{"id":60,"date":"2008-04-11T16:16:58","date_gmt":"2008-04-11T16:16:58","guid":{"rendered":"http:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=60"},"modified":"2021-01-03T16:34:14","modified_gmt":"2021-01-03T16:34:14","slug":"2-kapitel","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/jonathanfischer.de\/?page_id=60","title":{"rendered":"2. Kapitel"},"content":{"rendered":"<audio class=\"wp-audio-shortcode\" id=\"audio-60-1\" preload=\"none\" style=\"width: 100%;\" controls=\"controls\"><source type=\"audio\/mpeg\" src=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-2-die-leichtathletik-wm.mp3?_=1\" \/><a href=\"https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-2-die-leichtathletik-wm.mp3\">https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-2-die-leichtathletik-wm.mp3<\/a><\/audio>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Jonathan Fischer plante seinen Sommerurlaub und begab sich in ein im Stuttgarter K\u00f6nigsbau befindliches Reiseb\u00fcro. Er besorgte sich Informationsmaterial \u00fcber Tansania und Kenia, um es zu Hause zu studieren. Der ehrgeizige Sportler wollte den h\u00f6chsten Berg Afrikas, den Kilimandscharo besteigen. Da begegnete ihm eine Schar singender Christen in der Haupteinkaufszone Stuttgarts, deren Lieder er Geh\u00f6r schenkte. Ein nicht unattraktives M\u00e4dchen sprach ihn an und gab ihm eine Einladung f\u00fcr einen offenen Abend des CVJM. Als Katholik mied Jonathan jeglichen Kontakt zu evangelischen Gottesdiensten, weil er sich nie vorstellen konnte, wie seine Tante Gertrude Elisabetha das Glaubenslager zu wechseln. Dieser Luther gab ihm sowieso ein unangenehmes Gef\u00fchl, wenn er das \u201eGegr\u00fc\u00dfet seist du Maria\u201c betete. Auf der Einladung stand Multivisionsschau \u00fcber die Sch\u00f6nheit der Landschaft Kenias mit anschlie\u00dfender Missionsreportage des evangelischen Pfarrers Georg M\u00fcller. Das verbl\u00fcffte Jonathan stark. Der Reise-Interessent nahm sich vor, die Veranstaltung am selben Abend zu besuchen, aber vor dem zweiten religi\u00f6sen Teil zu verlassen. Die Sch\u00f6nheit der auf einer gro\u00dfen Leinwand projizierten Bilder war unbeschreiblich und \u00fcbertraf seine vielf\u00e4ltigen Eindr\u00fccke, die er durch das Fernsehen hatte bei weitem. Er sah sich in Gedanken in der morgendlichen D\u00e4mmerung den Mount Kenia besteigen, um selbst life das atemberaubende Schauspiel der kenianischen Landschaft von oben betrachten zu k\u00f6nnen. Sp\u00e4ter w\u00fcrde er in eines der zahlreichen Fischerboote am Viktoriasee einsteigen und die sich im Wasser orange schimmernden Flamingoschw\u00e4rme mit seiner Kamera festhalten. Er tr\u00e4umte und verga\u00df ganz, dass es an der Zeit war die Flucht zu ergreifen. Die sympathische Stimme, die durch den Gro\u00dfdiavortrag f\u00fchrte, fing nun an von zahlreichen Wundern, die sich auf dem Missionsfeld mit der Stammesgruppe der Massai ereigneten, zu berichten. Aufgrund anderer Reportagen glaubte Jonathan, man sollte diesem stolzen Nomaden- und Hirtenvolk seinen Naturglauben belassen, aber gerne lie\u00df er sich durch die positiven Geschehnisse vom Gegenteil \u00fcberzeugen.<\/p>\n<p>Was dann folgte sollte Jonathans Leben komplett ver\u00e4ndern. Pfarrer M\u00fcller begann \u00fcber Golgatha zu predigen und fragte die Zuh\u00f6rerschaft wer sein Leben neu Jesus Christus weihen m\u00f6chte.<\/p>\n<p>Jonathan hatte einen Menschen noch nie in der Art und Weise wie Georg M\u00fcller \u00fcber den Tod am Kreuz sprechen h\u00f6ren. Er empfand, als ob jedes Wort der Rede tief in das Innere seines Herzens eingebrannt wurde und es war so, dass er sich Jahre sp\u00e4ter noch an Einzelheiten des Gesagten erinnern konnte. Jonathan wurde es ganz mulmig und sein schmaler Oberk\u00f6rper erschauderte, als der Geistliche am Ende des Vortrags gerade auf ihn zuging und fragte, ob er f\u00fcr ihn beten d\u00fcrfe. Sie begaben sich in einen Nebenraum des der evangelischen Kirche geh\u00f6renden Geb\u00e4udes und setzen sich auf zwei St\u00fchle. Georg, der Hirte, legte seinen Arm um Jonathans Schulter und fragte liebevoll was sein gr\u00f6\u00dfter Herzenswunsch w\u00e4re. Jonathan erz\u00e4hlte von seinen Pl\u00e4nen mit der Keniareise und wie sehr ihn die Vorf\u00fchrung begeistert hatte. M\u00fcller fand die Idee genial und erkundigte sich, ob er verheiratet w\u00e4re oder eine befreundete Person mitnehmen wollte. Das traf den Nagel auf den Kopf. Denn Jonathan f\u00fchlte sich trotz zahlreicher Freunde sehr einsam und hatte vor, die Reise als Rucksacktourist alleine anzutreten. Ja, sein gr\u00f6\u00dftes Verlangen bestand darin, eine Frau zu finden. Seelsorger M\u00fcller versicherte Jonathan, dass Gott genau die passende Partnerin f\u00fcr ihn vorgesehen hat und er ihm vertrauen soll, dieser zum exakt richtigen Zeitpunkt zu begegnen. Es w\u00e4re \u00fcberaus wichtig, bei allem was er tut nach Gottes Willen und Pl\u00e4nen zu fragen und immer zuerst nach Gottes Reich zu trachten. Diesem Ratschlag wollte der Jesus-J\u00fcnger bedingungslos folgen. Jonathan freute sich noch besonders \u00fcber ein Neues Testament, das er bei der Verabschiedung \u00fcberreicht bekam. Er las jeden Abend mehrere Kapitel des Taschenbuchs und war nach einem Monat am Ende, bei der Offenbarung des Johannes angekommen. So sonderbar ihm vieles in dem Buch der B\u00fccher erschien, so unerkl\u00e4rlich war Jonathan der pl\u00f6tzliche Unfriede \u00fcber seine bereits gebuchte Reise. Das Gef\u00fchl verlie\u00df ihn erst, als er den Flug nach Kenia mit finanziellen Nachteilen stornierte. Nun stand er da und hatte bei seiner Bank zwei Wochen Urlaub eingetragen, die er bald zu Hause verbringen m\u00fcsste.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste, monatlich stattfindende offene Abend stand vor der T\u00fcr, f\u00fcr den Georg M\u00fcller einen kenianischen Olympiasieger als Redner engagiert hatte. Der schm\u00e4chtige Dauerl\u00e4ufer begann temperamentvoll in seiner afrikanischen Art vom \u00fcbernat\u00fcrlichen Eingreifen Gottes in seinem Leben zu berichteten. Anscheinend hatte das Laufwunder Rudolph Fixson in jungen Jahren Kinderl\u00e4hmung gehabt und konnte \u00fcberhaupt nicht gehen. Neben seinen sportlichen Erfolgen engagierte sich der einen Spendenaufruf gebende Rudolph f\u00fcr die Waisenkinder in der Agape Academy in Kosele und der Agape School in Awendo. Jonathan fiel es schwer, die Lebensgeschichte von Fixson zu glauben. Der Film \u00fcber die freudig in die H\u00e4nde klatschenden, singenden Aids-Waisen beeindruckte den seinen Geldbeutel leerenden Deutschen umso mehr. So empfand er diesen Treff genauso \u00fcberw\u00e4ltigend wie den Letzten. Der Neuling genoss es, die auf eine Leinwand geworfenen Lobpreislieder mitzusingen. So erinnerte er sich, dass er als Kind immer sch\u00f6ne Gef\u00fchle hatte, wenn in der Kirche \u201eGro\u00dfer Gott wir loben dich\u201c gesungen wurde.<\/p>\n<p>Am Ende der Veranstaltung wurde ein Fahrer f\u00fcr die bevorstehende Leichtathletik-Weltmeisterschaft gesucht. Der Zeitraum deckte sich mit Jonathans Urlaub und ein unbeschreibliches Gef\u00fchl der Freude machte sich in ihm breit.<\/p>\n<p>Au\u00dfer ihm gab es auch keine andere Person, die bereit war zu helfen. Er bekam einen privaten Minibus von einem Arzt der Kirchengemeinde zur Verf\u00fcgung gestellt, um ein Team mit dem Namen \u201eSportler f\u00fcr Jesus\u201c aus den USA herum zu chauffieren.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die erste Fahrt f\u00fchrte ihn in eine ehemalige Milit\u00e4rkaserne im Scharnhauser Park, die zum Athletendorf umgebaut wurde. Durch die Teilnahme an internationalen Schachturnieren beherrschte Jonathan die englische Sprache gut, und so verfolgte er jedes Wort, das im Minibus gesprochen wurde. Die Mitfahrer diskutierten \u00fcber eine Veranstaltung im Fernsehen, bei der ber\u00fchmte Sportler von ihrem Glauben berichten sollten. Der Grund des Besuchs war, m\u00f6glichst viele weitere Athleten f\u00fcr das in einem Kongresszentrum stattfindende Ereignis einzuladen. Es wurden Zweiergruppen gebildet mit dem Ziel, Einladungsschreiben in dem streng \u00fcberwachten Athletendorf zu verteilen. Zun\u00e4chst fiel es Fischer schwer bei dieser Verteilaktion mitzuwirken, da sich ein Gef\u00fchl der Beklemmung bei ihm einstellte. Seine zur Seite gestellte amerikanische Mitarbeiterin Hera Torch bemerkte das sofort und sagte, er soll nur eine schwere Tasche mit den Prospekten tragen und sich eventuell als Dolmetscher zur Verf\u00fcgung stellen. Diese klein gewachsene G\u00f6tterbotin Torch war wie eine feurige Fackel, die ihre Umgebung in Windeseile zu entfachen schien. Nach drei Stunden waren die mitgebrachten f\u00fcnfhundert Einladungen an Sportler und Trainer der verschiedensten Nationen verteilt. Jonathan war ganz aufgeregt als er Heike, die deutsche Seriensiegerin im Weitsprung erkannte und diese bereitwillig seine letzte Einladung entgegen nahm. Als Belohnung f\u00fcr seinen Mut bekam er von Hera einen Granatapfel geschenkt. Andere Teammitglieder trafen sich in der Zwischenzeit in der provisorischen Athletenkapelle mit bekennenden Christen aus den verschiedensten L\u00e4ndern. Der Besuch eines Krankenhauses wurde vorbereitet. Am n\u00e4chsten Tag half Jonathan, ein Mischpult mit Boxen in der Aula des Ruiter Paracelsus-Krankenhauses aufzubauen. Die internationale Sportlerband hatte nur kurze Zeit zum Proben, verspr\u00fchte jedoch bei ihrem Konzert eine gro\u00dfe Freude, die sich durch das ganze Hospital auszubreiten schien. In gleicher Manier schw\u00e4rmte die bunt aussehende Sportlerschaft am Ende der Gospelsongs in die Zimmer der vier verschiedenen Fl\u00fcgel des Geb\u00e4udes. Sie erz\u00e4hlten aus welchen L\u00e4ndern sie kamen und welche Sportart sie aus\u00fcbten und leisteten so vielen dankbaren Patienten Gesellschaft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Eines darauf folgenden Abends traf sich das amerikanische Team zusammen mit Pastor M\u00fcller und CVJM-Mitgliedern in einer Parkanlage im Zentrum Stuttgarts. Sie sangen englische Lobpreislieder, die mit Gitarre begleitet wurden. Danach dolmetschte der evangelische Geistliche den Leiter des Sportlermissionswerks von \u00dcbersee, der Samuel Lay hie\u00df und sein bester Freund war. Es ging wieder darum, dass man sein Leben Jesus \u00fcbergeben soll. Ein weiteres Mitglied des amerikanischen Teams wurde von Jonathan verdeutscht, und pl\u00f6tzlich kamen etwa zweihundert Leute um zuzuh\u00f6ren. Der Sprecher Richy Hammer war so eine Art Arnold Schwarzenegger, da es kaum ein T-Shirt gab, in das seine Muskelmasse hinein gepasst h\u00e4tte. Es handelte sich um den ehemaligen US-Landesmeister im Diskuswerfen, der eine unglaubliche Lebensbeichte abgab. Anscheinend hatte er nach seiner Sportkarriere Drogen geschmuggelt und war in einer Todeszelle in Thailand gelandet. Am Ende dieser \u00fcberaus spannenden Geschichte meldeten sich zwanzig Menschen, die ihr Leben in Gottes H\u00e4nde \u00fcbergeben wollten. Es war dunkel geworden und die Versammlung l\u00f6ste sich auf. Jonathans letzte Aufgabe bestand darin, den Bodybuilder und Fitnesstrainer Hammer zu seiner Gastfamilie zu fahren. Er lief mit seinem Fahrgast durch die Parkanlagen zum Auto und erz\u00e4hlte ihm, dass sie durch ein gef\u00e4hrliches Gebiet laufen in dem vor kurzem ein Drogenh\u00e4ndler erschossen worden ist. Richy schaute seinem neuen Freund tief in die Augen und sagte, er f\u00fcrchte sich vor seinen fr\u00fcheren Berufskollegen nicht, denn wo die Finsternis gro\u00df ist w\u00fcrden Christen umso besser scheinen. Jonathan bekam wieder ein mulmiges Gef\u00fchl, das sich um ein vielfaches verst\u00e4rkte als Hammer sich nach kurzer Ank\u00fcndigung neben einen bedr\u00fcckt wirkenden Mann auf eine Parkbank setzte und anfing, von der Liebe Gottes zu erz\u00e4hlen. Der deutsche \u00dcbersetzer wurde umso best\u00fcrzter, als im auffiel, dass die finster ausschauende Gestalt die Freiversammlung zuvor laut beschimpft hatte und nun abermals zu fluchen begann. Pl\u00f6tzlich \u00fcberschlugen sich die Ereignisse. Der w\u00fctende Ansprechpartner zog eine Pistole und sagte er w\u00fcrde Richy das Hirn aus dem Kopf blasen, wenn er noch einen Ton \u00fcber Jesus spricht oder er ihn sieht, wie er vor einer Menschenmenge predigt. Richy Hammer fing an auf Englisch zu beten: \u201eKeine Waffe die sich gegen mich erhebt wird Erfolg haben.\u201c Jonathan hatte l\u00e4ngst aufgeh\u00f6rt zu \u00fcbersetzen, denn er hatte noch nie so gro\u00dfe Todes\u00e4ngste. Doch genau das wollte sein k\u00fchner Freund auf Deutsch ausgesprochen haben, n\u00e4mlich dass sie beide keine Angst vor dem Tod haben. Sie w\u00fcrden sofort in den Himmel kommen, und das w\u00e4re genau der Ort, wo der terrorisierende Waffenbesitzer in der Ewigkeit auch hingeh\u00f6rt. Auf einmal fing der Bedroher an bitterlich zu weinen und fragte, ob Gott auch M\u00f6rder bei sich aufnimmt. Die Atmosph\u00e4re hatte sich komplett ge\u00e4ndert. Die drei M\u00e4nner hielten sich an den H\u00e4nden und beteten gemeinsam um Vergebung. Als Jonathan im Bett war bekannte er Gott, dass er zuk\u00fcnftig im Urlaub nicht wieder auf Schachturniere f\u00e4hrt, wenn das Leben als Christ immer so spannend ist. Ein paar Tage sp\u00e4ter beim Fr\u00fchst\u00fccken traute er seinen Augen nicht, als er ein Bild des Bedr\u00e4ngers auf der Parkbank in den Stuttgarter Nachrichten erkannte. Es war der Parkm\u00f6rder, der sich freiwillig bei der Polizei gestellt hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Zeitpunkt der gro\u00dfen Fernsehreportage war gekommen, an dem ber\u00fchmte Sportler von ihrem Glauben erz\u00e4hlen wollten. Die Kongresshalle war \u00fcberf\u00fcllt mit Weltmeisterschaftsteilnehmern und Zuschauern. Jonathan erkl\u00e4rte sich kurzerhand bereit als Ordner mitzuarbeiten. Vor der Veranstaltung gab es ein riesiges Buffet mit den k\u00f6stlichsten Speisen f\u00fcr die Ehreng\u00e4ste und das Sportler f\u00fcr Jesus Team. Jonathan war fasziniert wie viel Ber\u00fchmtheiten sein neuer Freund Richy kannte, den er begleitete. Sie trugen beide ein rotes Trikot mit dem Aufdruck des Sporlermissionswerks und begannen, mit verschieden G\u00e4sten einen Smalltalk zu halten. Er ahnte nicht, dass ausgerechnet der erfolgreichste US-Leichtathlet und die Hauptattraktion des Abends ein enger Freund des Diskus-Champions Richy Hammer war. Viele Bewunderer fragten sich insgeheim welche leckeren Happen der Weltstar mit Namen Carl bei der Er\u00f6ffnung des Buffets nehmen w\u00fcrde. Carl hielt eine Banane in den H\u00e4nden, als er von Richey gefragt wurde, ob er ein gemeinsames Foto mit Jonathan machen d\u00fcrfe. Er stimmte zu und wollte zun\u00e4chst die S\u00fcdfrucht fertig essen. Ausgerechnet in diesem Moment ert\u00f6nte eine Aufforderung \u00fcber die Lautsprecher, dass alle Ordner ihre Positionen einnehmen sollten. Jonathan war hin und her gerissen und fragte sich was er tun sollte. Er entschied sich f\u00fcr den sofortigen Ordnerdienst und wurde ins angrenzende Parkhaus abberufen. Anhand des immer wieder h\u00f6rbaren tosenden Applauses erkannte er, dass die Fernsehsendung zum vollen Erfolg wurde. Ein Trost f\u00fcr ihn war, dass in der elterlichen Wohnung sein Videorekorder alles aufzeichnete.<\/p>\n<p>Jonathan war ein ausgesprochener Hifi-Freak. Anstelle eines Mokicks wie sein Bruder, w\u00fcnschte er sich von seinen Eltern eine Stereoanlage mit turmhohen Lautsprecherboxen zum sechzehnten Geburtstag. Alfred Fischer unterst\u00fctzte ihn als Liebhaber von klassischer Musik, weil er die naturgetreue Musikwiedergabe im gemeinsamen Wohnzimmer selber genoss. Andere Blinde profitierten ebenso von Jonathans Technikleidenschaft, da er ihnen f\u00fcr ein kleines Zubrot ihre Audioger\u00e4te verkabelte und programmierte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Wunsch Jonathans, die Produktion und Ausstrahlung einer Radiosendung im Innern eines Senders mitzuerleben, erf\u00fcllte sich am Morgen nach der Fernseh\u00fcbertragung. Erst einmal wurde Jonathan zum gemeinsamen Fr\u00fchst\u00fcck bei Vera Fischer, der Hausherrin des etwa sechzig Jahre alten Sportlerpastors Samuel Lay, eingeladen. Sie beteten f\u00fcr den Brunch und f\u00fcr den segensreichen Ablauf eines Radiointerviews. Zwei Stunden sp\u00e4ter befand sich Jonathan in einem Studio des S\u00fcdwestrundfunks und bekam seine Fragen zur Rundfunk\u00fcbertragung anschaulich beantwortet. Der Sender wollte ein Interview mit Samuel aufzeichnen. Der Interviewer Elmar war in etwa dem selben Alter wie Samuel und hatte die w\u00e4rmste Stimme, die man sich vorstellen konnte. Man besprach die Fragen und Jonathan \u00fcbersetzte, da sein Englisch besser als das des bekannten Moderators war. Ein weiteres erstaunliches Lebenszeugnis wurde verbreitet. Lay erz\u00e4hlte \u00fcber den Erfolg und die gute Stellung die er im Beruf hatte, als Gottes Reden ihn und seine Frau Anni nach Kenia f\u00fchrte. Er begann dort mit dem Fahrrad Bibeln zu verteilen und predigte zun\u00e4chst ein Jahr lang in einem Zelt vor einer Schar von neun Zuh\u00f6rerinnen. Als er nach zwanzig Jahren mit Frau und sieben Kindern die am Viktoriasee gelegene Nyanza-Provinz wieder in Richtung seiner Heimat verlie\u00df, betreute er als Bischoff hundert Gemeinden. In diesem Moment wurde Jonathan bewusst, dass sich die Pastoren Georg M\u00fcller und Samuel Lay von Afrika her kennen mussten. Das Wachstum des Sportlermissionswerks spielte sich in gleicher Weise ab. Einem kleinen Gebetskreis im Wohnzimmer folgten Einladungen f\u00fcr Sportfeste an Schulen, Auftritte bei Leichtathletik-Meetings von Universit\u00e4ten, Gottesdienste bei US-Meisterschaften und zuletzt regelm\u00e4\u00dfige Fernsehprogramme bei Olympiaden und Weltmeisterschaften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein neuer Tag bei der Leichtathletik WM in Stuttgart brach an mit der Entscheidung im zweihundert Meter Lauf. Jonathan h\u00e4tte das Rennen gerne im Fernsehen angeschaut, jedoch war sein Job an diesem Tag Samuel Lay und Richy Hammer in ein Nobelhotel zu fahren. Anhand ihrer Gespr\u00e4che im Auto erfuhr er, dass sie dort f\u00fcr zwei heimische Sprinter beten wollten, die das Finale erreicht hatten. Samuel hatte einen besonderen Autorisierungspass und besa\u00df dazu eine einzigartige Ausstrahlung, dem selbst das Herbergspersonal nicht widerstehen konnte. So bekam der altert\u00fcmliche Bus einen Parkplatz direkt am Haupteingang des Inter-Continental-Hotels zwischen diversen Untert\u00fcrkheimer Luxuslimousinen. Jonathan nahm in der Hotellobby Platz und begann, in seiner mitgebrachten Bibel die Bergpredigt zu lesen. Die englischsprachigen Landsleute w\u00fcrden keinen \u00dcbersetzer in dem f\u00fcr sie vorbereiteten Tagungsraum ben\u00f6tigen. Nachdem Samuel seine Ankunft \u00fcber die Rezeption angek\u00fcndigt hatte, musterte er das Bibelstudium-Baby, das weit davon entfernt war, einen Master of Theology, wie er abzuschlie\u00dfen. Unverhofft nahm er den jungen Sportfan mit in den illustren Gespr\u00e4chskreis zweier Weltrekordhalter im Sprint. Aufgrund von ungewohnten medizinischen Fachausdr\u00fccken konnte Jonathan nicht alles verstehen. Es ging zun\u00e4chst um die Bitte um Gesundung von Krankheiten der Familienmitglieder. Jonathan wurde peinlich ber\u00fchrt und war total perplex, als der weltber\u00fchmte Leroy ihn fragte, ob er verheiratet sei und ein Anliegen f\u00fcr seine Familie hat. Jonathan h\u00e4tte jeden seiner Sportkameraden f\u00fcr verr\u00fcckt erkl\u00e4rt, wenn sie ihm vor der Leichtathletik WM prophezeit h\u00e4tten, dass amerikanische Olympiasieger nach Stuttgart kommen und in einer freundschaftlichen F\u00fcrbitte um eine wunderbare, zuk\u00fcnftige Frau f\u00fcr ihn beten. Ein liebender, humorvoller Vater im Himmel w\u00fcrde dieses Gebet tats\u00e4chlich noch erh\u00f6ren. Nun wurde das eigentliche Anliegen, n\u00e4mlich der bevorstehende zweihundert Meter Endlauf vor Gott gebracht. Jonathan wunderte sich, dass die mit Medaillen \u00fcberh\u00e4uften Sprinter Leroy und Carl nicht selbsts\u00fcchtig um den Spitzenplatz bettelten, sondern lediglich w\u00fcnschten von Verletzungen verschont zu bleiben. Richy der die ganze Zeit mit dabei war, erinnerte sich an das Angebot ein Foto zu schie\u00dfen. Jonathan kam in die Mitte und wurde von Leroy und dem hundert Meter Weltrekordler Carl f\u00fcr das in \u00dcbergr\u00f6\u00dfe zu entwickelnde Foto umarmt. Die Athleten und Trainer versammelten sich daraufhin in der Hotellobby. Samuel begr\u00fc\u00dfte den hinzugekommenen, aktuellen vierhundert Meter Champion Butch und umarmte ihn herzlich. Der Diplomtheologe fing an Butch ungeniert in der Hotelhalle zu segnen und dieser revanchierte sich auf dieselbe Art. Das Personal beobachtete die zwei Amen Rufenden interessiert und erkundigte sich bei Jonathan welcher Glaubensrichtung der Sportlerpfarrer angeh\u00f6rt. Daraufhin konnte Jonathan ein kurzes Zeugnis f\u00fcr Christus ablegen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Tross bewegte sich im Anschluss daran in Richtung des riesigen, bis auf den letzten Platz gef\u00fcllten Stadions. Jonathan war \u00fcberw\u00e4ltigt als er ohne Eintrittskarte im Pressebereich in der vordersten Reihe Platz nehmen durfte. Er feuerte die lieb gewonnenen Akteure an und beobachtete, wie sie den zweiten und dritten Platz erk\u00e4mpften. Der aus einem anderen englischsprachigen Land stammende Sieger posierte mit seinen ungew\u00f6hnlich gro\u00dfen Bizeps vor der Weltpresse und sprach f\u00fcr alle gut h\u00f6rbar aus, dass sein Gott gr\u00f6\u00dfer ist, als der christliche Gott der Konkurrenten. Jonathan kochte vor Wut und musste von Samuel und Richey korrigiert werden, weil er lauthals ein F\u00e4kalwort schimpfte. Sie erkl\u00e4rten ihm, dass Gott immer in Kontrolle ist und ein Nachfolger von Jesus Christus sich besser benehmen soll. Jonathan staunte nicht schlecht als einige Zeit sp\u00e4ter das l\u00e4sternde Gro\u00dfmaul des Dopings \u00fcberf\u00fchrt wurde und damit seine Karriere beendet war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der letzte Tag der Weltmeisterschaft brach an, ein Sonntag. Jonathan wurde beauftragt, den von der Kinderl\u00e4hmung geheilten Kenianer Rudolph Fixson aus dem Athletendorf abzuholen und in den evangelischen Gottesdienst mitzunehmen. Diesmal musste die \u00dcbersetzung f\u00fcr Fixson simultan von Deutsch auf Englisch bewerkstelligt werden, und Jonathan sollte damit Schwierigkeiten bekommen. Sein viel geliebter Seelsorger M\u00fcller predigte in einem Tempo und mit der Energie einer in Fahrt gekommenen Dampflok, so dass der feurige Fixson des \u00f6fteren Halleluja trompetete und H\u00e4nde klatschend applaudierte. Die anderen Besucher, von denen viele dunkelh\u00e4utige Sportler waren, fingen an, dasselbe zu tun. Die Atmosph\u00e4re des Meetings erhitzte sich zunehmend und glich mehr dem Film \u201eSister Act\u201c als einer heiligen Messe. Am Ende geriet der Gottesdienst ganz au\u00dfer Kontrolle, weil die meisten Besucher wie beschwipst lachen mussten. Sobald das gemeinschaftliche Gel\u00e4chter abflaute, kr\u00fcmmte sich eines der drei anwesenden Pastorenkinder kichernd auf dem Boden und das Ganze ging von vorne los. Jonathan durfte sp\u00e4ter nicht nur die zwei T\u00f6chter Melanie und Jessica sowie den Sohn Joshua von Georg M\u00fcller n\u00e4her kennen lernen, sondern auch die liebevoll das Mittagessen zubereitende Ehefrau Christa. Die zwei Wochen Arbeitseinsatz gingen zu Ende. Noch nie hatte Jonathan so sch\u00f6ne Ferien verbracht. Er genoss es mit den zwei M\u00fcllert\u00f6chtern im h\u00e4uslichen Garten Fu\u00dfball zu spielen, w\u00e4hrend der kleine Sohn wippend auf dem Scho\u00df von Rudolph sa\u00df. Fixson w\u00fcrde schon bald nach Nairobi heim fliegen und von der M\u00fcllerfamilie begleitet werden. Die Familie M\u00fcller besa\u00df noch ein zweites Haus ohne Stromanschluss und flie\u00dfend Wasser, aber mit einzigartigem Blick auf das Naturschauspiel der kenianischen Steppe. Jonathan konnte in seinen Erinnerungen immer wieder von dieser Essenseinladung und von den Ereignissen seines Spezialurlaubs zehren. Er ahnte nicht, dass er dies k\u00fcnftig besonders n\u00f6tig haben w\u00fcrde.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>https:\/\/matthiasruf.files.wordpress.com\/2021\/01\/kapitel-2-die-leichtathletik-wm.mp3 &nbsp; Die Leichtathletik-Weltmeisterschaft &nbsp; Jonathan Fischer plante seinen Sommerurlaub und begab sich in ein im Stuttgarter K\u00f6nigsbau befindliches Reiseb\u00fcro. Er besorgte sich Informationsmaterial \u00fcber Tansania und Kenia, um es zu Hause zu studieren. 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