{"id":68,"date":"2008-05-10T10:25:48","date_gmt":"2008-05-10T10:25:48","guid":{"rendered":"http:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=68"},"modified":"2021-01-03T16:24:49","modified_gmt":"2021-01-03T16:24:49","slug":"6-kapitel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=68","title":{"rendered":"6. Kapitel"},"content":{"rendered":"<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-68-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-6-die-reise-in-die-usa.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-6-die-reise-in-die-usa.mp3\">https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-6-die-reise-in-die-usa.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Reise in die USA<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan Fischer konzentrierte sich wieder mehr auf sein berufliches Weiterkommen. Er \u00fcberlegte sich, ob er nicht eine Fortbildung zum Bankbetriebswirt oder eine theologische Laufbahn anstreben sollte. Aber bekanntlich gibt es der Herr den seinen im Schlaf. Der \u201eFrauenschwarm\u201c bekam eine andere z\u00fcndende Idee. Neben einigen \u00e4u\u00dferst reizvollen, neuen, zu jungen Auszubildenden, die nach den Sommerferien ihre Banklehre angefangen hatten und ihm bei den Lehrgespr\u00e4chen schon unversch\u00e4mt nahe auf den Leib ger\u00fcckt waren, gab es eine Frau, die ihn besonders ansprach. Ausgerechnet die verm\u00f6gendste A-Kundin Maria M\u00fcller sah au\u00dferordentlich gut aus und schien ihn zu m\u00f6gen. In den Beratungen blickte sie ihrem vertrauensw\u00fcrdigen Gegen\u00fcber oft minutenlang tief in die Augen und unterzeichnete jeden Vertrag, den er vorschlug ohne zu z\u00f6gern. Das einzige Problem war, dass die vornehme Br\u00fcnette eigentlich nicht seinem Vorstellungstyp entsprach. Der Zweck heiligt alle Mittel, darum begann Jonathan einen Liebesbrief zu schreiben. Der Anlass war, dass er selbst einen solchen von der klassenbesten Komm-mir-nicht-zu-Nahe-Biene mit dem netten Nachnamen Sch\u00e4tzle erhalten hatte. Einige literarische Sch\u00f6nschrift-Passagen, die aus einem Poesiealbum herr\u00fchrten, konnte der angehende Schriftsteller gut \u00fcbernehmen. Au\u00dferdem hatte er ja anl\u00e4sslich seiner Englandreise gelernt, dass offene Zurechtweisung besser ist als versteckte Liebe. Ehrlich gesagt begann er, die hei\u00df umworbene Firmeninhaberin immer mehr zu m\u00f6gen. Erst recht bei dem Gedanken an ihr Bentley Continental Cabrio, an die Princess 66-Motorjacht am Genfer See und nat\u00fcrlich an das vor kurzem geerbte Immobilienverm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Jonathan bekam den Auftrag, anl\u00e4sslich ihres drei\u00dfigsten Geburtstags einen Blumenstrau\u00df im Namen der Sandbank Denkenstadt eG zu \u00fcberbringen. Von dem sein bestes gebenden neunzig j\u00e4hrigen Butler James durch den Sicherheitstrakt der Prachtvilla geschleust, begegnete der Geschenk\u00fcberbringer dem Ministerpr\u00e4sident von Bayern. Der Schwarzw\u00e4lder, katholisch b\u00fcrgerliche Bauernakademiker, kannte diesen Luxus schon vom SDR-SWF-VIP-H\u00f6henhotel-Fernsehen. Die bestechend aussehende Maria M\u00fcller bot ihren Verehrern l\u00e4chelnd ein Glas LVMH \u201eLa Grande Dame\u201c Champagner und den ersten Gang ihres Geburtstagsmenues \u201eFroschschenkel in Knoblauchbutter\u201c an. Die meisten G\u00e4ste kamen erst sp\u00e4ter. Nach einem phylosophischen Smalltalk mit dem jesuitischen Kreuz-Buben \u00fcber das liebe Geld bemerkte der angeblich fastende Herz-Bube Jonathan gegen\u00fcber der Trumpf-Dame: \u201eOh, bevor ich es vergesse, ich habe zu ihrem Geburtstag etwas f\u00fcr sie gedichtet.\u201c Er zog den rosa Brief aus seiner Sakko-Tasche und k\u00fcsste verabschiedend die Hand der vielseits verehrten, vergn\u00fcgten, gro\u00dfen und gn\u00e4digen Frau.<\/p>\n<p>Was w\u00fcrde wohl bei dem in der kommenden Woche anberaumten Beratungsgespr\u00e4ch, das sie gemeinsam mit ihrem neuen Financial Consultant bei ihm f\u00fchren wollte, herauskommen? Jonathan kam sich wie eine Kreuzung aus begossener Pudel mit dummer Esel vor, als der Aufsichtratsvorsitzende Karl Kempe sich als am Geburtstag frisch verlobter Verm\u00f6gensverwalter vorstellte. Anhand des Gespr\u00e4chverlaufs und Marias zuzwinkernden Blicken meinte der blamierte Schmarotzer zu erkennen, dass sie den schmeichelhaften, rosa-blumigen Ann\u00e4herungsversuch als Geheimnis h\u00fctet. Nichts desto trotz verlor der t\u00fcchtige Banker eine H\u00e4lfte ihrer Sichteinlagen nach heftigsten Abwehrbem\u00fchungen an eine viel lichtgebende, steinreiche Landesbank, die die Knete in einen am US-Immobilienmarkt investierenden Hedgefonds ummodelte. Die verbleibende andere H\u00e4lfte wurde, wie Jonathan sp\u00e4ter aus geheimen Unterlagen erfuhr, in Eisenbahnerwohnungen investiert und f\u00fcr t\u00fcr\u00f6ffnende Parteispenden verwendet. \u00dcber den smarten Burschen Karl, der gleichzeitig ein erfolgreicher Immobilienmakler war, gab es kurze Zeit sp\u00e4ter in der Presse wegen zwielichtiger Immobilien-Gesch\u00e4fte mit der Scientology Sekte Ger\u00fcchte, er w\u00fcrde selbst zu diesem sich als Kirche bezeichnenden Verein geh\u00f6ren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan erinnerte sich an die Worte \u201eTrachte zuerst nach dem Reich Gottes und nach seiner Gerechtigkeit\u201c. Einen kleineren Bibelfernkurs in den USA hatte er schon erfolgreich abgeschlossen, und nun wollte er eine englischsprachige Vollzeit-Bibelschule absolvieren. Sein CVJM-Fu\u00dfballfreund Tobi Veigel schw\u00e4rmte immer von einem Masters-Commission-Traingsprogramm in Ph\u00f6nix\/Arizona, das er selbst besucht hatte. Tobi erz\u00e4hlte, dass er f\u00fcr den bekannten Pastor Tommy Barnett in Stuttgart einmal ein Mitnahme-Essen vom Wienerwald besorgt h\u00e4tte. W\u00e4hrend einer Veranstaltung des Jesus-Treffs erw\u00e4hnte der US-Amerikaner Barnett, dass er anstelle Sp\u00e4tzle mit Saitenw\u00fcrstle gerne einmal ein Wiener Schnitzel mit Pommes probieren m\u00f6chte, welches Veigel prompt besorgt hatte. Daraufhin h\u00e4tte ihn der \u00fcberraschte Gastredner eingeladen nach Ph\u00f6nix zu kommen. Tobi w\u00e4re dort so liebensw\u00fcrdig aufgenommen worden, dass er ein Jahr lang umsonst privat untergekommen sei und im Gegenzug als Musiklehrer und im K\u00fcchendienst mitgeholfen hatte. Nun hatte Jonathan vor, die First Assemblies of God Gemeinde an Fasching, anl\u00e4sslich eines Vorstellungsgespr\u00e4chs zu besuchen. Jonathan verkaufte seinen Mercedes-Benz Jahreswagen, da sich auf seine Annonce in der Stuttgarter Zeitung sofort ein polnischer Goldschmied aus Pforzheim als K\u00e4ufer gemeldet hatte, der nicht gl\u00fccklich mit dem Wagen wurde, da er ihm schon beim ersten Heimatbesuch gestohlen wurde. Seine aus dem Fenster schauende Vermieterin konnte den Handel nicht begreifen, aber die vierhundert Meter zur Volksbank legte er sowieso immer zu Fu\u00df zur\u00fcck. Jonathan wusste, dass ein Kraftfahrzeug gerade in dem erfolgreichsten Autoerfinderland der Erde zum G\u00f6tzen werden konnte, denn er schrubbte und polierte seinen blau-metallic lackierten C-Klasse Kombi mit dem blitzenden Stern-Logo w\u00f6chentlich. Die Witwe, die dieses Treiben immer beobachtet hatte bezeugte im doppelten Sinn: \u201eNun haben sie ihr Herzallerliebstes verloren.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan genoss von seinem Fensterplatz aus dem Boing 747 Jumbojet heraus den herrlichen, Ehrfurcht einfl\u00f6\u00dfenden Ausblick auf den Grand Canjon. Er dachte sich, wenn es mit einer Engl\u00e4nderin nicht geklappt hat, dann wird es vielleicht eine Amerikanerin. Bobbi Zimmermann, die junge deutschst\u00e4mmige Sekret\u00e4rin der Bibelschule, hatte ihn stark animiert zu kommen. Sie war \u00e4u\u00dferst freundlich am Telefon und hatte ihm viele Unterlagen, die auch Photos der Mitarbeiter enthielten, zugeschickt. Nat\u00fcrlich w\u00fcrde die zuverl\u00e4ssige Planerin alles f\u00fcr ihn arrangieren, er solle sie nur im B\u00fcro aufsuchen. Um achtzehn Uhr Ortszeit war der Atlantik\u00fcberflieger mit gro\u00dfer Versp\u00e4tung in einem gelben Taxi am Bibelschulb\u00fcro angekommen. Die l\u00e4nger als prognostizierte Reisezeit f\u00fcr den sich groggy f\u00fchlenden Deutschen betrug achtzehn Stunden. Leider waren die T\u00fcren des Gemeindeb\u00fcros verschlossen und niemand zu sehen. Jonathan war sich zuvor sicher, eine Privatunterkunft zu bekommen. Er glaubte Gottes sanfte Stimme in seinem Herzen geh\u00f6rt zu haben, genauso freundlich wie sein Freund Tobi empfangen zu werden. Doch nun musste er sich mit dem Taxi-Cap in ein Hotel bringen lassen. Barbara, seine Chauffeurin war eine reizende Frau, die zuf\u00e4llig selbst der First Assemblies of God Church angeh\u00f6rte. Ihr Autophone benutzend sprach Barbie ihrem kameradschaftlichen Freund Charlie etwas auf seinen Anrufbeantworter auf, bis dieser doch das Telefon abnahm, um Jonathan in seinem zehn Meilen entfernten Haus aufzunehmen. Dort angekommen schlief Jonathan nach einem kurzen Kennenlernen sofort auf der Couch im Wohnzimmer ein. Somit konnte er sich von den Strapazen der langen Reise gut erholen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag kletterten die Temperaturen auf anomale drei\u00dfig Grad. Ein Untermieter von Charlie, der Motorrad-Evangelist Brian Tate lud Jonathan ein, sich in den k\u00fchleren Morgenstunden ein erstes Bild von dem an der Cave Creek Road gelegenen Gel\u00e4nde der First Assemblies of God Gemeinde zu machen. Nachdem die Honda Gold Wing auf einem der vielen Parkpl\u00e4tze abgestellt war, konnte sich der Besucher ein besseres Bild der gesamten Anlage der Kirche mit Herz machen. Das moderne achteckige Gottesdienstgeb\u00e4ude war riesig f\u00fcr deutsche Verh\u00e4ltnisse, denn es bot Platz f\u00fcr viertausend Personen. Die laufend bespr\u00e4nkelte Parkanlage, die Turnhalle und der Kindergarten hinterlie\u00dfen auch einen guten Eindruck bei dem Immobilien-Gutachter. Brian wollte an diesem Morgen an der Bibelschule unterrichten und zeigte dem deutschen Sch\u00fcler die dazugeh\u00f6rigen B\u00fcrogeb\u00e4ude. Dort angekommen lernte Jonathan Fischer die bedauerlicherweise bereits verheiratete Bobbi Zimmermann und den Leiter der Bibelschulen Chris Immend\u00f6rfer kennen. Chris wollte aufgrund seiner langj\u00e4hrigen Zeit bei Jugend mit einer Mission (JMEM) in Deutschland seine Fremdsprache wieder auffrischen. Er unterhielt sich eine Stunde lang mit Jonathan, indem er von seinen Missions-Aufenthalten w\u00e4hrend und nach den Olympischen Spielen 1972 in M\u00fcnchen berichtete. Er war der Leiter der Evangelisationsschule auf dem neu erworbenen Schlo\u00df in Hurlach, bis er die Bibelschularbeit beim JMS Jugend-, Missions- und Sozialwerk Altensteig jahrelang mitorganisierte. Wenn Jonathan More of God erfahren m\u00f6chte, solle der Fernbibelstudiumabsolvent nicht nur Masters Commission, sondern auch Pastors School kennen lernen. Das Angebot von Chris, w\u00e4hrend der Woche umsonst zur Probe an den Unterrichtseinheiten der J\u00fcngerschafts- und Pastorenschulen teilzunehmen, war phantastisch. Als Fischer sich in den Klassen umsah, f\u00fchlte er sich an seine Zeit des Albanienurlaubs zur\u00fcckversetzt. Die Studenten empfingen ihn herzlich, und vor allem die ihn umarmenden Studentinnen besa\u00dfen ein entgegenkommendes Wesen. Anstelle den Unterricht an der Tafel zu verfolgen, verfingen sich Jonathans Blicke in unversch\u00e4mter Weise immer wieder an den zuk\u00fcnftigen Klassenkameradinnen. Der Erweckungsprediger Brian Tate bemerkte dies, und schlug ihm vor, am Abend zum Bowling, anl\u00e4sslich eines Singlemeetings mitzukommen. Brian, der die Unterrichtseinheit \u00fcber Evangelisation leitete, war ein cooler Typ, der am Ende der Stunde seine King-James-Bibel wie ein schlagendes Schwert in den gestreckten Arm nahm und dazu den auswendigzulernenden Vers: \u201eIch vermag alle Dinge zu tun, durch Christus, der mich st\u00e4rkt\u201c, proklamierte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am Abend machte sich die Wohngemeinschaft auf den Weg in die Bowlinghalle. Der Hausherr und Polizist Charles Pugliese hatte ein besonderes Herz f\u00fcr Menschen. Ein dunkelh\u00e4utiger junger Mann namens Creflo Shomari Obama bettelte vor der Sportanlage um ein Change (Wechselgeld), da er trotz Job als Schuhverk\u00e4ufer von seinem Landlord Herbert Walker aus seiner Baracke herausgeworfen wurde und auf der Stra\u00dfe gelandet war. Der warmherzige Charlie lud ihn nicht nur zum Bowling, sondern auch zu sich nach Hause ein, um \u00fcbergangsweise Zuflucht nehmen zu k\u00f6nnen. Der kraftvolle Brian traf an diesem Abend mehrmals alle Neune, besser gesagt ihm gelang ein Strike nach dem anderen mit den zehn Pins (Kegeln). Sein gekonnter Approach (Anlauf) f\u00fchrte tats\u00e4chlich zu erfolgreichen Ann\u00e4herungsversuchen bei einer neuen, sp\u00e4rlich bekleideten Flamme namens Sharon. Mein lieber Scholli, dachte sich Jonathan, denn so eine langbeinige, langhaarige Blondine hatte er sich selbst ertr\u00e4umt. Komischerweise freundete sich der heterosexuelle Europ\u00e4er an diesem Verkuppelungstreffen nicht mit einem hellh\u00e4utigen M\u00e4dchen, sondern mit einem dunkelh\u00e4utigen J\u00fcngling an. Dieser l\u00e4ssige Obama war ihm sofort symphatisch und hatte ein witziges loses Mundwerk, dem er stundenlang zuh\u00f6ren konnte.<\/p>\n<p>Auf dem Nachhauseweg in Charles kantigem Chevrolet Caprice diskutierten die vier Junggesellen kr\u00e4ftig um den hei\u00dfen Brei herum, was sich in dem als Quartier dienenden Einfamilienhaus bei einem verflixten Monopoly-Spiel fortsetzte. Dummerweise gab in dieser Nacht die Klimaanlage des eingeschossigen Holzhauses aus dem Park Place ihren Geist auf. Deshalb nahm Jonathan nach dem Quaker Cornflakes Fr\u00fchst\u00fcck die Einladung von Creflo gerne entgegen, ihn zu seiner Arbeitsst\u00e4tte in eine riesige Paradise Mall zu begleiten. Die neuen Freunde stiegen in einen der vielen Busse, w\u00e4hrend Jonathan den Fahrer bewundernd beobachtete, wie dieser mit Leibeskr\u00e4ften einen Rollstuhlfahrer mit einem Lift hinaushiefte. Creflo Obama war ein Angestellter mit ausgepr\u00e4gtem Verkaufstalent im gr\u00f6\u00dften Einkaufszentrum von Ph\u00f6nix. Jonathan bemerkte, dass er ein Fan von J\u00fcrgen Klinsmann sei, worauf er eine komplette Fu\u00dfballausstattung mit der R\u00fcckennummer 18 von Bayern M\u00fcnchen zum Schlu\u00dfverkaufspreis eingepackt bekam. Eigentlich wollte er ja nur ein paar Fu\u00dfballschuhe f\u00fcr sein w\u00f6chentliches Training in der Halle besorgen. Aber so konnte er sich anl\u00e4sslich seiner CVJM- und Jesus-Treffen besser an Tobi angleichen, der als Brasilienfan immer mit einem verschwitzten, handsigniertem Marcelo Bordon Trikot herumrannte. Aufgrund des g\u00fcnstigen Dollarkurses hatte Fischer sowieso einen Tag zum Einkaufen eingeplant und langte so kr\u00e4ftig zu, dass er die Einkaufst\u00fcten gar nicht alleine ins Quartier tragen konnte. Auch daf\u00fcr fand sich eine L\u00f6sung, denn am Abend w\u00fcrde der Verkaufsmanager Clinton seinen Angestellten Obama pers\u00f6nlich mit den frisch erworbenen G\u00fctern ins neue Heim bringen.<\/p>\n<p>Der erfolgreiche Fischer wollte wie gew\u00f6hnlich die Kurse seiner VW-Optionsscheine kontrollieren, weshalb er in Downtown eine Citibank-Hochhausfiliale aufsuchte. Als er sich im Parterre an einem schwer bewaffneten W\u00e4chter vorbei durch ein ungewohntes Warteschleifensystem mit wei\u00dfen B\u00e4ndern durchgek\u00e4mpft hatte, konnte ihm die Berufskollegin am Schalter zun\u00e4chst nicht weiterhelfen. Die sein Anliegen nicht begreifende Servicekraft wollte ihn zun\u00e4chst zu einer Alamo-Autovermietung schicken. Dann bekam der Car-Sharer eine halbe Stunde sp\u00e4ter einen Termin in einem h\u00f6her gelegenen Beraterb\u00fcro zugeteilt. Nachdem er eine vorgeschriebene Ziele- und W\u00fcnscheanalyse mit zwanzig Fragen beantwortet und unterschrieben hatte, teilte er seinem jungen Gegen\u00fcber mit, dass er als Tourist eigentlich nur einen Wertpapierkurs erfragen m\u00f6chte, die vielen bunten PC-Bilder und die Bankensoftware gegen\u00fcber deutschen Verh\u00e4ltnissen aber sehr fortschrittlich seien. Die sechsstellige Wertpapierkennummer lie\u00df sich in der gewohnten Systemumgebung allerdings nirgends eingeben. Deshalb nahm Jonathan das Angebot gerne an, sich selbst vor die Internet-Kiste zu setzen und dem Greenhorn eine Lehrstunde, \u00fcber die Kursabfrage auf Onvista zu erteilen. Leider waren seine Turboscheine immer noch nicht in Fahrt gekommen. Daf\u00fcr ergab sich am Abend eine phantastische M\u00f6glichkeit f\u00fcr eine geile Spritztour.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Brian Tate erz\u00e4hlte beim Abendessen, dass er am n\u00e4chsten Tag gemeinsam mit seiner neuen Bekanntschaft Sharon nach Las Vegas f\u00e4hrt, um ihren dort befindlichen Wohnwagen nach Ph\u00f6nix zu \u00fcberf\u00fchren. Der Ordnungsh\u00fcter Charlie, bei dem das Telefon nur zweimal klingelte, bevor der Anrufbeantworter einschritt, weil ein in psychatrischer Behandlung befindlicher, stalkenden, pausenlos anrufender Sch\u00fctzling ihn f\u00fcr Gott hielt, war pl\u00f6tzlich ganz Ohr. Es entwickelte sich ein heftiger Streit zwischen Pugliese und Tate, da es in religi\u00f6sen Kreisen verp\u00f6nt war, sich so schnell zu einem Date alleine zu treffen. Brian behauptete, dass Jesus ihm pers\u00f6nlich in der vergangenen Nacht gezeigt habe, dass das singende Fotomodell Sharon seine Frau wird. Der grinsende Creflo zog eine abgegriffene Penthouseausgabe mit einer Sharon Farrow auf der Titelseite aus seinem Kulturbeutel hervor, die Jonathan gerne l\u00e4nger fixiert h\u00e4tte. Der Spielverderber Charlie w\u00fcrdigte der architektonisch ideal Gebauten einen kurzen Blick, ehe er das Magazin zerrei\u00dfend in den M\u00fclleimer warf, obwohl der neugierige Brian das anz\u00fcgliche Titelfoto gar nicht zu Gesicht bekommen hatte. \u201eWenn sie wirklich von Gott f\u00fcr dich bestimmt ist, wirst du sie schon noch nackt sehen. Im Moment ist sie aber eher eine giftige Schlange, als eine verf\u00fchrende Eva f\u00fcr dich\u201c, lautete sein gut gemeinter Ratschlag. Nun mischte sich Jonathan ein, der im Vorfeld \u00fcberlegt hatte, mit einem Mietwagen den Grand Canjon zu besichtigen oder Las Vegas zu besuchen. \u201eTake it easy, no Problem, wenn Jonathan als Aufpasser mitkommt. Auf dem gef\u00e4hrlichen Missionsfeld in Albanien habe ich mich erfolgreich mit der Mafia gepr\u00fcgelt und mein Leben riskierend acht Frauen vor dem Tod bewahrt\u201c, prahlte der Mutige. Das nahm die Hitze aus der Diskussion, obwohl die Luftk\u00fchlung der h\u00e4uslichen Brutst\u00e4tte immer noch ausgefallen war.<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen fuhr ein schwarz-wei\u00dfes Monstrum eines Dodge Ram 3500 Pickup vor, das aussah wie ein Mischung aus einem Scheriffs- und Teufelsfahrzeug, weil zwei wei\u00dfe Pentagramme die Seitent\u00fcren, ein airgebrushter Sensenmann die Motorhaube und H\u00f6llenfeuerimitationen die \u00fcberdimensionalen Kotfl\u00fcgel verzierten. Der ultimative Allradbolide besa\u00df einen acht Liter Hubraum fassenden Zehnzylindermotor mit einem Drehmoment von siebenhundert Newtonmeter. Die beiden M\u00e4nner kamen sich pl\u00f6tzlich ganz klein vor und staunten um die Wette, als die nicht viel mehr als einen Minirock tragende Sharon die erh\u00f6hte Kabinent\u00fcr \u00f6ffnete und demonstrativ mit dem Z\u00fcndschl\u00fcssel winkte. Der die hintere B\u00fcffelleder-R\u00fccksitzbank als Liege nutzende Jonathan hatte seinen Hugo Boss Kaschmir-Nadelstreifen-Anzug angezogen, weil er immer schon davon tr\u00e4umte, in Las Vegas auf die Spielbank zu gehen. Der \u201eblinde Simson\u201c Wagenlenker \u201eBen Tate\u201c hatte als demonstratives Kontrastprogramm seine dicke \u201eBikers for Christ\u201c Lederkluft angezogen. Die kr\u00e4ftige Klimaanlage k\u00fchlte nicht nur das Auto, sondern auch die Getr\u00e4nke in einer Minibar. Jonathan berauschte sich an einer Pepsi und dem unendlich guten Klang der riesigen Infinity-Kappa-Reverence-Lautsprecher, wobei Brian von dem melancholischen St\u00fcck \u201eThe Ballad of Lucie Jordon\u201c von Marianne Faithfull gar nicht so fasziniert war wie Fischer und Farrow. \u00dcberhaupt verfinsterte sich der Gesichtsausdruck von Brian immer mehr. Er wollte sich n\u00e4mlich nicht davon \u00fcberzeugen lassen, einen kleinen nicht vereinbarten Abstecher \u00fcber die Route 66 nach Sedona zu machen. Die einfache Fahrstrecke wurde dadurch von dreihundert auf vierhundert Meilen erh\u00f6ht. Umso besser empfand der auf der R\u00fcckbank sitzende Aufpasser Jonathan, dass er durch einen demokratischen Mehrheitsbeschluss das Z\u00fcnglein an der Waage spielen konnte. Die W\u00fcstenlandschaft mit den vielen Kakteen und H\u00fcgeln empfand der Urlauber genauso atemberaubend, wie den blubbernden Motorsound des dreiundzwanzig Liter schluckenden, sechs Meter langen Unget\u00fcms.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Nach zwei Stunden war die unterschiedlich bekleidete Reisegruppe am Diablo Hotel von Sedona angekommen. Sharon, die eine atemberaubende durchsichtige Bluse mit einem BH, der eigentlich keiner war, trug, wollte ein paar pers\u00f6nliche Sachen aus dem schmuddeligen Zimmer eines Freundes abholen und bat die zwei Gentlemen, ihr beim Tragen eines antiken Tisches mit Ouija Board behilflich zu sein. Der mit einer Magnum salutierende Sch\u00fcrzenj\u00e4ger Hunter, der die T\u00fcr \u00f6ffnete, hatte so ziemlich den fiesesten Gesichtsausdruck, den Jonathan je wahr genommen hatte. Zum Gl\u00fcck entspannte sich die Lage schnell. Das am ganzen K\u00f6rper mit Hells Angels und Schlangen Tattoos t\u00e4towierte Unikat brach in lautes Lachen aus, als es den Schriftzug auf Brians Motorradjacke sah. \u201eSo du m\u00f6chtest also das Lager wechseln und mit einem Guru rumhuren. Na, willst du zum Abschied nicht einen Joint mit mir rauchen und es dir nochmal \u00fcberlegen?\u201c, war sein sarkastischer Kommentar, als er seine fette, s\u00fc\u00dflich qualmende Zigarette entgegenstreckte. \u201eNein, ich mache endg\u00fcltig Schluss und will mein Witchboard zur\u00fcckhaben\u201c, war ihre resolute Antwort. Die darauf folgenden Handgreiflichkeiten erinnerten den Zuschauer Jonathan wiederum an seinen Albanienurlaub, nur dass diesmal die gegnerische Partei durch einen vom Prediger versetzten Ko-Schlag zu Boden ging. Die drei Eindringlinge suchten schnell das Weite. Der beunruhigte Schl\u00e4ger Brian wollte die Fahrt sofort fortsetzen, aber Farrow bestand darauf, dass sie ein paar vorbestellte divinatorische Thoth-Tarot Karten aus ihrem Lieblingsladen abholen muss. \u201eHaben die Dinger nicht alle die gleichen bunten esoterischen Bilder?\u201c, fragte sich Jonathan in seinem schw\u00e4bischen Akzent selbst. Das erregte die Aufmerksamkeit zweier Antwort erteilender deutscher Landsleute, die ihn beim Inspizieren dieses achtundsiebzig Blatt fassenden Crowley-Kartendecks beobachtet hatten. Elymas und Magdalena kamen zuf\u00e4llig auch aus Stuttgart und freuten sich gemeinsam mit ihm dar\u00fcber wie klein die Welt ist. Der smarte Anzugtr\u00e4ger Jonathan wollte gerade erl\u00e4utern, dass er wegen einer geistlichen Fortbildung in die USA gereist sei, als das ebenfalls schwarz gekleidete, riesige Anch-Kreuz tragende Gothic-P\u00e4rchen ihm ins Wort fiel und erkl\u00e4rte, dann m\u00fcsse er unbedingt l\u00e4nger hier im elektrisch wirbelnd, spiralisch energieverbundenen Vortex Gebiet von Bell Rock bleiben. Der ehemalige Physik-Leistungskursler, der wenig Vorstellung davon hatte was sie meinten, erkl\u00e4rte, seinen schwebenden Fu\u00df an eine vergessene Werkzeugkiste anschlagend, dass er es transrapid eilig habe, und er sich die magischen Magnetfelder gerne einmal versuchsweise im mystischen Emsland von ihren Anch-W\u00fcnschelruten anzeigen l\u00e4sst. Die Zeit dr\u00e4ngte. In einem KFC Drive-in Restaurant besorgte die strippende Strohwitwe drei gebratene H\u00fchnchen und h\u00e4tte sich gerne mit ihrem Pfeife rauchenden Lehrer Wilhelm Bolte l\u00e4nger unterhalten, doch die zwei im Auto wartenden, gelangweilten Spitzbuben wollten ihre n\u00e4chsten Streiche sogleich fortsetzen. Tats\u00e4chlich w\u00e4re es bei der Abfahrt schier zu einer weiteren Schl\u00e4gerei gekommen, als Brian die Scheibenwischanlage zu stark bet\u00e4tigte und damit die in ihrer Mittagspause unter einem Maik\u00e4ferbaum picknickenden Schneider, B\u00e4cker und Bauern nass spritzte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Gott sei Dank ging die sechsst\u00fcndigen Fahrt bald vorbei. Das dritte Rad am Wagen, versuchte von Sharon zu erfahren, warum sie zum christlichen Kegeltreff gekommen ist und wie lange sie schon an Gott glaubt. \u201eEine Ewigkeit lang\u201c, bekam der R\u00fcckb\u00e4nkler von der wortkargen Beifahrersch\u00f6nheit, die gerade das Beatles-Lied \u201eHelter Skelter\u201c auf dem 6-Fach-CD-Wechslerradio programmierte, als Antwort. Jonathan f\u00fchlte sich nach langer, \u00fcber dem Speedlimit erlaubten, kerzengerader Fahrt wie James Dean, der in seinem Porsche 955 Spyder ebenfalls durch die amerikanische Pr\u00e4rie krachte. Ein Motorradkonvoi hatte sich ihnen auf dem verlassenen Highway klammheimlich angeschlossen und war dabei, sie lautstark zu \u00fcberholen. Mit panischer Angst ergriff Brian sein Handy und rief den selten sofort ans Telefon gehenden Charlie an. Er heulte ihm Bu\u00dfe tuend auf dem Ignis-Anrufbeantworter vor, dass er in allem Recht gehabt hatte und nun dringend sein Gebet ben\u00f6tigte, weil es um Leben und Tod ginge. Jonathan folgerte, dass der Polizist und christliche Psychotherapeut einen weiteren gest\u00f6rten Patienten in seine Telefonwarteschleife dazu bekommt.<\/p>\n<p>Doch wieder einmal wurde der starke Held, dieser Lebensfiktion, in einem Auto sitzend von der Stra\u00dfe gedr\u00e4ngt. An einer der gespenstisch wirkenden, einsamen Stra\u00dfenkreuzungen bogen sie mehr oder weniger freiwillig von dem weiten Highway auf einen schmalen Feldweg ab. Diesmal wurden sie von einer Milit\u00e4rhelme tragenden, schwarz-olivgr\u00fcnen Schar von neunundrei\u00dfig Gangmitgliedern umzingelt. Die schwenkenden Feuerrohre, der sie bedrohenden Pump Up-Gewehre, signalisierten eine Einladung zum Small Talk. Beim erzwungenen Aussteigen triefte der Schwei\u00df von Jonathan hinunter, was nicht unbedingt an seinem f\u00fcr diese Gefilde zu warmen Ziegenwolleanzug lag. Brian, der dabei war die Regie zu verlieren, h\u00e4tte seine Verbundenheit zu dem sich aus Vorsicht von ihm scheidenden Superweib gerne l\u00e4nger ausgekostet. Der an seiner Seite stehende Jonathan zog es vor zu schweigen, w\u00e4hrend sein br\u00fcderlicher Todeskandidat ein letztes Mal schreiend betete: \u201eDon\u00b4t touch her. No weapon that is formed against us shall prosper \u2013 R\u00fchr sie nicht an. Keine Waffe, die sich gegen uns erhebt wird Erfolg haben\u201c, worauf der erste Schuss auf ihn aus der Magnum von Sonny Hunter erschallte. Der sich wie der arme Lazarus vorkommende Jonathan meinte, wie ein schweigendes Lamm abgeschlachtet zu werden, als der grinsende Hunter abermals den Trigger mit dem Zeigefinger bet\u00e4tigte und ihn zun\u00e4chst verfehlte. Ein K\u00f6nigreich w\u00fcrde der wie ein verschrecktes Pferd davon galoppierende Glaubensheld daf\u00fcr geben, wenn er heil an die Solitude heimkehren d\u00fcrfte, um den ungl\u00e4ubigen Davidson anfingernden Bruder Thomy (Hilf Finger) vor den gef\u00e4hrlichen Harley-Gartenger\u00e4ten seiner lieben US-Motorradkumpels zu warnen. Doch seine letzten W\u00fcnsche lie\u00dfen sich nicht mehr testierend festhalten. Daf\u00fcr konnte er pl\u00f6tzlich die Geschichte vom reichen Mann und dem armen Bettler unendlich gut verstehen. F\u00fcnf Sch\u00fcsse wurden auf den Todeskandidat abgefeuert, der sich vor kam, wie ein in die W\u00fcste geschickter S\u00fcndenbock, aber vorzog wie ein Kaninchen Haken zu schlagen. Der au\u00dfer Puste geratene Jonathan rechnete damit, dass nun alles schwarz um ihn herum w\u00fcrde, oder dass er sp\u00fcrt, wie seine Seele den K\u00f6rper verl\u00e4sst. Stattdessen erschallte ein lautes Gel\u00e4chter der schwarzen Witwe, ihres zum Fressen gern habenden Ex-Br\u00e4utigams und der Bikercrew. Der wagemutige deutsche Aufpasser hatte sich von Platzpatronen ins Bockshorn jagen lassen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201eDarling, du hast deine unter dem Bett befindliche Reisetasche vergessen. Ich mach mit dir jede Wette, dass du Morgen wieder mit unserem Wagen zur\u00fcck bist\u201c, waren die Worte des Bandenbosses, ehe die Motorradschlange weiter ihre Kreise zog. \u201eMan erntet was man s\u00e4t!\u201c, lautete der trockene Kommentar des, ans Lenkrad steigenden, seines schlechten Gewissens erleichterten, Bibellehrers. Sein Sch\u00fcler hingegen h\u00e4tte zu gerne gewusst, was in der schweren Tasche war, welche die zerbrechliche Sharon m\u00fchsam auf die Ladefl\u00e4che des Pick Ups hiefte. Seine Hilfe ablehnend bekam er wieder keine Antwort von der schweigsamen S\u00e4ngerin. Daf\u00fcr gab sie, als sie die Fahrt fortsetzten, die Auskunft warum sich ihr Wohnwagen in Las Vegas befand. Sie h\u00e4tte die weibliche Hauptrolle des abgesetzten Musicals \u201eTanz der Vampire\u201c gesungen und behauptete, bald in Ph\u00f6nix ihre Premiere als Schauspielerin in einer Nebenrolle bei der Wiedergeburt des Horrorfilms \u201eRosemaries Baby\u201c zu starten. \u201eJesus Christus hat den Kopf der Schlange ein f\u00fcr allemal zertreten, egal wie oft die Filmindustrie den Antichrist wieder zur Welt kommen l\u00e4sst\u201c, war der Kommentar des zu alter Form auflaufenden Brian. \u201eWenn das so ist, dann kannst du Komiker ja als Jesus beim Remake von das Leben von Brian mitwirken\u201c, war die Retourkutsche von Sharon Tate. Verzeihung Fehlerteufel! Noch hie\u00df die Zuk\u00fcnftige ja Sharon Farrow.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Himmel verfinsterte sich, denn ein Unwetter zog herauf. Im Autoradio gab es eine Hurrikan-Warnmeldung, als das Team vor den Toren von Las Vegas in Hellfire Valley am dreizehn Meter langen Maxi-Schlafanh\u00e4nger angelangt war. Durch den str\u00f6menden Regen den Felsboden schnell \u00fcberquerend begriffen die M\u00e4nner, warum ein Zugmaschinen-Monster-Truck als Esel ben\u00f6tigt wurde. Jonathan musste in dem feudalen Badezimmer des Wohncontainers Pipi machen, w\u00e4hrend Brian das kostbare Mahagoni-Mobiliar und die f\u00fcnfzigtausend Silberdrachmen teure Plattensammlung inspizierte.<\/p>\n<p>Das traute Paar stritt sich schon wieder heftigst. Brian hatte behauptet, dass Farrow eine Hexe w\u00e4re und befehlend geschrien, dass eine Legion von D\u00e4monen aus ihr ausfahren soll. Sharon fand das gar nicht komisch und manifestierte heftigst, denn als Jonathan gerade die Klot\u00fcr \u00f6ffnete, sah er sie zitternd mit einem Fleischermesser auf Brians Brustkorb einstechen. Diesmal proklamierte der als Aufpasser mitgereiste Bibelsch\u00fcler Jonathan den \u201ekeine Waffe wird es gelingen Vers\u201c aus dem 54. Kapitel von Jesaja. Wie konnte Brian nur so cool bleiben und sich \u00fcberhaupt nicht wehren? Die hysterische Schlampe hatte doch immer wieder mit dem Mordinstrument, das gewiss nicht aus Gummi war, gegen ihn ausgeholt. Doch es sah so aus, als ob sie gegen eine Wand anrennt. Brian behauptete nun k\u00fchn: \u201eSweetheart, vertraue mir, Jesus hat mir im Traum gezeigt, dass wir heiraten und drei Kinder haben werden.\u201c Das blonde Fotomodell sank zu Boden und brach in Weinen aus. \u201eSo einfach ist das nicht. Ich habe mich mit meinem Blut dem Teufel verschrieben. Seine h\u00f6llischen oder irdischen Untertanen kriegen mich fr\u00fcher oder sp\u00e4ter\u201c, war die Bef\u00fcrchtung der okkult belasteten Satanistin.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zu dem unheimlichen Donner gesellte sich drau\u00dfen ein weiteres Furcht erregendes Grollen. Jonathan d\u00e4mmerte Schreckliches. Er zog die Vorh\u00e4nge zur Seite, um die vom Himmel zum Erdboden reichende Windhose eines auf sie zu bewegenden Tornados zu ersp\u00e4hen. Der ebenfalls aus dem Fenster blickende Brian besa\u00df die Ruhe an sein klingelndes Handy zu gehen. Er bat den anrufenden Charlie, mit ihm gemeinsam die Macht des Teufels \u00fcber den Wirbelsturm zu binden. Darauf begann noch, die Erde zu beben, so dass der H\u00f6llenort erzitterte und sich direkt vor der Eingangst\u00fcr eine Felsspalte \u00f6ffnete. Der erfahrene Charlie befahl am Telefon, alle okkulten Gegenst\u00e4nde zu vernichten, was Brian sofort umsetzte, indem er die schwarzen Vinylscheiben mit einem Hammer zertr\u00fcmmerte. Jonathan beobachtete wie der wirbelnde Twister des blitzenden Sturms sie sechs Mal umkreiste, bis er auf Gehei\u00df auch mit half, die heftigen Widerstand leistenden Schallplatten mit den F\u00fc\u00dfen zu zerbrechen. Oh Mann das tut weh. Da sind doch nicht nur blutverschmierte Aufnahmen von Slayer oder Iron Mayden, sondern auch die geliebten Rolling Stones, Guns N\u00b4Roses und Metallica Mitschnitte dabei. Sich selbst durch Splitter am Ohrl\u00e4ppchen und im Gesicht verletzend, lie\u00df sich Brian in seiner Zerst\u00f6rungswut trotzdem nicht bremsen, bis das Vernichtungswerk getan war. Der alles fort blasende Orkan bedrohte sie jedoch immer noch, als Charlie am Telefon ein verr\u00fccktes Wort der Erkenntnis bekam. Sie m\u00fcssten in das w\u00fctende Unwetter hinaus gehen, denn die verfluchtesten Dinge w\u00fcrden sich im Auto befinden. Jonathan, der beim Aussteigen schier in die Felsspalte abgest\u00fcrzt w\u00e4re, versprach sich um die Helter Skelter CDs zu k\u00fcmmern. Brian zertr\u00fcmmerte den antiken Tisch auf der Ladefl\u00e4che und zerst\u00f6rte das Witchboard. Sharon nahm am ganzen Leib zitternd ihre schwere Reisetasche von der Ladefl\u00e4che und schien sich in selbstm\u00f6rderischer Absicht, damit in die vor dem Wohnwagen aufgetane Felsenkluft st\u00fcrzen zu wollen. \u201eWas ist in der Tasche drin?\u201c, wollte der sie am Arm packende, hinzugekommene Liebhaber wissen.<\/p>\n<p>Der Wind wurde so stark, dass der Luxuscamper umgerissen und achtundsiebzig Meter durch die Luft geschleudert wurde. Beim Aufprall auf dem Boden explodierte der Gastank und entfachte ein lichterlohes Feuer im Campingwagen. Jonathan beobachtete das Naturschauspiel aus dem Cockpit des Kraftstoff fressenden Dodge Ram Monsters und erwartete das selbe Schicksal auf sich zukommen. Sharon packte einen Totensch\u00e4del aus der Bestattungstasche und schmiss ihn in die Totengruft hinunter. Brian half ihr dabei mit zahlreichen anderen Knochen und forderte seinen \u00e4ngstlichen Adjutanten auf, ebenfalls zu kommen und mitzuwirken. Der herbeigerufene Schwarzkitteltr\u00e4ger warf die Gebeine in das unterirdische Reich und hielt seine erste Bestattungsansprache: \u201eAsche zu Asche, Staub zu Staub, nackt bist du zur Welt gekommen und nackt mu\u00dft du sie verlassen. Rest in peace.\u201c Ein letzter m\u00e4chtiger Donnerschlag mit sofort folgendem Blitz warf die drei auf den abermals vibrierenden Erdboden und l\u00f6ste vergl\u00fchend den Fire-Devil-Pentagon-Lack in Rauch auf. Die Felsspalte schloss sich wieder und einzig das lodernde Feuer der zwei eisernen Streitw\u00e4gen, war s\u00e4uselnd durch den Wind zu h\u00f6ren. Eine unbeschreibliche Ruhe kehrte ein und die Sonne kam wieder zum Vorschein. Jonathan empfand einen abgrundtiefen Seelenfrieden und folgerte, dass dieses Gef\u00fchl sich Bapu Gandhi und der 6. Dalei Lama herbei meditieren wollten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Meine G\u00fcte! Der Abenteurer ahnte, dass ihm diese Geschichte seine Familie zu Hause nie abnehmen w\u00fcrde. In der Tat riet ihm sein gro\u00dfer Bruder Thomy beim sp\u00e4teren H\u00f6ren der Ereignisse, besser Science-Fiction Autor, als M\u00e4rchen Erz\u00e4hler zu werden. Doch wem geh\u00f6rte das Skellet? Sharon erl\u00e4utete, dass sie damit Kontakt zu den Geistern eines ermordeten Indianerh\u00e4uptlings aufnehmen konnte, aber mit der Zeit die Kontrolle dar\u00fcber verloren h\u00e4tte. Selbst ihr Freund Sonny h\u00e4tte Angstzust\u00e4nde und Schlafst\u00f6rungen beim sichtbaren Erscheinen der Poltergeister bekommen und w\u00e4re diese nicht mehr losgeworden. Die Feuerwehr r\u00fcckte mit Sirenengeheul an und l\u00f6schte was von dem Auto- und Wohnanh\u00e4ngerwrack \u00fcbrig geblieben war. Viel Arbeit, war dabei nicht mehr zu leisten, denn die Gas- und Benzinvorr\u00e4te hatten sich bereits in Luft aufgel\u00f6st. Dankbar gingen die drei scheinbar Mittellosen, auf das Angebot der Feuerl\u00f6scher ein, zu ihrer Zentrale ins Zentrum von Las Vegas mitgenommen zu werden. Brian telefonierte mit seinen Eltern Abraham und Sarah, die in hundertsiebzig Meilen Entfernung die Kanaan-Ranch betrieben. Die gl\u00fccklichen Schaf- und Ziegenz\u00fcchter machten sich sofort auf den Weg, die zwei H\u00e4ndchen haltenden frisch Verliebten abzuholen. Der lustige, prophetisch begabte Zipfelm\u00fctzenvater Abraham sang zuvor \u00fcber den Handylautsprecher seinem Sohn und der Prinzessin folgendes, hochschlumpfige Liebeslied vor, dass sein Knecht Salomo bereits als Klingelmelodie gespeichert hatte: \u201eDie Liebe ist stark wie der Tod und Leidenschaft unwiderstehlich wie das Totenreich. Ihre Glut ist feurig und eine Flamme des Herrn.\u201c In der herzlichen und gesch\u00fctzten Atmosph\u00e4re des in der Pr\u00e4rie befindlichen Elternhauses, sollte die ehemalige Hexe dauerhafte Befreiung von B\u00f6sen M\u00e4chten erfahren und in der Verbundenheit mit der Bibel wie eine sch\u00f6ne Blume aufbl\u00fchen. Als die entstachelte Rose von Sharon, die ihr Herz v\u00f6llig an den sie dr\u00fcckenden Tate verloren hatte, sich anschickte dem bis \u00fcber beide Ohren verliebten, sie an den Oberschenkeln streichelnden beloved Brian, einen minutenlangen Zungenkuss zu geben, bemerkte Jonathan sie sollen die Leidenschaft nicht aufwecken, bevor es ihr selbst gef\u00e4llt. Als dies nichts n\u00fctzte, schritt der eifers\u00fcchtige AWG-Anstands-W\u00e4chter-Genosse drohend ein, er w\u00fcrde sonst dem Sittenh\u00fcter Charlie alles verpetzen. In dem Buch \u201eGott stiftet Ehen\u201c w\u00e4re die Empfehlung, mit dem Austausch von intimen Z\u00e4rtlichkeiten bis zur Hochzeitsnacht zu warten, war sein die Vergn\u00fcgung endg\u00fcltig aufl\u00f6sender Bl\u00fcmchen-Merksatz. Dass diese Ehe wirklich von Gott initiiert wurde sprach sich auf der ganzen Welt herum. Bis zur Geburt des ersten Kindes Isaak, besuchten das Missionarsehepaar Tate alle Erdteile. Ihr Dienst war besonders in dem Geisterbeschw\u00f6rer-Kontinent Afrika anerkannt, wo zahlreiche Medizinm\u00e4nner und Hexen von ihren D\u00e4monen befreit wurden und ihre Voodoo Fetische verbrannten. Einen immer h\u00f6heren Bekanntheitsgrad erreichte auch die im benachbarten Indien unterst\u00fctzte, stark wachsende Sharon Fellowship Church.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan verabschiedete sich von dem auf einer Bank des Feuerwehrmagazins sitzenden Liebespaar, denn sie bedr\u00e4ngten ihn uneigenn\u00fctzig umsorgend, sich auf den Weg zum Busbahnhof zu begeben, um mit einem der letzten Greyhoundbusse die R\u00fcckreise nach Ph\u00f6nix anzutreten. An einer Bank of America vorbei schlendernd, zog er hundertsiebzig Dollar aus dem Geldautomaten und fragte an einem Fingertipp-Monitor den Kurs seiner Wertpapiere ab. Verflixt, die Scheine schienen sich fast halbiert zu haben. Bei der \u00f6ffentlichen Telefonzelle des Caesars Palace angekommen, rief er seinen Freund und Arbeitskollegen J\u00fcrg Kurz an, um den Kurs nochmals zu kontrollieren. Aufgrund der Zeitverschiebung, befand sich dieser nicht an der Werkst\u00e4tte, sondern wo anders, mit seiner Frau Pamela im Bett. Aus Furcht noch mehr Geld verlieren zu k\u00f6nnen, hinterlie\u00df der Skeptiker die Nachricht auf dem vibrierenden Telefonspeicherger\u00e4t zum schnellstm\u00f6glichen Zeitpunkt alles abzusto\u00dfen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im \u201eAlle Wege f\u00fchren nach Rom Hotelkomplex\u201c versprach man ihn f\u00fcrstlich wie Caesar zu behandeln und lud ihn zum Eintreten ein. Jonathan \u00fcberlegte sich, ob der vom Senat ermorderte Julius, der sich selbst erdolchende Nero, oder vielleicht der von ihm favorisierte Christenbefreier Konstantin damit gemeint sein sollte. Der skeptische Geschichts-Spekulant war zwar einer der schlechtesten Sch\u00fcler des Mathematik Leistungskurses, aber das Thema Wahrscheinlichkeitsrechnung war zu seinem Steckenpferd geworden. Er wusste, dass die Kaiser-Spielbank immer gewinnt. Dennoch wollte er im weltber\u00fchmten Spielcasino Caesars Palace einhundert Dollar, die ihm nicht wirklich weh taten, f\u00fcr eine ruhmreiche Gebietserweiterung einsetzen. Der schlaue Schw\u00e4bisch Hall Bausparkasse-Fuchs setzte sich mit seinen neu erworbenen Chips an einen Black Jack Tisch, weil er wusste, bei dem Spiel mit den 312 Karten, die besten Gewinnchancen zu haben. Bei den \u00fcbernat\u00fcrlichen Erlebnissen w\u00fcrde ihn der Herr sicher durchs Gl\u00fcckspiel zum Million\u00e4r machen. Au\u00dferdem hatte er ja zum Kartenlegen passend gerade am Siebzehnten Vierten Achtundsiebzig in der r\u00f6misch katholischen Kirche heilige Erstkommunion gefeiert und wieder seinen besten erneuerten Dreiteiler mit Fliege angezogen. Warum sollte Fischer bei so vielen Zuf\u00e4llen nicht als schlauer schw\u00e4bischer Landpirat die in Geld schwimmende Spielbank auspl\u00fcndern? Tats\u00e4chlich wurde an seinem Tisch der gerade ausgetauschte Dealer von den Pointeuren derma\u00dfen ausgezogen, dass die Sitzung am Abend vorzeitige beendet wurde. Jonathan fand n\u00e4mlich drei neue Freunde, die mit ihm am Tisch sa\u00dfen und ein \u00fcberaus gl\u00fcckliches H\u00e4ndchen hatten. Der zur Rechten des Croupiers sitzende Anf\u00fchrer der Zocker nannte sich Dollar-Centurio und hatte in den letzten Tagen schon einhunderttausend Greenback gewonnen, weswegen er nicht nur von einer Zuschauertraube, sondern auch von den geheimen Casinokameras argw\u00f6hnisch beobachtet wurde. Das oberste Ziel der Banken ist eben nicht, das Geld ihrer Kunden zu vermehren, sondern wie Dagobert Duck, den eigenen Geldspeicher zu f\u00fcllen. Nichts desto trotz hatte Jonathan durch eine einfache Taktik sein Geld in einer Stunde versechsfacht. Er beobachtete seine schlauen Nachbarn, die unscheinbar im Kopf die Karten memorisierten, was ihm beim Preisskat im Fasanenhofer FKK-Club, bei zweiundrei\u00dfig Karten und zwei miteinander Mitspielenden, nicht immer gelang. Die Strategie, die Wetteins\u00e4tze wie die Gl\u00fccksritter periodisch zu erh\u00f6hen, erwies sich als goldrichtig.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Schlaue Menschen treten am H\u00f6hepunkt ihrer Karriere zur\u00fcck oder wechseln das Bet\u00e4tigungsfeld, hatte der Hobbyfu\u00dfballer von J\u00fcrgen Klinsmann und anderen ber\u00fchmten Sportlern gelernt. Nur der Sandbankangestellte wollte sein Kopf nicht in den Sand stecken und sein Haus auf Sand bauen, indem er die Eins\u00e4tze im Sande verlaufen lie\u00df, so dass er es schaffte, die sechshundert Dollar wieder komplett in den Sand zu setzen, um seinen Kopf, letztendlich doch in den Sand zu stecken. An seine erfolglose Pilgerreise zum heiligen Moritz in die Schweiz erinnert sinnierte er weiter, dass es im Leben halt nicht nur Gewinner geben kann. Als sich der europ\u00e4ische C\u00e4sar \u00fcberlegte, ob er neue Kleopatra Chips wechseln soll, wurde der Tisch vom Spielbankchef Joshua Augustus umgeschmissen. Dieser hatte mitgeh\u00f6rt wie die drei siegreichen Soldaten sich gegenseitig als Centurio, Optio und Principalis bezeichneten und das gemeinsame Hotelzimmer durchsuchend herausgefunden, dass sie schaw\u00fcle, autistische, Bostoner Studenten-Betr\u00fcger w\u00e4ren. Die bereits gebuchte Nacht im Forum durften die kaiserlichen Soldaten noch verbringen, aber danach w\u00e4ren sie \u201ePersona non grata\u201c im R\u00f6mischen Reich. Der niedergeschlagene Meisterspieler erkundigte sich bei den drei ihre \u00e4gyptischen Coins einl\u00f6senden Gl\u00fccksrittern, ob um diese fortgeschrittene Zeit ein Bus in die genauso hei\u00dfe Stadt Ph\u00f6nix verkehrt, was diese verneinten.<\/p>\n<p>Das Gl\u00fcck schien wieder in Jonathans Leben zur\u00fcck zu kehren, denn er wurde aus Mitgef\u00fchl von den euphorischen Skatbr\u00fcdern in Caesars Magical Empire zum Abendessen eingeladen. Am Nachmittag dem Tode knapp entronnen, hatte der Geisterfahrer noch nichts zu sich genommen. Daf\u00fcr wurde er jetzt an der Gruselst\u00e4tte durch einen Schicksalsaufzug verschluckt und von einem Wahrsager in einen Katakomben-Irrgarten mit zehn G\u00f6tzen geweihten Essensr\u00e4umen gef\u00fchrt. Das drei G\u00e4nge Men\u00fc bekam dem deutschen Angsthasen nicht so recht, weil er sich immer vorstellen musste, wie sein Schl\u00e4gerfreund Brian die okkulte Merlinstatue mit der leuchtenden Kugel in der Hand sofort kurz und klein hauen w\u00fcrde. Die teilnahmslosen Junggesellen langweilte das Hokuspokus eher, denn der Optio und der Principalis vertrieben sich die Zeit mit einem kleinen Reisew\u00fcrfelspiel, anstelle auf die Zaubertricks der Gaukler zu achten, und der Centurio begann seine linke Hand zu halten. Jonathans Gesicht wurde bleicher und seine Augen gr\u00f6\u00dfer. Aus seiner M\u00fcnchner Bundesligazeit kannte er ja Lederhosen tragende, zur\u00fcckhaltende, nette, schwule Schachspieler. Sollte es sich hier um die zudringlichere Sorte handeln?<\/p>\n<p>\u201eDu darfst mich mit meinem Vornamen Oral ansprechen. Was hast du denn da f\u00fcr eine sch\u00f6ne Schachuhr?\u201c, s\u00e4uselte der Anf\u00fchrer. Der internationale Schachmeister zeigte seine unverk\u00e4ufliche Swatch-Armbanduhr mit dem Motiv des internationalen Schachfestivals Biel. Doch gerade auf die hatte es Oral Dollar abgesehen. Sich einen Ruck gebend verschenkte der die christliche N\u00e4chstenliebe Praktizierende seinen in die Jahre gekommenen Talisman. Die vom Chefredakteur der Schweizerischen Schachzeitung selbst gratis erhaltene Plastik-Swatch war das Erinnerungsst\u00fcck an zwei aufeinanderfolgende Siege gegen renommierte Gro\u00dfmeister. Der Erfolg des jungen Nobody bei dem gr\u00f6\u00dften Schachturnier Europas wurde sogar im Schweizer Fernsehen ausgestrahlt und von ihm auf Video aufgezeichnet.<\/p>\n<p>Nach einer weiteren, abschlie\u00dfenden Zaubervorf\u00fchrung wollte der unp\u00e4ssliche Gast sich aus dem Staub machen, als er das Dollar-Angebot bekam, die weitaus \u00fcberlegene David Copperfield Show im am Strip liegenden Circus Maximus Theatre g\u00e4nzlich umsonst zu besuchen. \u201eWir haben doch nur drei Karten!\u201c, warfen Kenneth und Toufik, die zwei Back Gammon bechernden Gesellen ein. Der Meister befahl den Verlierer auszuwerfen. Nach drei Versuchen, bei dem jeder immer eine Sechs gew\u00fcrfelt hatte, wurde kurzerhand, mehr oder weniger demokratisch, der vorige Backgammonverlierer Toufik zum Loser bestimmt. Als Jonathan die schauerliche \u201eDreams and Nightmares\u201c Paarungs-Illusionsshow des dunklen Copperfield und Claudia Schiffer-Verehrers verfolgte, kamen ihm die wahren Schockerlebnisse vom zu Ende gehenden Tag tats\u00e4chlich wie ein Traum vor. Welchem Liebespaar wird die Zukunft geh\u00f6ren? Sicherlich nicht Oral und Jonathan, denn der Urlauber schuppste die ihn streichelnde einheimische Hand seines eine rosa Elton John Rundbrille tragenden Nebensitzers angeekelt zur Seite.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Spiels\u00fcchtige gehen bekanntlich nie fr\u00fch ins Bett. Deshalb besprachen sich die wieder vereinten Casinoprofis nach der Vorstellung, was sie mit der Nacht noch anfangen konnten. Der im Freien wartende Toufik hatte ein Glas Champagner genie\u00dfend in den Sternen gelesen, dass Paris Hilton zu ihrem 27. Geburtstag als Pussycat Doll im Pure Nightclub auftreten w\u00fcrde. Das war das himmlische Zeichen f\u00fcr Jonathan, sich ein g\u00fcnstiges Hotelzimmer zu suchen und abzuspringen. Der Centurio, der es auf das Metzinger Outlet Gewand von Jonathan abgesehen hatte, r\u00fcckte mit einem verf\u00fchrerischen Angebot heraus. Er wollte mit dem Internationalen Meister eine Partie Schach um hundert Dollar oder Abgabe seines Boss-Anzugs spielen. Als Ausrede anf\u00fchrend erl\u00e4uterte der Herausgefordete, dass er gelobt hat, kein Turnierschach mehr zu spielen und das in Italien fein gezwirnte Tuch unverk\u00e4uflich sei. \u201eGeld regiert die Welt und stinkt nicht, dann erh\u00f6he ich meinen Einsatz. Was forderst du?\u201c, wollte der freigiebige Dollar Kr\u00f6sus wissen. Um den penetranten Verehrer abzusch\u00fctteln, verlangte das vermeintliche Opfer sechstausendsechshundert Dollar Preisgeld, zwei \u00dcbernachtungen in der King Suite, die Einladung zur Siegfried und Roy Show mit anschlie\u00dfendem Prominenten-Diner, sowie die bezahlte R\u00fcckfahrt nach Ph\u00f6nix mit einer Hochzeitslimousine. Sexy Oral wollte f\u00fcr den Fall darauf eingehen, dass Jonathan bei einer Niederlage sich zus\u00e4tzlich bis auf die Unterhose auszieht und ihm ein paar Takte auf seiner Trompete vorbl\u00e4st. \u201eKommt jetzt wirklich Gott ins Spiel oder handelte es sich um einen Zufall?\u201c, fragte sich der ehemalige Gymnasialsch\u00fcler. Fischer hatte sich doch tats\u00e4chlich einmal im Musikunterricht, salutierend aus Protest, bis auf die USA-beflaggte Unterhose ausgezogen, weil ihn Madame Spasski, die pummelige, russische Lehrerin zwang, mit ihr einen Tanz aufzuf\u00fchren, der von einer Milit\u00e4rkapelle mit \u201eThe Star-Spangled Banner\u201c begleitet wurde. \u201eOkay, ich gehe auf den Handel ein, falls mir ein Unentschieden zum Sieg reicht\u201c, sprach der ehemalige Trainer der deutschen Blindennationalmannschaft aus. \u201eEinverstanden, um den Zufall besser auszuschalten spielen wir zwei Fernpartien im Kopf, ohne Schachbrett als Hilfsmittel, wobei dir ein Sieg oder zwei Unentschieden reichen\u201c, zeigte sich der homosexuelle Verr\u00fcckte siegessicher.<\/p>\n<p>Als Austragungsort des Wettkampfs bot sich die Hotelsuite ihm Forum an. Um volle Konzentration halten zu k\u00f6nnen, legte sich Fischer, sein Gesicht unter einer Decke versteckend, auf die Couch des Wohnzimmers. Oral Dollar hatte ausgekl\u00fcgelt, dass die Partieverl\u00e4ufe durch ihn auf dem im Schlafzimmer befindlichen Laptop f\u00fcr die Nachwelt, und als Beweismittel f\u00fcr die korrekte Zug\u00fcbermittlung, festgehalten werden m\u00fcssen. Kenneth und Toufik wurden kurzerhand als Brieftr\u00e4gersekundanten eingesetzt, da sie die Z\u00fcge auf einem Zettel \u00fcbermitteln sollten. In seiner Wei\u00dfpartie geriet Jonathan in einer modernen Ben-Oni (Hebr\u00e4isch: Sohn der Trauer) Variante rasch ins Hintertreffen, weil sein Kontrahent mit der Pr\u00e4zision einer Maschine spielte, und die ungew\u00f6hnlich lautende, englische Notation dem Hobby\u00fcbersetzer Probleme bereitete. Der ehemalige bayerische Schachmeister wurde so aufgeregt und geriet derma\u00dfen durcheinander, dass er diese Partie nach einer \u00fcbersehenen Springergabel schnell verloren gab. Mit den schwarzen, im Gehirn projizierten Steinen w\u00e4hlte der m\u00fcde Denker, viel Risiko eingehend, den Marshall-Angriff, in der vom wei\u00dfen Gegner anvisierten Spanischen Er\u00f6ffnung, deren Schreibweise wesentlich einfacher verlief.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein Jahrtausend altes Sprichwort lehrt, man soll erst die Kr\u00e4fteverh\u00e4ltnisse und Kosten \u00fcberschlagen, bevor man in den Krieg zieht. Hatte der Deutsche seinen US-Amerikanischen Kriegsgegner, wie ein anderer kreuzgl\u00e4ubiger Feldherr untersch\u00e4tzt? Der Haken an der Sache war, dass Jonathan nicht damit gerechnet hatte, sich mit dem allen m\u00f6glichen Hilfsmitteln bedienenden Fernschachweltmeister eingelassen zu haben, was dieser ihm jetzt aufgrund seiner materiellen \u00dcberlegenheit durch die Zimmert\u00fcr h\u00e4misch lachend mitteilte. Die beiden gelangweilten Sekundanten bestanden darauf, ein Bad in der Wanne einnehmen zu d\u00fcrfen, was der niedergeschlagene Jonathan zu einem Nickerchen nutzte. In einem kurzen Traumgesicht phantasierte der M\u00fcde, wie er sich auf einem verlassenen Potter-Acker befand und von einem furchterregenden, br\u00fcllenden, wei\u00dfen, zweifl\u00fcgeligen L\u00f6wen, der mit seinen spitzen Eckz\u00e4hnen seine Kleider vom Leib riss, angegriffen wurde. Anstelle das Opfer aufzufressen, verwandelte sich das Tier erst in zwei zischende, Blut saugende Schlangen und dann in drei schleimige Kr\u00f6ten, die ihn mit ihren klebrigen, geteerten Zungen am ganzen K\u00f6rper ableckten. Sich wie Pechmarie f\u00fchlend, kam im n\u00e4chsten Augenblick eine moderne Frau Holle, in Form von Harry, eines bekannten englischen Zauberlehrlings und Frauenhelds, zur Hilfe. Drei\u00dfig erl\u00f6sende Silberm\u00fcnzen wurden aus einem Bettlaken \u00fcber sein Kopf ausgesch\u00fcttelt, als die vermeintliche Gl\u00fccksmarie j\u00e4h aus ihrem Schlaf ger\u00fcttelt wurde. Denn ausgerechnet in diesem Moment wurde Jonathan von dem ein starkes Frauenparf\u00fcm nutzenden Ex-Moslem Toufik mit der Zunge an seiner Nase wach geleckt. Auch der Ex-Jude Oral wollte die Angelegenheit beschleunigen, denn er hatte sich eng mit dem Ex-Christen Kenneth verbunden, ihm gegen\u00fcber in das zweite Sofa gesetzt. Nun erwachte der alte Kampfgeist in Jonathan, der verk\u00fcndigte, wer zuletzt lacht, lacht am besten. Soeben habe er sich einen rettenden Marshallplan zurechtgelegt. Der kaugummikauende Toufik lie\u00df dem einen Berliner Pfannkuchen verspeisenden armen Deutschen seine seidenen Bomber-Shorts zufliegen und prahlte entbl\u00f6\u00dft, dass der angeschlagene Boxer mit diesen nach Ph\u00f6nix durch die W\u00fcste joggen soll. Die Wirtschaftshilfe mit erbettelten Kartencoupons sei aus, denn der Knock Out-Verlierer m\u00fcsste sich schmelings entkleiden und sein stolzes Pfand zur\u00fcck lassen. \u201eGens una sumus, wir sind eine Familie. Lasst uns das Spiel zu Ende f\u00fchren!\u201c, merkte der r\u00f6mische Leitwolf einschreitend mit dem Motto des Weltschachbunds FIDE an. Die Begegnung dauerte nur noch sechs Z\u00fcge, bis ein Sieger feststand. Wie es sich unter Schachspieler geh\u00f6rt gingen die beiden M\u00e4nner ins Schlafzimmer, um die phantastische Partie gemeinsam zu analysieren. Jonathan war erstaunt eine ganze Reihe Schachenzyklop\u00e4dien auf der Kommode vorzufinden. Als er bemerkte, dass der Gambler, das Schachprogramm Fritz von ChessBase am Laptop geladen hatte, ging ihm erst recht ein Licht auf. Doch diesmal hatte der Deutsche den niedergeschlagenen Amerikaner mit dem 33. Zug durch das auf F2 erstickte Schachmatt des schwarzen K\u00f6nigs-Springers (King Knight N-KB7) bezwungen. Genussvoll nahm er einen der Schachinformatoren und zeigte daraus die in St. Moritz gespielte Partie des Jahres zwischen Jonathan Fischer und Harry Biber, die sich f\u00fcr den deutschen Gl\u00fcckspilz identisch mit umgekehrten Rollen wiederholt hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Achtung, Kinder passt auf! Der folgende satirische Teil der Fiktion ist nat\u00fcrlich derma\u00dfen unwahrscheinlich, dass Parallelen zu realen Ereignissen und Personen nicht ernst zu nehmen sind.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der ehrenhafte Verlierer, der tats\u00e4chlich ein Unentschieden erreicht hatte, zahlte dem \u00fcberm\u00fcdeten Wettsieger 6.600,- US-Dollar in hunderter Scheinen aus und versuchte eine K\u00f6nigssuite in Caesers Palace zu buchen. Da der Centurio Hausverbot erteilt bekommen hatte, wurde er an das \u00e4gyptische Hotel Luxor verwiesen und lie\u00df den siegreichen Einzelk\u00e4mpfer mit einem Taxi dort hin bringen. Der angekommene Gast staunte nicht schlecht, \u00fcber das schwarze Pyramidenglashotel, von dessen Spitze aus der st\u00e4rkste Lichtstrahl der Welt von 39 Xenonscheinwerfern in den Himmel gezeichnet wurde. Der sich am Kopf kratzende Koffertr\u00e4ger und F\u00e4hrmann, der vergeblich das Gep\u00e4ck zum spirituellen \u00dcbertritt suchte, erkl\u00e4rte, dass laut \u00c4gyptischer Mythologie die Geister der Menschen durchs Licht ins Jenseits bef\u00f6rdert werden. Als der germanische Arch\u00e4ologe das bis nach Hollywood sichtbare Naturschauspiel untersuchte, meinte er Millionen von Motten im Scheinwerfer-Film-Projektionslicht tanzen zu sehen. \u201eAha, dann haben die Pharaonen und ihre Untertanen sich in Stechm\u00fccken verwandelt\u201c, war sein sp\u00f6ttischer Kommentar. Der durchs Wasser gezogene \u201eMoses Fischer\u201c h\u00e4tte gerne eine Kamera dabei gehabt, um die nachgestellte Nilrundfahrt an der beleuchteten Sphinx, des Obelisken und des Grabes von Tutenchamun vorbei zu filmen. Vor allem die in der Tunneldurchfahrt gruselig nachgestellten Skelett-Geister von drei verstorbenen Bauarbeitern setzten sich so perfekt in Szene, dass der Knochen bestattende Volksbefreier schier ins blutrot verwandelte Wasser fiel. In der F\u00e4hre zur Hotellobby gebracht, wurde seinem schlummernden Geist, \u00fcber einen schr\u00e4g nach oben verlaufenden Inclinator-Aufzug, die Jacuzzi-Whirlpoolsuite gezeigt, die er diesmal sofort einschlafend wohlgemerkt alleine nutzte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Leben mit Gott ist spannend, aufregend und ganz sch\u00f6n anstrengend, philosophierte Jonathan am n\u00e4chsten Tag in seiner \u00fcberdimensionalen Sprudelbadewanne, in der er versuchte einen vom Hotelboy eingefangenen Floh bzw. eine Laus los zu werden. Vielleicht handelte es sich bei seinen juckenden Beulen auch nur um verfluchte Schnakenstiche, befand der geplagte Patient, w\u00e4hrend es drau\u00dfen zun\u00e4chst Heuschrecken und dann Frosch gro\u00dfe Steine hagelte, die das Licht in der Pyramide f\u00fcr eine Zeit ausgehen lie\u00dfen. Trotz ausgebrochenem Rinderwahnsinn BSE nahm der sparsame Schwabe als Fast Food-Mittagessen einen Hamburger im vierten Stock der Unterhaltungsebene zu sich, als er von drei sich eincheckenden Bekannten entdeckt wurde. Der Dollar Centurio hielt sich an sein Versprechen und hatte tats\u00e4chlich die letzten 3 Tickets f\u00fcr die SARMOTI-Show im am Strip gelegenen Hotel Mirage besorgt. Nun ergab sich wieder das leidige, schier unl\u00f6sbare Problem, wer auf den Genuss der Siegfried and Roy, Masters of the Impossible Zaubervorstellung verzichten muss. Zun\u00e4chst wurden wieder 666 gew\u00fcrfelt, dann zog jeder das selbe Ass aus einem Kartenstapel und s\u00e4mtliche M\u00fchle, Dame und Schachpartien untereinander endeten ebenfalls unentschieden. Der gelangweilte Fischer machte sich in der Zwischenzeit auf den Weg zum Hotelpool, um sich, die Schuhe ausziehend, in einer Strandliege zu erholen. Unerkl\u00e4rlicherweise hatte sich die neben ihm befindliche Hecke entz\u00fcndet, was f\u00fcr ihn das Kommando war, barfu\u00df in das Memphis-Restaurant zur\u00fcckzukehren. Die von Feuerm\u00e4nnern nicht l\u00f6schbare, verzehrende Brandillusion brachte Jonathan auf eine Feuerholzlosungsidee. Er besorgte sich drei Streichh\u00f6lzer und begeisterte die erm\u00fcdeten US-Krieger f\u00fcr das einfache Kinderausscheidungsspiel, bei dem der Loser Toufik wiederum den K\u00fcrzeren zog. \u201eOiner isch immer d\u00b4r &#8230;..\u201c von Schwoi\u00dffua\u00df wurde passend dazu \u00fcber die Musikbox abgespielt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Oral hatte sich immer noch in Jonathan verguckt, denn er lud ihn zus\u00e4tzlich zum gemeinsamen Tourenski fahren in die sengende W\u00fcste ein. Am eisigen Aussichts-Gipfel traf Jonathan den angels\u00e4chsischen, braununiformierten Erbprinzen wieder, der diesmal eine verschnupfte Hakenkreuzbinde wegwarf, das blaue Zw\u00f6lf-Sternen-Banner hisste und den Victory-Heilsgru\u00df fingernd, die verlorenen vereinigten Staaten, wieder in die europ\u00e4ischen Kolonien zur\u00fcck salutierte. Nach erfolgreicher Abfahrt mit ihren Fischer-Ski stiegen die Expeditionsteilnehmer auf einen tausend Meter hohen Stufenturm, von dem sie mit dem sich in der Luft spiegelnden Gleitschirm auf den Fliegerlandeplatz der Mirage herabflogen. \u201eThe Show must go on\u201c, schrieb eine magische Hand an die Wand und auf Kommando lie\u00df sich einer der Homo Sex und reellen, besten Magier des Jahrhunderts von seinem wei\u00dfen Tiger Darius k\u00fcssen, w\u00e4hrend der sich in seinem Zauberbett unter einer wei\u00dfen Satindecke verbergende neue Schwarm Toufik vom wei\u00dfen L\u00f6wen Belsazar entdeckt und f\u00fcr zu leicht befunden wurde. Der L\u00f6we folgerte, dass Toufiks letzte Tage gez\u00e4hlt seien, entkleidete diesen in seiner Ruhest\u00e4tte und schleifte ihn unter dem gro\u00dfen Jubel der Zuschauer in Daniels L\u00f6wengrube, um ihn als Erstgeburt zu verspeisen. Dass Publikum forderte lauthals eine weitere Zugabe, denn eine umfangreichere Illusionsshow wurde nur im Kolosseum unter Kaiser Vespasian oder in Jonathans Tr\u00e4umen geboten. Der Centurio und der Optio vergossen keine Tr\u00e4ne f\u00fcr den davongelaufenen, verlorenen Gladiatoren-Sohn, denn damit war das Eintrittskartenproblem f\u00fcr die Abendveranstaltung gel\u00f6st.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die drei begaben sich in den zur UNO geh\u00f6renden achthundert Meter hohen Rotary-Clubtower um wetten dass es das nicht wirklich gab, ein von Thomas Gottschalk (Witz, Verzeihung, viele lieben dich) geleitetes Geheimtreffen des L\u00f6wenvereins (Englisch: Lions Club) beizutreten. Nachdem die G\u00e4ste sich durch ein mit Fl\u00fcgell\u00f6wen und Drachen verziertes, altert\u00fcmliches Zaubertor begaben, wurden sie auf ihr Angesicht geschmissen. Bis auf den pl\u00f6tzlich an einer Fersenverletzung erkrankten Jonathan mussten die Logenmitglieder sich vor einem goldbeschichteten, auf eisent\u00f6nernen F\u00fc\u00dfen stehenden Bronzestier verneigen. Die halbnackte, engelhafte Miss Europa Angela schm\u00fcckte gerade dessen silberne H\u00f6rner mit Blumen und lie\u00df sich in allen Stellungen wie eine Zeus Gottesstatue von den wieder auferstandenen G\u00f6tzenanbetern fotografieren. Die Kellner, des in einem voll versammelten Saals stattfindenden internationalen Leichenschmauses, trugen als Erkennungszeichen einen wei\u00dfen Latz, auf dem die verwinkelten Namen von amerikanischen Pr\u00e4sidenten gezirkelt waren und servierten das ausgezeichnete Essen.<\/p>\n<p>Der illustre Kreis von Herrschern, Staatschefs und K\u00f6nigen kannte sich bereits, denn er hatte sich zuvor auf der Beerdigung eines ihrer Big Bosse getroffen. Durch die United Nations Vollversammlung f\u00fchrte ein ungl\u00e4ubiger n\u00e4rrischer Fernsehmoderator mit wei\u00dfen Handschuhen, der nach dem Silberteller-Men\u00fc zur Saalwette angelangt war. Wer es schafft, auf dem elektrischen Bullen zu reiten und sich darauf zu halten, sollte das Zepter des L\u00f6wenvereins als Zeichen f\u00fcr die neue Weltherrschaft von ihm \u00fcberreicht bekommen. Bekanntlich ist es unm\u00f6glich, sich auf einem so zornigen, ausschlagenden, geh\u00f6rnten Stier zu halten. Doch eine unscheinbare kleine Friedensnobelpreistr\u00e4gerin stand auf und hielt eine feurige Rede, mit der sie den gr\u00f6\u00dften V\u00f6lkermord der Geschichte aufhalten w\u00fcrde. Abtreibung w\u00e4re ein Werk des Teufels und die gewaltt\u00e4tigste schlimmste Schreckenstat die Kindern je angetan wurde, da das Leben bereits im Mutterleib anf\u00e4ngt. Wenn es mit dem Kindermorden wie bei Herodes so weiter geht, w\u00fcrde Jesus bald wieder kommen. Diesmal aber als wahrer, von unz\u00e4hligen Engeln begleiteter, L\u00f6we aus dem Stamme Judah und Richter der Menschheit. Mit lauten Buhrufen wurde die heilige Agnes von den Mitgliedern des nicht mit Judah symphatisierenden L\u00f6wenvereins disqualifiziert, ohne das f\u00fcrchterliche Tier je bestiegen zu haben. Der n\u00e4chste erfolglose Preistr\u00e4ger war ein idiotischer arabischer Terrorist, der zum Pr\u00e4sident gew\u00e4hlt worden war und sein Gl\u00fcck mit ebenso idiotischen Auslandshilfen machte. Auch andere Milit\u00e4runiform tragende, durch Betrug reich gewordene, aber ansonsten hirnlose Diktatoren wurden unter lautem Gel\u00e4chter vom ehemals bef\u00f6rderten Kampfb\u00fcgel gest\u00fcrzt. Weder der schwarze G\u00fcrtel, noch die Texasfarm-Reitausbildung, half den diversen Regierungschefs \u00fcber die Schulter geworfen zu werden oder sich im Sattel zu halten. Europ\u00e4ische K\u00f6nigsherrscher, die in verstaubten Zeiten genauso auf ihrem hohen Ross daherkamen, wurden wiederum zu Boden geschmissen. Die armen, zum Scheitern verurteilten, veralteten, religi\u00f6sen F\u00fchrer, wurden besonders argw\u00f6hnisch betrachtet. Waren da neben den ber\u00fchmten Weltreligions-Repr\u00e4sentanten nicht einige mit viel Geld geliebte Fernsehprediger und andere Kreuze und Schwerter tragende Zwangsbekehrungs-Ritter? Besonders verwundert war der Theologiestudent \u00fcber den schwarzen Papst (gibt es ihn wirklich oder muss er gew\u00e4hlt werden?), den schwarzen Schuhverk\u00e4ufer, die au\u00dfen vor stehende Ehefrau seines Managers und den sexistischen, sich durchs Wandern sein junges Blut frisch haltenden Papa, des nicht wirklich m\u00e4chtigsten Mannes der Welt. Der Clown war so gerissen, seine Faust als Schild benutzend, ein Buckler zu versch\u00fctten, um erst nach zweiter Windows-Wahl-Ausz\u00e4hlung, als Wiedergew\u00e4hlter, dann doch erfolglos zu versuchen, den Krieg gegen den Terror und andere L\u00f6wen-Logenfreunde zu gewinnen. Die wenig kampferprobten bierb\u00e4uchigen Bank- und Industriebosse hatten sowieso keine Chance bei der aufreibenden Schlacht. Darum machten sich die bekannten Hollywood Science-Fiction Action-Helden an die Arbeit, um die Welt auf dem elektrischen Reiter zu retten, wobei der Sciento logisch d\u00fcmmste, kleine Schauspieler, der sich f\u00fcr am intelligentesten hielt und eine leuchtende Uniform mit zahlreichen Birnen trug, den Minusrekord aufstellte, und der am Ende der Tage st\u00e4rkste \u201eJC-Muskelmann\u201c, den viele f\u00fcr dumm hielten, der aber in Wahrheit \u00e4u\u00dferst schlau war, naturgem\u00e4\u00df die Rekordzeit bis zum Abfall aufstellte. Nach dem abschlie\u00dfenden Gr\u00f6nemeyer Song \u201eKinder an die Macht\u201c \u00fcbergab der l\u00f6wenm\u00e4hnige Gottschalk symbolisch den eisernen Regierungsstab an ein in einer Kinderwiege befindliches Phantasiebaby, das nicht ganz den Charme der langbeinigen, offenherzigen Assistentinnen oder des kurzbeinigen, sp\u00e4rlich in Windel gewickelten Jesuskinds in der Weihnachtsgrippe besa\u00df.<\/p>\n<p>Damit wollte sich der Kreis von dreizehn Adelsfamilien, die die Kontrolle \u00fcber die gr\u00f6\u00dfte federale Weltbank \u00fcbernommen hatten nicht zufrieden geben. Deshalb wurde ein Greenback-Referat von ihrem Pr\u00e4sidenten Greenberg abgehalten, wie man als L\u00f6wenverein die alleinige Weltherrschaft doch noch an sich rei\u00dfen k\u00f6nnte. Der \u00d6lpreis sollte von einem Kartell \u00fcber die hundert Greenback Marke gedr\u00fcckt werden und die Inflation bis zur totalen Geldentwertung und Neueinf\u00fchrung einer Einheitsw\u00e4hrung durch Banken- und Firmenpleiten angeheizt werden. Dadurch w\u00e4ren alle unl\u00f6sbaren unermesslich hohen Staatsverschuldungen vom Tisch, und ein erfolgreicher Neuanfang mit einem neuen Messias k\u00f6nnte gemacht werden. Dies inspirierte den neben Jonathan sitzenden, mit dem Optio h\u00e4ndchenhaltenden Centurio besonders, da er zun\u00e4chst sein Verm\u00f6gen in Scheingesch\u00e4ften auf steigende Rohstoffpreise einsetzen wollte, um sich dann erfolgreich, an den einmal vorhandenen Goldreserven der Federalbank zu beteiligen. Der deutsche Au\u00dfenminister Fischer nahm an der anschlie\u00dfenden Diskussion erfolgreich teil, indem sein genialer Vorschlag der neuen eine Welt W\u00e4hrung den Namen Eurodollar zu geben, einstimmig angenommen wurde. Da diese Story altersdemente Denker sowieso nicht glauben, lassen die Autoren den Helden in der Pyramidensuite einschlafen und f\u00fchren die Fiktion im gem\u00e4\u00dfigtem Gang fort.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eigentlich h\u00e4tte das Murmeltier Jonathan in dem Wasserbett des dreieckigen Nobelhotels gut einschlafen m\u00fcssen, aber statt dessen hatte der Zyniker schon wieder einen sich immer wieder wiederholenden Alptraum nach dem anderen, in dem er in verteidigender Absicht einen \u00c4gyptischen Anf\u00fchrer erschlug, worauf ein erfolgloser Mordanschlag auf ihn ver\u00fcbt wurde, so dass er in die W\u00fcste fliehen musste und so weiter und so fort. Um der Zeitschleife zu entrinnen und um die Unterw\u00e4sche zu wechseln, sprang er um sechs Uhr, ein Zeichen setzend, aus dem Bett. Ohne Fr\u00fchst\u00fcck begab er sich in die vor dem Hotel wartende, silberne Lincoln Town Car Stretch-Limousine. Er war erleichtert, sich von der \u00e4gyptischen Kultur und seinen durchs Leben schlagenden R\u00f6merfreunden verabschieden zu k\u00f6nnen. Das Angebot als Kompagnon in die Gl\u00fccksspielindustrie einzusteigen wurde vom Wahrscheinlichkeitsrechner dankend abgelehnt. Der eigentliche Sinn seiner Reise war ja die theologische Weiterbildung in den USA.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend der f\u00fcnfst\u00fcndigen Autofahrt zur\u00fcck nach Ph\u00f6nix, fand der Abenteuerheld Fischer einen aufmerksamen Zuh\u00f6rer in dem lenkenden Afro-Amerikaner Colburn, der behauptete Analphabet zu sein, aber selbst erstaunliche Lebensweisheiten von sich gab. Als Jonathan in der riesigen Limousine vor Charlies Haus ankam, staunten dieser zusammen mit Creflo und der dreik\u00f6pfigen Familie von Mike Werthan nicht schlecht. Mike war ein alleinerziehender Vater, der aus finanzieller Not zwei Jobs aus\u00fcben musste und seinen Sohn Donald und die Tochter Daisy gerade, wie Tick, Trick und Track, zu dritt auf nur einem Fahrrad von der Kindertagesst\u00e4tte abgeholt hatte. Zum Abschluss lud der nette j\u00fcdische Chauffeur Hoke alle Hausbewohner ein, mit dem komfortablen Siebenpassagier-Fahrzeug eine Probefahrt um den Block zu machen und ein gek\u00fchltes koscheres Fanta zu trinken.<\/p>\n<p>Der die Rundfahrt nicht sonderlich genie\u00dfende Charlie schien schlechte Laune zu haben, denn er forderte Jonathan auf, in sein Schlafzimmer zu kommen, um ein Gespr\u00e4ch unter vier Augen zu f\u00fchren. Der Religionspolizist behauptete, Gott h\u00e4tte ihm immer wieder gezeigt, wie Jonathan s\u00fcndigt und sich in gro\u00dfer Gefahr befindet. Ja sogar Schlangen und Skorpione w\u00e4ren im Geist auf Jonathan losgegangen, die Charlie durch pausenloses Beten h\u00e4tte abhalten m\u00fcssen. \u201eNun musst du zum Psychiater, ich habe doch gar nichts Verbotenes unternommen. Im Gegenteil, ich habe sogar verhindert, dass Tate Farrow zu fr\u00fch schw\u00e4ngert\u201c, brachte der Entr\u00fcstete zu seiner Verteidigung vor. \u201eBrian und Sharon geht es im Kanaanland wunderbar, au\u00dferdem haben sie noch am Feuerprobentag mit Abraham und Sarah als Trauzeugen im Hochzeitsparadies Las Vegas geheiratet. Du aber hast dich doch daraufhin im verzaubernden \u00c4gypten und ausschweifenden Rom aufgehalten. Stimmts?\u201c, fragte der drei Schutzengel herbeigerufen haben wollende Charlie. \u201eMoment mal, so ein paar Spielchen im Hotel, ein paar Unterhaltungsshows und ein bisschen k\u00f6stliches Essen kann doch nicht schaden. Du bist doch nur neidisch, weil ich so viel Geld gewonnen habe.\u201c Als Antwort darauf betete Charlie, dass der Herr dem blinden Simson die Augen \u00f6ffnen m\u00f6ge, bevor er sich in ein t\u00f6dliches einst\u00fcrzendes Kartenhaus begibt. Damit war das Gespr\u00e4ch beendet.<\/p>\n<p>Der Nationaltrainer erteilte lieber den Disney Kids drau\u00dfen Fu\u00dfballunterricht, w\u00e4hrend Mike einen leckeren Fleisch- und Lauchpott zubereitete, der so gro\u00df war, dass er bis zum n\u00e4chsten Tag ausreichte. Jonathan war der Appetit gr\u00fcndlich vergangen. Deshalb teilte er mit, w\u00e4hrend er einen Erk\u00e4ltungstee am Mittagstisch schl\u00fcrfte, dass er Fasten und Beten muss, um den Willen des Herrn zu erfahren. Der den ganzen Tag TBN Trinity Broadcasting Network anschauende Mike schenkte ihm das passende Buch \u201eFasten\u201c von Larry Prince, das der hungrige Pastorensch\u00fcler sofort verschlang. Bald darauf besorgte sich der Uners\u00e4ttliche aus dem B\u00fccherregal Nachschub mit Derek Leas zwei Klassiker \u201eBetet mit mir eine Stunde\u201c und \u201eGottes Stimme h\u00f6ren\u201c.<\/p>\n<p>Um in der K\u00fchle des Abends etwas mehr Ruhe zu finden, kletterte Jonathan \u00fcber eine Leiter auf das Flachdach der Andachtsst\u00e4tte und betrachtete die zahlreichen, \u00fcber ihn hinwegfliegenden Flugzeuge. Es wurde immer dunkler, so dass unz\u00e4hlige Sterne am Himmel erschienen. Jonathan z\u00e4hlte zun\u00e4chst die neu gelernten acht hebr\u00e4ischen Jahwe Namen aus dem alten Testament auf, um dann in k\u00fchnem Glauben zu fordern, die Stimme des Gottes von Abraham h\u00f6ren zu wollen. Was war das? Er meinte etwas aus seinem Brustkorb zu vernehmen oder war es nur der knurrende Magen? Die Gedanken, die sich in sein Gehirn hoch transportierten lauteten, er soll sein gesamtes, neugewonnes Geld an Bed\u00fcrftige verteilen, dann w\u00fcrde er es zu Hause sofort wieder zur\u00fcck bekommen. Jonathan wurde noch aufgeregter als sich ein undeutliches Bild von einer lang ersehnten Frau in seinem Kopf abbildete. Als er im Bett lag, versuchte er es nochmals aus seinem Unterbewusstsein hervorzuholen. Ihn h\u00e4tte die Augen- und Haarfarbe doch zu sehr interessiert. War sie nun wie die favorisierte Sharon blond und blau\u00e4ugig oder gar wie Maria dunkelfarbig und braun\u00e4ugig?<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eine weitere Gestalt faszinierte Jonathan am darauf folgenden Sonntag ganz besonders. Es war der Hauptpastor Tommy Barnett. Noch nie hatte er einen Redner erlebt, der die Menschen so stark zur freiwilligen Mitarbeit motivieren konnte und ein so gesegnetes Werk betreute. Jede Person, die in der Kirche mit Herz samstags ehrenamtlich mithelfen wollte wurde zum Diakon ernannt und bekam Freiheit die gottgegebenen Talente auszuleben. Es gab zweihundert verschiedene Dienste, von denen der sonnt\u00e4gliche, kostenlose Busabholdienst, der Bekannteste war. Ein ehemaliger Mitarbeiter, der sich dieser Sache angenommen hatte, war Bill Wilson. Die Metro Ministry von Bill Wilson in New York, bei der tausende von bed\u00fcrftigen Kindern von ehrenamtlichen Mitarbeitern betreut werden, bekam sp\u00e4ter einen ebenso starken weltweiten Bekanntheitsgrad. Jonathan hatte schon einige B\u00fccher von Tommy Barnett verschlungen, wovon er \u201eDas Wunder ist im Haus\u201c bevorzugte. Er war so hungrig nach dem Wort Gottes, wie ein an den Mutterbr\u00fcsten gestilltes Baby. In Deutschland kannte er keinen Ort mit der selben charismatischen Atmosph\u00e4re.<\/p>\n<p>Tommy Barnett f\u00fchrte eine ungeliebte Handlung durch, die f\u00fcr amerikanische Prediger typisch ist. Er sammelte haufenweise Geld ein. Die Opferk\u00f6rbe gingen herum. \u201eGlaube kommt aus dem H\u00f6ren, und h\u00f6ren kommt vom Wort Gottes\u201c, hatte das Motto der Predigt sich in Jonathans Verstand eingebrannt. Ohne zu wissen was er tat, nahm er zweitausend Dollar aus seinem Portemonnaie und legte sie in den geflochtenen Beh\u00e4lter. Wie bei seiner Erstkommunion f\u00fchlte er sich schummerig und musste sich hinsetzen. Charlie, der in der Gemeinde Ordnerdienst leistete, f\u00fchrte dies auf sein Fasten zur\u00fcck. Mein Gott, was ist, wenn es die Stimme des Teufels war alles Geld herzugeben. Noch nie hatte er eine so hohe Summe gespendet.<\/p>\n<p>Nach dem imposanten vom riesigen Orchester und Chor vorgef\u00fchrten Musikst\u00fcck \u201eKein anderer Name als der Name Jesus\u201c, berichtete der Evander Holyfield Freund Barnett von seinem Plan als Dauerl\u00e4ufer durch die W\u00fcste nach Los Angeles zu joggen. Er bettelte f\u00fcr jede zur\u00fcckgelegte Meile um eine finanzielle Unterst\u00fctzung f\u00fcr die Arbeit seines Sohnes Matthew. Matthew Barnett fing gerade einen Dienst unter Randgruppen an einem der gef\u00fcrchtetsten Orte von Los Angeles an. Die Gemeinde kaufte und renovierte das ehemals katholische K\u00f6nigin-der-Engel-Hospital. Als Jonathan den Pastorensohn daraufhin zum ersten Mal kurz predigen h\u00f6rte, machte sich ein Geist der Eifersucht in ihm breit. Er dachte sich insgeheim, dass dieser optimistische, blau\u00e4ugige Anf\u00e4nger niemals den Erfolg seines Vaters wiederholen w\u00fcrde und nur aufgrund seines Verwandtschaftsverh\u00e4ltnisses in diesen Job hineingepuscht wird. Die Zeit w\u00fcrde Jonathan vom Gegenteil \u00fcberzeugen, denn Matthew Barnett ist inzwischen mindestens genauso bekannt wie sein Vater Tommy.<\/p>\n<p>Die gleiche Eifersucht wiederholte sich beim Kr\u00e4utertee-Mittagessen als Joel Osteen von der Lakewood Church im Hintergrund im Fernseher predigte. Nie w\u00fcrde dieser augenzwinkernde, besser eine Brille tragen sollende Sonnyboy und zuckers\u00fc\u00dfe Milchbubi den Erfolg seines Vaters John Osteen wiederholen, war sich Jonathan sicher. Im Moment jedenfalls.<\/p>\n<p>Jonathan erz\u00e4hlte beim anschlie\u00dfenden Monopoly Spiel mit Mike und seinen Kindern von seinen Blackjack- und Schacherlebnissen und fragte ihn, was er davon halte. Mike behauptete, dass alle Gl\u00fcckspiele um Geld vom Satan w\u00e4ren und zeigte eine wenig am\u00fcsante W\u00fcrfelspielstelle aus dem Neuen Testament. Passend dazu wurde auf TBN bzw. GOD TV oder Daystar im Hintergrund der Spielfilm \u201eDas Gewand\u201c gezeigt. Die Unterhaltung konzentrierte sich auf die Zukunftspl\u00e4ne, des alleinerziehenden ehemaligen Junkies. Auch er war aus seiner Wohnung geschmissen worden, weil er die Miete nicht mehr bezahlen konnte. Das wunderte den \u201eYes, we can\u201c mein Kampf erprobten Shomari Obama, der in der CFR-Jesuiten Zeitung die Ergebnisse der demokratischen Vorwahlen studierte, nicht. Den n\u00e4chsten Spa\u00df einleitend behauptete der einen Wechsel herbeif\u00fchrende Creflo, dass Geld Ohren h\u00e4tte und man nur laut genug danach schreien muss. \u201eHerr stifte mir ein wei\u00dfes Haus mit H\u00fcndchen\u201c, war sein neuester, wei\u00dfzahniger, breitmundiger Witz. Wie durch eine unsichtbare Hand gezogen, z\u00fcckte Jonathan zwanzig hundert Dollar Scheine aus seinem Geldbeutel und \u00fcbergab sie. \u201eHerr schenke mir zweitausend Dollar f\u00fcr meine neue Wohnung\u201c, ert\u00f6nte es aus dem Mund von Mike Murdock (Sorry, Verwechslung. Der arme Tagel\u00f6hner konnte ja seine Spenden-Telefonnummer nicht auf Fernsehkan\u00e4len einblenden und hie\u00df mit Nachnamen Werthan). Das barmherzige Geld-Schauspiel wiederholte sich ein weiteres Mal. \u201eHerr schenke mir sechshundert Dollar f\u00fcr eine neue Klimaanlage\u201c, sprach der hinzugekommene Charlie und wollte das Geld dann zun\u00e4chst doch nicht annehmen. Als Jonathan versicherte, dass ihm der Herr den Auftrag daf\u00fcr gegeben hat, f\u00fcgte Charlie einen Salomonischen Weisheitsspruch hinzu, dass schnell erlangter Reichtum auch wieder schnell verloren geht. Oh Mann, von dem Geld h\u00e4ttest du dir einen verhagelten VW Corrado VR6 Turbo kaufen k\u00f6nnen, ging es dem Schenkkreis spielenden G\u00f6nner beim Kofferpacken am Abend durch den Kopf.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen legten die reich bescherten Freunde ihre H\u00e4nde auf die Schultern ihres F\u00f6rderers und segneten ihn so ausgiebig und lautstark, wie Jonathan es noch nie geh\u00f6rt oder erlebt hatte. \u201eJa, er w\u00fcrde bestimmt noch jahrelang f\u00fcr ihn weiter beten und sich freuen, wenn er k\u00fcnftig Brians Zimmer \u00fcbernimmt\u201c, war der Abschiedsgru\u00df von Charles Pugliese, als er den sprachlosen Studenten am Flughafengeb\u00e4ude ablieferte.<\/p>\n<p>Bei der Landung am Stuttgarter Airport konnte Jonathan die vom Flughafendirektor geplagten Fildergemeinden und sogar das Haus der Witwe in der Schlo\u00dfstra\u00dfe \u00fcberblicken. Mit Unbehagen wollte er die Wohnung nach kurzer Zeit wieder aufl\u00f6sen und fragte sich, wie sein F\u00f6rderer und Chef Adolfo Massonico auf seinen Wunsch ein Sabbatjahr einzulegen reagiert. Ein Personalgespr\u00e4ch wurde anberaumt und der Gl\u00e4ubige bei den Mormonen und Zeugen Jehovas im Verk\u00fcndigungsdienst stehende Vorgesetzte h\u00f6rte von seinen pfingstlerischen Fortbildungsbegehren. Seine Anweisung lautete, nicht in die USA \u00fcberzusiedeln und sich genau zu \u00fcberlegen, ob er \u00fcberhaupt zum Predigen in anderen Sprachen berufen ist. Die blinden Eltern zeigten sich entsetzt von dem Vorhaben und erinnerten ihn wie stark sie den Wohnungswechsel finanziell unterst\u00fctzt haben. Im Prinzip schuldete er ihnen Geld. Selbst sein erster Seelsorger, der evangelische Pfarrer und Missionar Georg M\u00fcller riet ihm, in einer Email von Kenia aus, nicht, in die wohlhabenden, von charismatischen Tempelgeldwechslern \u00fcbers\u00e4hten, Vereinigten Staaten, wegzuziehen, da Gottes Zorn sicher bald \u00fcber diese R\u00e4uberh\u00f6hle ausbrechen w\u00fcrde. Jonathan war hin und hergerissen. Er wollte mit dem Kopf durch die Wand gehen, entschied sich dann aber doch in der Heimat zu bleiben. Denn er hatte im Jakobusbrief gelesen, dass Gottes Weisheit und Demut sich unterordnet und nicht selbsts\u00fcchtig ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Seiner gewohnten Arbeit nachgehend wunderte sich Jonathan, wo die Abrechnung f\u00fcr seine verkauften VW-Turbo Optionsscheine abgeblieben ist. Sein \u00e4lterer Kollege J\u00fcrg Schwarz, der bei Termingesch\u00e4ften immer ein gutes N\u00e4schen hatte, ver\u00e4ppelte ihn, mit dem Hinweis auf das tats\u00e4chlich existierende Verbot, Wertpapierauftr\u00e4ge nicht auf den Anrufbeantworter aufzusprechen. Der wahre Hintergrund warum er nichts unternommen hatte war, dass Porsche kurz vor der Insolvenz stand und VW gerade dabei war eine drei\u00dfig prozentige Mehrheit zu erwerben. Durch diese von den Wertpapieranalysten und der B\u00f6rse positiv aufgenommene \u00dcbernahmeger\u00fcchte hatten sich die Optionsscheine in k\u00fcrzester Zeit verdoppelt. Aber warum war dann der angezeigte Kurs in Las Vegas fast halbiert? \u201eDu Trottel h\u00e4ttest noch den Kurs von Dollar in DM umrechnen m\u00fcssen!\u201c, war die Erkl\u00e4rung von seinem Schulmeister J\u00fcrg, der ihn schon als Azubi kannte. Jonathan entschloss sich die jahrelang t\u00e4glich verfolgten Hebelpapiere vor der eigentlichen F\u00e4lligkeit zu ver\u00e4u\u00dfern und strich einen in dieser Zeit noch steuerfreien Spekulationsgewinn von umgerechnet USD 6.600,- ein. Wie k\u00f6nnte es anders sein. Zu dem nach zwei Tagen neu angeschafften Wagen fehlte nur noch die richtige Frau. Mehr dazu folgt im n\u00e4chsten Kapitel.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-6-die-reise-in-die-usa.mp3 &nbsp; Die Reise in die USA &nbsp; Jonathan Fischer konzentrierte sich wieder mehr auf sein berufliches Weiterkommen. Er \u00fcberlegte sich, ob er nicht eine Fortbildung zum Bankbetriebswirt oder eine theologische Laufbahn anstreben sollte. Aber bekanntlich gibt es der Herr den seinen im Schlaf. Der \u201eFrauenschwarm\u201c bekam eine andere z\u00fcndende Idee. 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