ist sie mir wert.\u201c \u201eLiebe macht blind und schnell erworbenes Geld spendierfreudig und leichtfertig. Bevor du noch ganz \u00fcberschnappst m\u00f6chte ich von dir, als ehemaligen Betriebsratsvorsitzenden, wissen, ob du hinter diesem Rundbrief von Elisabeth Sch\u00e4tzle steckst. Dann Gnade dir Gott, ich leg dich um!\u201c, mit dieser Verhei\u00dfung \u00fcberreichte der machthungrige Boss mehrere Seiten Papier.<\/p>\n<p>Sch\u00e4tzle hatte nach Jonathans Bef\u00f6rderung zum Prokuristen und zwangsl\u00e4ufigen Ausscheiden aus dem Betriebsrat den Vorsitz des Arbeitnehmergremiums \u00fcbernommen und einen Skandal ausgel\u00f6st. Die landesbeste Azubine, die insgeheim eine Verehrerin Jonathans war und ihm in jungen Jahren einen Liebesbrief geschrieben hatte, schien ihrer Karriere einen gewaltigen D\u00e4mpfer zu geben. Sie hatte gewagt, in einer Lotus-Notes-Mitteilung an alle Arbeitnehmer, eine Thesenliste mit Verletzungen gegen das Betriebsverfassungsgesetz zu ver\u00f6ffentlichen. Der erste Anklagepunkt war, dass die Gesch\u00e4ftsleitung die Wahl einer Jugend- und Auszubildendenvertretung bewusst verhindert h\u00e4tte, und der f\u00fcnfundneunzigste Vorwurf lautete, dass der Vorstand ihre Rede f\u00fcr die Betriebsversammlung zensiert h\u00e4tte und dort sowieso \u00fcberhaupt nichts als Pseudo-Versammlungsleiter verloren h\u00e4tte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Scharkfisch wollte die Aufs\u00e4ssige sofort gemeinsam mit seiner Personalleiterin Octopussy in den W\u00fcrgegriff nehmen, doch die intelligente Bankfachwirtin bestand darauf, Jonathan als Helfer und Zeugen dabei zu haben. \u201eDu ziehst deine Halskrause an und kommst sofort mit, sonst schmei\u00dfe ich dich gleich auch noch raus!\u201c, befahl F\u00fcrst Gebhart, der w\u00fctende erste Oberbefehlshaber. Zornigen Machthabern widerspricht man lieber nicht und tritt man besser \u00fcberhaupt nicht unter die Augen. Nichts desto trotz konnte Jonathan wenig sp\u00e4ter im Personalb\u00fcro interessant verfolgen, wie die streitbare Gewerkschafterin sich elegant verteidigte. Das Gespr\u00e4ch war rasch bei einem Aufhebungsvertrag angekommen, bei dem lediglich die H\u00f6he der Abfindung unterschiedlich beurteilt wurde. Scharkfisch bot aufgrund der k\u00fcrzeren Besch\u00e4ftigungsdauer 6.000,- Deutsche Mark f\u00fcr die sofortige Ausscheidungs-Unterschrift an, wobei das geschasste Sch\u00e4tzle 33.000,- DM f\u00fcr ihren lautlosen Abgang als Aussteuer mitnehmen wollte. \u201eAlso gut, dann warne ich sie vor, dass ich f\u00fcr n\u00e4chste Woche eine au\u00dferordentliche Betriebsversammlung einberufen werde unter Mitwirkung des Gewerkschaftskapit\u00e4ns Ahab und unter Einbeziehung der \u00f6rtlichen Presse. Au\u00dferdem zeige ich sie wegen illegalen Immoblilienmachenschaften und Geldw\u00e4sche an\u201c, war das stichhaltigste Argument, der zur friedvollen evangelischen Kreditgenossenschaft EKK wechselnden pietistischen Rocktr\u00e4gerin. Der katholische Glaubensinquisor wollte keinen neuen Krieg eingehen und gab sich als Kl\u00fcgeren bezeichnend \u00fcberraschend nach, obwohl es in F\u00fchrungskreisen verp\u00f6nt ist Schw\u00e4che zu zeigen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wieder in die Schlo\u00dfstra\u00dfe zur\u00fcckgekehrt wartete eine \u00dcberraschung f\u00fcr Jonathan auf seiner Couch. Magdalena hatte es auch irgendwie geschafft hereinzukommen und studierte gerade zahlreiche B\u00fccher, die sie auf dem Wohnzimmertisch ausgebreitet hatte. \u201eMein Lieber, ich habe noch niemand erlebt, dem es gelungen ist Wicked-Oz in die Flucht zu schlagen und ihn so zu dem\u00fctigen und zu besiegen. Ich sp\u00fcre von dir geht eine gr\u00f6\u00dfere Kraft als von ihm aus. Komm mal her zu mir S\u00fc\u00dfer, ich will dich streicheln\u201c, winkte Magdalena mit ihren langen Airbrush-Fingern\u00e4geln. \u201eAber bitte nicht so heftig wie gestern. Ich bin Christ und will jungfr\u00e4ulich in die Ehe eingehen\u201c, wendete Jonathan ein, der sich \u00fcberlegte, ob er rei\u00df aus nehmen sollte oder lieber gleich alle Prinzipien \u00fcber Bord schmei\u00dft. Magdalena kn\u00f6pfte ihm das Hemd auf und kraulte ihn am Oberk\u00f6rper. Sie begann seinen R\u00fccken zu massieren und streichelte ihn so gekonnt, dass er sp\u00fcrte wie eine Kraft durch seine Wirbels\u00e4ule ging. S\u00e4mtliche Schmerzen waren verflogen. \u201eDas ist Reiki, kosmische Lebensenergie. Ich habe dir wissenswerte Literatur dar\u00fcber mitgebracht. Du wirst einmal mehr Macht und Erkenntnis als ich besitzen. Liebster das Schicksal hat uns zusammengef\u00fchrt, wir sind die perfekte Kombination\u201c, war sich die Esoterikmeisterin sicher. Jonathan lie\u00df sich gerne bezirzen, wurde aber ausgerechnet an Odysseus und die webende Kirke, die singenden Sirenen und die weissagenden Sybillen erinnert, w\u00e4hrend er sich f\u00fcr eine kurze Sitzung auf den Abort begab. Als er zur\u00fcck kam war Magdalena Osiris-Ra wie vom Erdboden verschluckt und hinterlie\u00df leider nur noch ihre Visitenkarte und die vielen Lehrb\u00fccher. Der geistige Sch\u00fcler \u00fcberflog ein Schriftst\u00fcck nach dem anderen und war geschockt, weil sie sich gegen zahlreiche biblische Verbote hinwegsetzten. Sollte er so enden wie K\u00f6nig Salomo, den seine vielen ausl\u00e4ndischen Frauen zur Zauberei und G\u00f6tzenanbetung verf\u00fchrten? Wenn man vom Teufel versucht wird, muss man mit dem Wort Gottes zur\u00fcckschlagen, hatte Jonathan anhand der Evangelien gelernt. Deshalb rief er seinen Freund David aus dem Charisma Shop an und bat ihn um einen Gefallen. Er solle die f\u00fcr eine Hexe geeignete christliche Literatur heraus picken und einen Strau\u00df mit roten Rosen mit einem Gru\u00df von ihm besorgen, um anschlie\u00dfend die Geschenke im benachbarten Leonhardsviertel im Edel-Ethos-Center bei Magdalena abzugeben.<\/p>\n<p>Gedanklich drehte sich bei Jonathan alles nur noch um die Esoterik-Gesch\u00e4ftsinhaberin. Meine G\u00fcte, wie gut konnte diese Frau massieren. Am Abend war eine weitere Morddrohung von Elymas auf den Anrufbeantworter eingegangen, der es nicht komisch fand, die Blumen mit den Geschenken im gemeinsam gef\u00fchrten Laden entgegen zu nehmen. Magdalena, die ihre Handynummer auf ihrer Visitenkarte hinterlassen hatte, beruhigte ihren neuen Verehrer, der von ihr f\u00fcr immer und ewig ablassen wollte, schnell wieder. Wicked-Oz w\u00e4re ein gro\u00dfer Manipulationsk\u00fcnstler, dessen Handgriffe bei Eingeweihten aber wenig Erstaunen hervor riefen. Wegen seiner gro\u00dfen Eifersucht w\u00e4re es besser, wenn sie sich eine Zeit lang nicht sehen. Er soll nicht traurig sein, denn sie k\u00f6nnte sich ihm durch ihre Astraltechniken n\u00e4hern. Sie w\u00fcrde immer wieder den roten Rosenstrauss betrachten und sich \u00fcber die aufregenden kostbaren Schicksalsb\u00fccher viel mehr freuen, als \u00fcber ein schn\u00f6des Schrottautoverlobungsgeschenk. Was den Goldhandel angeht, gebe sie gr\u00fcnes Licht, denn f\u00fcr die Idee w\u00e4re ihr Verlobter, von dem sie sich bald l\u00f6sen w\u00fcrde, sofort Feuer und Flamme gewesen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bei Jonathan breitete sich wegen seinen gespaltenen Gef\u00fchlen immer mehr Verwirrung aus. F\u00fcr schlaflose N\u00e4chte sorgte auch die Bemerkung von Elisabeth Sch\u00e4tzle, dass Gebhart Scharkfisch krumme Gesch\u00e4fte machen w\u00fcrde. Am n\u00e4chsten Morgen ging Jonathan schon um f\u00fcnf Uhr in die Hauptstelle, um anhand von Kreditunterlagen einem Verdacht nachzugehen. Er studierte die Gesch\u00e4fte des Firmenkunden \u201eBesser als Gut Immobilien GmbH\u201c, deren Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer Kempe einen Bauboom in Denkenstadt ausgel\u00f6st hatte. Als Denkenst\u00e4dter Gemeinderat hatte sich Jonathan schon dar\u00fcber gewundert, warum Karl Kempe fast s\u00e4mtliche Auftr\u00e4ge f\u00fcr \u00f6ffentliche und private Projekte zugewiesen bekam. Baufinanzierungskunden hatten sich auch schon bei ihm beschwert, dass die Besser als Gut Immobilien GmbH auf dem \u00f6ffentlichen Neubaugebiet f\u00fcr den Verkauf von H\u00e4usern warb, obwohl das Bauland der Stadt geh\u00f6rte. Somit wurde verhindert, dass H\u00e4uslebauer in Eigenregie oder mit einem anderen Bautr\u00e4ger Wohnraum schafften. Als Jonathan sich anfing zu fragen, warum zahlreiche Provisionszahlungen \u00fcber die Genfer Banque de Rivage abgewickelt wurde, \u00fcberraschte ihn Scharkfisch, der pl\u00f6tzlich um sechs Uhr fr\u00fch auftauchte: \u201eWas machst du mit dieser Kreditakte. Das ist doch mein Gesch\u00e4ftspartner, der dich \u00fcberhaupt nichts angeht. Hast du etwa dem Geschw\u00e4tz dieser Sch\u00e4tzle glauben geschenkt?\u201c \u201e\u00c4\u00e4\u00e4hm, nein, nat\u00fcrlich nicht. Ich wollte dich nur vor der Scientology Sekte warnen. Wei\u00dft du schon, dass dieser Karl Kempe gerade in Yale einen Ehrenprofessortitel von der Beaubones-University bekommen hat?\u201c, versuchte Jonathan das Gespr\u00e4ch in eine andere Richtung zu lenken. \u201eWillst du mir jetzt auch noch mit dem Hokuspokus dieser Scharlatanerin Osiris-Ra kommen? Am Ende versuchst du mich in die Krallen jener, wie eine Eule stierenden Kreatur, vor der du niederf\u00e4llst, zu bringen. Nat\u00fcrlich, warum mache ich mir Sorgen, wie am Bohemian Grove. Du hast das Bankgeheimnis verletzt und vertrauliche Informationen \u00fcber die Gesch\u00e4fte und Vorlieben von Professor Kempe an sie weiter gegeben. Und dann noch der Quatsch von dieser Fremdverlobten, dass du sie heiraten wirst. Meinst du Dummsch\u00e4del wirklich ich falle auf euch zwei rein. Her mit der Akte. Hiermit bist du wegen Geheimnisverrat entlassen!\u201c, lautete der Rausschmissgrund des beherrschungslosen Despoten. \u201eDu weist genau, dass du mir eine schriftliche Begr\u00fcndung liefern musst. Ich nehme aufgrund meiner Krankheit freiwillig eine Woche Urlaub, bis du dich wieder abgek\u00fchlt hast. In der Zeit k\u00fcmmerst du dich um den 666.000,- DM Edelmetalldeal mit Osiris-Ra, an dem ich nichts mit verdienen will\u201c, war der Kompromiss von Jonathan auf den sein Chef m\u00fcrrisch einging.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan musste nicht nur pausenlos an seine gesch\u00e4ftlichen Probleme, sondern auch unentwegt an Magdalena denken. Er sp\u00fcrte nachts immer wieder, dass sie sich ganz nah bei ihm befindet, als ob sie selbst in seinem Schlafzimmer w\u00e4re. In seinen hei\u00dfen Tr\u00e4umen f\u00fchlte er sogar, wie Magdalena das Doppelbett, welches er mit Helen herausgesucht hatte, mit ihm teilte. Ausgerechnet in diesem Moment wurde er aus dem Schlaf gerissen, denn es klingelte gerade diese steife Kopfverdreherin fr\u00fch morgens am Telefon. Helen Richards erinnerte ihn daran, dass er sich als Trauzeuge zur Verf\u00fcgung gestellt hatte und fragte, ob alles am Nachmittag klar geht. Oh Mann, diese Einladung zu ihrer standesamtlichen Eheschlie\u00dfung in G\u00f6ttingen, hatte er bei all den Geschehnissen tats\u00e4chlich vergessen. Dummerweise stand Jonathan kein Auto zur Verf\u00fcgung, deshalb machte er sich gleich mit \u00f6ffentlichen Verkehrsmitteln auf den Weg. Helen Richards und Otto Bl\u00fcmchen planten, sich Mitte der Woche an ihrem Wohnort das weltliche Ja-Wort zu geben. Am darauf folgenden Wochenende wollten sie von Aaron Spelton, vor den britischen Verwandten, in der Gemeinde des K\u00f6nigs in Ramsgate, den kirchlichen Segen empfangen. W\u00e4hrend der langen Zugfahrt las Jonathan folgende drei Schlag-auf-Finger-zeig-drauf-Kommentare: Ein Mann ist nur so viel wert wie sein Wort. Besser kein Gel\u00f6bnis eingehen, als eines das man bricht. Wer die Braut hat, der ist der Br\u00e4utigam, der Freund des Br\u00e4utigams aber ist hoch erfreut&#8230;<\/p>\n<p>Ha, ha, diese Art von g\u00f6ttlichem Humor konnte er \u00fcberhaupt nicht gebrauchen. Ihm w\u00e4re es viel lieber gewesen, wenn er seinen inneren Frieden wieder zur\u00fcck bekommen h\u00e4tte und die Eifersuchtsgef\u00fchle auf Bl\u00fcmchen verpufft w\u00e4ren. Moment mal, wie lautete dessen und sein eigener Schl\u00fcssel zum Erfolg? Trachte zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit und dies alles wird euch zufallen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan war trotzdem froh, als er wieder am Abend am Stuttgarter Hauptbahnhof angekommen war und die Zeremonie hinter sich gebracht hatte. Doch wer sa\u00df da auf den Treppen der gro\u00dfen Schalterhalle? Zwei alte Bekannte mit denen er bestimmt nicht gerechnet hatte. Der eine war stockbesoffen und erbrach gerade eine vom anderen gereichte Butterbrezel auf den Boden. Frank Stein war als Obdachloser auf der Stra\u00dfe gelandet und wurde von Markus Ruf, der ihm von Jesus erz\u00e4hlen wollte, betreut. Markus kniete sich auf die Stufen nieder und schrie zu Gott, dass er sich um Frank erbarmen und ihn retten sollte. Die vorbeilaufenden Reisenden hielten ihn verst\u00e4ndlicherweise f\u00fcr einen religi\u00f6sen Irren. Einzig Jonathan freute sich \u00fcber das Wiedersehen: \u201eHey Markus, was ist denn mit dir passiert? Bist du katholischer Kirchendiener jetzt in die Heilsarmee eingetreten?\u201c \u201eNein, Alois L\u00f6ser, der fr\u00fchere Ministrant und Jugendleiter der St. Nikolaus Kirche, hat mich nach Taizee eingeladen. Ich war von den gemeinsamen Gebetsges\u00e4ngen und Andachten mit Frere Roger so beeindruckt, dass ich das Erlebte in die Praxis umsetzen wollte und bei meiner R\u00fcckkehr mich um dieses kostbare Gesch\u00f6pf Gottes k\u00fcmmern musste\u201c, antwortete sein fr\u00fcherer Zimmerkollege, der ebenfalls eine m\u00e4chtige Gottesvision in Gro\u00dfbritannien erhalten hatte. \u201eDas gibt es ja nicht. Du bist ja Jonathan\u201c, merkte der pl\u00f6tzlich entn\u00fcchterte Tippelbruder auf und umarmte mit seinen bestialisch stinkenden Klamotten seinen Sandkastenfreund. In diesem Moment kam Magdalena wie aus dem Nichts vorbei gelaufen und \u00fcberreichte einen gro\u00dfen Koffer an \u201eFrankenstein\u201c. \u201eDanke Maggie Magierin, treffen wir uns sp\u00e4ter auf dem Friedhof wieder?\u201c, erkundigte sich der Beschenkte, doch so schnell wie sie gekommen war, sprang sie die Treppen zu den Bahngleisen hinauf. Jonathan hechtete ihr hinterher, fasste sie an den H\u00e4nden, dr\u00fcckte ihren Oberk\u00f6rper an seinen Brustkorb und gab ihr vor den Augen aller vorbei laufenden Menschen einen minutenlangen Kuss: \u201eAch, wenn dieses w\u00e4rmende Gef\u00fchl doch nie vor\u00fcber ginge.\u201c \u201eLeg mich wie ein Siegel an dein Herz, wie ein Siegel an deinen Arm. Die Liebe ist stark wie der Tod und Eifersucht hart wie das Grab. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn. Liebster, wecke die Liebe nicht auf, wenn es ihr nicht selbst gef\u00e4llt. Ich muss schnell gehen, sonst bringt dich Wicked-Oz bestimmt noch um. Versprich mir Frankenstein zu deinem Schutz mit nach Hause zu nehmen\u201c, einen letzten Schmatz auf die Backe gebend trennte sich die feurige Hormonwallie.<\/p>\n<p>\u201eWas ist denn das f\u00fcr eine hei\u00dfe Braut? Hast du zuvor wirklich den Herrn gefragt, ob sie f\u00fcr dich bestimmt ist?\u201c, wollte der erstaunte Sittenw\u00e4chter Markus wissen. \u201eJa nat\u00fcrlich, die j\u00fcdische Kabbala bezeugte, dass sie die innerhalb von 24 Stunden auf mich treffende Jungfrau ist\u201c, war sich Jonathan sicher. \u201eMoment mal, ihr wisst ja gar nicht was ich mit der Hure \u00fcber den Gr\u00e4bern so alles treibe\u201c, begab sich Casanova Frankenstein auf sein normales Pennerniveau zur\u00fcck. Der entr\u00fcstete Jonathan wollte ihm daf\u00fcr einen Schlag ins Gesicht geben, wovon ihn Ruf zu seinem Schutz gerade noch abhalten konnte. Markus fand es w\u00e4re besser die Versammlung aufzul\u00f6sen: \u201eTsch\u00fcss Jonathan, komm doch mal wieder zum Jesus-Treff, dann haben wir mehr Zeit zum Reden.\u201c \u201eOk, versprochen, bis bald\u201c, verabschiedete sich Fischer und lie\u00df den deprimiert wirkenden Frankenstein alleine auf den Treppen zur\u00fcck. Moment mal, hatte er gerade nicht zwei Versprechen abgegeben? \u201eFrankenstein, du musst mitkommen und bei mir \u00fcbernachten. Befehl von Chefin Maggie\u201c, forderte ihn der den Koffer an sich nehmende Schulfreund auf, dem es peinlich war, sich mit dem t\u00e4towierten Stinker in ein Abteil der Stadtbahn zu setzen. Was w\u00fcrde sein Chef sagen, wenn er ihn mit diesem potentiellen Bankr\u00e4uber sieht, und wie reagiert blo\u00df seine Vermieterin? Die zweite Sorge war unbegr\u00fcndet, denn die bemutternde Hilde und Frank freundeten sich schnell an. Zun\u00e4chst einmal wurde der Alkoholentzugspatient in die Badewanne gesteckt und die alten Kleider in der M\u00fclltonne entsorgt. Die sich wandelnde Magdalena hatte nicht nur eine Herrenausstattung eingepackt, sondern auch das selbst als Geschenk erhaltene Buch \u201eJesus unser Schicksal\u201c von Wilhelm Busch hinzugef\u00fcgt, das Frank interessiert verschlang. Besonders angetan war dieser auch von dem seine Kleider durchw\u00fchlenden Frettchen, mit dem er stundenlang spielte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan konnte die beiden Langschl\u00e4fer-Tierfreunde am n\u00e4chsten Tag getrost alleine lassen. Die n\u00e4chste standesamtliche Eheschlie\u00dfung wurde vollzogen, zu der Jonathan als Trauzeuge eingeladen war. Vera Fischer und David Diao heirateten im B\u00fcrgerb\u00fcro Heumaden und freuten sich gemeinsam mit ihrem per Stra\u00dfenrennmaschine angekommenen Freund. F\u00fcr die am Samstag stattfindenden kirchliche Trauung durch Davids Kumpel Walter Cunningham bei der FCJG in L\u00fcdenscheid war Jonathan ebenfalls eingeladen. Darum besorgte er sich schleunigst einen neuen Wagen, der diesmal sehr dem\u00fctig ausfallen sollte. Das Renault Autohaus Fischer in Berkheim nahm tats\u00e4chlich seinen zerst\u00f6rten Vectra als 4.000,- DM Leasingsonderzahlung f\u00fcr einen voll ausgestatteten Kleinwagen entgegen, so dass die monatliche Belastung des zweij\u00e4hrigen Vertrags sensationell niedrig ausfiel.<\/p>\n<p>Um diese Lebensfiktion noch unglaublicher zu machen, oder um den Leser weiter zu erstaunen, gab es am folgenden Freitag eine weitere amtliche Trauung bei der Jonathan Zeuge war. Reinhild Fischer und Martin Peter Anrich unterzeichneten im Stuttgarter Rathaus ebenfalls einen Ehevertrag. Jonathan war stolz f\u00fcr diese Zeremonie mit ge\u00f6ffnetem Faltdach in seinem gerade abgeholten blau-metallenen Neuwagen vorzufahren, erhielt au\u00dfer Schmunzeln jedoch wenig Bewunderung bei den wartenden, noblen Verwandten des \u00c4rztepaares. Anders verhielt sich dies, als er heimkam und den Froschaugen-Twingo vor seinem sich \u00f6ffnenden Schlafzimmerfenster einparkte. Frankenstein und das Frettchen Aaron, schauten gemeinsam neugierig heraus. Pl\u00f6tzlich schrie der mit zahlreichen G\u00f6tterbildern t\u00e4towierte Schutzengel, er solle sich sofort ducken. Sechs Sch\u00fcsse erschallten binnen kurzem aus dem Hinterhalt, die die mit einem riesigen, reflektierenden Jesus Aufkleber versehene Heckscheibe g\u00e4nzlich heraussprengten und die Frontscheibe v\u00f6llig zerst\u00f6rten und durchschlugen. Das wie durch ein Wunder unversehrt \u00fcberlebende Mordopfer wollte nicht schon wieder in den Schlagzeilen auftauchen, doch selbstverst\u00e4ndlich wurden auch hier Polizei und Presse in Windeseile von den Nachbarn verst\u00e4ndigt. Nat\u00fcrlich konnte er sich denken wer f\u00fcr diesen Anschlag, der zu dem Film vier Hochzeiten und ein Todesfall gepasst h\u00e4tte, verantwortlich war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Trost kam sp\u00e4t abends Magdalena vorbei und dr\u00fcckte ihren Verehrer auf dem Sofa an sich. Das verursachte eifers\u00fcchtige Blicke von Frank und Aaron, die ihre Zweisamkeit nicht teilen wollten. Frankenstein nahm, die T\u00fcre zuschlagend, wutentbrannt rei\u00df aus, als die beiden ungeniert anfingen sich abermals zu k\u00fcssen, und Aaron wagte es, die Konkurrentin am Popo zu beschn\u00fcffeln und zu zwicken, was ihm eine Verbannung in seinem Holzk\u00e4fig einhandelte. Der dem Galgen entronnene Jonathan fand seinen Humor wieder und erz\u00e4hlte: \u201eMorgen bin ich auf drei Hochzeiten gleichzeitig eingeladen, aber ich kann mit dir auf nur einer tanzen. Wohin m\u00f6chtest du zum Essen mitkommen? Nach Ramsgate in den Honeysuckle Inn Pub, nach L\u00fcdenscheid ins Restaurant Haus Waldlust oder in die Hohenheimer Speisemeisterei?\u201c \u201eDie Waldlust w\u00fcrde am besten zu mir passen, aber sag du, S\u00fc\u00dfer.\u201c \u201eEs gibt kaum einen besseren Koch als Martin \u00d6xle\u201c, wusste Jonathan und verzog sich mit der ihn abermals streichelnden Magdalena ins Doppelbett, um andere fleischliche Gen\u00fcsse zu kosten. In diesem Moment l\u00e4utete es wieder Sturm. \u201eBei Thor, dieser h\u00e4mmernde Frankenstein kann ruhig ein bisschen warten, auch wenn es anf\u00e4ngt zu blitzen und zu donnern\u201c, hauchte die Romantikerin durch ihre feuchte Zunge, was Jonathan g\u00e4nzlich beherrschungslos machte. Je mehr Kleider die beiden sich hektisch entledigten, desto lauter erschallte das Donnergrollen und prasselte der Hagel gegen den herunter gelassenen Rollladen. Das Zentrum des Gewitters kam, den H\u00f6hepunkt vorbereitend, immer n\u00e4her. Nichts und niemand konnte Jonathan jetzt noch aufhalten. Doch was war das? Die Wohnungst\u00fcr wurde wiederum von fremder Hand ge\u00f6ffnet und die Anstandsdame Hilde rief von drau\u00dfen: \u201eHerr Fischer, ich m\u00f6chte nicht st\u00f6ren, aber dieser drohende Zaubermeister schafft es sonst tats\u00e4chlich noch den Blitz in mein Haus einschlagen zu lassen.\u201c Wicked-Oz kam augenblicklich ins Schlafzimmer herein gest\u00fcrmt und nahm abermals seine sp\u00e4rlich bekleidete Verlobte an sich. \u201eEntschuldigung, tut mir Leid, da hab ich doch glatt die Beherrschung verloren, aber es ist ja nichts passiert\u201c, entschuldigte sich Jonathan, der bef\u00fcrchtete, dass seine letzte Stunde geschlagen hat. \u201eAkzeptiert, wie w\u00e4re es, wenn wir uns zusammen setzen und ganz vern\u00fcnftig zu dritt die verworrene Situation diskutieren?\u201c, lautete der unerwartete Vorschlag von dem auf einmal sympathischer wirkenden Elymas, der dann \u00fcberraschender Weise fort fuhr: \u201eGerne l\u00f6se ich die Verlobung wieder auf, doch dann m\u00f6chte ich das Geld f\u00fcr den Lamborghini Diablo zur\u00fcck haben. Die Merlin-Versicherung wird den Schaden sowieso nicht erstatten und du, liebe Magdalena, bist verpflichtet mir als arglistig Get\u00e4uschten, die aufgrund der bevorstehenden Ehe get\u00e4tigten Leistungen zur\u00fcck zu erstatten.\u201c<\/p>\n<p>\u201eIch habe doch heute mein ganzes liquides Geld in die Goldbarren investiert, und au\u00dferdem habe ich von so einem Schwachsinn noch nie etwas geh\u00f6rt\u201c, beklagte sich Magdalena. \u201eDoch, es stimmt tats\u00e4chlich was Elymas sagt\u201c, wusste Jonathan aus Schulungen. \u201eIch habe sowieso schon f\u00fcr dich geb\u00fcrgt und die Summe auch auf der hohen Kante. Durch mein eBank-Tagesgeld bei der Volksbank Plochingen eG kann ich \u00fcber mein Verm\u00f6gen sofort verf\u00fcgen. Aber wie w\u00e4re es, wenn ich den krankhaft Eifers\u00fcchtigen zuvor in den Knast bringe. Ich muss nur der Polizei von seinem Mordkomplott berichten\u201c, drohte das beinahe Erschie\u00dfungsopfer. \u201eAlles was recht ist. Mit den zerschossenen Autoscheiben habe ich nichts zu tun. Ich habe ein Alibi. Die Kripo hat mich und meine Gespielinnen schon vernommen, deshalb bin ich gleich helfend her gefahren, weil ich eine bestimmte Ahnung mitteilen wollte. Dann ist mir Frankenstein fluchend entgegengekommen und schwor bei Zeus, dass Maggie sich gerade von der gegnerischen Seite schw\u00e4ngern l\u00e4sst.\u201c \u201eDu kennst Frank Stein, woher denn, und was ist dein Verdacht \u00fcber den Scharfsch\u00fctzen?\u201c, wollte Jonathan wissen. \u201eFrankenstein kommt doch schon jahrelang in Maggies Hexenzirkel, und der versuchte Mord wurde von Scharkfisch ausgef\u00fchrt\u201c, war sich Elymas sicher. \u201eWie kommst du denn da drauf?\u201c, fragte Jonathan, der seinem Chef diesen Racheakt nicht zutraute. \u201eGanz einfach. Wir waren heute morgen im B\u00fcro von Scharkfisch und machten das Goldgesch\u00e4ft fertig. Magdalena bestand darauf, dass die 33 Barren in den Schlie\u00dff\u00e4chern deiner Filiale im Park-Haus und nicht in Denkenstadt verwahrt werden. Ein Streit dar\u00fcber entfachte, bis Magdalena resolut entschloss das Gold in den Edel-Ethos-Center mitzunehmen. Auf einmal war Scharkfisch doch bereit und fuhr uns mitsamt der Ladung in seinem wei\u00dfen Mercedes in die ehemalige US-Milit\u00e4rkaserne Scharnhauser Park. Als ich ihn fragte zu was er das eingewickelte Bundeswehrgewehr im Kofferraum mitf\u00fchrt, und ob er einen Waffenschein besitzt, wurde er kurz verlegen und behauptete J\u00e4ger zu sein, der den Goldtransport so vor einem \u00dcberfall besch\u00fctzen kann\u201c, lautete die interessante Beobachtung von Elymas. Der Schachkombinierer wurde still und addierte im Kopf zusammen. Frankenstein hatte vor der Polizei ausgesagt ein G22 Repetiergewehr, aber nicht den vermummten Sch\u00fctzen und das wei\u00dfe Auto zweifelsfrei erkannt zu haben, was diese dem Skinhead und Obergefreiten a.D. sowieso nicht abnahmen. Die Thesenliste von Elisabeth Sch\u00e4tzle entsprang gr\u00f6\u00dftenteils wirklich aus Jonathans Ideen und Wissen, denn bei den geheimen Treffen des Betriebsrats hatte der arbeitgebertreue Vorsitzende Fischer wie viele andere Gewerkschafter gro\u00dfe Reden geschwungen, von denen er als Duckm\u00e4user und Speichellecker nichts umsetzte. Mit den Betrugsvorw\u00fcrfen hatte Sch\u00e4tzle ebenfalls den Nagel auf den Kopf getroffen. Aus Beratungen mit Maria M\u00fcller-Kempe wusste Jonathan, dass riesige Barabhebungen und Einzahlungen, die sie nicht selbst betrafen von Kempe gemeinsam mit Scharkfisch auf ihrem privaten Girokonto get\u00e4tigt wurden. Um die Identifizierungspflicht nach dem Geldw\u00e4schegesetz zu umgehen, hatte sie blanko unterschriebene Ein- und Auszahlungsbelege bei Gebhart Scharkfisch hinterlegt und ihr schlechtes Gewissen bei ihrem Filialleiter und fr\u00fcheren Verehrer Fischer erleichtert. Zudem war der gef\u00e4hrliche Mitwisser Jonathan wegen seiner vielen Erfolge schon als Nachfolger vom gejagten Scharkfisch, der ein R\u00e4uber, aber kein wirklicher Jagdbruder war, gehandelt worden. Schon l\u00e4nger war er diesem mit seltsamen Methoden arbeitenden Dienstherrn, dessen Kontrollmechanismen immer wieder verpufften, nicht mehr geheuer. \u201eWas machen wir jetzt?\u201c, wollte Jonathan wissen. \u201eIch verkaufe das Gold wieder und gebe es Elymas als L\u00f6segeld zur\u00fcck. Das beste ist wir annullieren die Verbindung. Denn was kann Satan und Gott gemein haben. Ich mag dich zwar mein Oberguru, aber ab heute ist es mit der Zauberei bei mir vorbei, ich habe mich n\u00e4mlich bekehrt und mein Leben Jesus Christus gegeben. Von mir aus soll mein Heiland meine ganze Mitgift in Form von kostbaren \u00d6len, Gold und Autoweiheabgasen haben!\u201c, war der Entschluss der modernen Maria Magdalena. \u201eAber Maggie, Sch\u00e4tzchen, du weist doch, dass unser oberster Zunftmeister Helmut katholisch ist und j\u00e4hrlich nach England zur Wallfahrt und nach \u00d6sterreich zum Beichten geht. Verzeih mir, ich werde dir nicht mehr verbieten die christlichen B\u00fccher zu lesen und mich gleichfalls dem Johannis-Glauben und Jesus, dem gr\u00f6\u00dften Wunderheiler aller Zeiten, zuwenden. Komm mit nach Hause\u201c, versuchte Wicked-Oz, seine Gesch\u00e4fts- und Wohnungspartnerin umzustimmen. \u201eNein, ich schlafe ab jetzt hier. Daf\u00fcr zieht der mordgef\u00e4hrdete Jonathan zur Sicherheit bei dir ein und unterweist dich in den Geistesgaben und anderen mystischen Geheimnissen des Alten Bundes und des Neuen Testaments. Ich verspreche dir, dass ich Jonathan nicht mehr unsittlich anr\u00fchre, bis ich mit ihm verheiratet bin. Solltest du es mit aller Kraft schaffen, in den n\u00e4chsten 6 Monaten Exorzisten-Pfarrer zu werden und dadurch mehr Macht als Fischer aus\u00fcben, nehme ich dich doch, das gelobe ich dir!\u201c, lautes Gel\u00e4chter erschallte bei der Rednerin und dann bei ihren Verehrern. Die an der T\u00fcr lauschende Hilde, bekam jetzt, wie urspr\u00fcnglich gew\u00fcnscht ein \u201eleichtes M\u00e4dchen\u201c als Untermieterin und alles schien in Butter zu sein. Jonathan packte seine sieben Sachen und steckte diese in den siebener BMW von Elymas, w\u00e4hrend dieser sich christliche B\u00fccher, CDs und Predigtkasseten als Studienmaterial aus den Wohnregalen herauspickte. Eigentlich h\u00e4tte er gerne Jonathans komplette Sammlung aus dem Charisma Shop mitgenommen, aber Magdalena, seine bessere H\u00e4lfte mit dem besonderen Dickkopf bestand darauf, dass ein Part der geistigen Lehrmaterialien bei ihr zur\u00fcck bleiben muss. Der 5,7 Liter Motor aus dem Alpina B12 war ein grasses Kontrastprogramm zu Jonathans Vierzylinder-Twingo, den die Kripo zun\u00e4chst als Asservat konfisziert hatte. Der Autoliebhaber bemerkte, dass alleine die vier 20 Zoll Alur\u00e4der mit den 275er Michelin Niederquerschnittsreifen teurer als sein Teile-Spar-Renault sein m\u00fcssten, was sp\u00e4ter einige findige franz\u00f6sische Werbemanager zu \u00e4hnlichen Bildvergleichen anspornte. Elymas sp\u00fcrte, dass der gen\u00fcgsam und bescheiden leben wollende Banker sehr angetan von seinem Oberklasse Wagen war und bot ihm, in seiner netten griechischen Art an, diesen bei Bedarf auszuleihen. Das Viertel in dem der Esoterikladen mit zugeh\u00f6rigen Wohnungen untergebracht war galt als Billigst-Mietgebiet, weil sich zahlreiche Bordelle und Bars in der Nachbarschaft befanden, die es f\u00fcr den Polterabend-Br\u00e4utigam zu meiden galt. Als die beiden neuen Freunde gerade die Sachen aus dem Auto packten, traf Jonathan auf ein paar alte, wartende Schachkumpels, die mit Elymas gerade in Preisverhandlungen traten, aber nach der Begr\u00fc\u00dfung mit Jonathan, schamvoll das Weite suchten. \u201eVerdirb mir aber bitte nicht das Gesch\u00e4ft, indem du die Freier abschreckst. Wenn du willst zeige ich dir oben einige nette Damen mit denen du umsonst die Nacht verbringen kannst\u201c, war das anr\u00fcchige Angebot des Edelzuh\u00e4lters, auf das Jonathan nicht herein fiel: \u201eDamit du morgen Magdalena gleich verr\u00e4tst, dass ich nicht mehr Jungfrau bin, stimmts? Leihst du mir stattdessen die bajuwarische Karosse aus? Ich bin auf eine Nobelhochzeit eingeladen.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Mittag zog Jonathan wohlweislich seinen Boss Kaschmir-Nadelstreifenanzug mit Fliege an und fuhr zur\u00fcck in seine eigentliche Wohnung. Als die Sexbombe Magdalena wie gewohnt, hochtrabend mit ihren St\u00f6ckelschuhen, in das von Alpina aufgem\u00f6belte Auto stieg und die fragenden Blicke der erstaunten Nachbarn auf sich zog, empfand der sonst so brave Bankberater das augenscheinliche Leben eines Zuh\u00e4lters als gar nicht so \u00fcbel. Mit dem folgenden Auftritt des neuen, H\u00e4ndchen haltenden High Society Paars hatte der vor dem Sakralbau der Birkacher Franziska-Kirche auf seine Braut wartende Martin Peter Anrich nicht gerechnet: \u201eMensch Jonathan, erst erscheinst du in der Boulevardpresse und jetzt kommst du mit so einer Traumfrau daher. M\u00f6chtest du mir sie nicht vorstellen?\u201c \u201eDas ist meine neue Flamme Magdalena Osiris-Ra. G\u00f6ttliche und berufliche Vorhersehung hat uns wie du sicher lesen konntest zusammengef\u00fchrt. Eure kurze Rekordzeit bis zum Altar versuchen wir jedoch nicht zu schlagen. Hast du etwas dagegen, wenn Maggie zu den Feierlichkeiten mitkommt?\u201c, fragte Jonathan seinen Ex-Reisef\u00fchrer. Dieser konnte nat\u00fcrlich nicht nein sagen, denn dem Arzt war es sowieso peinlich, dass er Reinhild seinem Sch\u00fctzling ausgespannt hatte. Zudem f\u00fchlte sich der Chirurg mitverantwortlich f\u00fcr den Beckenbruch-Unfall w\u00e4hrend des Hongkong Urlaubs. Magdalena war fasziniert von Jonathans folgenden Reisebericht und schmunzelte \u00fcber das Frontbild mit Reinhild und Martin Peter in chinesischen Bergtrachten auf der \u00fcberreichten Programmliste. \u201eDa habe ich ja noch mal Gl\u00fcck gehabt, dass deine Pl\u00e4ne mit dem Fotoshooting in die Hose gingen\u201c, freute sich die Zuk\u00fcnftige. \u201eViel sch\u00f6ner ist es, sich mich mit dir ablichten zu lassen. Dann komme ich in allen Klatschspalten\u201c, witzelte Jonathan beim Gang in die kleine evangelische Dorfkirche, die der katholische Herzog Karl Eugen 1779 f\u00fcr seine evangelische Maitresse Franziska Theresia bauen lie\u00df.<\/p>\n<p>Die Trauung f\u00fchrte \u00fcberraschender Weise die am Vortag angereiste Albanienbekanntschaft Pastor Ulf Gouderner durch, der in Schweden die gr\u00f6\u00dfte pietistische Br\u00fcdergemeinde leitete. Bei dieser Hochzeit brauchte an nichts gespart werden, da beide Elternpaare sehr verm\u00f6gend waren. So wurden s\u00e4mtliche geladenen G\u00e4ste mit Pferdefuhrwerken, nach einem kurzen Champagnerempfang f\u00fcr alle Gottesdienstbesucher, zum Schloss Hohenheim gefahren. Jonathan \u00fcberredete den Kutscher einen Umweg zu machen und die f\u00fcrstliche Baumallee hinunter zu fahren, um vom runden Aussichtspunkt gemeinsam mit seiner Angebeteten einen Blick auf die herrliche Parkanlage mit Teich zu nehmen. Die beiden Umarmenden standen auf der geschwungenen Mauer und atmeten f\u00f6rmlich die Kraft der Natur ein. \u201eDie energiegeladene Aura hier, mit riesigen B\u00e4umen aus allen Herren L\u00e4nder ist einmalig, oder mein Hohepriester?\u201c, fragte die ehemalige Hexenanf\u00fchrerin, deren Wiccakult sie an den keltischen Sabbaten gemeinsam mit ihrem Coven nackt unter den Jahrhunderte alten B\u00e4umen herumtanzen lie\u00df. \u201eDas k\u00f6nnen wir ja mal bei Vollmond genauer austesten. Aber erst wenn wir verheiratet sind. Jetzt m\u00fcssen wir zur\u00fcck zu den Festlichkeiten\u201c, sp\u00fcrte der wieder n\u00fcchterne und besonnene Fiktionsheld. Jonathans Tischk\u00e4rtchen in der im Hohenheimer Schloss befindlichen Speisemeisterei befand sich zwischen Ulf Gouderner und den zwei blonden T\u00e4nzerinnen des Albanienurlaubs. Kurzerhand wurde f\u00fcr Magdalena vom Kellner ein Stuhl und weiteres Gedeck besorgt, damit sie sich an dem runden Tisch zwischen Ulf und Jonathan hinsetzen konnte. Das siebeng\u00e4ngige Sternekoch-Men\u00fc, war das K\u00f6stlichste was sie je zu sich genommen hatten, waren sich die \u00fcber ihren Urlaub angeregt Unterhaltenden einig. Das unschlagbare Duo Martin \u00d6xle mit Fernsehkomiker Johann Lafer kreierten in den edlen R\u00e4umlichkeiten des Schlosses die vorz\u00fcglichsten Speisen. Der \u201eSinn des Lebens\u201c Prediger Ulf scherzte, ob die kurz vor dem Zerbersten Gem\u00e4steten nicht anschlie\u00dfend einen Wetttreppenlauf auf Webers Gourmetturm veranstalten sollten, bei dem der Verlierer den Gewinner zum Pfefferminzblatt-Diner einl\u00e4dt. Jonathan erkl\u00e4rte dem Evangelikalen Dauerl\u00e4ufer, dass er durch den Besuch von Caesars Magical Empire gr\u00fcndlich gel\u00e4utert wurde und keine Spielwetten mehr annimmt. Gouderner bl\u00f6delte weiter und behauptete, er habe wie einige US-Magier und christliche Propheten gelernt Gedanken zu lesen und k\u00f6nnte wahrsagen. Die sich von diesen Praktiken l\u00f6sen wollende Magdalena, tief in ihre geschockten Augen schauend, beruhigte er: \u201eMachen sie sich um Frankenstein keine Sorgen, der ist bei seinen Eltern gut aufgehoben, aber h\u00e4tte seinen Koffer mit dem Schicksalsbuch gerne wieder. Passen sie in Zukunft besser auf Jonathan auf und kommen sie ihm nicht zu nahe, sonst schl\u00e4gt der Blitz in ihr gemeinsames Domizil ein\u201c, sich zu Jonathan wendend fuhr er fort: \u201eDu denkst du bist reich, bist zum Wohlstand gekommen und bedarfst nichts. Aber in Wahrheit bist du arm, nackt und blind. Darum kaufe durchs Feuer gel\u00e4utertes Gold, wei\u00dfe saubere Kleider und Augensalbe, um wieder zu sehen. Suche den Willen Gottes f\u00fcr jeden Tag und tue alles zu seiner Ehre!\u201c \u201eDanke, das ist nichts neues f\u00fcr mich. Irgendwo habe ich das schon mal geh\u00f6rt. Kannst du dein K\u00f6nnen sonst irgendwie unter Beweis stellen?\u201c, wollte der ver\u00e4rgerte, zurecht gewiesene Sch\u00fctzling wissen. Ulf holte einen Zettel mit 20 Kindheitsfragen aus seiner Tasche, die er dem Zweifler anschlie\u00dfend alle erwidern k\u00f6nne. Die Punkte \u00fcberfliegend spottete Jonathan, dass er jede Wette eingeht, dass Ulf die Fragen nicht beantworten kann. Gouderner schlug folgenden Handel vor: \u201eAlso wenn du verlierst gibst du mir lediglich die Rechte an deiner Biografie, und im Gegenzug lade ich dich in das Fernsehturm Restaurant und zu mir nach Schweden, inklusive Flugticket und Spesen, zum Predigen im Fernsehen ein.\u201c Die Sache fing an, f\u00fcr den gerne in der \u00d6ffentlichkeit stehenden neuen Medienstar, der Magdalena imponieren wollte, interessant zu werden. Jonathan las die Fragen genauer durch und bestimmte lachend, dass er seinen Lebenslauf schon bei drei richtigen Antworten zur Verf\u00fcgung stellt. Die erste Eingabe lautete: Wo verbrachtest du am Liebsten Deine Ferien? Die Zweite: Wie hei\u00dft dein Lieblingslehrer? Und die Dritte: Mit welchem Notendurchschnitt hast du deine Schule abgeschlossen? Der Held der Fiktion, der sich nicht erkl\u00e4ren konnte, was Gouderner mit seiner Lebensgeschichte vor hatte, schlug in das Gesch\u00e4ft ein und bekam \u00fcberdies, zur Belustigung der Anwesenden, prompt alle zwanzig Fragen richtig beantwortet. \u201eDas ist Zauberei und Hellseherei, hast du jetzt die Seiten gewechselt?\u201c, wollte der verbl\u00fcffte Jonathan wissen. Auch die mediale Magdalena, die f\u00fcr ihr Klientel extreme Vorhersagen und Prognosen erstelle, wurde sprachlos und wollte unbedingt selbst mitmachen. Aus bestimmten Gr\u00fcnden wollte Gouderner jedoch das Kuriosum nicht mit ihr wiederholen.<\/p>\n<p>Da Zaubertricks nur so lange interessant sind, wie sie vorm Publikum verschleiert werden, vertr\u00f6stete Ulf seine Zuh\u00f6rer und versprach, den Gag bei Jonathans baldiger Hochzeitsfeier mit seiner Zuk\u00fcnftigen zu wiederholen und dann erst aufzul\u00f6sen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der interessierte Leser soll nicht bis Kapitel 10 auf die Folter gespannt werden, denn die Aufl\u00f6sung ist einleuchtend: Die stark wachsende Kirche von Ulf in Schweden wurde neuerdings von einem Schulfreund von Jonathan besucht. Walter Stein arbeitete schon lange Zeit als Physiker in dem skandinavischen Land und hatte sich nicht nur die Landessprache, sondern auch eine einheimische Frau und vier Kinder zugeeignet. Sein neuestes Hobby war neben dem wieder entdeckten christlichen Glauben, das Schreiben von Fantasy-Romanen. Deshalb ersann er mit dem von ihm aufgestellten Fragenkatalog einen erfolgreichen Streich, um sich gemeinsam mit Gouderner, Jonathan Fischers unglaubliche Lebensgeschichte zu angeln. Eine weitere menschliche und nicht \u00fcbernat\u00fcrliche Informationsquelle war Frank Stein, der eine Nacht zuvor nach seinem Rausschmiss in die elterliche Salute-Wohnung in den Fasanenhof zur\u00fcckkehrte. Seit langem war der, wie Tod Bentley von Kopf bis Fu\u00df mit Kriegern und d\u00e4monischen Symbolen t\u00e4towierte, wieder n\u00fcchtern und traute sich deshalb nach Hause. Dort traf er zuf\u00e4llig auf den von seinem Zwillingsbruder vermittelten \u00dcbernachtungsgast Gouderner und tauschte sich stundenlang \u00fcber Walter, Jonathan und Maggie aus.<\/p>\n<p>Die alkoholisierten Hochzeitsg\u00e4ste lie\u00dfen zur Freude von Magdalena und Jonathan die Puppen tanzen und feierten gemeinsam bis zum n\u00e4chsten Morgen. Das von dem SWR Big Band Tanzorchester begleitete exklusive Fest mit zahlreichen prominenten G\u00e4sten bot weiter ein unterhaltsames wohlt\u00e4tiges Programm. Denn der eine Aids-Stiftung gr\u00fcndende Papa Bernd Scheu war nicht nur erfolgreicher Dosen-Unternehmer, sondern auch Spesen und Sitzungsgeld einsammelnder Stuttgarter Gemeinderat. Seine braungebrannte Frau Sonja engagierte sich neuerdings f\u00fcr J\u00fcrgen Klinsmann und half als Lehrerin ehrenamtlich im Agapedia Kinderhaus in Esslingen mit. So nimmt es nicht Wunder, dass die Negerk\u00fcsse liebende Mutter des Br\u00e4utigams, Sabine Anrich, eine Tombola f\u00fcr ein karitatives Projekt in einem Elendsviertel in S\u00fcdafrika er\u00f6ffnete, und ihr durch die Show f\u00fchrender Ehegatte Professor Peter-Christoph als Chef der Freiburger Sportklinik f\u00fcr das JAM Ern\u00e4hrungsprogramm warb. Der vom Telekom Team anhand von T-Mobile Handys ermittelte Benefiz-Erl\u00f6s h\u00e4tte zur Begleichung des Diablo-Schadens gereicht, und etwa die gleiche Summe verschlangen die leistungssteigernden Bewirtungskosten, sinnierte der radfahrende Geldexperte vor dem Einschlafen in der neu bezogenen Dachgeschosswohnung im Rotlichtviertel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Endlich einmal wieder Ausschlafen, lautete Jonathans Motto f\u00fcr Sonntag, doch daraus wurde leider nichts. Elymas kam um 9.30 Uhr in sein Zimmer und r\u00fcttelte ihn wach: \u201eHey Meister, heute ist Gottesdienstpflicht. Besuchen wir meine m\u00fctterliche Verwandtschaft in Maria Verk\u00fcndigung, der gr\u00f6\u00dften griechisch orthodoxen Basilika in Deutschland, oder wei\u00dft du etwas besseres?\u201c \u201eEigentlich bin ich kein Fan von Statuen, Ikonen und Heiligenbildern. Au\u00dferdem kommt es nicht auf die H\u00f6he des Kirchturms oder die Gr\u00f6\u00dfe des Altarraums, sondern auf die G\u00fcte der Botschaft und die Sch\u00f6nheit des Gesangs an. Wir gehen in die n\u00e4chst gelegene Kirche und dann schlafe ich weiter, basta\u201c, war der pragmatische Vorschlag von Jonathan. Ein paar hundert Meter weiter lag die historische Leonhardskirche, deren Glockenturm den Gottesdienst ank\u00fcndigte. Als Jonathan mit Elymas vorsichtshalber in der letzten Reihe Platz nahm, um besser nicht mit ihm erkannt zu werden, traute er seinen Augen nicht. Der vielgeliebte Georg M\u00fcller leitete die Evangelische Messe und begann die Bergpredigt auszulegen. An seinen wohlwollenden Blicken von der Kanzel sp\u00fcrte Jonathan, dass er ihn erkannt hatte. Elymas nahm einen Notizblock und schrieb die Predigt mit. Als Jonathan seinem Mitbewohner erz\u00e4hlte, dass er den Pfarrer seit der Leichtathletik WM 1993 kenne, wollte dieser unbedingt vorgestellt werden und lief am Ende mit ihm nach vorne. \u201eHallo Jonathan, sch\u00f6n dich wieder zu sehen. Wie geht es dir? Trachtest du zuerst nach dem Reich Gottes? Hast du deine Traumfrau gefunden?\u201c, erkundigte sich der Seelsorger. \u201eWenn man von Unf\u00e4llen und Mordanschl\u00e4gen absieht geht es mir bestens. Das Reich Gottes ist mir unbegreiflich und die Zuk\u00fcnftige ist mir gerade erst begegnet\u201c, antwortete er, ehe Elymas ins Wort fiel: \u201eHerr Pfarrer dieses Individuum hat mir meine Verlobte ausgespannt. Bitte kommen sie mit zum Mittagessen, und ich werde ihnen alles berichten.\u201c \u201eStimmt das Jonathan? Wirklich, dann gehe ich mit\u201c, sprach der allzeit zum Dienst Bereite und begleitete die Zwei in ihre Dachgeschosswohnung. Jonathan berichtete von seiner Chinareise, von den beruflichen H\u00f6henfl\u00fcgen und \u00fcber das Zusammentreffen mit Magdalena. Erstaunt empfahl der Geistliche: \u201eHast du schon mal \u00fcberlegt deine Story zu ver\u00f6ffentlichen? Das k\u00f6nnte ein Bestseller werden.\u201c Dem seiner verflossenen Liebe nachtrauernden Elymas empfahl er den geistlichen Wettkampf anzunehmen, schlie\u00dflich w\u00e4re es ja die freie Entscheidung Magdalenas, wen sie heiraten will. \u201eGut, dann habe ich gleich ein paar Fragen. Was ist arm sein vor Gott? Wie soll ich das verstehen, dass ich nicht Gott und dem Mammon dienen kann? Muss ich jetzt mein ganzes Hab und Gut verkaufen? Wie befreie ich mich in von meiner okkulten Geheimverbindung, bei deren Aufnahme ich unerlaubterweise bei meinem Leben geschworen habe, nichts zu verraten oder nur bei meinem Tod wieder auszuscheiden? Wie l\u00f6se ich mich vom Baphomet-Satan mit dem ich mich mit meinem Blut verschrieben habe?\u201c, lauteten die berechtigten Fragen des Zauberers und Zuh\u00e4lters. \u201eEins nach dem anderen. Zun\u00e4chst einmal m\u00fcssen sie von neuem geboren werden, indem sie Bu\u00dfe f\u00fcr ihre begangenen S\u00fcnden tun und den Herrn Jesus Christus in ihr Leben aufnehmen. Jonathan ich schlage vor du gehst in dein Zimmer, damit wir beide ungest\u00f6rt sind, wenn ich die Lebensbeichte abnehme.\u201c Dieser Wicked-Oz musste wohl einiges auf dem Kerbholz haben, denn es dauerte drei Stunden, bis der das ersehnte Nickerchen machende Jonathan wieder ins Wohnzimmer gerufen wurde. Georg und Elymas waren schwei\u00dfgebadet und ausgepowert, wie nach einem Marathonlauf. Das Telefon l\u00e4utete. Die umschw\u00e4rmte Magdalena meldete sich, um Jonathan zu sprechen. Elymas erz\u00e4hlte ihr von seiner wunderbaren Lebensbereinigung, die ihm \u00fcbersinnliche Gef\u00fchle gebe. Er behauptete, dass ihm gerade zwei Engel namens Swift und Emma-O begegnet w\u00e4ren, die ihn an himmlische Orte entf\u00fchrt h\u00e4tten. Georg M\u00fcller mahnte zur Vorsicht, denn er bezweifelte, ob diese Erscheinungen wirklich von Gott kamen. Magdalena wollte sofort herbei eilen, damit Pastor M\u00fcller f\u00fcr sie f\u00fcr \u00e4hnliche Offenbarungen betet. Es wurde ein gemeinsamer Termin in der Pfarrei f\u00fcr den n\u00e4chsten Nachmittag vereinbart, da sich Georg kraftlos f\u00fchlte und aus Sicherheits- und Sittlichkeitsgr\u00fcnden seine Ehefrau Christa mit dabei haben wollte.<\/p>\n<p>Elymas und Jonathan behagte \u00fcberhaupt nicht, als sie erfuhren, dass Frankenstein in die Wohnung in der Schlo\u00dfstra\u00dfe zur\u00fcckgekehrt war, um sein Schicksalsbuch zu holen. Viel schlimmer war die Ank\u00fcndigung von Maggie am Telefon, dass Frankenstein bei ihr verweilen sollte, um als Goldtransporteur mitzuhelfen. Am n\u00e4chsten Tag beabsichtigte sie, bei Scharkfisch den 33 St\u00fcck Einkilogramm Barren Kauf aufgrund ihres zweiw\u00f6chigen R\u00fccktrittrechts zu stornieren. Jonathan standen die Haare nicht nur wegen ihres \u00fcbersteigerten Rechtsverst\u00e4ndnisses zu Berge. Durch die Mithilfe des evangelischen Pfarrers konnte er immerhin erreichen, dass Frankenstein bei Oma Hilde im G\u00e4stezimmer der oberen Wohnung n\u00e4chtigt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am darauf folgenden Montag ging bei einigen Menschen die Welt unter. Zun\u00e4chst konnte Maggie \u00fcberhaupt nicht verstehen, warum Gebhart Scharkfisch nicht bereit war das Gold zur\u00fcck zu nehmen. Selbst der Ankauf zum 4 Prozent schlechteren Kurs wurde von der Bankspitze abgelehnt. Ob es an ihrem kein Vertrauen einfl\u00f6\u00dfenden, t\u00e4towierten, glatzk\u00f6pfigen Begleiter Frankenstein lag, oder an ihrem weniger dominanten christlicheren Auftreten, wusste sie nicht zu erkl\u00e4ren. Der sich vor weiteren Mordanschl\u00e4gen versteckende Jonathan wunderte sich \u00fcberhaupt nicht, als zum Mittagessen die frustrierte Magdalena und der entt\u00e4uschte Frank Stein mit ihrem schweren Gep\u00e4ck in der Dachgeschosswohnung des Edel-Ethos-Centers ankamen. Als er die wertvolle Ladung genauer inspizierte zeigte sich der M\u00fcnzexperte nichtsdestoweniger \u00fcberrascht. Normalerweise h\u00e4tte es sich hier um f\u00fcr gew\u00f6hnlich von der Genossenschaftlichen Zentralbank gelieferte Degussa 999,9 Feingoldbarren handeln m\u00fcssen. Doch die auf das gl\u00e4nzende Metall gedruckte runde Pr\u00e4gung lautete auf die S\u00fcdafrikanische Firma Rand Refinery LtD. Was tun? Magdalena schickte versuchsweise Frankenstein zum Umtausch eines Kilogramm Goldbarren zur Landesbank und nahm gleichzeitig ihren Seelsorgetermin wahr. Jonathan studierte in der Zeit die f\u00fcr ihn mitgebrachte Hauspost. Erstaunlicherweise entdeckte er eine Computer-DVD in einem anonymen Brief. Der neugierige Elymas half ihm die Daten zu entpacken und interessierte sich zun\u00e4chst nicht f\u00fcr die zahlreichen Bankbelege. Jonathan traute beim Durchforschen seinen Augen nicht. Durch die verdeckten Ein- und Auszahlungen, sowie der SWIFT-Auslands\u00fcberweisungen in die Schweiz, die s\u00e4mtlich von Maria M\u00fcller-Kempe unterschieben waren, konnte er einen Riesen-Schwindel an Provisionszahlungen f\u00fcr Scharkfisch und Kempe erkennen. Der fr\u00fchere Kassierer Jonathan wurde noch aufgeregter, als er die von Gebhart Scharkfisch und Max-Moritz Straussinger unterzeichneten Belege des Parteikontos untersuchte. Wurden hier nicht Stiftungsgelder aus Liechtenstein f\u00fcr Straussingers Wahlkampf zweckentfremdet? Flossen dabei nicht Millionen hohe Barauszahlungen in die eigenen Taschen? Das Telefon klingelte. Frankenstein bettelte, ob Jonathan zur gegen\u00fcber liegenden Polizeiwache kommen k\u00f6nnte, da er soeben festgenommen worden w\u00e4re. Die misstrauischen Landesb\u00e4nker hatten entdeckt, dass das Gold magnetisch ist, und es sich lediglich um eine legierte Metallplatte handelte. Der zur Aufkl\u00e4rung am Telefon befragte Scharkfisch schwor bei seinem Leben, er h\u00e4tte das s\u00fcdafrikanische Falschgold nicht f\u00fcr Frank Stein beschafft. Er k\u00f6nne bestimmt nichts daf\u00fcr, das nicht alles Gold ist was gl\u00e4nzt. Somit reiste der gelackmeierte Steinbruder nicht zum Besuch von Verwandten nach Schweden, sondern zu befreundeten Gangmitgliedern hinter schwedische Gardinen. Jonathan konnte und wollte im Moment nichts zu seiner Entlastung beitragen, denn zun\u00e4chst musste er im Edel-Ethos-Center Kriegsrat halten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die zur\u00fcckkehrende Magdalena schien wie von Sinnen zu sein, denn sie schw\u00e4rmte, dass der Himmel wundervoll blau w\u00e4re und die V\u00f6gel unbeschreiblich sch\u00f6n zwitscherten, seit dem sie ihre Schuld vor Georg und Christa bekannt hatte. Als sie h\u00f6rte, wie sie durch den Golddeal um ihr Verm\u00f6gen gebracht wurde, war sie schnell wieder auf dem Boden der Tatsachen angelangt. Sie bekam einen Schrei- und Tobsuchtsanfall, in dem sie einen Todesfluch auf Scharkfisch legte. In ihrer Naivit\u00e4t hatte sie nicht einmal einen Bankquittung f\u00fcr den Goldtausch gefordert, sondern lediglich selbst unterschrieben, das f\u00fcrs Gold eingesetzte Bargeld von dem Treuhandkonto in Empfang genommen zu haben. \u201eDann schaut mal was ich hier habe\u201c, freute sich Jonathan, der den PC abermals startete. \u201eDieses Bankchinesisch verstehen wir nicht. Erkl\u00e4re uns bitte, was die Daten und Belege aussagen\u201c, w\u00fcnschte Elymas zu erfahren, dem gleich danach eine scheinbar gute Idee kam. Er wollte nicht zur Polizei gehen, sondern Scharkfisch, Kempe und Straussinger erpressen und so zum Million\u00e4r werden. \u201eNein, ehrlich w\u00e4rt am l\u00e4ngsten. Wir \u00fcbergeben die Daten-Disk der Staatsanwaltschaft\u201c, meinte Jonathan. \u201eBekomme ich dann mein Geld zur\u00fcck?\u201c, wollte Magdalena wissen. \u201eJa, wenn Scharkfisch es noch nicht ausgegeben oder verhurt hat\u201c, war der scherzhafte Kommentar des Anlageberaters, den seine Gespr\u00e4chspartner weniger passend fanden.<\/p>\n<p>Jonathan dachte, seinen Schulkameraden Frank schnell wieder aus der Untersuchungshaft herauszubekommen, als er die brisante Beweissammlung vorsichtshalber gemeinsam mit Elymas selbst beim Stuttgarter Oberstaatsanwalt Ratzinger abgab. Dieser meinte jedoch, dass die Daten alle gef\u00e4lscht sein k\u00f6nnten und Jonathan doch nicht im Ernst hoffen w\u00fcrde, er k\u00f6nne so mir nichts dir nichts, den ehrenwerten, \u00fcber alle Zweifel erhabenen Justizminister, den wohlt\u00e4tigen, bew\u00e4hrten Herrn Immo-Professor und den rechtm\u00e4\u00dfig \u00fcber ihn gesetzten Bankdirektor, dessen Posten er nur begehre, vom Sockel sto\u00dfen. Beim Verabschieden wunderte sich Jonathan \u00fcber die Art des Handschlags von Wicked-Oz und Ratzinger. Sp\u00e4ter erkannte er den gleichen H\u00e4ndedruck bei dem der katholischen Kirche beitretenden britischen Premierminister.<\/p>\n<p>Das war eine Lehre f\u00fcr den Glaubenshelden, die ihn daran erinnerte, dass man sich nicht auf Menschen verlassen darf und Gerechtigkeit oft erst durch das letzte Gericht Gottes, des Richters der Menschheit gewirkt wird.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>F\u00fcr Scharkfisch, der zwar die Wahrheit gesagt hatte, aber trotzdem log, war die Apokalypse angebrochen. Der unerreichbare Professor Kempe hatte sich in seine Ferienvilla nach Sizilien abgesetzt und gab durch den Mittelsmann Max-Moritz zu verstehen, dass er bei dem s\u00fcdafrikanischen Golddeal mit der \u00e4thiopischen Mafia selbst \u00fcbers Ohr gehauen worden w\u00e4re und nichts mehr \u00e4ndern oder wiedergutmachen k\u00f6nnte. Viel schlimmer f\u00fcr Scharkfisch wirkte sich jedoch aus, dass das Schatzmeisterpendant Straussinger von einer unbekannten Person, die Zugang zu hochexplosiven Bankdaten haben musste, wegen illegaler Parteispenden und Waffengesch\u00e4ften anonym erpresst wurde. Dieser mutma\u00dfte, dass es sich dabei um Jonathan Fischer handelte, der es gewagt hatte, ihn bei ihrem gemeinsamen Partei- und Logenfreund Ratzinger anzuzeigen. Es k\u00f6nne aber noch viel schlimmer kommen, weil der Verr\u00e4ter in den eigenen Reihen stecken k\u00f6nnte, da auf dem Ausbeuterschreiben das Logo des Veritas-Geheimbundes aufgetaucht war. Wenn Gebhart nicht innerhalb von einem Tag, daf\u00fcr Sorge tr\u00e4gt, dass der Erpresser zum Schweigen gebracht wird, k\u00f6nnte es ihn den eigenen Kopf kosten. \u00c4u\u00dferste Panik machte sich bei Scharkfisch breit, der abermals Jagd auf Fischer machte. Der paranoide Schizophrene setzte sich in der Nacht vor Jonathans Wohnung auf die Lauer, um ihn beim Erscheinen seiner Silhouette zu liquidieren. Diesmal zerst\u00f6rte der zitternde Kunstsch\u00fctze mit dem von Straussinger beschafften G22 Gewehr zur Abwechslung die Fensterscheibe von Jonathans Schlafzimmer und versetzte damit der laut, wie am Spie\u00df schreienden Magdalena Osiris-Ra den Schreck ihres Lebens. Gl\u00fcck im Ungl\u00fcck f\u00fcr sie war, dass sie lediglich einen Streifschuss am Ges\u00e4\u00df ab bekam. Scharkfisch erkannte an ihrem lauten Gequike, dass er das falsche Opfer ausgew\u00e4hlt hatte und suchte das Weite. Die sofort eingeleitete Hubschrauberfahndung nach einem wei\u00dfen Mercedes brachte ihn jedoch schnell in den Stammheimer Hochsicherheitstrakt. Frankenstein, der in der Nachbarzelle herbergte, k\u00fcndigte bei seiner Einlieferung an, Scharkfisch an den Angelhaken zu nehmen, sobald er ihn beim Freigang in die Finger bekommt. Und in der Tat lebte Scharkfisch nur noch wenige Stunden. Wie von unsichtbarer Hand gesteuert \u00f6ffneten sich in der Nacht die beiden Stahlt\u00fcren, so dass der w\u00fctende Frankenstein in Sekundenschnelle begann, seinen Mitinsassen in der Nachbarzelle in seinen H\u00e4nden zu wiegen und dessen Kopf abwechselnd in ein mit Wasser bef\u00fclltes Waschbecken unterzutauchen. Der ver\u00e4ngstigte katholische F\u00fcrst Gebhart flehte um Gnade und begann, eine durch die Folter erzwungene Beichte seiner Schandtaten vor dem ihn bedrohenden Taufpaten abzulegen. Er beruhigte Frankenstein, dem er viel Geld und Macht versprach, mit zahlreichen unglaublichen Mysterien aus seiner Freimaurerloge. Der Geheimnisverr\u00e4ter berichtete von gescheiterten U-Boot Lieferungen und deren wahren t\u00f6dlichen Folgen, von gegl\u00fcckten Fuchs Sp\u00fcrpanzerlieferungen und deren finanzielle Segnungen, von erfolgreich verschobenen \u00d6lraffinerien und anderen Milliardengesch\u00e4ften bei denen er und seine Bundesbr\u00fcder mitgewirkt hatten. Der immer gr\u00f6\u00dferen Unfrieden versp\u00fcrende Gebhart f\u00fchlte, dass seine Lebensuhr ablief, und es an der Zeit war, ein Schuldbekenntnis abzulegen. Darum dr\u00e4ngte es ihn, bei dem Beichtvater Frankenstein Bu\u00dfe zu tun, f\u00fcr seine vielen S\u00fcnden. Er entschuldigte sich f\u00fcr den Goldbetrug und viele weitere Verst\u00f6\u00dfe gegen die zehn Gebote. Gewiss w\u00fcrde er versuchen, das Unrecht bei all den gesch\u00e4digten Menschen wieder gut zu machen. Er bat Gott um Vergebung f\u00fcr seine Vergehen, damit dieser seinen Geist schneller annimmt, und er nicht zu lange im Fegefeuer gel\u00e4utert werden muss. \u201eUm aus dem Fegefeuer herauszukommen musst du schon sieben Milliarden Rosenkr\u00e4nze beten und mir siebzig Milliarden Lire als Ablasszahlung leisten\u201c, scherzte Pater Stein, ehe er von ununiformierten ininformierten Agenten, die das Gespr\u00e4ch, wo auch immer, abgeh\u00f6rt hatten, j\u00e4h unterbrochen und zum Trost, durch ein Quantum Ofsolacecyclobarbital bet\u00e4ubt, zur\u00fcck in sein 007-Zahlen-Verlie\u00df verfrachtet wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen fanden die James Bond M\u00f6chtegern-Geheimdienstler nicht Frankenstein ermordet, sondern Scharkfisch tot in seiner Zelle vor. Laut Presseberichten hatte er eine \u00dcberdosis Digitalis eingenommen, die in einem schwarz-goldenen Siegelring versteckt war. \u201eKomisch, trug er \u00fcberhaupt so einen Ring, und wie konnte er so schnell obduziert werden?\u201c, fragte Jonathan den aufmerksamen Elymas, der gerade an einem \u00e4hnlichen Exemplar an seinem Finger spielte, als beide im Fr\u00fchst\u00fccksfernsehen davon erfuhren.<\/p>\n<p>Von gr\u00f6\u00dferer Bedeutung war f\u00fcr den keine Antwort erhaltenden Fischer und den illuminierten Gentleman Wicked-Oz, die im Marienhospital auf dem Bauch liegende, verletzte und angebetete Maggie, mit der Jonathan aufgrund seines Versteckspiels viel zu wenig Zeit verbringen konnte. Die beiden Verehrer und neuen Freunde besuchten und tr\u00f6steten sie gemeinsam. Jonathan hielt rechts am Bett das H\u00e4ndchen und Elymas links. Das kam dem Kriminalkommissar Sherlock Colombo gerade recht, der zum Verh\u00f6r von Magdalena ins Krankenzimmer eingetreten war. Nach mehreren Fragen an die Anwesenden war f\u00fcr den Querdenker der Fall gel\u00f6st. Der tote Scharkfisch war nicht nur f\u00fcr ihn der mehrmalige B\u00f6sewicht. So riss es niemand vom Hocker, als ausgerechnet der Oberstaatsanwalt Johannes Ratzinger den aufgedeckten Goldskandal publik machte und alle \u00dcbeltaten, der sich nicht wehren k\u00f6nnenden, in Windeseile einge\u00e4scherten Leiche, angekreidet wurden. Der mitwissende Aufsichtsratsvorsitzende der Bank, Professor Karl Kempe kehrte nach ein paar weiteren hoch bezahlter Gehirnw\u00e4schen von seinem Cefalu-Sizilienurlaub zur\u00fcck, weil sein Stuhl nicht mehr wackelte. Zum \u00c4rger von Jonathan setzte \u201eKarl der Gro\u00dfe\u201c im Aufsichtsratsgremium der Volksbank Denkenstadt eG einen von extern kommenden, rotarierenden Vorstandsvorsitzenden durch. Dies war f\u00fcr Insider abermals der Beweis daf\u00fcr, dass Beziehungen bei der Vergabe von Spitzen\u00e4mtern wichtiger sind, als Abschl\u00fcsse, F\u00e4higkeiten oder Begabungen. Tats\u00e4chlich herrschte nach dem Wechsel nur kurzer Frieden in dem in die Schlagzeilen geratenen Raiffeisen-Laden. N\u00e4chtliche Einbrecher mit Schl\u00fcsselgewalt entwendeten die im feuersicheren Tresor befindlichen, auf Mikrofiche verfilmten Buchungsvorg\u00e4nge aus den letzten sechs Jahren und steckten die im Keller befindliche Papier-Registratur mit Material aus zehn Jahren so gekonnt in Brand, dass das historische Fachwerkgeb\u00e4ude auf der Stelle in Staub und Asche lag. Nichts desto trotz bekam die betrogene Magdalena ihr verlorenes Geld in zweifacher Form von der vor\u00fcbergehend in Container auf dem Parkplatz hausenden Volksbank zur\u00fcck. Die geschickte Personalleiterin Octopussy sorgte neben der Goldr\u00fcckerstattung zus\u00e4tzlich daf\u00fcr, dass die Berufsgenossenschaft den Schaden an dem Lamborghini und dem Opel bezahlte, da es sich um einen Betriebsunfall Fischers handelte. Somit bekam Magdalena 666.000,- DM f\u00fcr ihr Gold, Elymas 514.000,- DM f\u00fcr den Lamborghini und Jonathan 32.500,- DM f\u00fcr seinen Vectra aufs Konto.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan bezog wieder seine Wohnung in Denkenstadt, weil er sich um Aaron, sein Frettchen, k\u00fcmmern musste. Denn der Hauswirt Elymas weigerte sich, das ungeliebte Tier in der Dachgescho\u00dfwohnung des Leonhardsviertel aufzunehmen, da er ohnehin H\u00e4nsel und Gretel, das rallige schwarze Katzenp\u00e4rchen der wei\u00dfen Hexe, versorgen musste. Der entlastete und befreite Frankenstein durfte f\u00fcr eine Zeit das dritte Zimmer in der Schlo\u00dfstra\u00dfe beziehen, und wenn man davon absieht, dass die genesende Magdalena bald wieder in ihrem Rotlichtviertel-Betrieb arbeitete und wohnte, schien alles bestens f\u00fcr Jonathan zu laufen. Maggie, die Domina, verwies zun\u00e4chst Elymas angestellte Haushaltssklavinnen, die sowieso keinen Arbeitsvertrag hatten, des Feldes und nahm f\u00fcr sich die erste Etage des Edel-Ethos-Centers in Anspruch. Elymas baute seine Dachgeschosswohnung in eine Praxis f\u00fcr christozentrisches Heilen um. Der Esoterikladen im Erdgescho\u00df begann mit der Alpha Buchhandlung zu kooperieren und verkaufte bevorzugt B\u00fccher vom Johannis-Verlag. Passend zu dieser Situation bekam Magdalena oder besser gesagt Elymas eine powervolle gewichtige Idee. Sie wollten eine 33 Kilogramm schwere Goldpyramide zum Gedenken an Ramses Ra und Lore Osiris fabrizieren lassen. Diese w\u00fcrde dann in einem Kristalltresor im Ladengesch\u00e4ft ausgestellt werden, um noch mehr Kunden anzulocken. Die Pyramide sollte ein abnehmbares Auge mit einem riesigen Diamanten an der Spitze haben und in etwa so aussehen, wie das Spielzeug, das George Herbert Walker Bush (Senior) f\u00fcr George Walker Bush (Junior) anfertigen lie\u00df. Elymas pr\u00e4sentierte dazu ein \u00e4lteres Foto, das die Pr\u00e4sidenten im Schlafzimmerbett mit der Spielzeugpyramide hantierend zeigte. Der Grabeskammerverwalter Jonathan konzentrierte sich angespannt und lie\u00df nach einem weiteren Geistesblitz seine Beziehungen spielen. Aus dem Kaufvertrag seines Mercedes an einen Pforzheimer Goldschmied, fand er sofort die richtige Adresse f\u00fcr die Beschaffung und Herstellung. Das einzige Manko war, dass das Kunstobjekt aus dem historisch g\u00fcnstigen polnischen Gold, von ihres Gebisses und Schmuckes beraubter Seelen gegossen und geschmiedet werden sollte. Das begeisterte den die H\u00e4lfte der Kosten \u00fcbernehmenden Wicked-Oz umso mehr, und Maggie konnte wegen dem unschlagbaren Angebot der unmoralischen Versuchung ebenfalls nicht widerstehen. Gold und Geld stinken nicht und haben ihre Faszination im Verlauf der Jahrtausende nicht eingeb\u00fc\u00dft. Der Schein trog ebenso nicht, denn die magische Gold-Pyramide schien eine noch st\u00e4rkere Kraft auszustrahlen, als das zerst\u00f6rte Immobilienobjekt am Stuttgarter Tr\u00fcmmerberg. So war der Besucherzustrom im Edel-Ethos-Center genauso stark, wie bei der neuen Ausstellung mit metaphysischen Bildern von Caspar-David Friedrich in der Stuttgarter Staatsgallerie.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan konnte sich vor Arbeit kaum mehr retten, denn der Kundenandrang in der Park-Haus Bankfiliale war aufgrund der Brandkatastrophe in der Denkenstadter Hauptstelle gleichfalls enorm angewachsen. Dadurch bedingt und durch die Androhung der eigenen K\u00fcndigung setzte er bei seinem neuen Chef Rolf Schafpelz durch, dass die elektronische BGG Bankkontakt-Gesch\u00e4ftspartner-Guthabenauswertung abgeschafft wurde. Durch die Verbannung des Kontrollsystems mussten seine entlasteten Mitarbeiter nicht mehr monatlich Rechenschaft \u00fcber ihre Gesch\u00e4ftsabschl\u00fcsse ablegen. Trotzdem war der Druck auf Jonathan weiterhin so stark wie noch nie, weshalb der Workoholic in seinen kurzen Schlaferholungsphasen sp\u00fcrte, wie er kurz davor war, einen Burnout zu erleiden. Als er Georg M\u00fcller von seinem Arbeitspensum erz\u00e4hlte, empfahl ihm dieser seine \u00c4mter als Fraktionsvorsitzender des Gemeinderats und Verwalter der Grabesstiftung niederzulegen. Wahre Demut &#8211; Dienstbereitschaft &#8211; w\u00fcrde im Einsatz f\u00fcr die Armen offenkundig werden, und nicht im Reden schwingen, vor Beifall spendenden Totengebeinen. Deshalb solle er sich lieber am Bau von Gottes Reich beteiligen, indem er an den Wochenenden in die gesegnete Arbeit der Diakonie einsteigt. Au\u00dferdem w\u00e4re es besser, wenn er die Finger von der s\u00fcndigen Magdalena l\u00e4sst, da diese wieder voll in ihre alten Gewohnheiten abgedriftet w\u00e4re. Diese Vorschl\u00e4ge gefielen dem Scheinheiligen \u00fcberhaupt nicht. Dieser missionierende Pfarrer konnte leicht reden, schlie\u00dflich verdiente er lange nicht so viel Geld wie er selbst. Der Ratsuchende wurde besonders verstimmt \u00fcber die zitierte Bibelstelle, der Mensch h\u00e4tte keinen Nutzen, wenn er die Welt gewinnt, aber sich selbst verliert und Schaden an seiner Seele nimmt. Sollte das hei\u00dfen Jonathan w\u00e4re nicht auf dem richtigen Weg? Und dann wollte der Pfaffe, dass er sich \u00fcber das Sabbat Gebot hinweg setzt und am Sonntag in der Vesperkirche Essen austeilt. Jonathan musste seinem \u00c4rger laut Raum geben, indem er Frankenstein von dem gesetzesbrechenden Vorschlag erz\u00e4hlte. Damit war er jedoch an den Falschen geraten, denn Frank Stein hatte gro\u00dfen Gefallen daran, selbst in der Leonhardskirche mitzuarbeiten, schlie\u00dflich hatte er jahrelang von dem Spitzenservice f\u00fcr Bed\u00fcrftige profitiert. Der versnobte Banker w\u00e4re nur hochm\u00fctig und w\u00fcrde auf die Obdachlosen verachtungsvoll herab blicken, sonst w\u00fcrde er mit ihm mitkommen. Zun\u00e4chst einmal fuhren die beiden wirklich mit dem Twingo an seinen Tippelbr\u00fcdern am Leonhardsplatz vorbei, jedoch nur um Magdalena zum Jesus-Treff im Gospel Forum abzuholen. Jonathan w\u00e4re viel lieber gewesen, wenn er wie in der Werbung als Adam und Eva alleine in dem engen Verf\u00fchrungsgef\u00e4hrt gesessen w\u00e4re. Statt dessen \u00fcberzeugte der listige Schlangen-Teufel auf der verr\u00fcckten R\u00fccksitzbank das Weib Magdalena davon, als Fr\u00fcchteausteilerin f\u00fcr die zwischen modernen Konsumtempeln und dem Stra\u00dfenstrich liegende Vesperkirche mitzuwirken.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bedingt durch die sakrale Rockmusik der Beat Generation Band regte sich der H\u00e4ndchen haltende Liebhaber wieder ab, obwohl sich die Atmosph\u00e4re unter den 3.000 Zuh\u00f6rern durch die packenden Beats weiter aufheizte. Wie sch\u00f6n es ist, endlich einmal wieder in die Gegenwart Gottes einzutauchen, dachte sich der seine Arme nach oben erhebende Jonathan, bei einem ruhigeren abschlie\u00dfenden Stehbluesst\u00fcck der \u201eNormal Betrieb\u201c Jugendlobpreisband zum Mitsingen. Der Missionar, der nach Europa kam, in Form des Gastredners David Diao, betrat die B\u00fchne. Himmelsb\u00fcrger Diao begann wiederum seine unglaubliche Lebensgeschichte zu erz\u00e4hlen und warb f\u00fcr seine neu gegr\u00fcndete \u201eSchau auf Jesus\u201c Gemeinde. Jonathan genoss das Wiedersehen mit Vera und David, die ihn vor der B\u00fchne herzlich umarmten, w\u00e4hrend viele andere Besucher Schlange standen, um ebenfalls einen Plausch zu halten und eine schriftliche Einladung f\u00fcr die Sonntagsgottesdienste zu bekommen. Doch erst wollte der Auserw\u00e4hlte seine abseits stehende Herzallerliebste Magdalena mit dem Diao-Pastorenehepaar bekannt machen: \u201eDas ist mein neuer Sonnenschein Magdalena Osiris-Ra, mit der mich der Herr fest zusammen geschwei\u00dft hat.\u201c \u201eDann pass gut auf, dass du dich an der fruchtbaren \u00c4gyptischen Heliosg\u00f6ttin nicht verbrennst. Wissen sie schon, dass Jesus f\u00fcr sie gestorben ist?\u201c, fragte die skeptische Vera, sich an die wenig erfreute Busenfreundin wendend. \u201eM\u00e4dchen, f\u00fcr mich sind schon viele M\u00e4nner in den Tod gegangen. Du brauchst dir auf deinen beinahe ermordeten Wundermann nichts einbilden und wirst sehen, wenn ich etwas anpacke, dann aber richtig. Stimmt\u00b4s Jonathan?\u201c Der an Diablo- und Reiki-Zusammentreffen Erinnerte l\u00f6ste wohlweislich die Unterhaltung auf: \u201eJa ganz gewiss. Du bist die Allerallerbeste, liebste Maggie. Komm, wir wollen die anderen Leute nicht weiter warten lassen.\u201c<\/p>\n<p>Zum Gl\u00fcck kam gerade Markus Ruf angelaufen, der Jonathan auf die Schulter klopfte: \u201eEndlich sehe ich dich wieder hier. Wurde auch Zeit. Sag mal bist du vom Glauben abgefallen?\u201c \u201eGibt es heute Abend nur witzige Bemerkungen, die ich \u00fcberhaupt nicht komisch finde? Durch mich hat sich Maggie, Elymas und Frankenstein bekehrt. Sieht denn niemand was f\u00fcr ein toller Evangelist ich bin?\u201c, wollte Jonathan sp\u00f6ttisch wissen. \u201eMoment mal, den Ruf Gottes, habe ich durch Markus, den katholischen Kirchendiener versp\u00fcrt. Jesu Liebe dr\u00fcckt sich n\u00e4mlich zuallererst durch die Armenspeisung aus\u201c, befand Frank Stein und der ebenfalls hinzu gekommene Wicked-Oz bekannte: \u201eUnd ich folge der kosmischen Lebenskraft, um mehr Macht zu bekommen und Maggie zu imponieren.\u201c \u201eUnd ich habe Jesus Christus als pers\u00f6nlichen Heiland angenommen, nachdem mir M\u00fcllers sieben unreine Geister ausgetrieben haben\u201c, bezeugte Magdalena. \u201eJa und die sind alle nach einer viertel Stunde mit ein paar zus\u00e4tzlichen Kumpanen in dein Haus zur\u00fcckgekommen\u201c, war die zweistimmige theologische Erkenntnis vom grinsenden Wicked-Oz und verh\u00f6hnenden Frankenstein. Das war des Guten zu viel. Das Treffen l\u00f6ste sich auf. Im Rotlichtviertel gab Jonathan Magdalena zur Posse den letzten minutenlangen Zungenkuss, was den hinten sitzenden Frankenstein vor Eifersucht zur Weissglut reizte. Doch bei dem Dreit\u00fcrer gab es au\u00dfer der Heckklappe keine M\u00f6glichkeit durch die das tobende Biest h\u00e4tte entfliehen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Der rechtzeitig in seinem BMW ankommende Ersthelfer Elymas schritt durch wilde Odin-Schreie Frankensteins alarmiert zur Tat und \u00f6ffnete die Beifahrert\u00fcr: \u201eNennst du das lediglich H\u00e4ndchenhalten? Nun komm heraus. Halte dich an die Abmachungen. Ich habe noch f\u00fcnf Monate Zeit.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan h\u00e4tte nie gedacht, dass er in dieser Nacht Magdalena verlieren w\u00fcrde. Weniger Verwunderung w\u00fcrde sich bei ihm ausl\u00f6sen, falls der die Ruhe st\u00f6rende Frankenstein sein Heim verl\u00e4sst. Dieser Nervt\u00f6ter legte n\u00e4mlich bei der R\u00fcckkehr in die gemeinsame Behausung eine geheime Videocassette ein, die ihm Elymas Wicked-Oz zugespielt hatte. Darauf befanden sich die versautesten Aufnahmen, die man sich nur vorstellen kann. Jonathan hatte sich l\u00e4ngst abgew\u00f6hnt pornographische Filme anzuschauen. Er f\u00fchlte sich viel besser dabei, wenn er seine tierischen Triebe kontrollierte, anstelle sich von diesen beherrschen zu lassen. Deshalb machte er sich vom Schlafzimmer auf den Weg zum Fernseher, um das Gest\u00f6hne abzustellen. Dann traute er seinen Augen nicht. Hier handelte es sich nicht um Porno-Darsteller, sondern um Max-Moritz Straussinger und Karl Kempe, die sich gefesselt abwechselnd von einer befehlenden Domina auspeitschen lie\u00dfen. Frankenstein hatte wie diese die h\u00f6chsten Sadomachismus-Lustgef\u00fchle, als er die schmerzvollen Abl\u00e4ufe verfolgte. Kann es so etwas unter zivilisierten Menschen geben? Die beiden Verb\u00fcndeten lie\u00dfen sich als Adolf Hitler und Benito Mussolini verkleiden und spielten ihren eigenen qualvollen Untergang nach. Den Motorsport Fan wird dies weniger erstaunen, da solche Dinge von anderen bekannten Verbandsbossen unl\u00e4ngst in die \u00d6ffentlichkeit gedrungen sind. \u201eWas k\u00f6nnte passieren, wenn die kompromittierenden Aufnahmen an Pressevertreter verkauft werden?\u201c, erkundigte sich Jonathan. \u201eDas w\u00e4re dumm. Elymas hat viel mehr Macht, wenn er die Kopien an die stupiden Sex-Masochisten schickt und sie erpresst\u201c, meinte Frankenstein und fuhr fort: \u201eWas denkst du, wie er \u00fcber dich die Kontrolle gewinnt, wenn du mit Sado-Maso-Maggie verheiratet bist.\u201c \u201eSprich nicht so \u00fcber sie, sonst fliegst du raus\u201c, \u00e4rgerte sich Jonathan. \u201eHast du denn nicht erkannt, dass sie die heimlich aufgezeichnete Taktgeberin im Video ist?\u201c, fragte Frankenstein. \u201eNein, das kaufe ich dir nicht ab. Diese schwarz maskierte Latex-Corsage-Tr\u00e4gerin hat zwar eine gleich geartete Oberweite, ist aber bestimmt nicht Maggie\u201c, hoffte Jonathan. \u201eEs ist ja richtig, wenn du auf das Gute im Menschen z\u00e4hlst, aber Leute die in Armut leben, und wie ich auf der Stra\u00dfe gelandet sind, kennen das wahre, schmerzhafte, bittere Leben\u201c, behauptete Frankenstein, der das Band vorspulte. Die n\u00e4chste Szene spielte sich bei Vollmond auf einem Gr\u00e4berfeld ab und wurde von einem Baum herunter gefilmt. Diesmal war Frankenstein in miserabler You Tube-Qualit\u00e4t selbst Film-Acter, der sich als Wicca-Hohepriester nacheinander in einer wilden Sex-Orgie \u00fcber zw\u00f6lf unter Drogen stehende Hexen hermachte. Die schrecklichste Gr\u00e4ueltat wurde danach in der zur Metzgerei verwandelten Aussegnungshalle vollzogen. In dem am Eingang von zwei Fl\u00fcgell\u00f6wen bewachten, wie ein Tempel aussehenden, altert\u00fcmlichen S\u00e4ulengeb\u00e4ude, wurde von schwarz Vermummten unermesslich viel Schweineblut in einen Sarg gegossen. Die widerw\u00e4rtigsten, bestialischten Handlungen vollbrachte dabei klar erkennbar ein Jonathan bekanntes, total aufgegeiltes Satanisten-P\u00e4rchen, deren nacktes Fleisch in w\u00e4rmenden Lebenssaft zu ertrinken schien. Die ebenfalls in Ekstase geratenen Gaffer begannen sich niederkniened an in Blut getr\u00e4nkten Widerchrist-Obladen zu erg\u00f6tzen, um sich wieder erhebend, abwechselnd an einem goldenen, mit Edelsteinen besetzten D\u00e4monen-Wein-Kelch zu berauschen. Gibt es so etwas Abscheuliches? Lieber Leser, \u00e4ngstige dich nicht und forsche nicht nach, denn es handelt sich hier um einen Fiktionsroman.<\/p>\n<p>Jonathan war so schockiert wie noch nie in seinem Leben. Die Tr\u00e4nen kullerten pausenlos \u00fcber seine Backen: \u201eFrank, ich w\u00e4re dankbar, wenn du gehst und mich alleine l\u00e4sst. Ab heute ist Schluss mit Magdalena. Bitte nimm dieses verfluchte Band mit und gib es Elymas zur\u00fcck. Ich gebe auf. Er hat den Kampf um Fr\u00e4ulein Osiris-Ra gewonnen.\u201c \u201eZu Befehl Meister. Sei nicht traurig. Diese tollw\u00fctige Maggie ist eher ein Weib f\u00fcr mich. Warte noch ein bisschen und du wirst mehr Erfolg beim anderen Geschlecht haben\u201c, lautete der Abschied des seinen Koffer schnappenden Sex-Monsters.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan war endg\u00fcltig am Ende und wollte nicht mehr leben. Scheinbar hatte Gott keine Lust, sein gr\u00f6\u00dftes Verlangen zu erf\u00fcllen. Darum schwor er beim Opferaltar, Magdalena nie wieder unsittlich zu ber\u00fchren. In Zukunft wollte der Single sich an den Ratschlag von Paulus halten, indem er nicht krampfhaft versucht verheiratet zu werden. Au\u00dferdem w\u00fcrde er sich wieder mehr f\u00fcr den Bau von Gottes Reich einsetzen, und danach trachten den Willen Gottes zu tun.<\/p>\n<p>Der deprimierte Jonathan meinte deshalb zu wissen: \u201eWenn der Teufel einen \u00e4rgert, schl\u00e4gt man am besten mit einer hohen Geldspende an ein christliches Werk zur\u00fcck.\u201c Darum nahm der \u201egeisteskranke Selbstmordkandidat\u201c am n\u00e4chsten Tag einen Scheck \u00fcber 100.000,- DM in die Raichberg Realschule als Opfer mit. Die auf f\u00fcnfhundert Besucher angewachsene evangelische Freikirche traf sich zum sonnt\u00e4glichen Gottesdienst in der brechend vollen Turnhalle des st\u00e4dtischen Geb\u00e4udes. David Diao predigte dar\u00fcber, dass Jesus immer im Zentrum stehen muss und die Augen der Gl\u00e4ubigen stets auf ihn gerichtet sein sollen. \u201eWie recht er doch hatte\u201c, ging es dem in der ersten Reihe sitzenden Jonathan durch den Kopf, der gerade dabei war, einen innerlichen Zerbruch durchzumachen und seinen Seelen-Frieden wieder zu erlangen. Pl\u00f6tzlich tauchte Elymas auf und besa\u00df die Frechheit, sich neben ihn hinzusetzen: \u201eWas ist los mit dir Meister? Willst du die Flinte ins Korn werfen?\u201c \u201eGanz genau. Ab jetzt folge ich radikal Jesus nach und stelle mich ihm als lebendiges, Gott wohlgef\u00e4lliges Opfer zur Verf\u00fcgung. Magdalena kannst du behalten\u201c, damit glaubte Jonathan den Zauberer loszuwerden. Doch der dachte nicht daran zu gehen. Im Gegenteil, dieser griechisch st\u00e4mmige Deutsche fing an sich mit Pastor Diao am Ende der Versammlung angeregt auf Chinesisch zu unterhalten. Er behauptete, in der Nacht weibliche Engelserscheinungen mit Namen Licht und Donner gehabt zu haben. Diese h\u00e4tten ihn an den Eingeweiden operiert, so dass er die Gabe in anderen Zungen zu reden bekommen hat. Der himmlische Diao war au\u00dfer sich vor Freude und selbst Vera begann, den christlichen Zauberer wegen seiner Sprachbegabung aus der Distanz zu bewundern. \u201eWas hast du denn Jonathan? Du schaust so traurig aus\u201c, erkundigte sich die Feinf\u00fchlige bei ihrem langj\u00e4hrigen Bekannten. \u201eDu hast recht gehabt mit Osiris-Ra. Sie ist eine Nummer zu gro\u00df und viel zu hei\u00df f\u00fcr mich. Hier bitte, nimm den Scheck. Ich m\u00f6chte euch und die Gemeinde segnen\u201c, seufzte der einen Briefumschlag \u00fcbergebende Missionspartner. Als Jonathan am Abend von einem stundenlangen Spaziergang heimkehrte, war sein Anrufbeantworter voll gesprochen. Vera war au\u00dfer sich vor Freude, bedankte sich f\u00fcr die Geldspende und lud ihn am n\u00e4chsten Morgen zum Fr\u00fchgebet ein. Die zweite Anruferin Magdalena erz\u00e4hlte zehn Minuten lang wie toll ihr gemeinsamer Einsatz mit Frankenstein in der Vesperkirche war. Der geknickte Verehrer l\u00f6schte die Aufzeichnung, da er ihre Stimme nicht mehr h\u00f6ren konnte. Der Schmerz sa\u00df zu tief.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eOh Mann, ich muss wirklich \u00fcbergeschnappt sein, weil ich um 5.30 Uhr aufstehe, um mich mit einem des Landes verwiesenen Chinesen zu treffen, dessen lautes Gekr\u00e4chze wie ein Gockelhahn die ganze Nachbarschaft aufweckt\u201c, ging es Jonathan durch den Kopf, als er sich mit David, Vera, Martin Peter und Reinhild in deren Heumadener Hobbyraum an den H\u00e4nden fasste. Doch irgendwie kam durch das abwechselnde Bekennen von Bibelstellen neuer Lebensmut und eine k\u00fchne Entschlossenheit auf den Gotteskrieger. Jonathan sah unvermittelt in seinem inneren Auge den Geb\u00e4udekomplex des M\u00f6hringer SI-Centrums und schien zu betrachten, wie die stehenden Besucher der aus den N\u00e4hten platzende Freikirche sich gem\u00fctlich in die roten Samtklappsessel der Musical Hall setzten. Als er den geistlichen Eindruck weitergab, bekam er einstimmig das Amt des Schatzkanzlers zugedacht, der sich um die zuk\u00fcnftige Hallenanmietung k\u00fcmmern soll. \u201eDu wirst sehen, wenn das spirituelle Bild vom Heiligen Geist ist, bekommen wir prompt die Zusage\u201c, zeigte sich Martin Peter sehr optimistisch. Jonathan begann sein Wandel mit Gott wieder mehr Spa\u00df zu machen, denn das Hallenmanagement gab ihm sofort einen Termin beim von allen Seiten umschw\u00e4rmten obersten Chef. Der scheue Investor wollte das Geb\u00e4ude eigentlich nur ein- oder zweimal f\u00fcr 10.000,- DM zur Probe mieten. Hop oder top lautete dagegen die Devise des solventen Rolf Deyhle, der die Option gab, bei Gefallen den Miss Saigon Theater-Saal zum Festpreis von 100.000,- DM f\u00fcr vier Monate Sonntag morgens zu buchen. Jonathan hatte sich schon so gut an die Rolle des wahnsinnigen, b\u00fcrgenden Bank-Spenders gew\u00f6hnt, dass er diesen Anteil ebenfalls \u00fcbernahm. Die Beliebtheit und Achtung bei seinen China-Freunden stieg dadurch enorm. So trafen sie sich weiterhin zum Fr\u00fchgebet und warteten auf charismatische Eindr\u00fccke. Montags bei Anrichs, Mittwochs bei Diaos und Freitags morgens in Jonathans Wohnung.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Impuls von Jonathan war, Tobi Veigel und Simon W\u00f6rner zu fragen, ob sie mit ihrer Band Beat Generation nicht den Musikteil der Treffen \u00fcbernehmen, was zus\u00e4tzlich f\u00fcr Popularit\u00e4t sorgte. Au\u00dferdem wurde nach dem Gottesdienst ein kleiner kostenloser Imbiss aufgetischt und kr\u00e4ftig in der U-Bahn und auf Littfa\u00dfs\u00e4ulen Reklame gemacht. So wuchs die Versammlung innerhalb von zwei Wochen auf 2000 Besucher an. Die meisten davon waren Christen, die ihren Heimatgemeinden den R\u00fccken zukehrten, weil sie den moderneren, nobleren Gottesdienst bevorzugten. Deshalb hatte der evangelische Pastor M\u00fcller gar keine Freude an Jonathans Werbeideen und verurteilte am Telefon scharf die amerikanisierten pfingstlerischen Ausw\u00fcchse. Es w\u00e4re nach wie vor viel besser f\u00fcr den Fischer-Jesusj\u00fcnger, so wie Magdalena und Frankenstein in der diakonischen Vesperkirche mitzuarbeiten. Der dachte dagegen nicht daran ins Leonhardsviertel zur\u00fcckzukehren. Er vermied es peinlichst, Kontakt mit Magdalena zu f\u00fchren und nahm den Telefonh\u00f6rer nicht ab, wenn ihre Nummer auf dem Display angezeigt wurde. In einem l\u00e4ngeren Brief hatte Jonathan seinem Schwarm versucht zu erkl\u00e4ren, warum es besser ist, sich vorerst nicht mehr zu sehen und Abstand voneinander zu gewinnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Gegensatz dazu lie\u00df sich dieser aufdringliche Wicked-Oz einfach nicht absch\u00fctteln, indem er einen weiteren Fu\u00df in die evangelische Freikirche setzte. Elymas erreichte durch seine Beziehungen, dass das SWR-Fernsehen einen positiven Bericht \u00fcber die \u201eSchau auf Jesus\u201c Gemeinde ausstrahlte. Er gewann seinen abspeckenden Patienten, den Justizminister Max-Moritz Straussinger, als Schirmherrn und Gastredner f\u00fcr den Gottesdienst. Anscheinend war diesem im Healing Room &#8211; Heilungsraum &#8211; des Edel-Ethos-Center ein zu kurzes Bein heraus gewachsen, was den politischen Wahlkampf-Prediger veranlasste unter dem Jubel der Zuh\u00f6rer lautstark zu verk\u00fcndigen, dass Gott heute noch heilt. Ferner bekam der mit David Diao bevorzugt Mandarin sprechende Gesch\u00e4ftsmann Elymas die Genehmigung vor und nach dem Gottesdienst die Johannis-Verlag B\u00fccher seines mobilen Ladens zu verkaufen. Das gefiel dem die Unterhaltung nicht folgen k\u00f6nnenden Kassenwart Jonathan \u00fcberhaupt nicht, weil ihm Tempelgesch\u00e4fte suspekt waren, und er viel lieber den Charisma Shop als Lieferanten gehabt h\u00e4tte. \u00c4hnlich wie Jonathan brachte Elymas viele fruchtbare Ideen f\u00fcr die Gemeinschaft ein, so dass er kurzerhand ebenso in das Leitungsteam des eingetragenen Kirchen-Vereins aufgenommen wurde. Der Zauberer war Fan von christlicher Literatur, die lehrte, dass man alles bekommen kann, was man will, wenn man nur glaubt. Seine Favoriten waren \u201eKraft des positiven Denkens\u201c von Norman Vincent Peale und \u201eDie vierte Dimension\u201c von Jonggi Cho. Deshalb schlug Elymas anhand dem erfolgreichen s\u00fcdkoreanischen Vorbild vor, unter der Woche Zellgruppen mit 13 Personen abzuhalten und f\u00fcr die Leiterschaft eine Multi-Level-Struktur einzuf\u00fchren. Au\u00dferdem sponserte Wicked-Oz eine Studienreise in die USA zur Oral Roberts University und Christal Cathedral Megachurch von Dr. Robert H. Schuller. Die dreizehn erfolgreichsten Zellgruppenf\u00fchrer, die es am schnellsten schafften ihre Hauskirche in eine ebenso Gro\u00dfe zu dividieren, wurden eingeladen vierzehn Tage durch die USA zu reisen. Ausgerechnet der junge Katholik Markus Ruf, der in dem Kraftsportler Christoph Ziegler seinen eifrigsten Mithelfer heranzog teilte das auf 24 weitere Besucher angewachsenes Freitags-Wohlf\u00fchl-Treffen schon bei der n\u00e4chsten M\u00f6glichkeit. Das war kein Wunder, denn die angeheiterten Veritas-Burschenschaft Studenten trafen sich in der T\u00fcbinger Wohnheimbar im Keller. Als Nachweis sollte sich jeder Teilnehmer verbindlich registrieren lassen und einen plumpen Meinungs-Fragebogen ausf\u00fcllen. Ferner musste jedes Treffen nach Themen und Mitglieder dokumentiert werden. Die Einw\u00e4nde von Jonathan, dass diese \u00dcberwachungs- und Nachforschungsmethoden an die Scientolgy \u201eKirche\u201c erinnern wurde von Himmelsb\u00fcrger Diao abgeschmettert. Schlie\u00dflich musste man in der Dreiselbstkirche in China ebenfalls Meldeb\u00f6gen ausf\u00fcllen. Zudem konnte er damit beweisen, die am schnellsten wachsende, protestantische Bundesvereinigung Deutschlands zu leiten. Scheinbar verga\u00df der \u201eHimmlische Bibelkenner\u201c das Gottesverbot der Volksz\u00e4hlung, das ein bekannterer David gebrochen hatte und einen schweren Fluch nach sich zog. Die ganzen Kontroll-Aktivit\u00e4ten begannen Jonathan immer unheimlicher zu werden. Etwas besser behagte ihm die f\u00fcr Kinder neu eingef\u00fchrte Beard-Powell Boy and Girl Scout Groups, die in die gute Obhut von Reinhild und Martin Peter Anrich gegeben wurden und sich ebenso pr\u00e4chtig entwickelten. Leider gelang es Wicked-Oz bei den zu Rittern geschlagenen Pfadfindern wiederum ein milit\u00e4risches Pyramidenf\u00fchrungsprinzip einzuf\u00fchren, in dem gleichfalls alle Aktivit\u00e4ten von der mit Orden ausgestatteten Leiterschaft dokumentiert werden mussten, um zu beweisen, dass in Stuttgart in Rekordzeit der gr\u00f6\u00dfte Pfadfinder-Stamm Europas aufgebaut wurde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan h\u00e4tte nicht gedacht, dass in seinem n\u00e4chsten Kundengespr\u00e4ch Ron, der j\u00fcngste Elite-Pfadfinder der Vereinigten Staaten eine ebenso auditive Rolle einnehmen w\u00fcrde. Maria M\u00fcller-Kempe sa\u00df in seinem B\u00fcro in der Park-Haus Filiale und fing unvermittelt an, Herz zerrei\u00dfend zu weinen, als ihr Bankberater sich nach ihrem Befinden erkundigte. Die Arme kam gerade aus ihrem sechst\u00e4gigen Italien-Urlaub zur\u00fcck, den sie in einem Besserungscamp verbringen musste. Scheinbar hatte sie den Wellnessurlaub und die mit Vitamin-Pr\u00e4paraten verbundenen Saunag\u00e4nge gar nicht genossen. Im Gegenteil, denn sie beklagte sich \u00fcber die von L. Ron Hubbard eingef\u00fchrten verr\u00fcckten metaphysischen Lehren der Scientology Sekte, denen sie zum Opfer gefallen sei. Ihr totalit\u00e4rer Diktator und Ehemann Karl Kempe w\u00e4re einer der f\u00fchrenden kosmischen K\u00f6pfe, der sich in peinlich debiler Weise f\u00fcr eine Reinkarnation von Mussolini hielt, und um seinen frei operierenden Thetan zu erreichen, selbst seinen Schwiegersohn um die Ecke bringen w\u00fcrde, wenn er sich nicht als clear erweisen w\u00fcrde. Sie w\u00e4re ja selbst schuld an ihrem Ungl\u00fcck, weil sie nicht auf die Warnungen ihres Beichtvaters F\u00fcrst vor dem als Luzifer und Engel des Lichts erscheinenden Br\u00e4utigam geh\u00f6rt hatte. Ja, selbst Kinder w\u00fcrden in seinem sizilianischen Psycho-Konzentrations-Lager, in liebloser verachtungsvoller Weise, nur als kleine verbesserungsw\u00fcrdige K\u00f6rper angesehen und entsprechend gel\u00e4utert. Bevor ihrem Leben ein Ende gesetzt wird, wolle sie Jonathan in die kriminellen Machenschaften seines b\u00f6sen Aufsichtsratsvorsitzenden einweihen. Ihr G\u00f6ttergatte Karl h\u00e4tte aus dem Tod von Gebhart Scharkfisch \u00fcberhaupt nichts gelernt. Im Gegenteil, als von Max-Moritz Straussinger eingesetzter neuer Schatzmeister der Bundespartei w\u00fcrde er die dubiosen Machenschaften seines Vorg\u00e4ngers noch verschlimmern. Am meisten bedauere sie jedoch, dass Jonathan nicht zum Bankdirektor bef\u00f6rdert wurde, sondern ein korrupter Logenbruder ihres Mannes, der die betr\u00fcgerischen Immobiliengesch\u00e4fte im selben Stiel fortsetzen musste. Sie verstehe nicht, dass im Denkenstadter Gemeinderat niemand etwas gegen die gesetzlosen Machenschaften bei der Umlegung von Bauland unternimmt. Der ehemalige Fraktionsvorsitzende Fischer \u00fcberlegte sich, ob er ihr weitere s\u00fcffisante Schmiergeld-Details \u00fcber die Schaffung des Neubaugebiets und die Erteilung von Vorteil gew\u00e4hrenden Baugenehmigungen und Krediten geben soll. Er zog es statt dessen vor, in tr\u00f6stender Weise seinen Arm um die Bedauernswerte zu legen. Einen kurzen Moment schoss es ihm durch den Kopf, dass die steinreiche Maria doch die Richtige f\u00fcr ihn w\u00e4re, wenn sie sich vom niedertr\u00e4chtigen Kempe scheiden l\u00e4sst. Doch sofort erinnerte er sich an das letzte der zehn Gebote und an sein Versprechen, nicht aktiv nach einer Ehefrau zu trachten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gro\u00dfe Gewissensbisse \u00fcberkamen Jonathan, weil er sich nicht weiter um die depressive Maria M\u00fcller-Kempe angenommen hatte, als er am n\u00e4chsten Morgen an der Arbeit erfuhr, dass sie sich vom 70 Meter hohen Autobahnviadukt gest\u00fcrzt hatte. Niemand seiner Kollegen, au\u00dfer Jonathan selbst, konnte sich erkl\u00e4ren, warum die reichste Frau Denkenstadts in den Tod gegangen ist. Bei ihrem letzten Abschied hatte sie ihm ein verschlossenes Samsonite K\u00f6fferchen \u00fcbergeben, dessen Riegel er knacken sollte, falls ihr etwas zust\u00f6\u00dft. Betroffen und aus Neugierde nahm sich Jonathan Freistunden, um die schwarze Aktentasche mitzunehmen und zu Hause zu \u00f6ffnen. Der Kopfarbeiter bekam das heftig widerstandleistende Schloss nicht auf. Deshalb durchtrennte er mit seinem Bosch Flex Winkelschleifer auf der Terrasse den dicken Plastikmantel des Beh\u00e4ltnisses. Als erstes stie\u00df ein Testament zum Vorschein, welches \u201eKarl den Gro\u00dfen\u201c weitestgehend enterbte und die katholische Kirche als Nachlass Beg\u00fcnstigten einsetzte. Ausgerechnet jetzt bekam er ungebetenen Besuch von Rolf Schafpelz und Karl Kempe, die ihn schon von weitem ersp\u00e4ht hatten. Der anst\u00fcrmende Bankdirektor warf ihm vor, dass er sich unerlaubter Weise vom Arbeitsplatz entfernt hatte, und der dem Aufsichtsrat vorstehende Ehren-Professor riss die halbierten famili\u00e4ren Kofferschalen samt Inhalt an sich. Schon am Nachmittag wurde Jonathan Fischer schnurstracks von Octopussy die K\u00fcndigung zugestellt. Die eidesstattlich bezeugte Versicherung lautete, er habe Kempe bestohlen, geheime Kundendaten ungesch\u00fctzt auf seiner Veranda deponiert und Beihilfe zur Geldw\u00e4sche auf Marias Konto geleistet. In der Tat hatte er vor einer Woche Dr. Wolfgang Baumeister, dem Leiter der Innenrevision, telefonisch best\u00e4tigt, dass er \u00fcber die Schwarzgeldgesch\u00e4fte, der ihr schlechtes Gewissen erleichternden M\u00fcller-Kempe, h\u00f6chstpers\u00f6nlich informiert wurde und nichts gegen die weitere Verhinderung unternommen hatte. Der arme Jonathan, der eigentlich reich war, wurde zur H\u00f6chststrafe von 100.000,- DM nach dem Geldw\u00e4schegesetz verurteilt. Die ihn ehrenhalber aus dem Gemeinderat verabschiedenden Parteigenossen versuchten ihn zu ermuntern, da es sich hierbei lediglich um eine gemeinn\u00fctzige Spende handele, und er nur in Augen der \u00f6ffentlichen Meinung vorbestraft sei. Die Hauptschuld der bestechenden Vergehen wurde sowieso wiederum der verleumdeten Leiche zur Last gelegt. Die rufgesch\u00e4digte, wie eine leblose zerschmetterte Statue starrende Maria, deren gefestigter K\u00f6rper ohne vorige genaue Untersuchung mit extra Chemikalien f\u00fcr die Familiengruft einbalsamiert wurde, konnte sich verst\u00e4ndlicher Weise nicht mehr zur Wehr setzen. Der Warnhinweis von John Todd, des Phil Collins \u201eIn The Air Tonight\u201c Tour-Truck-Drivers, der gesehen hatte, dass kurz vor ihrem Abflug zwei dunkle Gestalten, im auff\u00e4lligen Bentley Continental Cabrio, sp\u00e4t nachts auf dem schmalen Standweg der weiten Br\u00fccke angehalten haben und den Kofferraum \u00f6ffneten, wurde genauso ignoriert, wie Jonathans unversch\u00e4mte ketzerische Behauptung eines katholischen Neuen Testaments Marias, in dem nichts von ihrer Himmelfahrt, sondern von dem m\u00fctterlichen Verm\u00e4chtnis \u201eTut was er euch sagt\u201c steht.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die gelbe Post brachte als G\u00f6tterbote dar\u00fcber hinaus zus\u00e4tzlichen, unbequemen Schriftverkehr f\u00fcr Jonathan ins Haus. Der Stuttgarter Notar Uwe Baumann konnte nicht mehr verantworten, dass Fischer die Grabesstiftung f\u00fchrt, da heutzutage so viele Gelder von Hausverwaltern veruntreut werden und Jonathan schlie\u00dflich arbeitslos w\u00e4re. Noch unversch\u00e4mter war der Brief seines alten Parteigenossen Max-Moritz Straussinger, in dem Jonathan von dem dazu gesto\u00dfenen Kirchenbruder aufgefordert wurde, das Amt des Schatzmeisters niederzulegen, da er ja vorbestraft w\u00e4re und aufgrund seiner Geldw\u00e4scheaktivit\u00e4ten f\u00fcr so ein verantwortungsvolles Amt erwiesener Ma\u00dfen unf\u00e4hig w\u00e4re. Jonathan kochte vor Wut. Das verfluchte Pyramidengrab konnte seinetwegen jemand anderes besuchen, aber er selbst hatte doch mit seinen vielen guten Ideen die \u201eSchau auf Jesus\u201c Gemeinde ins Scheinwerferlicht gebracht. Sein n\u00e4chster Einfall sollte ihm zum totalen Durchbruch verhelfen und eine Vollzeitanstellung in der Kirche sichern, dachte sich zumindest der Science Fiction Held. Jonathan Fischer schaffte es tats\u00e4chlich, das Daimlerstadion f\u00fcr 300.000,- DM an einem Wochenende zu mieten und die ber\u00fchmten Bu\u00dfprediger Reinhard Hill und Steve Bonnke zu engagieren. In seiner selbst gestrickten Erweckungs-Vorstellung bekehrten sich 60000 Menschen auf einen Schlag und verhalfen ihm als finanzierendem Organisator zu gro\u00dfem Ruhm und Ansehen. Das Leitungsteam der Gemeinde unterst\u00fctzte sein Vorhaben und freute sich ungemein. Allein Elymas war ein bisschen beleidigt, weil sein Vorschlag Billy Graham einzuladen und gleich noch die katholische Kirche mit ins Boot zu nehmen abgelehnt wurde. Daf\u00fcr freute sich Wicked-Oz um so mehr, als der Stuttgarter Oberstaatsanwalt Ratzinger das neue Gemeindeb\u00fcro in der Talstra\u00dfe besuchte und zahlreiche M\u00e4ngel entdeckte. Der gute Jonathan hatte vor lauter Arbeitsstress keine Ordner f\u00fcr den Schriftverkehr angelegt und selbst die Spenden-Kontoausz\u00fcge fehlten teilweise bzw. waren nicht chronologisch abgeheftet.<\/p>\n<p>Somit wurde der untreue kirchliche Finanzverwalter Fischer als Kassenwart untragbar und mit der Mehrheit der M\u00e4nnerstimmen seines Vorstandspostens enthoben. Schlie\u00dflich drohte sonst, die Gemeinn\u00fctzigkeit des eingetragenen Vereins verloren zu gehen. Noch mehr schmerzte Jonathan der gemeinschaftliche Rat von David, Martin Peter und Elymas, die Gottesdienste in der Musical Hall f\u00fcr eine Zeit lang nicht mehr zu besuchen, bis Gras \u00fcber die Sache gewachsen sei. Das vereinende Fr\u00fchgebet wurde sowieso abgeschafft, da David Diao und Martin Peter Anrich vom Justizminister Max-Moritz Straussinger in die oberen Regierungs-Kreise eingef\u00fchrt wurden und wie Elymas Wicked-Oz morgens lieber ihre Bilder in der Stuttgarter Zeitung begutachteten. So waren die Kirchendiener bei n\u00e4chtlichen exklusiven Staats-Empf\u00e4ngen und im VIP Bereich des VFB Stuttgart gern gesehene G\u00e4ste und konnten so das kommende Evangelisationsspektakel im st\u00e4dtischen Stadion besser vorbereiten. Vera und Reinhild wollten den Kontakt zu Jonathan nicht abbrechen lassen. Sie trafen sich heimlich mit dem Gefallenen und beteten scheinbar vergeblich f\u00fcr Gerechtigkeit. Letztendlich bestimmten ihre Ehegatten unter dem Regime von Wicked-Oz, dass man sich mit Verlierern besser nicht umgibt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eIn der Not lernt man seine wahren Freunde kennen!\u201c, brachte Jonathan Aaron in der Speisekammer bei. Das Frettchen kostete es aus, mit seinem Herrchen eine ausgedehnte Mu\u00dfe lang im Dunkel Versteck zu spielen. Wenigstens seine lieben behinderten Eltern, die er eher vernachl\u00e4ssigt hatte, hielten zu ihm. Auch die Familie seines entfernt wohnenden Bruders Thomas freute sich \u00fcber h\u00e4ufigere Besuche. Die treue Witwe Hilde wollte ebenso nicht annehmen, dass an den Rufbesch\u00e4digungen etwas Wahres dran war. Neben Markus Ruf, der telefonisch bei der Stange blieb und alle Gemeinde-Interna weiter gab, freute sich Pastor Georg M\u00fcller besonders \u00fcber das wieder gefundene verlorene Schaf. Der evangelische Mentor tr\u00f6stete Jonathan mit der Weisheit, dass je tiefer eine Person f\u00e4llt, desto h\u00f6her k\u00f6nnte sie empor gehoben werden, da der sich selbst verleugnende christliche Weg nach oben, immer erst in Demut nach unten f\u00fchrt. So h\u00e4tte der Herr Jesus Christus selbst behauptet, wer sein Leben zu erhalten sucht, der wird es verlieren, und wer es verlieren wird, der wird es gewinnen. Der Predigt folgend beteiligte Jonathan sich tats\u00e4chlich bei der Essensausgabe in der Vesperkirche und nahm an dem Schicksal der sozial am Rand stehenden Menschen teil, indem er ihnen stundenlang zuh\u00f6rte. Kaum hatte er Freude an dieser T\u00e4tigkeit gefunden, ging sie vor\u00fcber. Der Winter war zu Ende, weshalb sich die neun Wochen t\u00e4glich \u00f6ffnenden Pforten des Gotteshauses wieder schlossen. Jonathan beschloss deshalb, die lieb gewonnenen Menschen selbst auf der Stra\u00dfe aufzusuchen, und sie zum Essen in Gastst\u00e4tten einzuladen. Diese Gro\u00dfz\u00fcgigkeit sprach sich schnell herum und machte ihn zu einem modernen K\u00f6nig der Bettler. Die Stimme Jesu vermehmend, wollte er nicht so enden wie der reiche Mann in dem Gleichnis mit dem armen Lazarus. Darum verband er oft die eitrigen Wunden der Alkoholabh\u00e4ngigen. Er bezahlte sogar die Tierarztrechnungen der leckenden Hunde und n\u00fctzte Kontakte zur Heilsarmee f\u00fcr Kleiderausstattung und menschenw\u00fcrdigere \u00dcbernachtungsm\u00f6glichkeiten. Jonathan teilte gemeinsam mit den Jesus-Freaks, der Brothaus Gemeinde und den City Chapel Leuten Samstag Nachts Wurstbrote und Teepunsch aus und befreundete sich mit Robby Strobel von der BGG &#8211; Biblischen Glaubensgemeinde. Dieser hatte tats\u00e4chlich die H\u00e4lfte seiner Hochzeitstorte an die von ihm betreuten Junkies auf der K\u00f6nigstra\u00dfe verschenkt. Sein w\u00f6chentliches Suppentopfteam erfreute sich bei den Drogenabh\u00e4ngigen immer gr\u00f6\u00dferer Beliebtheit. Dadurch inspiriert arbeitete Jonathan in der zum M\u00fclheimer Verband geh\u00f6renden Olgagemeinde mit. Die Kirche mit Biss im Olgakeller versorgte die Bed\u00fcrftigen mit einem fast kostenlosen Essen verbunden mit einem geistlichen Input durch Kurzpredigt und Lobpreis. Auf die Spitze trieb es der Jesusj\u00fcnger, der nicht wusste, wo er sein Haupt hinlegt, als er ohne Geld eine Woche mit den Obdachlosen in einer Unterf\u00fchrung Platte machte und sich selbst durchs Leben schnorrte. Damit war er endg\u00fcltig einer der ihren geworden und erhielt selbst von Frank Stein die gr\u00f6\u00dfte Anerkennung.<\/p>\n<p>Dieser Frankenstein sorgte gemeinsam mit Maggie anderweitig f\u00fcr m\u00e4chtig Furore, denn beide beabsichtigten das Rotlichtviertel zu bekehren. Neben den evangelistischen Besuchen von Magdalena durch das Verschenken des Jesus-Films und von Bibeln bei ihren Ex-Kolleginnen, sorgte Frankenstein daf\u00fcr, dass jeder Freier beim Betreten der Freudenh\u00e4user von einem daf\u00fcr bezahlten Obdachlosen fotografiert und abgeschreckt wurde. Bei den folgenden Pr\u00fcgelszenen mit den Zuh\u00e4ltern behielt die Baseball schl\u00e4gernde, glatzk\u00f6pfige Skinhead-Stra\u00dfenfraktion die \u00dcberhand. Die Etablissements mussten zwar nicht Insolvenz anmelden, da die Einnahmen des \u00e4ltesten Gewerbe der Welt sowieso nicht bilanziert und fast \u00fcberhaupt nicht versteuert werden, aber die Szene beschloss aufgrund der Umsatzeinbr\u00fcche vor die Tore der Stadt zu ziehen. Die verbleibenden Damen wurden seelsorgerlich vom M\u00fcllerpastorenehepaar betreut und schafften gr\u00f6\u00dftenteils die R\u00fcckkehr ins geregelte Berufsleben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan konnte ebenso nicht weitermachen wie bisher, weil seine R\u00fccklagen aufgebraucht waren, und er sich nicht arbeitslos gemeldet hatte. Deshalb nahm er die erstbeste geregelte Stelle an. Dem Rat seiner Eltern folgend arbeitete er wieder bei einem Geldinstitut. Dieses Mal bekam der schwer vermittelbare Vorbestrafte eine dienende Reich Gottes Schaltert\u00e4tigkeit angeboten. Der fr\u00fchere Filialleiter half vier Gehaltsstufen niedriger bei der EKK Evangelische Kreditgenossenschaft eG als Servicemitarbeiter f\u00fcr Pastoren und andere Kirchenangestellten mit. S\u00fcffisanter Weise wurde Elisabeth Sch\u00e4tzle, mit der er sich gut verstand, seine zuk\u00fcnftige Teamleiterin.<\/p>\n<p>Viel geliebte Leserinnen und liebe detailverliebte Schm\u00f6kerer, um niemand nach diesem Mammutkapitel weiter auf die Folter zu spannen, seid gewiss, dass im zehnten Teil der Lebensfiktion von Jonathan Fischer der Held der Story seine Traumfrau erkennt und heiratet. So viel sei vom Betriebsgeheimnis verraten: Die Jonathan nahe stehende Person ist dem Studierenden bereits bekannt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-9-arm-oder-reich-tod-oder-lebendig-teil-1.mp3 &nbsp; https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-9-arm-oder-reich-tod-oder-lebendig-teil-2.mp3 &nbsp; Arm oder reich? Tod oder lebendig? &nbsp; Der Held der Lebensfiktion Jonathan Fischer hatte im Leben mehr erreicht, als er sich vorgestellt hatte. 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