{"id":62,"date":"2008-04-17T14:18:48","date_gmt":"2008-04-17T14:18:48","guid":{"rendered":"http:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=62"},"modified":"2021-01-03T16:32:33","modified_gmt":"2021-01-03T16:32:33","slug":"3-kapitel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=62","title":{"rendered":"3. Kapitel"},"content":{"rendered":"<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-62-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-3-die-reise-in-die-schweiz.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-3-die-reise-in-die-schweiz.mp3\">https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-3-die-reise-in-die-schweiz.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Reise in die Schweiz<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der graue Alltag kehrte wieder im Leben von Jonathan Fischer ein. Er ging wieder seinen gewohnten Besch\u00e4ftigungen nach, die haupts\u00e4chlich durch sein T\u00e4tigkeitsfeld als Kundenberater in seiner Volksbank bestimmt wurden. Sein Freundeskreis im M\u00fcnchner Schachclub interessierte sich \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr seine Erlebnisse. Ja, sie hielten ihn f\u00fcr einen Spinner und Tr\u00e4umer, der zum hirnlosen Opfer einer der amerikanischen Sekten geworden ist. Dummerweise kam eine Serie von Niederlagen in der Schachbundesliga hinzu, was den kritischen Teammanager veranlasste, ihn eine Zeit lang gegen einen Ersatzspieler auszutauschen. Verst\u00e4ndlicherweise wollte auch seine Familie die entfachte Glaubensbegeisterung nicht teilen. Die Eltern waren der Meinung, wenn man einmal katholisch getauft ist, muss man auch immer katholisch bleiben. Sein Bruder Thomas griff ihn scharf an, weil er selbst eine seiner Meinung nach verr\u00fcckte und fanatische Vorgesetzte hatte, die ihn schon des \u00f6fteren versuchte zu bekehren. Umso \u00e4rgerlicher wurde er, als er erfuhr, dass diese Vera Fischer sich mit seinem kleinen Bruder bekannt gemacht hatte und mit ihm betete. Vera stellte ihre Wohnung im Sommer dem Sportler f\u00fcr Jesus Team zur Verf\u00fcgung und war bei den christlichen WM-Treffen dabei. So wurde Jonathan von seiner engen Verwandtschaft prophezeit, dass seine Begeisterung sich schnell wieder legen w\u00fcrde. In gewisser Weise sollten sie Recht bekommen.<\/p>\n<p>Weihnachten stand vor der T\u00fcr und die M\u00f6glichkeit eines phantastischen Winterurlaubs er\u00f6ffnete sich f\u00fcr Jonathan. Er erhielt eine Einladung in ein Nobelhotel in St. Moritz, die er seiner besten je erzielten Schachleistung zu verdanken hatte. Im Vorjahr triumphierte er bei einem mit zehn internationalen Jungtalenten besetzten Turnier in Lenk im Berner Oberland. Er gewann sieben Mal und spielte zwei Mal unentschieden, was der Leistung eines Supergro\u00dfmeisters entsprach. Ein j\u00e4hrliches von dem Schweizer Verband der Raiffeisenbanken gesponsertes Grand-Prix-Turnier, wurde in dem Oberengadiner Kurort, der vom Jetset \u00fcberaus gesch\u00e4tzt wurde, ausgetragen. Die einzige H\u00fcrde, die es zu \u00fcberwinden gab, war eine zum Jahreswechsel geltende Urlaubssperre f\u00fcr alle Bankbediensteten. Jonathan wusste, dass sein von klassischer Musik faszinierter Bankdirektor Adolfo, sich immer selbst \u00fcber sein Ferienverbot hinweg setzte, um vor Sylvester zum M\u00e4rchenschloss Neuschwanstein zu pilgern. Dort fand allj\u00e4hrlich im S\u00e4ngersaal ein Wagner-Festival statt, bei dem seine begnadete Frau und sechsfache Mutter, Anne-Sophie dirigierte. Einer der erfolgreichsten Bankvorst\u00e4nde Deutschlands, der nicht nur Liebhaber der h\u00f6heren K\u00fcnste, sondern auch sein F\u00f6rderer war, lie\u00df ihn nat\u00fcrlich nicht im Stich.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan wurde von einer befreundeten Familie aus Kecskemet in Ungarn gebeten, ein vierzehnj\u00e4hriges Wunderkind mit in die Schweiz zu begleiten. Der hagere Jugendweltmeister Peter Polgar galt nicht nur als aussichtsreichster Kandidat auf die K\u00f6nigskrone, sondern spielte auch ausgezeichnet Fu\u00dfball in seinem Armeeverein. Jonathan hatte beim Fr\u00fchlingsfestival in Budapest sogar erlebt, wie es eine Schl\u00e4gerei unter geldgierigen Schachtrainern gab, wer den Wunderknaben unterrichten darf. Der neue ungarische Nationalcoach und Gro\u00dfmeister Dr. Tamas Bozi, war ein Freund der Familie Fischer und \u00fcbernachtete gelegentlich bei seinen Europa-Touren in Stuttgart. Jonathan besorgte einen gebrauchten Personalcomputer f\u00fcr das zun\u00e4chst im Fasanenhof beherbergte Duo und installierte eine umfangreiche Schachdatenbank namens ChessBase darauf. Die Koffer, der PC und die eigene alpine Skiausr\u00fcstung wurden ins Auto gepackt, um sich zu dritt nach St. Moritz zu begeben. Jonathan diskutierte mit Tamas auf der Schnellstra\u00dfe Richtung Schaffhausen, ob er zuk\u00fcnftig nicht die Geldanlagen des aufstrebenden Spitzenverdieners Peter managen k\u00f6nnte. Deshalb machte beim Grenz\u00fcbertritt der promovierte Rechtsanwalt Dr. Bozi in gebrochenem Deutsch die scherzhafte Bemerkung, dass er ein Nummernkonto f\u00fcr sein M\u00fcndel Peter in der Schweiz er\u00f6ffnen m\u00f6chte. Die humorlosen Fahnder zerlegten daraufhin auf der Suche nach Bargeld nicht nur zwei Stunden lang den Opel Kadett in seine Einzelteile, sondern versuchten auch mit allen m\u00f6glichen Entschl\u00fcsselungstricks die vermeintlichen Bank-Zahlendaten auf der Computerfestplatte auszuspionieren. Die drei Verd\u00e4chtigen vertrieben sich w\u00e4hrenddessen die Zeit in einem Warteraum mit einem gegenseitigen Blind-Simultanturnier. Jeder spielte gleichzeitig gegen jeden, wobei kein Schachbrett zur Hilfe genommen wurde, sondern die Z\u00fcge im Kopf behalten und weitergesagt wurden. Jonathan war zufrieden dar\u00fcber, seine beide Ged\u00e4chtnis-Partien gewonnen zu haben und deutete dies als gutes Omen. Noch gl\u00fccklicher waren alle drei Denksportler, als ein Dienst abl\u00f6sender Grenzer sich als echter Experte und Schachfreund entpuppte und die Reise fortgesetzt werden konnte.<\/p>\n<p>Mit reichlicher Versp\u00e4tung an der Rezeption des Grand Palace Hotels im verschneiten Engadin angekommen, wurde der PC und Bildschirm abermals zerlegt. Geheimdienstmitarbeiter bef\u00fcrchteten, dass sich darin eine Bombe befinden k\u00f6nnte. Warum dieser Aufwand? Das weltber\u00fchmte Domizil wurde in der Weihnachtszeit als Austragungsort einer Konferenz \u00fcber eine \u201eNeue Weltordnung\u201c von Regierungschefs und Wirtschaftsbossen gebucht und war deshalb strengstens \u00fcberwacht. Die drei Neuank\u00f6mmlinge bekamen endlich ihre Zimmerschl\u00fcssel und einen Strichcode-Scanausweis, um sich besser bewegen zu k\u00f6nnen, bis sie sich ersch\u00f6pft auf ihre Overnightapartments begeben konnten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Morgen kehrte Fortuna in Jonathans Leben zur\u00fcck. Beim von einer Harfenistin begleiteten Fr\u00fchst\u00fcck in der Grand Hall der Nobelherberge setzten sich zwei weltber\u00fchmte Business-Women an seinen Tisch. Die reiferen, gleichaltrigen Blondinen unterhielten sich auf Englisch \u00fcber ihre Marketing- und Verkaufsstrategien. Sie br\u00fcsteten sich mit ihren Double-Investments in Silicon Hills, die ihnen zu famosem Reichtum und Wohlstand verholfen hatten. Der gl\u00e4ubige Christ und Banker geriet in einen Gewissenskonflikt und ins Nachdenken. War es ein Zufall, dass er beide in der Nacht, bei von der Kirche verbotenen Szenen, im Fernsehen gesehen hatte? Madonna! Die eine setzte sich auf MTV mit ihrem Hit \u201eLike a Prayer\u201c wie \u00fcblich schockierend in Szene, und die einem menschlich erbebenden, t\u00f6dlichen Karma erliegende Sharon, zeigte sich in \u201eBasic Instinct\u201c bei einem Teufelsritt von ihrer besten, nackten Seite.<\/p>\n<p>Als Jonathan mit der Gondel in die schneebedeckten Graub\u00fcndner Berge herauf schwebte, schimmerten die wei\u00dfen T\u00fcrme des auf einem H\u00fcgel befindlichen M\u00e4rchenhotels in r\u00f6tlichem Sonnenlicht. Beim Verlassen des Transportmittels verhakten sich seine Skist\u00f6cke mit denen des jugendlichen, angels\u00e4chsischen Thronfolgers, was er nicht fassen konnte. Untert\u00e4nigst hob er beim Verlassen des Skilifts das weggeworfene Stofftaschentuch des Rotzl\u00f6ffels auf und stie\u00df bei der versuchten R\u00fcckgabe auf Unverst\u00e4ndnis bei dessen abschirmenden Leibw\u00e4chtern. Der ver\u00e4rgerte Jonathan steckte das klebrige Souvenir ein und \u00fcberfl\u00fcgelte die Adelsfamilie forsch, indem er gekonnt mit seinen Fischer Slalom Skis die schwarzen Pisten ins Tal hinunter wedelte. Jonathan konnte diesen Tag gelassen angehen, da er die Erstrundenpartie am Nachmittag gegen seinen Kumpanen Tamas Bozi zur schnellen lustlosen Remispartie im voraus vereinbart hatte. Im Anschluss daran erteilte Jonathan seinem Komplicen Skiunterricht an einem Anf\u00e4ngerlift und am\u00fcsierte sich \u00fcber dessen zahlreiche St\u00fcrze in den Schnee.<\/p>\n<p>Das n\u00e4chste morgendliche Buffet hatte zwei steife Operns\u00e4nger zu bieten, die die G\u00e4ste musikalisch begr\u00fc\u00dften. Die Vors\u00e4nger Tamino und Papageno wurden von einem Streichorchester harmonisch untermalt. Diesmal gesellte Jonathan sich an einen Tisch mit zwei m\u00e4nnlichen Gesch\u00e4ftsleuten, die sich ihm, ihre Daumen beim H\u00e4ndesch\u00fctteln reibend, als stets zu Diensten stehenden Lehrlinge vorstellten. Es waren zwei Landsleute, die anscheinend an dem Politikerforum teilnahmen. Der eine wollte das teure Bargeld abschaffen und der andere seinen st\u00f6renden Betriebsrat. Der Volkswirt und der Maschinenbauer erfanden ein Mammon-Patent. Der Cash des Kreditinstituts sollte heimlich an die Heros des Volks-Betriebsrats flowen, um dann von diesen Gl\u00fccks-Boten auf ein in Buchgeld umwandelndes Spesenkonto eingezahlt zu werden. Damit glaubten die beiden Chair-M\u00e4nner of the Executive Board, zwei Zylinder mit nur einem Ventil steuern zu k\u00f6nnen. Hoffentlich streikt dann der Katalysator nicht, bilanzierte Jonathan, der spekulierend seine R\u00fccklagen in Verm\u00f6gensanlagen der Weltkonzerne umgeschichtet hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Beim Kandidatenturnier starteten die Partien jeweils um zwei Uhr nachmittags. Die zweite Begegnung mit Peter Polgar hatte es in sich, denn Jonathan k\u00e4mpfte in einem Endspiel mit Turm, Springer und Mehrbauern gegen eine \u00fcberm\u00e4chtige Dame ums \u00dcberleben. Da kamen ihm ein in Yale empor gestiegener Pr\u00e4sident und sein Z\u00f6gling der \u00d6l-Gouverneur zur Hilfe. Die zwei Kiebitze mit ihren Adleraugen schlichen von ihrem mit Bergen von Bildern gekr\u00f6nten Konferenzraum in den holl\u00e4ndischen Schach-Saal des Hotels. Sie wurden von aussp\u00e4henden Kameram\u00e4nnern umkreist, die den hysterisch, siegessicheren Polgar in erh\u00f6htes Lampenfieber versetzten. Der jugendliche Schachgott schwang f\u00fcr die Galerie elegant seinen K\u00f6nig durch die L\u00fcfte, bis er sogleich in Panik geriet, weil er seinen Irrtum erkannte. Ein Zug mit der wei\u00dfen Dame w\u00e4re vorteilhafter gewesen.<\/p>\n<p>Das Tier in Jonathan bestand jedoch auf die Ber\u00fchrt-Gef\u00fchrt-Regel, so dass er sich schadenfroh in eine Zugwiederholung durch Dauerschach retten konnte. Umso geiler empfand der Schwarz-Spieler, dass diese Begebenheit in der SF Tagesschau ausgestrahlt wurde. Die Bewunderung und der Neid zahlreicher Bekannter waren ihm sicher.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Fischer bewohnte eine Junior Suite Deluxe, bei der die Getr\u00e4nke der Hausbar zun\u00e4chst gratis waren. Am dritten Tag wurde der K\u00fchlschrank mit den Spirituosen jedoch von der Femme de Chambre leer ger\u00e4umt. Was war passiert? Sein Zimmernachbar der englische Meisterspieler Harry Bibber hatte sich betrunken und eine aus dem Zimmer geworfene, r\u00e4uberische Konkubine auf dem Gang mit dem Notfall-Feuerl\u00f6scher \u00fcberspr\u00fcht. Die pulverisierte Etage sah danach aus, wie nach einer winterlichen \u00dcbung der Jugendfeuerwehr.<\/p>\n<p>Jonathan freute sich, dass der Terminplan ausgerechnet an diesem Tag seine Wei\u00df-Partie gegen den Alkoholiker vorgesehen hatte. Es sah so aus, als ob Jonathan einen kampflosen Sieg erringen k\u00f6nnte, da sein Gegner bei Rundenbeginn seinen Kater immer noch nicht ausgeschlafen hatte. Mit fast einer Stunde Versp\u00e4tung kreuzte der rothaarige Bibber doch noch auf und schmiss aus Versehen gleich seine schwarze Dame und den Matt zu setzenden K\u00f6nig um. J\u00b4adoube &#8211; ich r\u00fccke zurecht, pflegen die Spieler in so einem Moment zu sagen. Jonathan w\u00e4hlte die Spanische Partie, und der mit den Figuren zaubernde Harry strebte den gef\u00fcrchtete Marshall-Angriff an. Weiss besitzt dabei den Materialvorteil eines Mehrbauern, muss aber daf\u00fcr die Er\u00f6ffnungsinitiative hergeben. Der schwei\u00dfgebadete Jonathan f\u00fchlte sich in seiner Haut sehr unwohl und kam nach zwei Stunden in gro\u00dfe Zeitnot. Sein intuitiv, genialer Kontrahent, der pausenlos auf die Toilette rannte, hatte nur f\u00fcnfzehn Minuten Bedenkzeit ben\u00f6tigt. Die Begegnung wurde sp\u00e4ter zur Partie des Jahres gek\u00fchrt, weil Jonathan trotz riesigem Materialvorteil das erstickte Schachmatt durch den feindlichen Springer nicht mehr verhindern konnte.<\/p>\n<p>Beim Gourmet Set Diner erfuhr der ein obligatorisches Jacket tragende Deutsche vom Underdog mit dem Sommersprossengesicht, nicht nur warum er die zu kostenintensive B\u00e4uerin opferte, sondern auch, dass er das Marshall-Gambit im Schlaf beherrschte. Die gemeinsame Analyse im Doppelzimmer von Tamas und Peter, mit Hilfe der Computer-Spielerdatenbank, best\u00e4tigte Harrys Behauptung anhand vieler erfolgreichen Partien. Die Ungarn waren dadurch gewarnt und bereiteten sich besser auf ihre Begegnungen mit dem Engl\u00e4nder vor.<\/p>\n<p>Am Abend tr\u00f6stete sich der M\u00f6chtegern-Weltmeister Fischer, der es hasste lange Er\u00f6ffnungsvarianten auswendig zu lernen, im Pay TV mit dem mehrmals gesehenen Arnold Schwarzenegger Science-Fiction Total Recall und mit anderen vergesslichen Mind-Movies.<\/p>\n<p>Am folgenden Tag versuchte Fischer als Schwarzer, ebenfalls einen Bauernvorteil in einem K\u00f6nigsgambit gegen Kasparow zu behaupten. Er musste jedoch nach 33 Z\u00fcgen die \u00dcberlegenheit des weltmeisterlichen Diktators eingestehen. Bei der folgenden Partieanalyse in der Wodka-Jelzin-Lounge versuchte ein sowjetischer KGB-Offizier namens Wladimir die Bauernhalte-Strategie vehement zu verteidigen. Der Demonstrationskunst von Garry war dieser Deutschlandverb\u00fcndete allerdings nicht gewachsen. Garry Kasparow brachte seinen Landsmann letztendlich zum Schweigen, indem er sp\u00f6ttisch und ver\u00e4chtlich empfahl, seine aufr\u00fchrerischen Gegner besser beim Judo zu unterwerfen oder den Erfolg versprechenden Schl\u00e4ger Put-Inn, beim Golfball-Einlochen in seinem Caddy zu verhaften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ungl\u00fccklicherweise hatte sich der am k\u00f6niglichen Taschentuch schn\u00fcffelnde Fischer auf der Skipiste einen grippalen Infekt zugezogen, der ihn zunehmend schw\u00e4chte und in seiner Freizeit ans Bett fesselte. Auch in der Schacharena ereignete sich fatalerweise an den folgenden Tagen eine nie dagewesene Pechstr\u00e4hne mit vier weiteren Niederlagen. Fischer verlor gegen Kramnik in einer Russischen Partie, gegen Anand im K\u00f6nigsindisch, gegen Madl-Sautter im Damengambit und schlie\u00dflich gegen Leko in der umstrittenen Er\u00f6ffnungsvariante des Budapester Gambits. Jonathans Gebete um Erfolg schienen von Gott \u00fcberh\u00f6rt worden zu sein, und das gelegentliche Studium in der Nachtkasten-Gideon-Bibel brachte ihm wenig Trost. Zu allem \u00dcberfluss verloren seine VW-Turbo Optionsscheine t\u00e4glich an Wert und eine Spekulation auf die Deutsche Bank Aktie an der DTB (Deutsche Terminb\u00f6rse\/Nachfolger Eurex) erwies sich zum Verfalltermin als wertlos.<\/p>\n<p>Nun reichte es Jonathan Fischer endg\u00fcltig. Er entschloss sich Gott zu strafen, indem er nicht einmal mehr das Vaterunser vor dem Einschlafen betete. Als Kommunionkind war dies zu einer heiligen Gute Nacht-Tradition geworden. Statt dessen erg\u00f6tzte sich Jonathan an dem Film neuneinhalb Wochen. Ausgerechnet bei einer der kulinarischen Schlemmerszenen mit der sexy Kim, klopfte es unvermutet an seiner T\u00fcr. Viktor Orlowski, der Vater seiner Schlussrunden-Gegnerin wollte ihn sprechen. Er bot ihm 600 Franken an, falls er am n\u00e4chsten Tag absichtlich verliert. Jonathan hatte im vergangenen Jahr zwei Franz\u00f6sische Partien gegen die \u00e4u\u00dferst h\u00fcbsche Judith gewonnen. Darum hatte der Papa Angst, dass er ihr wie ein angeschlagener Boxer den ersten Platz mit 6600 Dollar Preisgeld kurz vor dem Schlussgong abtrotzen k\u00f6nnte. Die Tochter sollte von dem geheimen unmoralischen Angebot nichts erfahren. Als Jonathan selbst einmal durch solche Absprachen benachteiligt wurde, hatte er geschworen, bei den Gesch\u00e4ften der Schach-Mafia nie mitzumachen. Trotzdem begann ihm der Handel zu gefallen. Somit w\u00fcrde der Gentleman die Veranstaltung eben mit einem Negativrekord von lediglich einem von neun m\u00f6glichen Punkten beenden und daf\u00fcr mit dem Bestechungsgeld etwas Erregendes anfangen. Die folgende Suche nach der mit dem Brandl\u00f6scher wei\u00df gewichsten Spa\u00df-Gesellschafterin blieb jedoch erfolglos. Der Liftboy meinte zu wissen, dass Queen Theresa zu einem Vorstellungsgespr\u00e4ch beim Kantonalen Gesundheitsamt abgereist w\u00e4re. Das kam ihm spanisch vor, denn beim Lunch hatte sie doch gemosert, dass sie umgehend und zwingend eine Eidesstattliche Versicherung bei ihrem Wohnsitzfinanzamt abgeben muss.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Am n\u00e4chsten Tag gewann Peter Polgar eine ebenfalls abgekartete Partie gegen seinen Sekundanten Tamas Bozi und wurde mit 14 Jahren zum j\u00fcngsten M\u00e4nner-Gro\u00dfmeister ernannt. Den Turniersieg teilte er sich mit der fr\u00fchreifen Frauenspielerin Judith Orlowski, die im rekordverd\u00e4chtigen Alter von 15 Jahren den h\u00f6chsten Schachtitel erhalten hatte.<\/p>\n<p>Der zickige Peter wollte das Preisgeld zu Jonathans Leidwesen nicht bei seiner Sandbank Denkenstadt eG anlegen, sondern befolgte den Rat eines Schweizer Raiffeisen-Beraters und kaufte Parmalat Aktien. So ein Stinkerk\u00e4se, dachte sich Jonathan, die ausl\u00e4ndischen Kollegen hatten wohl noch nichts aus den S\u00fcdmilch- und Sachsenmilch-Pleiten gelernt. \u00dcberhaupt war das trotzige Kind seit ihrer Auseinandersetzung nicht gut auf ihn zu sprechen und machte sich auf der R\u00fcckfahrt schier in die Hose, als der Digitaltacho die zweihunderter Marke \u00fcberschritt. Der letzte Nachtzug vom Z\u00fcricher Bahnhof in Richtung Wien musste auf dem Heimweg f\u00fcr die Ungarn erreicht werden. Der Sportwagenfahrer Fischer verfolgte auf der Schweizer Autobahn einen Speedster mit dem Kennzeichen S-PS 231. Das schwarz-goldene Fl\u00fcgelcabrio mit dem Emblem Porsche 911, hatte wohl doppelt so viel Zugstutenst\u00e4rken, wie sein tiefer gelegter violett-metallischer Opel GSI, der bei Bodenwellen aufgrund der Gep\u00e4cklast hinten schon mal aufsetzte. Tamas und Jonathan machte dies in ihren bequemen Recaro-Vordersitzen nichts aus, doch der saure Z\u00f6gling auf der R\u00fcckbank wurde ranzig ger\u00fcttelt.<\/p>\n<p>Ein schwarzer Ford Scorpio, der im Windschatten der Stuttgarter Autos zun\u00e4chst Benzin sparen wollte, schaltete ein portables Blaulicht an und n\u00f6tigte Jonathan bei der Rastst\u00e4tte W\u00fcrenlos anzuhalten. Der Ziegenpeter konnte erl\u00f6send zum Pinkeln, und Jonathan bekam die M\u00f6glichkeit, seine Tuning-Umbauten den netten Schweizer Beamten anhand seines KfZ-Scheins zu erl\u00e4utern. F\u00fcr den Grippe geschw\u00e4chten Kadett-Frisierer hatte das neue Jahr nicht gut begonnen, denn er bekam einen Strafzettel von 600 Franken f\u00fcr die \u00fcberh\u00f6hte Geschwindigkeit verschrieben. Er konnte froh sein, dass die Ordnungsh\u00fcter ihn \u00fcberhaupt noch weiter fahren lie\u00dfen, denn seine hinteren Goodyear Niederquerschnittsreifen hatten sich an den Radk\u00e4sten gl\u00fchend violett gescheuert.<\/p>\n<p>Die Schachprofis wurden wie geplant am Bahnhof verabschiedet und Jonathan erreichte mit M\u00fche die eigene Heimat, wo sein Krankheitszustand sich weiter verschlechterte. Eine eitrige Entz\u00fcndung im Oberkiefer brach hervor. Im Katharinenhospital wurde die Diagnose gestellt, dass ein Tumor im Kopf wieder nachgewachsen sei, der operativ entfernt werden musste. Jonathan war am Boden. Er weinte und bekam Todes\u00e4ngste. Er erinnerte sich an seinen Freund Richy Hammer, der ihm beim sommerlichen Abschied einen Bibelvers aufschrieb, in dem stand, er solle mutig und stark sein und sich nicht f\u00fcrchten. Ein gro\u00dfes Briefkuvert aus \u00dcbersee wurde am selben Morgen Jonathan zugestellt. Darin befand sich das gemeinsame \u00fcbergro\u00dfe Foto mit Carl und Leroy. Hammer erinnerte den Held dieser Lebensfiktion in dem beigef\u00fcgten Schreiben abermals an die aufgeschriebenen Worte aus dem ersten Kapitel des Josuabibelbuchs. Jonathan erschrak, als er beim Lesen der Zeilen an sein Versprechen erinnert wurde, nicht mehr an Schachturnieren teilnehmen zu wollen. Die kritische Operation wurde mit \u00f6rtlicher Bet\u00e4ubung durchgef\u00fchrt, was Jonathan nicht als angenehm empfand. Ein Kieferchirurg namens Martin Anrich erz\u00e4hlte dem Assistenten Dr. Christian Finckh von einem Hilfseinsatz in Albanien und seinen Pl\u00e4nen nach Macao zu reisen. Jonathan bef\u00fcrchtete, dass bei den ablenkenden Urlaubsgespr\u00e4chen die geschickten Filigranh\u00e4nde nicht jedes Tumorgew\u00e4chs zwischen seinen Zahnwurzeln entfernen w\u00fcrden. Prompt bekam er vom Operateur zu h\u00f6ren: \u201eHoffentlich habe ich alles erwischt. Ich bohre Ihnen jetzt ein Nasenfenster in die Kieferh\u00f6hle, damit in der Zukunft Entz\u00fcndungen nicht so leicht auftreten.\u201c Finckh ein Arzt im Praktikum bemerkte: \u201eIch wei\u00df jetzt wie es geht. Sonst hole ich den Rest halt nach meiner vollen Approbation an Ostern heraus.\u201c<\/p>\n<p>Der desillusionierte Jonathan lag noch eine Woche station\u00e4r und bekam Besuch von einer charmanten Dame. Vera Fischer hatte von seinem Bruder von dem Krankenhausaufenthalt erfahren und begann ihn, mit einem mitgebrachten Obstkorb aufzumuntern. Jonathan war \u00fcberaus geschmeichelt und begann sich ein wenig in die einige Jahre \u00e4ltere Diplomingenieurin zu vergucken. Waren die gleichen Nachnamen vielleicht ein Wink vom Allerh\u00f6chsten?<\/p>\n<p>Der von den \u00c4rzten gew\u00fcnschte Heilungsverlauf stellte sich ein. Somit wurde der Patient in den gewohnten Lebensablauf und Berufsalltag zur\u00fcckgelassen. Kurze Zeit sp\u00e4ter ereignete sich jedoch bedauerlicherweise ein gro\u00dfer Skandal in seinem vor 160 Jahren gegr\u00fcndeten Schachverein. Der Teammanager hatte beim Poker die ihm anvertrauten Geh\u00e4lter aufs Spiel gesetzt und trotz Royal Flush verloren. Die Sponsoren zogen sich zur\u00fcck, und die Berufsspieler mussten sich neue Vereine suchen, da sie ohne Geld dastanden. Der Bankfachwirt Fischer war froh, ein monet\u00e4res Handwerk auszu\u00fcben und sah das Ereignis als letzten Wink Gottes, sein Hobby an den Nagel zu h\u00e4ngen. Die k\u00fcnftige Erf\u00fcllung seines Lebenstraums w\u00fcrde eine Best\u00e4tigung f\u00fcr diesen schweren Entschluss sein.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-3-die-reise-in-die-schweiz.mp3 &nbsp; Die Reise in die Schweiz &nbsp; Der graue Alltag kehrte wieder im Leben von Jonathan Fischer ein. Er ging wieder seinen gewohnten Besch\u00e4ftigungen nach, die haupts\u00e4chlich durch sein T\u00e4tigkeitsfeld als Kundenberater in seiner Volksbank bestimmt wurden. Sein Freundeskreis im M\u00fcnchner Schachclub interessierte sich \u00fcberhaupt nicht f\u00fcr seine Erlebnisse. 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